Adler, Friedrich (Politiker)

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Friedrich Adler

Friedrich Adler (geboren 9. Juli 1879 in Wien; gestorben 2. Jänner 1960 in Zürich) war ein jüdischer Mordattentäter sowie Politiker in der österreichischen Sozialdemokratischen Arbeiterpartei (SDAP).

Werdegang

Friedrich Wolfgang Adler wurde am 9. Juli 1879 in Wien als Sohn des jüdischen Arztes Victor Adler geboren, der kurz nach dem Zusammenbruch der Monarchie als Gründer, Einiger u. unbestrittener Führer der österreichischen Sozialdemokratie (SDAP) galt.[1] Nach dem Besuch einer Oberrealschule in Wien studierte Friedrich Adler 1897-1903 in Zürich Physik, Chemie und Mathematik. Er promovierte 1902 dort zum Dr. phil. 1907-1911 war er dann als Privatdozent für Physik an der Universität Zürich tätig.

Wirken

1897 wird Adler Mitglied im Verband der österreichischen Sozialdemokratie in der Schweiz. Ab 1898 war er Mitarbeiter der sozialistischen Zeitung „Volksrecht“ in Zürich. 1901 übernimmt er die Leitung des Verbands der Internationalen Arbeitervereine in der Schweiz. Von 1903 bis 1905 verübte Adler Wissenschaftliche Tätigkeit an der Universität Zürich und von 1905 bis 1907 war er Wissenschaftlicher Mitarbeiter am „Deutschen Museum München“. Danach von 1907 bis 1911 Privatdozent für Physik an der Universität Zürich. 1910 wurde er Chefredakteur der sozialdemokratischen Zeitung „Volksrecht“.

1911 wird Adler als Parteisekretär der österreichischen Sozialdemokratischen Partei nach Wien berufen.[2] Seinen wissenschaftlichen Beruf gibt er auf. Als Wortführer des linken Flügels der österreichischen Sozialdemokratie kämpft Adler 1914 nach Beginn des Ersten Weltkriegs gegen die Kriegskredite und legt aus Protest sein Amt als Parteisekretär nieder. Als Redakteur 1911-1934 der Zeitschrift „Der Kampf“ agitiert er gegen den Krieg. Adler stellte sich auf den Standpunkt der USP (Unabhängige Soz. Partei) und der Zimmerwalder Konferenz, im stark betonten Gegensatz zu Pernerstorfer, Renner und seinem Vater.[3]

Mordattentat auf Karl Reichsgraf von Stürgkh

Am 21. Oktober 1916 erschoß er als Parteisekretär den österreichischen Ministerpräsidenten Karl Reichsgraf von Stürgkh (1859-1916), „um gegen Krieg und Ausnahmezustand zu protestieren“. Für dieses Attentat wird er zunächst zum Tod verurteilt, dann zu 18 Jahren Kerkerhaft begnadigt. Nach dem Zusammenbruch der k. u. k. Monarchie kam er frei. Nach Ausbruch der österreichischen Revolution wird Adler im November 1918 amnestiert. Er nimmt seine Tätigkeit als Parteisekretär und als Redakteur der Zeitschrift „Kampf“ wieder auf.

Revolution 1918 und 1919

Während der Revolution 1918 und 1919 wird Adler Führer der Arbeiterräte und von 1919 bis 1924 wirkte er als Vorsitzender des „Reichsvollzugsausschusses der Arbeiterräte“. Er wendet sich aber gegen die Errichtung einer österreichischen Räterepublik und war wesentlich an der Bekämpfung kommunistischer Putschversuche beteiligt. Das Angebot, die Führung der Kommunistischen Partei Österreichs (KPÖ) zu übernehmen, schlug er aus. Von 1920 bis 1923 ist er Mitglied (SPÖ-Führer) des österreichischen Nationalrats für die Sozialdemokratische Partei. Von 1923 bis 1940 ist Adler als Generalsekretär der Sozialistischen Arbeiterinternationale (Sozialistischen II. Internationale) tätig und sorgte für eine deutliche Distanzierung vom Bolschewismus. 1925 wird er Generalsekretär der Sozialistischen Internationale mit Sitz in Zürich. Zur Dollfuß-Zeit in Österreich lebte er hauptsächlich in Brüssel. 1935 wird Adler wiederum Generalsekretär der neu errichteten Sozialistischen Internationale in Brüssel. Angebote der Kommunistischen Internationale (Komintern), eine Einheitsfront zu bilden, lehnt er ab.

Friedrich Adler

Tätigkeit gegen Deutschland

Aufgrund des Zerfalls der Sozialistischen Internationale nach Beginn des Zweiten Weltkriegs tritt Adler im Februar 1940, von seinem Amt als Generalsekretär zurück. Von Belgien aus ging er in die Vereinigten Staaten von Amerika. Dort wurde er Opponent der geplanten Aufstellung eines »Österreichbataillons«, das gegen Deutschland kämpfen sollte. Er hatte die Vorstellung von einem »sozialistischen Großdeutschland«. Von 1940 bis 1946 befand sich Adler in der US-Emigration. Er leitet das „Labor Aid Project“ für in Europa politisch Verfolgte und das „Austrian Labor Committee“.

Auch in der Emigration kämpfte er radikal gegen alle Genossen, die Österreich von Deutschland absprengen wollten. Von 1938 bis 1945 prägte er die politische Ausrichtung der Exilorganisation der österreichischen Sozialisten (AVOES) entscheidend. Seine deutschnationale Einstellung machte ihn nach 1945 zur politischen Unperson. Als sich die SPÖ 1945 auf Österreichs Eigenstaatlichkeit festgelegt hatte, stellte Adler seine politischen Aktivitäten zornig ein. Der Sohn des nicht minder großdeutsch gesinnten Sozialistenführers Victor Adler war als Repräsentant des linken Flügels der Sozialisten in Erscheinung getreten.

Nach Kriegsende 1946 übersiedelt er nach Zürich und zog sich aus der Politik zurück. 1954 veröffentlichte er den von ihm edierten Briefwechsel seines Vaters Victor Adler mit August Bebel und Karl Kautsky.

Am 2. Januar 1960 starb Friedrich Adler in Zürich.

Zitate

Friedrich Adler 1946:

 »Wenn die ebenso reaktionäre wie widerliche Utopie einer österreichischen Nation Wahrheit würde und ich gezwungen wäre, zwischen ihr und der deutschen zu wählen, würde ich mich für jene entscheiden, in der Goethes ‚Faust', Freiligraths revolutionäre Gedichte und die Schriften von Marx, Engels und Lassalle nicht zur ausländischen Literatur gehören.« — Mit diesem Wort brachte der österreichische Sozialistenführer Friedrich Adler seine zeitlebens bewahrte großdeutsche Gesinnung zum Ausdruck.[1]

Werke

  • Ortszeit, Systemzeit, Zonenzeit und das ausgezeichnete Bezugssystem der Elektrodynamik. Eine Untersuchung über die Lorentzsche und die Einsteinsche Kinematik. (Wien, Wiener Volksbuchhandlung, 1920)
  • Ernst Machs Ueberwindung des mechanischen Materialismus. (Wien, Brand 1918)
  • Vor dem Ausnahmegericht; Stellungnahme bei Kriegsausbruch. Das Manifest von 3. Dezember 1915, Die Hauptverhandlung vor dem Ausnahmegericht am 18. und 19. Mai 1917, Das Verhörprotokoll der Voruntersuchung 22. Oktober bis 7. November 1916 (Wien 1917)
  • Die Erneuerung der Internationale. Aufsätze aus der Kriegszeit (Wien 1918)
  • Falls der Krieg dennoch ausbrechen sollte… (Wien, Verlag der Wiener Volksbuchhandlung 1929)
  • Briefwechsel Victor Adler. Briefwechsel mit August Bebel und Karl Kautsky (Volksbuchhandlung Wien 1954)
  • Der Kampf. Sozialdemokratische Monatszeitschrift. Jahrgänge 1924–1934
  • Grosse Gestalten des Sozialismus, 2 Bände (Volksbuchhandlungen Wien 1947)
  • Friedrich Adler, Albert Einstein: Physik und Revolution. Briefe – Dokumente – Stellungnahmen (Löcker 2006)
  • Der Bericht der britischen Gewerkschaftsdelegation über Rußland. Kritisch untersucht. Mit einem Anhang: Aufrichtige und unaufrichtige Einheitsfront. (Prag Parteivorstand der Deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei in der Tschechoslowakischen Republik – 1925)
  • Das Stalinsche Experiment und der Sozialismus. (Wien 1932)
  • The witchcraft trial in Moscow. (New York 1937)
  • Le Procès de Moscou et l'Internationale Ouvrière Socialiste. (Paris 1932)
  • La guerra e la crisi della socialdemocrazia. Introduzione di Enzo Collotti. (Rom 1972)

Literatur

Fußnoten

  1. 1,0 1,1 David Korn: Wer ist wer im Judentum? FZ-Verlag. ISBN 3-924309-63-9
  2. Von 1911-1925 war er weiter Sekretär der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei Österreichs in Wien.
  3. Internationales Biographisches Archiv 10/1960