Sowjet-bolschewistische Kriegsgefangenschaft

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Am 17. Juli 1944 wurden über 20 gefangengenommene deutsche Generäle durch die Straßen von Moskau getrieben, ein sowjetischer Propagandacoup, genannt „Parade der Generäle“; 1) Vincenz Müller, 2) Paul Völckers, 3) Friedrich Gollwitzer, 4) Kurt-Jürgen Freiherr von Lützow, 5) Rudolf Bamler, 6) Walter Heyne, 7) Adolf Hamann, 8) Edmund Hoffmeister, 9) Gustav Gihr und 10) Gottfried von Erdmannsdorff.

Die sowjet-bolschewistische Kriegsgefangenschaft während und nach dem Zweiten Weltkrieg war ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit, ein Straftatbestand im Völkerstrafrecht.

In den sowjet-bolschewistischen Lagern waren zwischen drei und vier Millionen deutsche Kriegsgefangene interniert, die der erbarmungslosen stalinistischen Willkür ausgeliefert waren. Die Sterberate lag in den sowjetischen Kriegsgefangenenlagern durchschnittlich bei 65–70 %.[1]

Inhaltsverzeichnis

Weg in die Gefangenschaft

General der Infanterie Paul Völckers unterschreibt das Manifest des NKFD. Zuschauer (sitzend): Generalleutnant Hans Traut, Generalmajor Günther Klammt, Generalleutnant Kurt-Jürgen Freiherr von Lützow, Generalleutnant Rudolf Bamler; Zuschauer (stehend): Generalleutnant Vincenz Müller, Generalleutnant Eberhard von Kurowski, Generalmajor Alexander Conrady, Generalmajor Gerhard Lindemann, Generalmajor Herbert Michaelis, Generalmajor Friedrich-Carl von Steinkeller, Generalmajor Gottfried von Erdmannsdorff, General der Infanterie Friedrich Gollwitzer, Generalmajor Claus Müller-Bülow, Generalmajor Adolf Trowitz, Generalmajor Aurel Schmidt

K.-H. Frieser gliedert den Weg deutscher Soldaten in die sowjetische Kriegsgefangenschaft in sechs chronologisch aufeinanderfolgende Etappen. Die ersten, die sogenannten Frühgefangenen, gerieten in den Jahren 1941 bis Ende 1942 in russische Kriegsgefangenschaft. Von ihnen überlebten zwischen 90 % und 95 % die Gefangenschaft nicht. Die zweite große Etappe stellt die Gefangennahme in Stalingrad im November 1942 bis 1943 dar.

Nach den Kämpfen auf der Krim im April und Mai 1944 und bei Bordy im Juni und Juli 1944 geriet weiterhin eine große Anzahl deutscher Soldaten in Gefangenschaft. Ebenfalls im Juni und Juli 1944 brach die Heeresgruppe Mitte zusammen. Ca. 150.000 Gefangene starben danach in den Sammellagern oder während der Märsche in die Lager. Als Spätgefangene klassifiziert Frieser den Personenkreis an Soldaten, der ab dem Herbst 1944 von der Roten Armee aufgegriffen wurde.

Als letzte Etappe beschreibt Frieser die Gefangennahme deutscher Soldaten nach der Kapitulation der Wehrmacht, die vorwiegend auf deutschem Reichsgebiet stattfand.[2]

Lagersystem

Während des Zweiten Weltkrieges verfügte die Sowjetunion bzw. deren Innenministerium über zwei Lagernetze. Zum einen existierte das GULag-System, zum anderen das GUPVI. Unter der Verantwortung des GULag und des GUPVI wurden Millionen von Menschen, zum großen Teil unter gravierenden Menschenrechtsverletzungen, interniert. Viele Insassen verhungerten, erfroren oder wurden erschossen. Während das GULag hauptsächlich als innenpolitisches Instrument fungierte, war die für Kriegsgefangene maßgeblich verantwortliche Instanz das GUPVI.

Folterungen, Verstümmelungen und Ermordungen

Die Forschung hat eine ganze Reihe von Belegen für Folterungen, Verstümmelungen und Ermordungen von Gefangenen zusammengetragen, die insbesondere für die Zuständigkeit der Roten Armee relevant sind.[3]

Sibirien

Üblicherweise spricht man immer von Sibirien im Zusammenhang mit den hohen Todeszahlen in Rußland. In den 57 westsibirischen Lagern verstarben allerdings 15.000 Mann (= durchschnittlich 263 Mann pro Lager) während im südlichen Zentralasien 25.000 Mann verstarben (= durchschnittlich 1.785 Mann pro Lager). In der Südregion sind mit 200.000 Mann zwar absolut die meisten deutschen Kriegsgefangenen verstorben, im südliche Zentralasien aber relativ.

Heimkehr

Die letzte größere Entlassung von Kriegsgefangenen aus der Sowjetunion („Heimkehr der Zehntausend“) fand 1955 statt. Vorangegangen war ein Staatsbesuch des BRD-Bundeskanzlers Konrad Adenauer vom 8. bis 14. September 1955 zur Aufnahme diplomatischer Beziehungen und zwecks Freilassung deutscher Kriegsgefangener.

Forschung

In der BRD wurde 1957 die wissenschaftliche Kommission für Kriegsgefangengeschichte gegründet. Seit 1959 entstand unter Leitung von Prof. Dr. Erich Maschke das 15bändige Werk „Zur Geschichte der deutschen Kriegsgefangenen des zweiten Weltkrieges“, das immer noch ein zentrales Werk der deutschen Kriegsgefangenengeschichte darstellt. Sieben Bände der Gesamtdarstellung widmen sich den deutschen Kriegsgefangenen in der Sowjetunion. Da zu diesem Zeitpunkt die sowjetischen Archive für Historiker unzugänglich waren, stützt sich das Gesamtwerk hauptsächlich auf Erlebnisberichte heimgekehrter Kriegsgefangener sowie Feldpost und Unterlagen verschiedener deutscher Hilfsdienste, wie etwa die Aufzeichnungen des Leiters des evangelischen Hilfswerks für Kriegsgefangene, Bischof Theodor Heckel (1945–1955). Mehr als 20.000 solcher Dokumente wurden als Quellengrundlage für dieses Werk benutzt.

Mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion Anfang der 1990er Jahre und der damit verbundenen politischen Neuorientierung ehemaliger sowjetischer Staaten wurden die Archive der ehemaligen Sowjetunion zumindest teilweise geöffnet. Damit erschloß sich eine völlig neue Quellenlage zur Erforschung der deutschen Kriegsgefangenengeschichte in der Sowjetunion. In den Zentralarchiven der russischen Föderation und den Ortsarchiven der Gebiete, in denen sich deutsche Kriegsgefangene befanden, lagern Millionen von unerforschten Akteneinheiten. Andere Archive, wie die des russischen Präsidenten oder des ehemaligen KGB, sind auch heute noch verschlossen. Im Sonderarchiv, der Zentrale zur Aufbewahrung historisch-dokumentarischer Sammlungen, lagern heute rund 2,3 Millionen Personenakten deutscher Kriegsgefangener, wie Soldbücher, Briefe und Photos deutscher Wehrmachtsangehöriger.

21. Jahrhundert

In der gegenwärtigen Forschung sind zwei Werke hervorzuheben. Zum einen das im Jahr 2000 erschienene Werk von Andreas Hilger, „Deutsche Kriegsgefangene in der Sowjetunion, 1941–1956; Kriegsgefangenenpolitik, Lageralltag und Erinnerungen“, welches sich als Einführung und einen ersten Überblick in die Thematik versteht. Der Autor weist explizit darauf hin, daß sein Werk keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt und Ausgangspunkt zum vertieften Studium der Materie sein sollte. Zum anderen ist es die Arbeit des österreichischen Historikers Stefan Karner, „Im Archipel GUPVI, Kriegsgefangenschaft in der Sowjetunion 1941–1956“. Er bezieht sich auf das in den von Maschke herausgegebenen Bänden nicht erwähnte Lagersystem GUPVI. In beide Bände flossen Erkenntnisse aus intensiver Archivarbeit in der ehemaligen Sowjetunion ein.

Propaganda-Galerie

Sowjet-bolschewistische Lügenpropaganda, massenhaft abgeworfen über den Stellungen der deutschen Kameraden. Verfaßt wurde sie zumeist von den Verrätern des sogenannten „Nationalkomitees Freies Deutschland“:
(Jeweils mit Vorder- und Rückseite)

Siehe auch

Literatur

  • K. Bährens: Deutsche in Straflagern und Gefängnissen der Sowjetunion, in: Zur Geschichte der deutschen Kriegsgefangenen des zweiten Weltkrieges, Band V/2; Hrsg.: E. Maschke, Bielefeld 1965
  • K. W. Böhme: Die deutschen Kriegsgefangenen in sowjetischer Hand. Eine Bilanz, in: Zur Geschichte der deutschen Kriegsgefangenen des zweiten Weltkrieges, Band VII; Hrsg.: E. Maschke, Bielefeld 1966
  • D. Cartellieri: Die deutschen Kriegsgefangenen in der Sowjetunion. Die Lagergesellschaft, in: Zur Geschichte der deutschen Kriegsgefangenen des zweiten Weltkrieges, Band II; Hrsg.: E. Maschke, Bielefeld 1967
  • B. L. Chavkin: Deutsche Kriegsgefangene in der Sowjetunion, in: Europäische Sicherheit 11/95, S. 36–37
  • J. Förster: Stalingrad: Ergebnis – Wirkung – Symbol, München/Zürich 1993
  • K.-H. Frieser: Krieg hinter Stacheldraht. Die deutschen Kriegsgefangenen in der Sowjetunion und das Nationalkomitee Freies Deutschland, Mainz 1981
  • A. Hilger:
    • Deutsche Kriegsgefangene im Wiederaufbau der Sowjetunion. Arbeitsorganisation und -leistung im Licht deutscher und russischer Quellen, in: In der Hand des Feindes. Kriegsgefangenschaft von der Antike bis zum Zweiten Weltkrieg. Hrsg.: R. S. Overmanns, S. 441–461
    • Deutsche Kriegsgefangene in der Sowjetunion 1941–1956, Kriegsgefangenenpolitik, Lageralltag und Erinnerung. In: Schriften der Bibliothek für Zeitgeschichte – Neue Folge, Bd. 11, Hrsg.: G. Hirschfeld, Essen 2000
  • S. Karner:
    • Die Sowjetische Hauptverwaltung für Kriegsgefangene und Internierte. Ein Zwischenbericht, in: Vierteljahreshefte für Zeitgeschichte, Jg. 42, Nr.3, S. 447–471
    • Im Archipel GUPVI. Kriegsgefangenschaft und Internierte in der Sowjetunion 1941–1956, Wien 1995
  • R.-U. Kunze: Aspekte der Betreuung deutscher Kriegsgefangener durch das Evangelische Hilfswerk für Internierte und Kriegsgefangene des Bischof D. Theodor Heckel, 1945–1955, in: ZbKG 64, 1995, S. 107–121
  • Albrecht Lehmann: Gefangenschaft und Heimkehr. Deutsche Kriegsgefangene in der Sowjetunion, München 1986
  • S. Oeter: Die Entwicklung des Kriegsgefangenenrechts, Die Sichtweise eines Völkerrechtlers, in: In der Hand des Feindes, Kriegsgefangenschaft von der Antike bis zum Zweiten Weltkrieg, Hrsg.: Rüdiger Overmanns, S. 41–63
  • W. Ratza: Die deutschen Kriegsgefangenen in der Sowjetunion. Der Faktor Arbeit, in: Zur Geschichte der deutschen Kriegsgefangenen des zweiten Weltkrieges, Band IV, Hrsg.: E. Maschke, Bielefeld 1973
  • Alexander Epifanow:
    • Die Tragödie der deutschen Kriegsgefangenen in Stalingrad, Biblio Verlag, Osnabrück 1996, ISBN 978-3764824617
    • Stalins Kriegsgefangene: Ihr Schicksal in Erinnerungen und nach russischen Archiven, Stocker-Verlag 1998, ISBN 978-3702007805

Verweise

Tondateien

Fußnoten

  1. DRK Suchdienst: Zur Geschichte der Kriegsgefangenen im Osten
  2. K.-H. Frieser: Krieg hinter Stacheldraht. Die deutschen Kriegsgefangenen in der Sowjetunion und das Nationalkomitee Freies Deutschland. Mainz 1981, S. 35f
  3. A. Hilger: Deutsche Kriegsgefangene in der Sowjetunion 1941–1956, Kriegsgefangenenpolitik, Lageralltag und Erinnerung. Schriften der Bibliothek für Zeitgeschichte – Neue Folge; Bd. 11; Hrsg. Hirschfeld, G.; Essen 2000, S. 56
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