Militärverdienstorden (Bayern)

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Der Militärverdienstorden 4. Klasse mit Schwertern

Der Militärverdienstorden (MVO) war eine hohe Auszeichnung des Königreichs Bayern. Er wurde am 19. Juli 1866 durch König Ludwig II. gestiftet und diente dazu, militärische Verdienste und Tapferkeit vor dem Feind zu würdigen, die nicht die strengen Kriterien des Militär-Max-Joseph-Ordens erfüllten, welcher den persönlichen Adel verlieh.

Zusammen mit dem affiliierten Militärverdienstkreuz (MVK) bildete der Orden das Rückgrat des bayerischen Auszeichnungswesens im Ersten Weltkrieg. Für den bayerischen Soldaten stellte diese Dekoration, getragen am himmelblauen und weißen Band, die Identifikation mit seinem Heimatland und dessen militärischer Tradition dar und genoss ein Ansehen, das dem des preußischen Eisernen Kreuzes vergleichbar war.

Stiftungsgeschichte und Entwicklung

Die Stiftung erfolgte unmittelbar unter dem Eindruck des Deutschen Krieges von 1866. König Ludwig II. wollte noch während der Kampfhandlungen gegen Preußen eine Auszeichnung schaffen, die breiter verliehen werden konnte als der Hausritterorden vom Heiligen Georg oder der Max-Joseph-Orden.[1]

Um eine Inflation der Auszeichnung zu verhindern und die Differenzierung nach Ranggruppen zu schärfen, wurden die Statuten mehrfach revidiert. Im Jahr 1905 reorganisierte Prinzregent Luitpold die Klassenstruktur. Die ursprünglichen Ritterklassen wurden neu aufgeteilt, um Offizieren verschiedener Dienstgrade gerecht zu werden. 1913 führte König Ludwig III. die endgültige Einteilung ein, die bis 1918 Bestand hatte. Neu geschaffen wurde das Militärverdienstkreuz III. Klasse, um auch einfache Mannschaften besser auszeichnen zu können.

Mit dem Zusammenbruch der Monarchie im November 1918 endeten die offiziellen Verleihungen. Die Abwicklung der noch im Feld beantragten Auszeichnungen zog sich jedoch bis ins Jahr 1920 hin.

Klassen und Hierarchie

Der Orden spiegelte die strenge Hierarchie der Bayerischen Armee wider. Die Verleihungshöhe war fest an den Dienstgrad gekoppelt.

Der eigentliche Militärverdienstorden war Offizieren vorbehalten. Die höchste Stufe bildete das Großkreuz für Generale und Kriegsminister, gefolgt von der 1. Klasse für Generalleutnante und der 2. Klasse mit Stern für Generalmajore. Die 2. Klasse ohne Stern war für Obersten vorgesehen. Für Oberstleutnante und Majore gab es das Offizierskreuz in Form eines Steckkreuzes. Hauptleute und Rittmeister erhielten in der Regel die 3. Klasse, während Leutnante und Oberleutnante mit der 4. Klasse ausgezeichnet wurden.

Das Militärverdienstkreuz war die Auszeichnung für Unteroffiziere und Mannschaften. Es wurde in drei Klassen vergeben. Die 1. Klasse mit goldenem und emailliertem Medaillon war Feldwebeln und Vizefeldwebeln vorbehalten. Die 2. Klasse mit silbernem, emailliertem Medaillon ging an Unteroffiziere. Die 1913 eingeführte 3. Klasse mit kupferfarbenem, nicht emailliertem Medaillon war für Mannschaften bestimmt.[2]

Phaleristik und Materialkunde

Das Ordenszeichen ist ein blau emailliertes Malteserkreuz mit Flammen in den Winkeln. Auf der Vorderseite (Avers) befindet sich ein schwarzes Medaillon mit dem goldenen Monogramm L für Ludwig II. unter der Königskrone. Auf dem weißen Reif umläuft die Inschrift MERENTI (lat. Dem Verdienstvollen) das Zentrum. Die Rückseite (Revers) zeigt einen goldenen bayerischen Löwen und das Stiftungsdatum 1866.[3]

Ein für Sammler und Historiker wichtiges Detail ist die Materialumstellung während des Ersten Weltkrieges. Aufgrund der Rohstoffknappheit wurde die Produktion vereinfacht. In der Friedenszeit bis etwa 1916 waren die Medaillons und Schwerter der hohen Klassen aus echtem Gold und die Kreuze aus Silber gefertigt. Ab 1917 erfolgte eine Umstellung auf vergoldetes Silber oder bei den niedrigeren Klassen des Militärverdienstkreuzes sogar auf Kriegsmetall (Zink). Hauptlieferant des Ordens war die Juwelierfirma Gebrüder Hemmerle in München.

Bekannte Träger

Die Liste der Träger umfasst zahlreiche Führungspersönlichkeiten der deutschen Militärgeschichte. Dazu gehören Kronprinz Rupprecht von Bayern, Leopold von Bayern, Paul von Hindenburg, Erich Ludendorff sowie Franz Ritter von Epp und Hermann Göring.

Der wohl bekannteste Träger der niedrigsten Stufe war der Gefreite Adolf Hitler. Er erhielt das Militärverdienstkreuz 3. Klasse mit Schwertern für seine Leistungen als Meldegänger an der Westfront. Es ist historisch belegt, dass er diese bayerische Auszeichnung oft dem später verliehenen Eisernen Kreuz 1. Klasse vorzog oder beide in Kombination trug, was seine Verbundenheit zur bayerischen Dienstzeit unterstrich.

Literatur

  • Jörg Nimmergut: Deutsche Orden und Ehrenzeichen bis 1945. Band 1: Anhalt – Hohenzollern. Zentralstelle für wissenschaftliche Ordenskunde, München 1997, ISBN 3-00-00-1396-2
  • Georg Schreiber: Die Bayerischen Orden und Ehrenzeichen. Prestel-Verlag, München 1964
  • Erhard Roth: Verleihungen von militärischen Orden und Ehrenzeichen des Königreichs Bayern im Ersten Weltkrieg 1914–1918. Phaleristischer Verlag, Offenbach 1997, ISBN 3-936529-89-8
  • Bayerisches Armeemuseum (Hrsg.): Nord gegen Süd. Der Deutsche Krieg 1866. Katalog zur Ausstellung, Ingolstadt 2016[4]

Verweise

Fußnoten