Geheimes Deutschland

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Der Begriff „Geheimes Deutschland“ war ein Schlagwort des George-Kreises für eine geistige Neuordnung Deutschlands, inspiriert aus „einer geschichtlichen Linie großer Gestalten, die den deutschen Geist, das eigentliche Deutschland repräsentierten“.[1]

Begriffsdeutung

Die Idee des Geheimen Deutschlands war „nicht stur national oder gar rassistisch orientiert“[2]. Trotz allem Respekt vor den Kulturleistungen anderer Länder sah man in der deutschen Kultur ein besonderes geistiges Potential angelegt, das in der Geschichte immer wieder zerstreut worden sei und sich im Gegensatz zu Frankreich oder Italien nie zu einem wirklichen Kräftestrom hat bündeln können. Der jüdische Dichter und George-Anhänger Karl Wolfskehl, der das Motto 1910 prägte, sah dies nun an der Zeit: Das "Geheime Deutschland" - so Wolfskehl - rege sich „unter dem wüsten oberflächenschorf noch halb im traume“ und wolle „aus seiner berg- und höhlenentrückung herauf ... ans licht“[3]. "Geheimes Deutschland" war auch der Titel eines Gedichtes von Stefan George. In diesem beschwört George ein Weltbild aus älterer Zeit und stellt es gegen eine Zeit, in der sich der Materialismus mit imperialistischem Gebaren schon bis in fernste Weltgegenden ausgebreitet habe. Zugleich schwelgt George darin nicht nur in weltentrückter Träumerei, sondern fordert die Verbindung der Ideale mit gegenwärtiger Realität. Ein großes Vorbild in diesem Pantheon deutsch-europäischen Geistes war auch der Stauferkaiser Friedrich II. „Seinen Kaisern und Helden - das Geheime Deutschland“ war die Beischrift auf einem Kranz, den Mitglieder des Kreises um George 1924 am Grab des Kaisers in Palermo niederlegten. [4]

Der spätere Hitler-Attentäter, Stauffenberg, war wie auch sein Bruder durch die Begegnungen mit George stark geprägt worden. Zeugenaussagen zufolge lautete der letzte Ausruf Stauffenbergs vor seinem Ableben „Es lebe das geheime Deutschland“ statt wie überliefert „Es lebe das heilige Deutschland“. Der Begriff „Geheimes Deutschland“ enthält darum auch die Konnotation: das bessere Deutschland. Marion Gräfin Dönhoff schrieb 1946 über den Geist des geheimen Deutschlands wahrheitswidrig auf Grund der Lügen und der begonnenen Umerziehung der alliierten Siegermächte: „Das deutsche Volk hat in den zwölf Jahren der Hitler-Regierung alle Werte eingebüßt, die in Generationen geschaffen worden waren, es ist nicht nur um seine Zukunft betrogen worden, sondern auch um das Bewußtsein seiner Vergangenheit, um seine Erinnerungen - jene Urkräfte, aus denen alles neue Leben Gestalt gewinnt […] Und doch hat es daneben noch etwas anderes gegeben, das viele von uns nicht kennen, weil Hitler dafür gesorgt hat, dass die Erkenntnis von diesem Besitz nicht in das Bewußtsein des Volkes einging. Das ist der Geist des 'geheimen Deutschlands' [...] die Absage an den Materialismus und die Überwindung des Nihilismus als Lebensform.“

Tatsächlich war eben der Nationalsozialismus genau das, was die Dönhoff beklagte, nämlich „die Absage an den Materialismus und die Überwindung des Nihilismus als Lebensform“.

Stefan George: Geheimes Deutschland

Die ersten und die letzten Zeilen aus dem Gedicht Geheimes Deutschland von Stefan George deuten an, in welcher geistigen Sphäre sich der Meister und seine Anhänger in Erwartung des Kommenden bewegten:[5].

„Reiß mich an deinen rand
Abgrund – doch wirre mich nicht!“
„Nur was im schützenden schlaf
Wo noch kein taster es spürt
Lang in tiefinnerstem schacht
Weihlicher erde noch ruht –
Wunder undeutbar für heut
Geschick wird des kommenden tages.“

Siehe auch

Literatur

  • Manfred Riedel, Geheimes Deutschland. Stefan George und die Brüder Stauffenberg, Köln 2006
  • Micha Brumlik, Die Ikonisierung Stauffenbergs. Stefan George, Karl Wolfskehl und das „Geheime Deutschland“, in: Blätter für deutsche und internationale Politik, Oktober 2007, Seite 1209 bis 1220 im Weltznetz abrufbar
  • Ulrich Raulff, Lutz Näfelt, Dietmar Jaegle (Hg.): Das geheime Deutschland: eine Ausgrabung. Köpfe aus dem George-Kreis, Marbach am Neckar: Deutsche Schillergesellschaft, 2008. ISBN 978-3-937384-37-5
  • Ulrich Raulff: Kreis ohne Meister: Das Nachleben Stefan Georges. Eine abgründige Geschichte, München: C. H. Beck, 2009. ISBN 978-3-406-59225-6

Fußnoten

  1. Das "Geheime Deutschland" Der Einfluss des Dichters Stefan George auf Stauffenberg, 3sat
  2. Rüdiger Sünner: "GEHEIMES DEUTSCHLAND" - Die geistigen Wurzeln des Hitler-Attentäters Claus von Stauffenberg
  3. Karl Wolfskehl: Die Blätter für die Kunst, in: Jahrbuch für die geistige Bewegung, Berlin 1910, S. 15
  4. Konrad Adam, "Der fürst des geziefers verbreitet sein reich" , Welt-online, 20. Juli 2004, [1]
  5. Stefan George: Das Neue Reich. Gesamt-Ausgabe der Werke, Band 9, Berlin 1928, S. 59-67