Reichslandbund

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Der Reichslandbund e. V. (kurz: RLB) war ein 1921 gegründeter deutscher Interessenverband der Landwirtschaft mit Schwergewicht der Tätigkeit im protestantischen Nord- und Mitteldeutschland. Der Bund ging aus der Verschmelzung des „Bundes der Landwirte“ mit der 1919 gegründeten antikommunistischen deutschen Landbundbewegung hervor. 1923 waren es schon rund 1 Million Mitglieder, 1930 1,7 Millionen Mitglieder und zur Spitzenzeit nach 1933 5,6 Millionen Mitglieder. Politischer Direktor und somit de facto mächtigster Mann des Reichslandbundes war von 1921 bis 1936 Major a. D. Arno Kriegsheim.

Zusammenarbeit

Auf Initiative von Alfred Hugenberg, seit 1928 Vorsitzender der Deutschnationalen Volkspartei, traf sich am 11. Oktober 1931 in Bad Harzburg die Nationale Opposition zu einer Großveranstaltung, um ihre Geschlossenheit im Kampf gegen die Weimarer Republik zu demonstrieren. Neben der NSDAP, dem Stahlhelm, Bund der Frontsoldaten und dem Alldeutschen Verband, mit denen die DNVP bereits zwei Jahre zuvor gemeinsam den Volksentscheid gegen den Young-Plan initiiert hatte, waren bei der Harzburger Front auch die Interessensvertretung der Landwirte, der Reichslandbund und einzelne rechtskonservative Persönlichkeiten beteiligt.

Unter dem Druck der Weltwirtschaftskrise und der Radikalisierung der bäuerlichen Massen bildeten die Führer der vier agrarpolitischen Spitzenorganisationen (Deutscher Landwirtschaftsrat, Dr. Brandes; Reichslandbund, Martin Schiele, Graf von Kalkreuth; Vereinigung der deutschen Bauernvereine, Andreas Hermes; Deutsche Bauernschaft, Anton Fehr, Heinrich Lübke) im Februar 1929 eine lockere Interessengemeinschaft, für die sich in der Öffentlichkeit rasch die Bezeichnung „Grüne Front“ durchsetzte. Zu den Hauptforderungen zählten der „Schutz der landwirtschaftlichen Erzeugung Deutschlands auf dem inneren Markt gegen die Übermacht der fremden Konkurrenz“.

Im Dezember 1931 wurde von Waldemar Pabst und Carl Eduard Herzog von Sachsen-Coburg und Gotha in Potsdam die „Gesellschaft zum Studium des Faschismus“ gegründet, in der Vertreter der DNVP, NSDAP, des Stahlhelms und des Reichslandbundes zusammenarbeiteten.

Der Reichslandbund an den Reichspräsidenten. 22. Juli 1931

„Hochzuverehrender Herr Reichspräsident! Die nationale Opposition hat durch Telegramm an Reichskanzler Brüning nach London2 aus schwerer vaterländischer Sorge heraus pflichtgemäß den verantwortlichen Leiter der Deutschen Regierung darauf hingewiesen, daß sie keine neuen Bindungen, die eine Schmälerung der deutschen Staatshoheit bedeuten, als für sich rechtsverbindlich ansehen wird. Wir geben uns der Hoffnung hin, daß es dem Herrn Reichskanzler gelingen wird, derartige politische Forderungen abzuwehren und als Ergebnis der finanziellen Verhandlungen Deutschland eine Atempause zu verschaffen. Wenn nun in dieser Atempause das Steuer der deutschen Politik nicht völlig herumgeworfen wird, steht dem Vaterlande in kürzester Frist eine neue Katastrophe bevor. Nicht nur die Erfüllungspolitik, sondern ebenso und noch mehr die gesamte deutsche Wirtschaftspolitik der Nachkriegszeit erleben jetzt ihren Zusammenbruch. Jetzt zeigt sich, welch ungeheure Bedeutung daran liegt, daß die Landwirtschaft die Sicherheit der Ernährung unter allen Umständen gewährleisten kann. Damit erweist sich zugleich das Unheilvolle jener Politik, die der Preisgabe der eigenen Ernährungsgrundlage das Wort redet, anstatt sich auf die bodenständigen deutschen Kräfte zu stützen. Die Bedrohung der deutschen Währung durch den Abzug der Auslandskredite brauchte nicht zu sein, wenn nicht die von uns bekämpfte, aber unentwegt fortgesetzte überflüssige Einfuhr ausländischer Lebensmittel erst jene verhängnisvolle Auslandsverschuldung verursacht hätte. Niemals so wie jetzt hat sich gezeigt, daß für das wirtschaftliche Wohl eines Volkes seine eigne Arbeit, sein eigner Acker und seine eignen Rohstoffe die allein sichere Grundlage sind. Eine Politik, die zu diesen Grundlagen zurückfindet, ist nur unter völligem Bruch mit den Kräften des internationalen Marxismus möglich. Der oft gehörte Einwand, daß ohne die Sozialdemokratie nicht regiert werden könne, ist falsch. Man verwechselt hier Sozialdemokratie und Arbeiter. Keine Politik hat den deutschen Arbeiter mehr betrogen als die, die unter sozialdemokratischem Einfluß stand. Fünf Millionen Arbeitslose und Kurzarbeiter sind der Beweis. Dem Herrn Reichskanzler wird es auch bei persönlich bestem Bemühen nicht möglich sein, mit den zur Zeit hinter ihm stehenden parteipolitisch gebundenen Kräften eine solche Wendung der Politik herbeizuführen, die notwendig ist, um den eingetretenen Staatskonkurs zu überwinden. Wertvolle fähige Kräfte stehen bereit, das Werk der Rettung Deutschlands verantwortlich zu übernehmen. Ihr Einsatz gewährleistet zugleich die bei der Führung der deutschen Politik bisher nicht vorhandene Verbundenheit mit den bodenständigen nationalen Kreisen. Nur durch die Übertragung der Verantwortung an unabhängige Männer dieser Auffassung kann die Gesamtpolitik im Reich und seinen Gliedern die Bahnen beschreiten, die zur Rettung aus dem Zusammenbruch unerläßlich sind. Das Deutsche Landvolk ruft in dieser schweren Stunde die verfassungsmäßige Einwirkung des Herrn Reichspräsidenten an, um dem deutschen Volke die Führung zu geben, die es befähigt, sein Schicksal zu wenden. In Ehrerbietung / die Präsidenten des Reichs-Landbundes / gez. Graf Kalckreuth, Bethge, Lind.“[1]

Präsidenten (in einem dreiköpfigen Präsidium)

Literatur

  • Das Reichslandbund-ABC, Berlin 1921
  • W. G. Kersten: Die freien wirtschaftspolitischen Organisationen der deutschen Landwirtschaft unter besonderer Berücksichtigung des Reichslandbundes, Berlin 1925
  • Das RLB-Jahrbuch, Berlin 1929
  • Das Organisationsbuch des RLB, Berlin 1929 und 1932
  • A. Knoche: Der Genossenschaftsverband des RLB e. V., Gießen 1929
  • Jochen Cerny / Lutz Fahlbusch: Reichs-Landbund (RLB) 1921–1933. In: Dieter Fricke u. a. (Hrsg.): Lexikon zur Parteiengeschichte. Die bürgerlichen und kleinbürgerlichen Parteien und Verbände in Deutschland 1789–1945, Bd. 3. Leipzig/Köln 1985, S. 689–712.

Fußnoten