Le Pen, Marine
Marion Anne Perrine „Marine“ Le Pen ( 5. August 1968 in Neuilly-sur-Seine) ist eine französische Juristin und Politikerin. Sie steht der Partei Rassemblement National (RN) vor, die bis Juni 2018 unter dem Namen Front National (FN) auftrat. Bei letzterem war sie von Januar 2011 bis November 2022 Vorsitzende.
Sie kandidierte erfolglos bei den französischen Präsidentschaftswahlen 2012, 2017 und 2022. Darüber hinaus war sie Abgeordnete im EU-Parlament, seit Juni 2017 ist sie Abgeordnete in der französischen Nationalversammlung. Bei den französischen Parlamentswahlen im Juli 2024 brachte Le Pens lavierende populistische Strategie keinen durchschlagenden Erfolg. Im März 2025 verlor sie wegen eines Strafurteils das passive Wahlrecht für fünf Jahre.
Inhaltsverzeichnis
Werdegang
Marine Le Pen wurde am 5. August 1968 in Neuilly-sur Seine geboren. Ihr Vater, Jean-Marie Le Pen, war der Gründer und langjährige Vorsitzende der Front National (FN). Ihre Mutter, Le Pens erste Frau Pierrette Lalanne, war ein früheres Model. Marine Le Pen wuchs mit ihren älteren Schwestern Marie-Caroline und Yann auf. Nach dem Abitur am Lycèe Florent Schmitt in Saint Cloud studierte sie bis 1990 Rechtswissenschaften in Paris. 1992 bekam sie die Anwaltszulassung und arbeitete bis 1998 als Rechtsanwältin in Paris.[1]
Wirken
Bereits als Kind und Schülerin hatte Marine Le Pen unter den Angriffen auf ihren Vater Jean-Marie Le Pen zu leiden, der 1972 die Front National (FN) gegründet hatte. 1976, als Achtjährige, erlebte sie mit, wie Attentäter bei einem Bombenanschlag die Stadtwohnung der Le Pens im 15. Arrondissement von Paris verwüsteten. „Damals trat ich in die Politik ein.“ schrieb Marine Le Pen rückblickend in ihrer Biographie.[2] Als sie 15 Jahre alt war, begleitete sie ihren Vater erstmals im Wahlkampf.
1986 trat Marine Le Pen dem FN bei. 1998 wurde sie Leiterin des juristischen Dienstes des FN, den sie bis 2004 führte. 1998 zog sie erstmals für den FN als Abgeordnete in das Regionalparlament der Region Nord-Pas-de-Calais ein (bis 2004, erneut seit 2010), von 2004 bis 2009 gehörte sie dem Regionalrat der Île-de-France an. Ab 2000 stand sie der Jugendorganisation des FN, der „Gènèration Le Pen“, vor.[3]
Bekannt wurde Le Pen in ganz Frankreich im Jahr 2002, als ihr Vater bei den Präsidentschaftswahlen in der ersten Runde mit knapp 17 Prozent der Stimmen den Kandidaten der Sozialisten, Lionel Jospin, aus dem Rennen warf.
2003 wurde Le Pen nicht per Wahl, sondern durch das Machtwort ihres Vaters zur stellvertretenden Vorsitzenden des FN gekürt und damit eine von acht Vizepräsidenten.[4] Mit Le Pens damaligem Ehemann Èric Iorio als Wahlkampfleiter, der Schwester Yann als Managerin und ihrer Stiefmutter Jany Paschos als Beraterin arbeitete die Le-Pen-Familie auf ihr großes Ziel hin: die Präsidentenwahl 2007. Marine Le Pen managte den Präsidentschaftswahlkampf ihres Vaters. Doch der FN kam nur auf 10 Prozent, bei den Parlamentswahlen 2007 gar nur auf 4,25 Prozent.
Le Pen versuchte in der Folgezeit bei öffentlichen Auftritten erkennbar, der Partei ein moderneres Profil zu geben, indem sie beispielsweise für eine straffreie Abtreibung eintrat oder forderte, Frankreich solle die „Assimilation“ von eingewanderten Ausländern verstärken. Sie setzte auf das antimoslemische Ressentiment (→ Islamkritik). Dabei trat sie auch für Laizität ein, um diese gegen eine „Islamisierung“ Frankreichs zu verteidigen. Sie versuchte, die Partei zu „entdiabolisieren“, um den Front National als Partei an die Macht zu bringen. Unter dem Motto „Franzosen zuerst“ plädierte sie für eine Art chauvinistischen Wohlfahrtsstaat, der Sozialtransfers an Ausländer unterbinden und die Kulturförderung auf nationale Werke beschränken sollte. Dadurch konnte Le Pen mehr Wähler — Jugendliche, Frauen, traditionelle Rechtswähler und auch kommunistische Anhänger — zum FN ziehen.[3]
Le Pen gab sich euroskeptisch. Sie kandidierte bei der EU-Wahl 2004. Wie ihr Vater konnte auch sie ein Mandat im EU-Parlament erringen. Dort wurde sie als fraktionsloses Mitglied im Ausschuss für Kultur und Bildung (CULT) und in der Delegation für die Beziehungen zu Israel (D-IL). Bei der EU-Wahl in Frankreich 2009 wurde sie erneut gewählt.
Ein großes Medienecho hatte sie im Dezember 2010 auf ihre Äußerung, französische Straßen seien mittlerweile jeden Freitag von betenden Mohammedanern „besetzt“. Es gebe Orte, an denen es nicht gut sei, eine „Frau zu sein, homosexuell oder Jude, nicht einmal französisch oder weiß“, ergänzte sie. Die öffentlichen Freitagsgebete der Mohammedaner verglich sie – alte antideutsche Ressentiments schürend – mit der Besatzung der Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg. In einem Gerichtsverfahren wegen Volksverhetzung wurde Le Pen freigesprochen.[5]
2011 wurde sie auf einem Parteitag des Front National zu dessen Vorsitzender gewählt.
Bei den französischen Präsidentschaftswahlen 2012 erhielt Marine Le Pen als Kandidatin des Front National 18 Prozent der Stimmen. Le Pen trat am 24. April 2022 erneut zur Stichwahl gegen ihren Konkurrenten Emmanuel Macron an. Sie gab an, zu planen, die EU in ein Bündnis europäischer Nationen zu verwandeln mit wieder mehr Souveränität der Staaten.
Verhältnis zur AfD
Marine le Pen hat 2024 die Alternative für Deutschland (AfD) aufgefordert, sich von Überlegungen zu „Remigration“ zu distanzieren. Die französiche Tageszeitung L'opinion berichtete, der RN habe eine schriftliche Zusage verlangt, dass die Forderung nach „Remigration“ niemals Teil des AfD-Programms werde.
Anlässlich einer Medienkampagne gegen MdEP Maximilian Krah (AfD) vor der Wahl zum EU-Parlament am 9. Juni 2024 fiel Le Pen mit der RN der AfD im EU-Parlament in den Rücken und kündigte die Fraktionsgemeinschaft auf.[6]
Mandate
- 1998–2004: Mitglied im Generalrat Nord-Pas-de-Calais
- seit 2004: Mitglied im Regionalrat Île-de-France
- seit 2004: EU-Abgeordnete (bis Januar 2007 fraktionslos, danach Fraktion Identität, Tradition, Souveränität, ab November 2007 erneut fraktionslos).
- 2017: Mitglied der Französischen Nationalversammlung (Parlamentswahl vom 18. Juni 2017)
Verbindungen nach Israel
Seit 2002 bestand zwischen Marine Le Pen und dem Halbjuden Aliot ein fester politischer Kontakt, welcher ab dem Jahr 2004 in eine private Beziehung einmündete. Dann zog sie im selben Jahr ins Europäische Parlament ein und wurde dort ständiges Mitglied in der Delegation für die Beziehungen zu Israel. Seitdem fährt sie mindestens einmal pro Jahr nach Israel. Danach unterschied sie unter den Fremden in Frankreich, indem sie in ihre Sympathie Mohammedaner aus- und Juden einschloss.
Strafrechtliche Verurteilung 2025
Ein Strafgericht in Paris verurteilte Le Pen am 31. März 2025 wegen systematischer Veruntreuung von Steuergeldern als EU-Abgeordnete zu vier Jahren Haft, d. h. zwei Jahre Fußfessel tragen und zwei Jahre auf Bewährung, sowie zu einer Geldstrafe von 100.000 Euro. Zusätzlich wurde ihr das passive Wahlrecht für die Dauer von fünf Jahren entzogen. Le Pen will in Berufung gehen, was gegen die Entscheidung zum Entzug des passiven Wahlrechts keine aufschiebende Wirkung hat.
Angeklagt war die Mitwirkung Le Pens bei der Veruntreuung öffentlicher Gelder und illegaler Parteifinanzierung im Wert von 4,6 Millionen Euro in 40 Fällen. Es ging vor allem um (Schein-)Verträge für parlamentarische Mitarbeiter von EU-Abgeordneten in drei Amtsperioden von 2004 bis 2016. Die befristete Entziehung des passiven Wahlrechts – außer der Strafe – ist in manchen Ländern im Strafgesetz vorgesehen: Entweder ist sie bei bestimmten schweren Vergehen oder bei bestimmten Verbrechen vorgeschrieben oder ins Ermessen des Gerichts gestellt. In der BRD wäre die Grundlage § 45 Strafgesetzbuch, in Österreich § 22 Nationalratswahlordnung, in der Schweiz besteht eine solche Regelung nicht.
In konservativen und rechten Kreisen setzte umgehend eine Verurteilung des Gerichts ein. Tatsächlich können Außenstehende jedoch nicht beurteilen, ob es eine Veruntreuung gegeben hat oder nicht. Sollte die Straftat vorliegen, ist ein Schuldspruch zwangsläufig. Für den durch die Finanzierung des Parlamentswesens auf allen Ebenen ohnehin ausgebeuteten Steuerzahler – die Allgemeinheit – dürfte es mehr in seinem Interesse liegen, dass die Veruntreuung durch die verurteilte Person geahndet wird und ab der nächsten Verteilung von Mandaten nicht weitergeht, als wer für Le Pens Partei 2027 als Präsidentschaftskandidat antreten wird.
Allgemein ist die französische Justiz im Vergleich zur BRD und zu Österreich bei der Verfolgung von Korruption in öffentlichen Ämtern vorbildlich. So verurteilte sie u. a. die früheren Staatspräsidenten Jacques Chirac und Nicolas Sarkozy (Jude) – in deutschen Landen würde nicht einmal ermittelt.
Familie
- Bis zum Jahr 2000: Marine Le Pen war mit dem Geschäftsmann Franck Chauffroy verheiratet und hat aus dieser Ehe drei Kinder, die Tochter Jehanne (geb. 1998) und die Zwillinge Louis und Mathilde (geb. 1999).
- Jahre 2000 bis 2004: Nach der Scheidung heiratete sie den FN-Funktionär Èric Iorio. Auch diese Ehe wurde geschieden.
- Seit 2004 ist Marine Le Pen mit dem Chefideologen des FN, dem Halbjuden Louis Aliot, liiert.
Siehe auch
Veröffentlichungen
- Marine Le Pen: A contre-flots, Éditions Jacques Grancher, Paris 2006
Verweise
- Netzseite von Marine le Pen (in französischer Sprache)
- Das verborgene Gesicht der Marine Le Pen, Unzensuriert, 4. Dezember 2011
- Marine LePen und die Juden, Jüdische Allgemeine, 22. März 2015
- Marine Le Pen attackiert deutsche Kanzlerin, presse.com, 16. September 2015