Klemperer, Victor

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Victor Klemperer (Lebensrune.png 9. Oktober 1881 in Landsberg an der Warthe; Todesrune.png 11. Februar 1960 in Dresden) war ein jüdischer Schriftsteller, Philosoph und Professor. Bekannt wurde Klemperer durch seine Bücher „LTI – Notizbuch eines Philologen (Lingua Tertii Imperii: Sprache des Dritten Reiches)“ und seinen ab 1995 posthum veröffentlichten Tagebüchern „Ich will Zeugnis ablegen bis zum letzten (1933-1945)“.

Leben

Victor Klemperer wurde am 9. Oktober 1881 in Landsberg an der Warthe als Sohn eines Rabbiners geboren. Klemperer lebte in seiner Kindheit in Bromberg und Berlin. Er studierte Philosophie und romanische und germanische Philologie in München, Genf, Paris und Berlin. 1906 heiratete Klemperer die deutsche Pianistin Eva Schlemmer. 1920 bis 1935 war Klemperer als Professor an der Technischen Hochschule Dresden tätig.

Aufgrund des Reichsbürgergesetzes war es ihm verboten, weiterhin als Professor zu arbeiten. In der Zeit schrieb er weiterhin Tagebücher und verfaßte ein Buch namens LTI – Notizbuch eines Philologen (Lingua Tertii Imperii: Sprache des Dritten Reiches), welches er 1947 veröffentlichte. 1945 bis 1947 arbeitete er erneut als Professor in Greifswald, Halle und Berlin. 1951 verstarb seine Ehefrau als „arisch“ eingestufte Eva Klemperer. Im Jahre 1952 heiratete er dann Hadwig Kirchner. Victor Klemperer starb im Jahr 1960 in Dresden.

Zitat

„Ich habe in meinem Leben schon viele Paraden gesehen, in der Wirklichkeit und im Film; ich weiß, was es mit dem preußischen Paradeschritt auf sich hat – wenn wir auf dem Oberwiesenfeld in München gedrillt wurden, hieß es: So gut wie in Berlin müßt ihn hier mindestens machen! Aber nie zuvor, und was mehr sagt, auch niemals hinterher, trotz aller Paraden vor dem Führer und aller Nürnberger Vorbeimärsche, habe ich etwas Ähnliches gesehen wie an diesem Abend. Die Leute warfen die Beine, daß die Stiefelspitzen über die Nasenspitzen hinauszuschwingen schienen, und es war wie einziger Schwung, wie ein einziges Bein, und es war in der Haltung all dieser Körper, nein: dieses einen Körpers eine so krampfhafter Anspannung, daß die Bewegung zu erstarren schien, wie die Gesichter schon erstarrt waren, daß die ganze Truppe ebensosehr den Eindruck der Leblosigkeit wie der äußersten Belebtheit machte.“ — Victor Klemperer zu einer Parade am 1. Juni 1932 nach dem Antritt der Regierung Papen, als die Marinewache für das Präsidentenpalais durch das Brandenburger Tor anläßlich dem „Tag der Skagerrakschlacht“ zog.

Schriften

Veröffentlichungen zu Lebzeiten

  • Die moderne französische Prosa 1870–1920, Berlin 1923
  • Die französische Literatur von Napoleon bis zur Gegenwart, 4 Bde., Berlin 1925–31 (Neuausgabe 1956 unter dem Titel Geschichte der französischen Literatur im 19. und 20. Jahrhundert)
  • LTI – Notizbuch eines Philologen, Berlin, 1947 (Ausgabe beim Reclam Verlag Leipzig, ISBN 3-379-00125-2)
  • Geschichte der französischen Literatur im 18. Jahrhundert, Bd. 1: Berlin, 1954, Bd. 2: Halle 1966

Posthume Veröffentlichung

  • Geschichte der französischen Literatur im 18. Jahrhundert. Band II: Das Jahrhundert Rousseaus, Halle 1966
  • Curriculum Vitae: Erinnerungen 1881–1918 (Band I–II). Berlin 1996, ISBN 3-746-65500-5
  • Leben sammeln, nicht fragen wozu und warum – Tagebücher 1919–1932. Berlin 1996, ISBN 3-351-02391-X
  • „Ich will Zeugnis ablegen bis zum letzten.“ Tagebücher 1933–1945 (Band I–VIII). Berlin 1995, ISBN 3-7466-5514-5
  • Und so ist alles schwankend – Tagebücher Juni–Dezember 1945. Berlin 1996, ISBN 3-7466-5515-3
  • So sitze ich denn zwischen allen Stühlen. Tagebücher 1945–1959 (Band I–II). Berlin 1999, ISBN 3-351-02393-6
  • Das Tagebuch 1933–1945. Eine Auswahl für junge Leser. 2. Auflage, Berlin 1997.
  • Victor Klemperer: Die Tagebücher 1933–1945. Kritische Gesamtausgabe. CD-ROM. Berlin 2007. *„Ich will Zeugnis ablegen bis zum letzten.“ Tagebücher 1933–1945. Eine Auswahl. Berlin 2007. (SpiegelEdition23) ISBN 978-3-87763-023-5

Auszeichnungen und Ehrungen der BRD und DDR (Auszug)

  • 1951 Ehrenpromotion Dr. paed. h. c. durch die Technische Hochschule Dresden anlässlich des 70. Geburtstages
  • 1952 Nationalpreis der DDR III. Klasse für Kunst und Literatur
  • 1956 Vaterländischer Verdienstorden in Silber
  • 1960 F.-C.-Weiskopf Preis der Akademie der Künste zu Berlin (postum)
  • 1995 Geschwister-Scholl-Preis der Stadt München (postum), mit Laudatio von Martin Walser
  • Am 4. Dezember 1996 wurde das Volkshochschulkolleg in Berlin-Marzahn in Anwesenheit von Klemperers Witwe in Victor-Klemperer-Kolleg umbenannt.
  • 2000 Der Victor-Klemperer-Wettbewerb, ein Jugendwettbewerb für sogenannte Demokratie und Toleranz des „Bündnisses für Demokratie und Toleranz“ wird nach ihm benannt, an dem sich auch Musikgruppen wie Silbermond oder Rosenstolz beteiligten.