Ferguson, Niall

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Niall Ferguson (geb. 18. April 1964 in Glasgow, Schottland) ist ein schottischer Historiker.

Werdegang

Niall Campbell Douglas Ferguson wurde am 18. April 1964 in Glasgow als Sohn der Physikerin Molly Hamilton und des Arztes James Campbell Ferguson geboren. Sein Großvater mütterlicherseits war Journalist. Ferguson besuchte die Glasgow Academy, ein bekanntes Privatgymnasium, und interessierte sich schon früh für Geschichte. Er studierte das Fach am Magdalen College in Oxford und schloss 1985 mit First Class Honours ab. Bei einem anschließenden zweijährigen Aufenthalt als hanseatischer Stipendiat in Hamburg und Berlin lernte er Deutsch.[1]

Wirken

1987 nahm Niall Ferguson eine Forschungsstelle am Christ's College in Cambridge an, ab 1989 hielt er Vorlesungen am dortigen Peterhouse College. 1992 kehrte er nach Oxford zurück auf einen Lehrstuhl für moderne Geschichte am Jesus College. Dort wurde er 2000 zum Professor für Politische und Finanzgeschichte ernannt. 2002 übernahm er daneben einen Lehrstuhl für Finanzgeschichte an der Stern Business School der New York University, bevor er 2004 als Laurence-A.-Tisch-Professor für Geschichte nach Harvard berufen wurde. Bereits 2003 wurde er Senior Fellow an der Hoover Institution, einem konservativen „Think tank“ (Denkfabrik) der Stanford University. Ferguson gilt als einer der schillerndsten britischen Historiker der jüngeren Generation und wird als „dynamisch, charmant, witzig und immer gesprächsbereit“[2] charakterisiert. Sein Spezialgebiet ist die historische Analyse des Aufstiegs und Untergangs von Imperien sowie der Verknüpfung von Geld und Politik.[3]

Fergusons erstes Buch „Paper and Iron“ (1995), eine Analyse der Hyperinflation im Deutschland der 1920er Jahre, begründete seinen akademischen Ruf. Für sein zweites Buch „Virtual History: Alternatives and Counterfactuals“ (1997), das ein Verkaufsschlager wurde, bat Ferguson Kollegen um Alternativszenarien für die Geschichte des 20. Jahrhunderts. Er gilt als Anhänger der kontrafaktischen Geschichtswissenschaft, die sich die spekulative Frage stellt, was geschehen wäre, wenn die Geschichte anders verlaufen wäre — eine bei vielen Wissenschaftlern als unseriös kritisierte Vorgehensweise. Aufsehen erregte Ferguson 1998 mit seinem umstrittenen Buch „The Pity of War: Explaining World War One“ (dt. 1999, Der falsche Krieg), in dem er die These vertrat, Großbritannien sei 1914 ohne Not in den Krieg eingetreten und habe so aus einem kontinentaleuropäischen Konflikt einen Weltkrieg gemacht.[4] Mit dieser Ansicht stieß er bei der (jüdischen) Fachkritik auf Ablehnung.[3]

Breite Anerkennung fand hingegen Fergusons zweibändiges Werk „The World's Banker: The History of the House of Rothschild“ (1998) über die Bankendynastie der Rothschilds, die ihm ihre Archive bis 1915 geöffnet hatten. In „The Cash Nexus“ (2001, dt. Politik ohne Macht) wies Ferguson darauf hin, daß der angebliche Nexus zwischen Kapitalismus und Demokratie ein Irrglaube sei und die Wirtschaft politischem Handeln unterliege. Neben Kommentaren für Druckmedien wie „Financial Times“,„Newsweek“, „Los Angeles Times“ und „Sunday Telegraph“ lieferte Ferguson auch Beiträge für Radio und Fernsehen. Seine sechsteilige Geschichte des Britischen Imperiums (2003) auf „Channel 4“ erreichte hohe Einschaltquoten, das begleitende Buch „Empire. How Britain Made the Modern World“, dem Kritiker „eindrucksvolle Metaphorik, sprachlichen Schwung und viel Nostalgie“ bescheinigten,[5] wurde ein Verkaufsschlager. In der Fortsetzung „Colossus: The Rise and Fall of the American Empire“ (2004; dt. Das verleugnete Imperium) hielt Ferguson den VSA vor, sie weigerten sich, trotz ihrer seit 1989 eindeutigen Vormachtstellung die Nachfolge des untergegangenen britischen Weltreichs anzutreten.[3]

In einer weiteren Serie für „Channel 4“ bzw. den US-Sender PBS mit dem gleichzeitig erscheinenden Buch „The War of the World: Twentieth Century Conflict and the Descent of the West“ (2006; dt. Krieg der Welt) wagte Ferguson eine Gesamtdeutung der extremen Gewalt im 20. Jahrhundert. Kritiker fanden jedoch nur „Anekdoten statt Analysen“ und erkannten nicht das Werk eines Autors, sondern das Produkt eines aggressiv vermarkteten Wirtschaftsunternehmens.[6] Ebenfalls parallel zur Fernsehserie erschien 2008 Fergusons Buch „Ascent of Money: A Financial History of the World“ (dt. 2009, Der Aufstieg des Geldes), das erneut die Verkaufsschlagerlisten erreichte. Als Berater verschiedener Hedge-Fonds, war Ferguson angesichts der Finanz- und Wirtschaftskrise Ende 2008 ein gefragter Gesprächspartner, der die Unbelehrbarkeit von Banken und Politikern kritisierte. Mit dem linksliberalen jüdischen Historiker Paul Krugman lieferte er sich 2009 eine Kontroverse über die Wege aus der US-Haushaltskrise. Daneben schrieb er an einem Buch über den jüdischen Bankier Max Warburg und arbeitete an einer autorisierten Biographie über den jüdischen ehemaligen US-Außenminister Henry A. Kissinger.[3]

Privates

Ferguson ist mit der somalischen Islamkritikerin Ayaan Hirsi Ali verheiratet (Rassenschande). Aus der Beziehung ging bisher ein Sohn hervor.

Werke (Auswahl)

  • Paper and Iron. Hamburg Business and German Politics in the Era of Inflation, 1897–1927, Cambridge University Press, Cambridge 1995, ISBN 0-521-47016-1.
  • The House of Rothschild. Money’s Prophets, 1798–1848, Viking Books, 1998, ISBN 0-670-85768-8.
  • The World’s Banker: The History of the House of Rothschild, Weidenfeld & Nicolson, 1998, ISBN 0-297-81539-3.
  • The Pity of War: Explaining World War I, Allen Lane/Penguin Press, 1998. ISBN 0-14-027523-1. Taschenbuchausgabe Penguin Books 1999, ISBN 0-14-027523-1.
    • dt.: Der falsche Krieg, Dt. Verlagsanstalt, Stuttgart 2001, ISBN 3-421-05175-5
  • The House of Rothschild: The World’s Banker, 1849–1999, Viking Books, 1999. ISBN 0-670-88794-3.
  • Virtual History. Alternatives and Counterfactuals, Basic Books, 1999, ISBN 0-465-02322-3.
  • The Cash Nexus. Money and Power in the Modern World, 1700–2000, London: Allen Lane/Penguin Press, 2001, ISBN 0-7139-9465-7.
  • Empire. The Rise and Demise of the British World Order, 2003, ISBN 0-465-02328-2.
  • Colossus. The Rise and Fall of the American Empire, Allen Lane, 2004, ISBN 0-7139-9770-2.
    • dt.: Das verleugnete Imperium: Chancen und Risiken amerikanischer Macht (2004)
  • 1914. Why the World Went to War, Penguin, 2005, ISBN 0-14-102220-5.
  • War of the World. History’s Age of Hatred, 1914–1989, Allen Lane, 2006, ISBN 0-7139-9708-7.
  • The War of the World: Twentieth Century Conflict and the Descent of the West
    • dt.: Krieg der Welt: Was ging schief im 20. Jahrhundert? (2006)
  • The Ascent of Money. A Financial History of the World, Penguin, [New York, NY] 2008 ISBN 978-1-59420-192-9.
    • deutsch übersetzt von Klaus-Dieter Schmidt: Der Aufstieg des Geldes. Die Währung der Geschichte, Econ, Berlin 2009, ISBN 978-3-430-20074-5. [7]

Verweise

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Fußnoten

  1. Internationales Biographisches Archiv 19/2010
  2. FAZ, 20. Juni 2007
  3. 3,0 3,1 3,2 3,3 Munzinger-Archiv GmbH, 2010
  4. 1998 sorgte er mit seinem Buch The Pity of war (dt. 1999: Der falsche Krieg) für Furore, in dem er die Ursachen für den Ausbruch des Ersten Weltkriegs untersuchte. Dabei kam er zu dem Schluß, daß nicht, wie auch von vielen deutschen Historikern (etwa Wolfgang J. Mommsen) vermutet, Deutschland, sondern das Britische Empire für die Eskalation im Sommer 1914 hauptverantwortlich sei. Nach Ferguson förderte der britische Außenminister Edward Grey die Spannungen. Hätte sich England aus dem Krieg herausgehalten, so wäre das Ergebnis nach Ferguson ein deutscher Sieg gewesen, aber auch ein prosperierendes (wirtschaftlich aufblühendes) Nachkriegs-Europa, in dem es zu Demokratisierung gekommen wäre, also faktisch zu einer Art „Europäischen Gemeinschaft“ unter deutscher Hegemonie (Vorherrschaft), während England weiterhin ein intaktes Empire gewesen wäre.
  5. SZ, 3. Juli 2003
  6. vgl. ZEIT, 12. Oktober 2006
  7. Der Aufstieg des Geldes - Weltgeschichte ist Geldgeschichte