Elisabeth Christine von Braunschweig-Wolfenbüttel

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Die römisch-deutsche Kaiserin (seit 1711) wurde auch am 18. September 1714 zur Königin von Ungarn und am 18. September 1720 zur Königin Böhmens gekrönt. Als sie 1740 ihren Gemahl verlor, zog sie sich nach Ungarn zurück und hielt dort die Rechte ihrer Tochter Maria Theresia aufrecht.[1]

Elisabeth Christine von Braunschweig-Wolfenbüttel (Lebensrune.png 28. August 1691 in Braunschweig; Todesrune.png 21. Dezember 1750 in Wien) war Prinzessin von Braunschweig-Wolfenbüttel und als Gemahlin des späteren römisch-deutschen Kaisers Karl VI. aus dem Haus Habsburg Erzherzogin von Österreich, Deutsche Königin und (Titular-)Kaiserin des Heiligen Römischen Reichs.

Leben

Portrait der deutschen Kaiserin von David Richter der Ältere

Allgemeine Deutsche Biographie

Elisabeth Christine, Gemahlin Kaiser Karls VI., Prinzessin von Braunschweig-Wolfenbüttel, geb. 28. August 1691, † 1750, war die älteste Tochter des Erbprinzen Ludwig Rudolf von Braunschweig, Sohnes des Herzogs Anton Ulrich, und der Prinzessin Christine Louise von Oettingen. – Nach dem Tode des kinderlosen Königs Karl II. von Spanien glaubte Kaiser Leopold I. ein auf Abstammung und Verträge gegründetes Recht auf die Regierungsnachfolge in Spanien zu haben, während der größte Theil der spanischen Nation sich für den von König Karl II. zu seinem Nachfolger erwählten Enkel des Königs Ludwig XVI. von Frankreich, Philipp von Anjou erklärte. Kaiser Leopold und dessen erstgeborener Sohn, der römische König Joseph, leisteten zu Gunsten des zweiten Sohnes des Kaisers, Erzherzog Karl, geb. 1. October 1685, Verzicht auf die spanische Krone und letzterer wurde am 12. September 1703 zu Wien feierlich zum König von Spanien erklärt. – Der ehrgeizige Herzog Anton Ulrich von Braunschweig-Wolfenbüttel strebte, in der Hoffnung seinem Hause neuen Glanz und größere Macht zu geben, seit dem J. 1703 dahin, seine Enkelin E. Ch. zur Gemahlin des Königs Karl von Spanien zu erheben. Seine diplomatischen Unterhändler, Freiherr Rudolf Christian v. Imhof und der dänische Gesandte in Wien, Johann Christoph v. Urbich, wußten mit Geschick und Erfolg den Kurfürsten von der Pfalz für diesen Plan zu gewinnen und dieser, die einflußreichste Person bei der ganzen Verhandlung, verstand es, die Aufmerksamkeit des kaiserlichen Hofes (die Gemahlin des Kaisers Joseph I., Wilhelmine Amalia, war eine Tochter des katholisch gewordenen Herzogs Johann Friedrich von Hannover und dem braunschweigischen Hause sehr zugethan) auf die jugendliche, liebreizende und gebildete Prinzessin E. Ch. zu lenken. Der Kaiserin Amalia konnte es nur angenehm sein, wenn die künftige Königin von Spanien aus dem ihr naheverwandten Hause gewählt wurde. Es wurde bei der Negociation aber „vor Allem präsupponirt, daß die Prinzeß nach vorhergegangener genugsamer Information den katholischen Glauben annehmen werde“. Herzog Anton Ulrich wußte alle seitens der Eltern, namentlich der Mutter der Prinzessin, so wie dieser selbst entgegenstehenden Bedenken und Hindernisse zu beseitigen und zu überwinden. Durch die synkretistischen Lehren seiner Theologen aus Calixt’s Schule, des Professors der Theologie zu Helmstädt, des Abts Fabricius und des Generalsuperintendenten Behm zu Gandersheim, zu deren Unterstützung noch Molanus, Abt zu Loccum, und Leibnitz hinzugezogen wurden, so wie durch sein großväterliches Ansehen beseitigte Herzog Anton Ulrich alle Gewissensbedenken seiner geist- und gemüthvollen Enkelin. Die unablässigen Vorstellungen brachten diese nach und nach zu der Ansicht, daß sie trotz aller Dogmen und aller Ceremonien, welche sie bekennen und ausüben mußte, doch nach ihrer Deutung und in ihrem Sinne gut evangelisch bleiben könne. So konnte sie nach vorhergegangener Belehrung ohne Gewissensunruhe am 1. Mai 1707 unter großen Feierlichkeiten im Dome zu Bamberg in die Hände des Kurfürsten und Erzbischofs von Mainz, welcher zugleich Bischof von Bamberg war, das Bekenntniß der römischen Kirche öffentlich ablegen. Am 14. Mai 1707 kam E. in Wien an, wo sie durch Liebenswürdigkeit und Bescheidenheit sogleich die Herzen der kaiserlichen Familie gewann und nun die feierliche Bewerbung um ihre Hand für den König von Spanien erfolgte.
Am 23. April 1708 wurde die königliche Braut in der Kirche zu Maria-Hitzing dem Kaiser Joseph I., als Stellvertreter seines Bruders, angetraut und am 25. April trat sie mit einem großen Gefolge ihre Reise nach Spanien an, wohin sie von Genua aus eine Flotte von 142 Segeln unter dem Oberbefehle des englischen Admirals Leake führte. Im Hafen von Mataro stieg sie ans Land und am 1. August hielt sie in Begleitung ihres Gemahls ihren feierlichen Einzug in Barcelona, wo der Erzbischof von Tarragona in der Marienkirche den Ehebund des Königs und der Königin einsegnete. – König Karl fand die Erwartungen, welche er von seiner Gemahlin gehegt hatte, übertroffen. Auch in Spanien gewann die junge Königin bald Zuneigung und Einfluß, aber sie fand sich doch nicht vollkommen glücklich. Die spanische Etikette und das spanische Wesen sagten ihrem deutschen Charakter nicht zu. Dazu kam die Sorge um die politischen Verhältnisse, und die nicht eben günstige Lage des von ihr hochgeschätzten und geliebten Gemahls, die sie oft mit Besorgniß und Trauer erfüllte. Als König Karl nach dem am 17. April 1711 erfolgten Tode seines Bruders, des Kaisers Joseph I., am 27. September 1711 nach Deutschland reiste, blieb die Königin, um den Spaniern ein sichtbares Pfand der Treue zu lassen, in Spanien zurück. Aber die Lage wurde dort immer ungünstiger, so daß König Karl, von seinen Bundesgenossen verlassen, den Entschluß faßte, Catalonien und damit Spanien aufzugeben. Am 19. März 1713 verließ die Königin Spanien und kam am 28. März glücklich vor Genua an. In Linz empfing ihr Gemahl, als der letzte männliche Sprosse der Habsburger nach seines Bruders Joseph Tode als Karl VI. zum römischen Kaiser erwählt, seine Gemahlin und am 11. Juli zog sie unter dem Jubel des Volks in Wien ein. Tags darauf wurde wegen der glücklichen Rückkehr der Kaiserin ein öffentliches Dankfest gehalten. – In Wien erblühte dieser ein schönes häusliches Glück; zwar mußte sie den Schmerz erdulden, daß ihr erstgebornes Kind, ein Sohn, nach dem Großvater Leopold genannt, nach kurzem Dasein wieder von der Erde schied (geb. den 13. April, † 4. November 1716). Aber am 13. Mai 1717 wurde dem kaiserlichen Paare eine Tochter geboren, welche würdig war, einen Thron zu besteigen und demselben zur hohen Zierde zu gereichen und welche bestimmt war, das kaiserliche Geschlecht der Habsburger in weiblicher Linie fortzupflanzen und durch weitverzweigte Glieder zu erneuern. Diese Tochter war Maria Theresia. Die Kaiserin E. Ch. folgte am 21. December 1750 ihrem am 20. October 1740 verstorbenen Gemahl im Tode nach. „Ihr Geist hatte über der Jugend der Tochter gewacht, der Geist der Mutter lebte fort in der Tochter.“ Anton Ulrich und Elisabeth Christine von Braunschweig-Lüneburg-Wolfenbüttel von Wilh. Hoeck. Wolfenbüttel 1845.[2]

Familie

Prinzessin Elisabeth Christine wurde am 28. August 1691 als erstes Kind und älteste Tochter von Ludwig Rudolf, Herzog von Braunschweig-Wolfenbüttel und erster Fürst von Blankenburg (1671–1735), und seiner Frau Christine Luise von Oettingen-Oettingen (1671–1747) in Braunschweig geboren. Am 23. April 1708 fand ihre Ferntrauung in der nächst dem Schloß Schönbrunn gelegenen Pfarrkirche Maria Hietzing mit Karl Franz Joseph Wenzel Balthasar Johann Anton Ignaz, dem späteren Erzherzog von Österreich statt. Aus der Ehe sind vier Kinder entsprossen:

Fußnoten

  1. BLKÖ:Habsburg, Elisabeth Christine von Braunschweig
  2. Ferdinand Spehr: Elisabeth Christine, Prinzessin von Braunschweig-Wolfenbüttel, in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 6 (1877), S. 11–12