Wodans Selbstopfer

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Als Wodans Selbstopfer bzw. Odins Selbstopfer wird eine Stelle in der älteren Edda (Lieder-Edda, Havamal 138-141) bezeichnet, die davon handelt, daß Wodan (nordger. Odin) von einem Speer verwundet neun Nächte lang an einem Baum (dem Weltenbaum Yggdrasil) hängt und in die Kenntnis der Runen eingeweiht wird. Der Abschnitt, der mit dieser Textpassage beginnt, trägt den Titel „Runenlied“.

Wortlaut (deutsche Übersetzung)

Ich weiß, daß ich hing
am windigen Baum
neun Nächte lang,
mit dem Ger verwundet,
geweiht dem Odin,
ich selbst mir selbst,
an jenem Baum,
da jedem fremd,
aus welcher Wurzel er wächst.

Sie spendeten mir
nicht Speise noch Trank;
nieder neigt ich mich,
nahm auf die Runen,
nahm sie rufend auf;
nieder dann neigt ich mich.

Neun Hauptlieder
lernt ich vom hehren Bruder
der Bestla, dem Bölthornshohn;
von Ödrörir,
dem edelsten Met,
tat ich einen Trunk.

Zu wachsen begann ich
und wohl zu gedeihn,
weise ward ich da;
Wort mich von Wort
zu Worte führte,
Werk mich von Werk
zu Werk führte.

(Übersetzung nach Felix Genzmer)

Deutung

Die Textpassage kann als Parabel für Schwangerschaft und Geburt, also den Ursprung des Menschen verstanden werden.[1] Hierauf deuten hin:

  • Das Hängen an einem Baum (→ die Plazenta sieht aus wie ein Baum); wobei dieser Baum – an anderer Stelle – als „Wodans Pferd“ (Yggdrasil) bezeichnet wird, und Wodans Pferd wiederum als Sleipnir, also „der Gleitende“ (die Plazenta gleitet aus dem Mutterleib hinaus in die Welt)
  • Die Dauer ist mit der Zahl Neun angegeben (→ neun Schwangerschaftsmonate)
  • Dem Baum kann man nicht ansehen, aus welcher Wurzel er sproß, er scheint wurzellos zu sein (→ die Plazenta löst sich bei der Geburt aus der Verwurzelung im Mutterleib)
  • Wodan neigt sich nieder (→ Absenkung mit dem Kopf voran in das Becken) und fällt anschließend[2] (→ Geburt)
  • Wodan ist verwundet (→ Bauchnabel)
  • Wodan wächst, gedeiht und lernt (→ Entwicklung des Kindes)

Einordnung als Opfer

Manche Autoren haben die Textpassage als ein Opfer Wodans gedeutet.

Die Art des Opfers ist auch durch andere Opfer an Wodan, die Wodansopfer, belegt. Die Ähnlichkeit zum Kreuzigungs-Mythos des Jesus von Nazareth veranlaßte manche Autoren zu der Ansicht, christliche Elemente seien in den Wodans-Mythos eingeflossen. Tatsächlich aber ist die Form des Opfers auch aus Initiationsriten archaischer Kulturen bekannt und hat ausreichend Parallelen in der indischen (Prajapati, Krsna) und in der griechischen Mythologie (Dionysos), um als schamanisches bzw. indogermanisches Motiv identifiziert werden zu können (Anm.: Somit folgerichtigerweise auch der Kreuzigungs-Mythos). Damit kommt als Ursprung von Wodans Selbstopfer eine der schamanistischen Initiation ähnliche Einweihung in die Kenntnis der Dichtung und Magie (beide sind mit der Runenkenntnis verbunden) in Frage.

Literatur

  • Rudolf Simek: Lexikon der germanischen Mythologie (2006), S. 321-322.

Fußnoten

  1. These von Varg Vikernes und Marie Cachet.
  2. In der vorliegenden Übersetzung nicht wiedergegeben, bei Karl Simrock dagegen ja.