Das Amt und die Vergangenheit. Deutsche Diplomaten im Dritten Reich und in der Bundesrepublik

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Die Buchpublikation Das Amt und die Vergangenheit. Deutsche Diplomaten im Dritten Reich und in der Bundesrepublik ist der Abschlußbericht des Gremiums „Unabhängige Historikerkommission – Auswärtiges Amt“.

Wer glaubt, dem Titel entsprechend ein Stück deutscher Diplomatiegeschichte präsentiert zu bekommen, wird schnell eines besseren belehrt. Dieses Trojanische Pferd beinhaltet schwerpunktmäßig das Thema Holocausteducation. Zehntausende deutsche Diplomaten und Angehörige sollen damit belastet und den folgenden Generationen ein weiteres Feindbild durch Umerziehung eingeimpft werden.

Inhalt

Methodisch und verlegerisch sticht einem schon die fehlende fachliche Endredaktion durch Thomas Karlauf ins Auge. Hätte man statt einer Kommission mit diversen Manuskriptbeteiligungen besser einen einzigen Historiker genommen. War Manfred von Killinger nun Obergruppenführer der SA oder der SS? War er nun Abgesandter in „Bratislava“ oder in Preßburg?

Inhaltlich wird weder das Dritte Reich noch die Bundesrepublik stringent beleuchtet. Die Zeit der Konzentrationslager liegt hier im Mittelpunkt. Dabei hat man aber weder Ahnung von Geschichte und System der Lager, will es auch nicht, noch von dem sich zwischen Machtergreifung und Lebensraumpolitik in einem ständigen Wandel befindlichen Machtgefüge des Dritten Reiches. Allein die mangelhafte Kenntnis Alfred Rosenbergs in seiner Funktion als Leiter des „Außenpolitisches Amt der NSDAP“ (APA) und des aus dieser Richtung kommenden Drucks sind ein Witz.[1] Von seinem „Außenpolitischen Schulungshaus“ in Berlin-Dahlem hat man noch nie etwas gelesen. Ein Kapitel zur Gleichschaltung nennt man dann auch frecherweise „Selbstgleichschaltung“. Für die Diplomatiegeschichte der Bundesrepublik hätte das Kollektiv sich ein methodisches Beispiel nehmen sollen an Matthias Pape: Ungleiche Brüder – Österreich und Deutschland 1945–1965.

Quellentechnisch schafft man es allen Ernstes, die für die Diplomatiegeschichte unglaublich bedeutende Zeitschrift „Der Stürmer“ auszuwerten. Von den „Nationalsozialistischen Monatsheften“ des Herausgebers Alfred Rosenberg mit der Rubrik „Außenpolitische Rundschau“ hat man aber keine Ahnung. Das Abkürzungsverzeichnis klärt einen über die HIAG auf, über das APA nicht. Die Arbeitsbelastung der Botschaften und der anweisenden Zentrale (z. B. im Rahmen der Verbreitung der Dokumente zur Vorgeschichte des Krieges) zu betrachten und mit der Arbeit wirklicher nationalsozialistischer Verbände zu vergleichen übersteigt die intellektuellen Ressourcen der Kommissare der Historikerkommission. Deutsche und europäische Diplomatie der besagten Jahre anhand der Kapitel zur Außenpolitik bei Gerd Rühle: Das Dritte Reich – Dokumentarische Darstellung des Aufbaus der Nation. (Erschienen bis 1938); Werner Frauendienst (Hg.): Weltgeschichte der Gegenwart in Dokumenten. (Erschienen bis 1939) oder Hans Volz (Hg.): Dokumente der Deutschen Politik. (Erschienen bis 1944) zu begreifen läßt die Beteiligten erneut vor Klio kapitulieren. Zum Umgang mit den Akten der Partei-Kanzlei der NSDAP und dem Findbuch des Außenpolitischen Amtes der NSDAP ganz zu schweigen. Bei der Allerweltspublikationsliste des Herausgebers Eckart Conze hätte man es sich aber auch vorher denken können. Das Conzes „Mythoszerstörung“ ein Reinfall wird, war schon bei der Verlagswerbung klar. Eine Reisekostenabrechnung zur „Liquidation von Juden“ war bei der Anzahl der Beamten, der getätigten Amtsgeschäfte und dem behandelten Zeitraum wohl kaum als Hintermauerung der These vom Verbrecheramt ernstzunehmen. Unter den Mitarbeitern findet sich auch Dr. Jochen Böhler, Schöpfer des Mythos vom Vernichtungskrieg der Wehrmacht in Polen. Ein Historikerclown, der nicht zwischen Stand-, Not- und Kriegsgericht unterscheiden kann. Er führt Absolons Wehrmacht im Dritten Reich in seinem Auftakt zum Vernichtungskrieg auf, Absolons Gesetzessammlung Das Wehrmachtsstrafrecht im 2. Weltkrieg will er aber nicht kennen. Böhlers absurde Deutung des Kriegsvölkerrechts von 1939 würde dann auch nicht mehr standhalten.

Die „Kommission“

Die von Joschka Fischer eingesetzte „Historiker-Kommission“:

Die Unabhängige Historikerkommission – Auswärtiges Amt wurde am 11. Juli 2005 vom damaligen Bundesminister des Auswärtigen Joschka Fischer eingesetzt, um die Geschichte des Auswärtigen Amts und des Auswärtigen Dienstes in der Zeit des Nationalsozialismus und in der Bundesrepublik Deutschland zu untersuchen. Anlaß waren ein Nachruf-Erlaß 2003 und die Nachruf-Affäre 2004. Abschlußbericht der Kommission ist die Buchpublikation mit dem Titel „Das Amt und die Vergangenheit. Deutsche Diplomaten im Dritten Reich und in der Bundesrepublik“.

Wissenschaftliche Mitarbeiter der Kommission und Mitautoren sind: Jochen Böhler, Uni Jena; Irith Dublon-Knebel, Tel Aviv University; Astrid M. Eckert, Emory University Atlanta; Norman Goda, University of Florida; William Gray, Purdue University; Lars Lüdicke, Uni Potsdam; Thomas Maulucci, American International College Springfield; Katrin Paehler, Illinois State University; Jan Erik Schulte, Hannah-Arendt-Institut für Totalitarismusforschung Dresden; Daniel Stahl, Uni Jena; Annette Weinke, Uni Jena; Andrea Wiegeshoff, Uni Marburg. Endredaktion und Lektorat übernahm Thomas Karlauf, Berlin.[2]

Die Kommission selbst und ihre Ergebnisse wurden in den deutschen Leitmedien zum Teil heftig kritisiert. Insbesondere das penetrant hervorgehobene Attribut „unabhängig“ schon im Eigentitel der Kommission gab Anlaß zur Empörung. Die Kommission versucht das Auswärtige Amt als treibende Kraft hinter einer Judenverfolgung darzustellen und ehemalige Angehörige des Amtes pauschal in Mißkredit zu bringen.

Leugnungen und Warnungen

Der BRD-Historiker Johannes Hürter leugnet jedoch die offenkundig festgestellten Verbrechen und verstieg sich in einem Spiegel-Gespräch bezüglich des Werkes zu den Schlußfolgerungen:

„Ignoranz“, „bodenlose Behauptungen“, „Überzeichnungen, Vereinfachungen, Widersprüche“, „schlichtweg falsche Befunde“[3]

Anläßlich der Vorstellung des Abschlußberichtes der Kommission Ende 2010 äußerte der Historiker Hans Mommsen massive Kritik an den Autoren der Studie und der Kommission selbst: Er sehe die Bundesrepublik auf dem Weg in eine „staatlich dirigierte Geschichtswissenschaft“. Die Besetzung der als unabhängig behaupteten Kommission, die die Studie erarbeitet hatte kritisierte er mit den Worten

„[...] ich habe mir die Frage zu stellen erlaubt, was eigentlich unabhängig in diesem Zusammenhang ist. Eine von der Regierung eingesetzte Kommission ist deshalb nicht per Definition unabhängig, und dass die Deutschen sich angewöhnen, das für Unabhängigkeit zu halten, lässt tief blicken. Ich glaube, wir sind, wie ja auch parallele Dinge zeigen werden, auf dem eigentlichen Wege in eine autoritäre Gesellschaft.“[4]

Unabhängig von weltanschaulichen Fragestellungen zeigt in der Nach-Guttenberg-Ära die Debatte um „Das Amt“ auch ein Unverständnis unter Fachleuten auf, angesichts der für das Projekt überragenden Ressourcen nicht mal das Niveau einer Dissertation erreichen zu können. Bei einem Etat von 1,5 Millionen Euro, vier Arbeitsjahren, Personal im zweistelligen Bereich und staatlich organisierten Zugängen zu Quellenmaterial einen Text abzuliefern, der weitestgehend als nicht zitierfähig zu bewerten ist, kann kaum als wissenschaftliche Leistung bewertet werden.[5]

Siehe auch

Literatur

  • Heinz Schneppen: Vom Jagdtrieb historischer Ermittler – Der Bericht der „Unabhängigen Historikerkommission“ zur Vergangenheit des Auswärtigen Amts. In: Zeitschrift für Geschichtswissenschaft (ZfG) 59 (2011) 7/8 S. 593–620
  • Daniel Koerfer: Diplomatenjagd – Joschka Fischer, seine „Unabhängige Kommission“ und Das Amt, Strauss Medien, Potsdam 2013, ISBN 9783943713152

Verweise

Fußnoten

  1. siehe: Kuusisto, Seppo: Alfred Rosenberg in der nationalsozialistischen Aussenpolitik 1933–1939. 1984.
  2. Eckart Conze, Norbert Frei, Peter Hayes und Moshe Zimmermann: Das Amt und die Vergangenheit. Deutsche Diplomaten im Dritten Reich und in der Bundesrepublik. München 2010, S. 3 u. S. 720
  3. Streit über „Das Amt“: Historiker zerpflückt Bestseller (Spiegel.de, 1. April 2011)
    Johannes Hürter: Das Auswärtige Amt, die NS-Diktatur und der Holocaust – Kritische Bemerkungen zu einem Kommissionsbericht
  4. Deutschlandradio: „Das Amt und die Vergangenheit“ löst bei Historiker Entsetzen aus, 30. November 2010
  5. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,765349,00.html