Beese, Amelie Hedwig

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Melli Beese

Amelie „Melli“ Hedwig Boutard-Beese (Lebensrune.png 13. September 1886 in Laubegast bei Dresden; Todesrune.png 21. Dezember 1925 in Berlin-Schmargendorf) war eine deutsche Bildhauerin, Hochseeseglerin, Flugzeugführerin, Unternehmerin und Fluglehrerin. Boutard-Beese ging in die Geschichte ein als die erste Frau, die – am 13. September 1911 – in Deutschland die Prüfung zum Erwerb eines Deutschen Flugscheines nach knapp zweieinhalb Jahren Fliegerschule auf dem Flugplatz Johannisthal ablegte. Sie gehörte somit zu der exklusiven Liste der „Alten Adler“.

Leben

Flugschülerin Melli hinter Fluglehrer Hellmuth Hirth
Melli Beese (Buch).jpg
„Amelie Hedwig Beese kam am 13. September 1886 als einzige Tochter eines Architekten in Laubegast bei Dresden zur Welt. Von ihren wohlhabenden Eltern wurde sie auf vielen Gebieten gefördert. Von 1906 bis 1909 studierte Melli an der ‚Königlichen Akademie der freien Künste‘ in Stockholm Bildhauerei. In Schweden begeisterte sich Melli für das Hochseesegeln. Sie war aber auch fasziniert von den Berichten und technischen Fortschritten in der so genannten „Aviatik“ (Flugkunst). [...] Im November 1910 kehrte Melli Beese nach Deutschland zurück und hörte am ‚Technikum Dresden‘ (heute ‚Technische Universität‘) externe Lesungen in Mathematik, Schiffbau und Flugmechanik. Noch 1910 suchte Melli Beese auf dem Flugplatz Johannisthal bei Berlin einen Fluglehrer. Zunächst versuchte sie bei den Albatros-Flugzeugwerken ihr Glück. Dort wurde sie wegen mangelnder Erfahrung mit weiblichen Schülern abgelehnt und zur ‚Flugmaschine Wright GmbH‘ weitergeschickt, wo bereits die Ballonfahrerin Käthe Paulus (1868-1935) Flugstunden genommen hatte. Aber Paul Engelhardt (1868-1911) weigerte sich, noch einmal eine Frau zu unterrichten und empfahl Melli, sich an die ‚Ad Astra Fluggesellschaft‘ in der Schweiz zu wenden. Zur großen Freude von Melli nahm deren Fluglehrer Robert Thelen (1884-1968) sie als Schülerin an. Damals mussten Flugschüler manchmal wochenlang in den Hallen eines Flugplatzes warten, bis sich endlich eine Gelegenheit für einen Start bot. Denn man wagte nur dann einen Flug, wenn ein entfaltetes, in die Luft gehaltenes Taschentuch sich nicht bewegte. [...] Bei Mellis zweiter Flugstunde am 12. Dezember 1910 setzte der Motor des Wright-Doppeldeckers wenige Augenblicke nach dem Start aus. Die Maschine stürzte mit Fluglehrer und -schülerin aus rund 20 Metern Höhe zu Boden. Thelen blieb unverletzt, aber Melli erlitt einen komplizierten Knöchelbruch. Wegen ihrer starken Schmerzen behandelte man sie mit Morphin, was eine lebenslange Sucht auslöste. Wenige Tage nach diesem Unfall erlag der Vater von Melli einem Herzinfarkt. Mitte Januar 1911 kehrte Melli Beese - immer noch mit Krücken gehend - auf den Flugplatz Johannisthal zurück [...] Im Mai 1911 unterschrieb sie einen neuen Schulungsvertrag bei den Rumpler-Werken. Deren Fluglehrer Hellmuth Hirth (1886-1938) war von der Idee nicht begeistert, einer Frau das Fliegen beibringen zu müssen. [...] Ohne ausreichende Flugerfahrung meldete sich Melli zur Prüfung an, bei der sie das Flugzeugführerzeugnis des ‚Vereins des Deutschen Luftfahrtverbandes‘ (DLV) erwerben wollte. Diese Lizenz benötigte sie, um an Wettflügen teilnehmen zu können. Für den Erwerb dieser Lizenz musste sie 3.000 Mark zahlen und eine Versicherung abschließen, die das Risiko einer Bruchlandung absichern sollte. [...] Melli nutzte bei den Johannisthaler Herbstflugwochen ihre Chance. Die unerfahrene Fliegerin erreichte unter 24 Teilnehmern mit ihrer ‚Rumpler-Taube‘ den fünften Platz. [...] Bei den Johannisthaler Herbstflugwochen stellte Melli mit zwei Stunden neun Minuten einen neuen Dauer-Weltrekord für Frauen auf. Im Jahr darauf gelang ihr beim Flug mit einem Passagier bei den Flugwochen mit 825 Metern ein neuer Höhen-Weltrekord für Frauen, der alte hatte bei 400 Metern gelegen.“[1]

Flugschule Melli Beese GmbH

Im Jahr 1912 gründete Beese, finanziell unterstützt von dem Fabrikanten Karl August Lingner, gemeinsam mit Charles Boutard und Hermann Reichelt die „Flugschule Melli Beese GmbH“. Reichelt brachte einen seiner selbst gebauten Eindecker mit, Boutard stellte einen ebenfalls selbst konstruierten Eindecker zur Verfügung. Beese benutzte ihre alte Rumpler „Taube“ als Schulflugzeug. Bei der viel beachteten Gründung ihrer Flugschule kritisierte Beese das bisherige Ausbildungssystem scharf:

„Auf mannigfache Anregung hin habe ich mich entschlossen, auf dem Flugplatz Johannisthal eine eigene Flugschule zu errichten. Ich bin dabei von der Erwägung ausgegangen, daß es an der Zeit ist, den in vielen Beziehungen ungeregelten Zuständen in manchen Flugschulen dadurch ein Ende zu machen, daß ein wirklich ordnungsgemäßes und straff geordnetes Institut die Ausbildung zum Flieger nach festgesetzten Grundsätzen übernimmt. Vor allem soll der Unterricht schnell erfolgen, und zwar auf Wunsch auf Maschinen verschiedener Gattung […]. Da ich einerseits unter allen Umständen nur eine beschränkte Anzahl von Schülern annehmen will und mir andererseits drei Maschinen und drei Fluglehrer zur Verfügung stehen, so wird der fast überall eingerissene Übelstand entfallen, daß die Schüler Wochen und Monate auf dem Flugplatz verweilen, ohne überhaupt zum Fliegen zu kommen.“

Neben der Flugschule machten sich Beese und ihre Teilhaber daran, die Rumpler „Taube“ nachzubauen. Bald schon konnten sie die „Melli-Beese-Taube” aus eigener Produktion zu einem günstigen Preis von 12.000 Mark anbieten. Darüber hinaus plante sie die Konstruktion eines Flugbootes. Für vier Konstruktionen erwarb sie Patente.

Erster Weltkrieg

Als der Erste Weltkrieg sich abzuzeichnen begann, erhielten vor allem die großen Flugzeugwerke staatliche Förderung. Beese und Boutard setzten all ihre Hoffnungen auf ihr Flugboot, das sie für eine im August 1914 in Warnemünde stattfindende Veranstaltung anmeldeten. Das fertige Flugzeug lag bereits an der Warnow, als am 1. August 1914 der Krieg ausbrach und Melli Beese und ihr Mann als feindliche Ausländer verhaftet wurden. Ihre Firma wurde konfisziert[2] und das Fliegende Boot von den Behörden zerstört.

Nachkriegszeit

Nach Kriegsende kehrten Melli Beese und Charles Boutard nach Berlin zurück. 1919 verklagte Beese das unter dem Versailler Vertrag stehende Zweite Deutsche Reich wegen der Konfiszierung ihres Unternehmens während des Ersten Weltkrieges. Sie gewann erwartungsgemäß den Prozeß und erhielt eine Entschädigungszahlung, die sie in einen anschließend bankrotten Autohersteller investierte. Das Geld, das sie ausgezahlt bekam, hatte seinen Wert durch die Inflation verloren. Schon während des Prozesses waren Schulden und Anwaltskosten entstanden.

Sie arbeitete an einem großen Vorhaben: einem verfilmten Flug rund um die Welt. Aber ihre Visionen scheiterten an der fehlenden Finanzierung. 1925 mußte „Melli“ Boutard-Beese, die während des Ersten Weltkrieges schwer an Tuberkulose erkrankt war, die Lizenz ihres Flugscheines erneuern, machte dabei aber eine Bruchlandung, die sie allerdings unverletzt überstand. Zu dieser Zeit lebte sie getrennt von ihrem Ehemann in einer Pension.

Tod

Am 21. Dezember 1925 erschoß sie sich, nachdem sie die Worte „Fliegen ist notwendig. Leben nicht.“ auf einen Zettel geschrieben hatte – eine Paraphrase des alten Seefahrerspruches „Seefahrt tut not, Leben tut nicht not“. Amelie „Melli“ Hedwig Boutard-Beese wurde auf dem Friedhof Berlin-Schmargendorf beigesetzt. Die Ehrengrabstätte befindet sich in der Abt. L2–73.

Würdigung

Angrenzend an das alte Flugplatzgelände von Berlin-Johannisthal wurde eine Straße nach ihr benannt, in Fürth, Frankfurt, Dresden, Sindelfingen und Köln ebenfalls. Auch die Melli-Beese-Grundschule in Berlin-Schöneweide wurde nach ihr genannt. Am Flughafen Berlin-Schönefeld befindet sich der Melli-Beese-Ring, der Parallel zum Elly-Beinhorn-Ring verläuft.

Familie

Am 25. Januar 1913 heiratete Melli Beese ihren Teilhaber Charles Boutard in Berlin und nahm dabei die französische Staatsbürgerschaft an. Das Paar zog in eine Villa in der Nähe des Flugplatzes Johannisthal.[3]

Ihr Ehemann hatte sich als Radrennfahrer einen Namen gemacht, lebte seit 1910 in Johannistal bei Berlin und konstruierte einen Eindecker. Bei einem seiner Abstürze wurde Boutard so schwer verletzt, daß wochenlang die Gefahr bestand, eines seiner Beine müsse amputiert werden. Doch er genas, und das verletzte Bein verheilte.

Siehe auch

Fußnoten

  1. Ernst Probst: Melli Beese – Die erste deutsche Fliegerin, 2010 (Leseprobe)
  2. Adlershofer Geschichten Band 1, Wiege der deutschen Motorluftfahrt, Juni 2009
  3. johflug.de (PDF; 984 kB)