Runen

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Die Runen sind die ältesten Schriftzeichen der Germanen, die vorangig zur Ausübung von Magie, selten hingegen zur Verschriftlichung verwendet wurden. Bei der Verschriftlichung kann eine Rune drei verschiedene Bedeutungen haben, nämlich einen Lautwert, einen Begriff oder eine Zahl. Dies macht das Lesen von Runentexten oftmals schwierig und bedarf Übung.[1] Man unterscheidet zwei Arten Runen, ein längeres und ein kürzeres Alphabet; beide heißen nach den Anfangsrunen Futhark. Die Form mancher Zeichen konnte je nach Jahrhundert Veränderungen unterliegen, auch gingen Zeichen verloren oder wurden neu geschaffen. Als Schrift werden Runen heute nicht mehr verwendet; als Zierschrift finden sie vereinzelt noch Verwendung.

Die 24 Zeichen des älteren Futhark

Inhaltsverzeichnis

Wortherkunft

„Der Runenmann“ von Wolfgang vom Schemm

Der Begriff „Rune“ ist nicht deutsch, sondern wurde aus dem Skandinavischen entlehnt. Im Deutschen besteht jedoch das Verb „raunen“ (flüstern, abgeleitet von ahd. rûnên, mhd. rûnen), das auf den selben Ursprung zurückgeht und den magischen Hintergrund der Runen sichtbar macht. Der altnordische runar (Plural) bezeichnet eine geheime Unterredung, rûna im Gotischen das Geheimnis. Im Keltischen besteht mit dem altirischen rûn (Geheimnis) ein weiteres Verwandtschaftsverhältnis. Nach Deutschland kam das Wort „Rune“ im heutigen Sinne erst in der Neuzeit über die Gelehrtenwelt.

Geschichte

Das ältere Runenalphabet besteht aus 24 Buchstaben (f, u, th, a, r, k, g, w, h, n, i, j, eu, p, z, s, t, b, e, m, l, ng, o, d) und war bis zur Mitte des 7. Jahrhunderts in Gebrauch. Das jüngere bestand aus 16 Runen und findet sich nur in Skandinavien bei Inschriften der letzten Jahrhunderte vor Einführung des Christentums. Letzteres wurde später bis 27 Buchstaben erweitert und hat sich bis zum Ausgang des Mittelalters erhalten.

Das ältere Alphabet besaßen alle germanischen Stämme; die Südgermanen, Engländer, Skandinavier. Vom 5.& nbsp;Jahrhundert an wurden die Runen durch das lateinische Alphabet verdrängt, zuerst bei den Südgermanen, dann bei den Engländern, zuletzt bei den nordischen Völkern.

Den einzelnen Zeichen des Futhark hatte man Namen gegeben, die teils aus der germanischen Mythologie, teils aus dem Alltag übernommen waren; so hießen im angelsächsischen Runenalphabet:

  • f: feoh = Vieh, Reichtum
  • o: ós = der Gott
  • t: Tir = der Kriegsgott
  • l: lagu = das Meer

Frage nach der Herkunft

Dem Glauben der Germanen nach waren die Runen nicht irdischer Herkunft, sondern stammten von den Göttern, genauer gesagt von Wodan, der (der skandinavischen Überlieferung nach) neun Tage und Nächte im Weltenbaum hing, um das Runenwissen zu erwerben. Der Gott gab sie schließlich an die Menschen weiter, die göttliche Herkunft der Runen dürfte auch der Grund gewesen sein, daß ihnen magische Kräfte zugesprochen wurden.

In der Wissenschaft ist die Herkunft der Runen umstritten. Auffällig bei diesen ist, daß Ähnlichkeiten zu anderen Schriftsystemen europider Völker vorhanden sind. Daher gibt es (unter Ausklammerung der religiösen Erklärung) zwei Sichtweisen über die Herkunft der Runen: Die eine Sichtweise ist, daß die Runen von den Germanen selbst stammen, die ihr entgegengesetzte, daß die Runen von den Germanen nach Vorbild fremder Schriftzeichen (Phönizier, Etrusker, Griechen, Römer) geschaffen wurden.

Gegen die Annahme, daß es sich um eine Übernahme handelt, spricht jedoch, daß die Runen selten als Schrift, sondern hauptsächlich als magische Zeichen benutzt wurden, etwa zum Deuten der Zukunft. Es ist nicht ersichtlich, weshalb die germanischen Stämme profane Zeichen ihrer Nachbarn übernehmen und religiös aufladen sollten. Die ältere Runenreihe ist zudem in drei jeweils acht Runen umfassende Einheiten gegliedert – eine Eigenheit, die den anderen Schriften fremd ist. Ebenso kennen die Schriften, die angeblich als Vorlage gedient haben sollen, nicht die dreifache Bedeutung eines Runenzeichens. Wahrscheinlicher ist aus diesem Grunde, daß sowohl die Runen als auch die griechische Schrift die gleichen indogermanischen Wurzeln haben, bei den Indogermanen die Funktion als magische Zeichen besaßen. Die Germanen hatten wohl nur später als die Völker das Südens diese Zeichen auch zur Wiedergabe von Lauten verwendet. Dies kann durchaus unter römischen Einfluß geschehen sein.

Der Skandinavist Rudolf Simek geht davon aus, daß die Runen „aus Alphabeten der Mittelmeersprachen, aber auch aus älteren germ. Symbolzeichen, gebildet wurden“.[2]

Griechen-These

Die Griechen-These besagt, daß die Runen auf die griechische Schrift zurückgehen und durch einzelne Stämme, etwa die Goten, im gesamten germanischen Raum verbreitet worden sein sollen. Gestützt wird diese These oftmals durch eine Stelle bei Cäsar, in der dieser festhielt, die Germanen würden die Schrift der Griechen benutzen; auch Tacitus erwähnt griechische Inschriften in Germanien und Rätien. Es handelt sich hierbei womöglich um eine Verwechslung, da bei einem flüchtigen Blick Unkundige Runen für griechische Zeichen halten können.[3] Zwar weisen beide Schriften deutliche Ähnlichkeiten miteinander auf, jedoch läßt sich nicht erklären, weswegen manche Runen kein optisches Gegenstück im Griechischen besitzen. Im Falle einer Übernahme und Bearbeitungen müßte die Ähnlichkeit grundsätzlich höher sein.

Lateinisches Alphabet

Die Römer-These besagt, daß die Runen vom lateinischen Alphabet abgeleitet wurden, somit im Zuge des Kontaktes der Germanen mit den Römern importiert wurde. Hier gilt wie auch bei der Griechen-These, daß spezifische Besonderheiten der Runen den Römern nicht bekannt waren, was die Römer-These angreifbar macht.

Geheimzeichen

Diese Deutung hängt jedenfalls mit Geheimzeichen einer früheren Periode zusammen, die in Stäbchen eingeritzt wurden und zur Prophezeiung dienten, indem eingeweihte Priester aus der Zusammenstellung solcher hingeworfenen Stäbchen weissagten. Hierher stammt auch der Name Runen. Als Lehrer dieser Kunst nennt die Edda Odin, den obersten Gott.

Die erhaltenen Runen der späteren Zeit wurden in der frühesten Periode in Buchenstäbchen eingeritzt und als Briefe oder Mitteilungen versandt. Hieraus entstand das Wort Buchstabe. Nur in Skandinavien wurden sie vor Einführung des lateinischen Alphabets mit Feder und Tinte auf Pergament geschrieben, besonders zu Aufzeichnung der Volksgesetze.

Magische Bedeutung

Runen spielten nicht nur beim Weissagen eine große Rolle. Sie wurden bei vielen Gelegenheiten verwendet, um göttlichen Beistand für bestimmte Vorhaben zu erlangen. Das richtige Ritzen der Runen jedoch war eine Kunst, die nicht viele beherrschten. Falsch angebrachte Runen blieben wirkungslos. Es gab Männer mit großer Erfahrung im Umgang mit Runen, die sich Runenmeister nannten. Sie genossen hohes Ansehen und wurden in schwierigen Fällen zu Rate gezogen. Heute sind uns noch drei alte Runengedichte bekannt, in denen der Sinn der einzelnen Runen erläutert wird.

Älteste Runeninschriften

Inschrift von Gallehuus

Die älteste bekannte Runeninschrift stand auf einem 1734 bei Gallehuus unweit Mögeltondern in Schleswig gefundenen, später aber aus der königlichen Kunstkammer in Kopenhagen gestohlenen und von den Dieben eingeschmolzenen goldenen Horn. Sie stammte wahrscheinlich aus dem 4. Jahrhundert und wurde für das Verständnis der Runenschrift und der ältesten germanischen Sprache sehr fruchtbar.

Norderbraruper Inschrift

Älter vielleicht noch ist eine kleine Inschrift auf einem Schildbuckel aus dem Norderbraruper Moor, wie überhaupt viele Denkmäler in Niederdeutschland und Dänemark gefunden wurden und dem 3. bis 6. Jahrhundert zugeteilt werden.

Runenlehre

Runeninschriften wurden im Norden bereits seit dem 16. Jahrhundert gesammelt. Was darin für Theorie und Geschichte brauchbar war, hat Brynjulfsen in seinem Periculum runologicum (Kopenhagen 1823) zusammengestellt und Liljegren in seiner Runalära (Stockholm 1832) durch Nachträge und durch Berichte über den Inhalt der Inschriften ergänzt.

Streng unterscheidend zwischen den verschiedenen Arten von Runenschriften und auf historischem Wege vorwärtsdringend, gab Wilhelm Grimm der Runenlehre zuerst eine sichere wissenschaftliche Grundlage (Über deutsche Runen, Göttingen 1821; Zur Literatur der Runen, Wien 1828). Seitdem wurde sie auch gefördert durch die Arbeiten des Isländers Finn Magnusen, der Engländer Kemble und Stephens, der Dänen Worsage, Thorsen und L. Wimmer (Runeskriftens Oprindelse og Udvikling i Norden, Kopenhagen 1874), ferner durch einen Aufsatz Munchs in den „Monatsberichten“ der Berliner Akademie (1848) und die Schrift von Liliencron und Mühlenhoff (Halle 1852), der sich zwei Untersuchungen über das gotische Alphabet anschließen, die eine von Kirchhoff (Berlin 1851), die andere von Zacher (1854). Über den Gebrauch der Runen schrieb Olsen die Abhandlung „Runerne i den oldislandske Literatur“ (Kopenhagen 1883).

Um die Kenntnis der in Deutschland gefundenen Runen haben sich besonders bemüht Franz Dietrich durch mehrere Abhandlungen in den Marburger Programmen und in Haupts „Zeitschrift für deutsches Altertum“ (Bd. 13) sowie in Pfeiffers „Germania“ (Bd. 10) und von skandinavischer Seite Bugge, Gislason, Jessen und L. Wimmer.

Während der Zeit des Nationalsozialismus bemühte sich Karl Maria Wiligut um eine entsprechend angepaßte Runenlehre.

Runenreihen

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Rune Name (rekon-
struiert)
Laut-
wert
Rune Name (rekon-
struiert)
Laut-
wert
Rune Name (rekon-
struiert)
Laut-
wert
fehu („Vieh“) f / haglaz („Hagel“) h teiwaz, tīwaz („Himmelsgott, Tyr“) t
ūruz („Ur, Auerochse“) u naudiz („Not“) n berkanan, berk(a)nō („Birkenzweig“), berkō („Birke“) b
þurisaz („Dorn“, „Riese“) þ eisa-, īsan („Eis“) (ei), i ehwaz („Pferd“) e
ansuz („Ase“) a jēran („(gutes) Jahr“) j mann- („Mensch“) m
raidō („Ritt, Wagen“) r ī(h)gwaz („Eibe“) i laguz („Wasser, See“) oder laukaz („Lauch“) l
kaunan (?) („Geschwür“) k perþō? perþrō? pezdō? p (extrem seltener Laut) ingwaz („Gott Ing“) ng
gibō („Gabe“) g algiz (?) („Elch“) -z, -R (Endungs- konsonant) dagaz („Tag“) d
wunjō („Wonne“ ?) w / sōwulō („Sonne“) s ōþalan („Stammgut, Landbesitz“) o

Mythologie

Die ältere Edda berichtet davon, wie die Runen dem Gott Odin in einer Vision erschienen sein sollen:

„Ich weiß, daß ich hing am windigen Baum neun lange Nächte, vom Speer verwundet, dem Odin geweiht, Mir selber ich selbst, am Ast des Baums, dem man nicht ansehn kann, aus welcher Wurzel er sproß. Sie boten mir nicht Brot noch Met; da neigt ich mich nieder auf Runen sinnend, lernte sie seufzend: Endlich fiel ich zur Erde. Bölthorns, des Vaters Bestlas, Und trank einen Trunk des teuern Mets aus Odhrörir geschöpft. Zu gedeihen begann ich und begann zu denken, wuchs und fühlte mich wohl. Wort aus dem Wort verlieh mir das Wort, Werk aus dem Werk verlieh mir das Werk. Runen wirst du finden und Ratstäbe, sehr starke Stäbe, Sehr mächtige Stäbe. Erzredner ersann sie, Götter schufen sie, sie ritzte der hehrste der Herrscher. Odin den Riesen, den Alfen Dain, Dwalin den Zwergen, Alswid aber den Riesen; einige schnitt ich selbst. Weißt du zu ritzen? Weißt du zu erraten? Weißt du zu finden? Weißt zu erforschen? Weißt du zu bitten? Weißt Opfer zu bieten? Weißt du, wie man senden, weißt wie man tilgen soll? Besser nicht gebeten, als zu viel geboten: Die Gabe will stets Vergeltung. Besser nichts gesendet, als zu viel getilgt; So ritzt es Thundr zur Richtschnur den Völkern. Dahin entwich er, von wannen er ausging.“ — Ältere Edda, Simrock-Übersetzung, Des Hohen Lied, Verse 138–145

Hierbei wird beschrieben, daß Odin an Yggdrasil, dem Weltenbaum, hing. Während er neun Tage lang sich selbst opferte, erschienen ihm nach und nach die Runen. Danach berichtet Odin, welche Wirkung dieses Ereignis auf ihn hatte. Am Ende werden allgemeine Ratschläge zu den Runen gegeben.

Tacitus

Der römische Geschichtsschreiber Tacitus schreibt in seinem Werk „Germania“:

„Auf Wahrzeichen und Losen achten sie so sehr als nur irgend ein Volk. Beim Losen halten sie es einfach. Von einem Fruchtbaum hauen sie einen Zweig ab, zerschneiden ihn in Reiser, unterscheiden diese durch gewisse Zeichen voneinander und streuen sie dann über ein weißes Tuch hin ohne Plan und nach bloßem Zufall. Sodann spricht, wenn sich die Befragung auf öffentliche Angelegenheiten bezieht, der Priester der Gemeinde, wenn auf persönliche, der Hausvater selbst ein Gebet zu den Göttern, richtet seinen Blick zum Himmel empor, hebt dreimal je eines auf und gibt dann entsprechend dem vorher darauf eingedrückten Zeichen die Deutung. Ist ihre Antwort abschlägig, findet für diesen Tag keine Befragung über den gleichen Gegenstand mehr statt; ist sie zustimmend, wird noch überdies die Bestätigung der Vorzeichen erfordert. Auch ist es jedenfalls hier bekannt, das Geschrei und den Flug der Vögel zu befragen; [...]“[4]

Die Phönizier benutzten eine Alphabetschrift, die sie von den germanischen Runen abgeleitet haben könnten, da es auffällige Ähnlichkeiten gibt.[5]

Siehe auch

Literatur

Verweise

Fußnoten

  1. Géza von Neményi:''Heilige Runen. Zauberzeichen des Nordens, Ullstein, München 2004, S. 36f.
  2. Rudolf Simek: Lexikon der germanischen Mythologie (Kröners Taschenbuchausgabe, Bd. 368), 3. Auflage, Alfred Kröner Verlag, Stuttgart 2006, S. 353
  3. Vgl. Géza von Neményi: Heilige Runen. Zauberzeichen des Nordens, Ullstein, München 2004, S. 41f.
  4. Gottwein.de
  5. Stammt die germanische Runenschrift aus Phönizien?


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