Reyl-Hanisch, Herbert von

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Herbert (von Greifenthal) Reyl-Hanisch (* 18. August 1898 in Wien; † 11. Februar 1937 in Bregenz (Vorarlberg)) war ein deutscher Maler der Neuromantik und Neuen Sachlichkeit aus Österreich.

Selbstporträt (1927)

Leben

Künstlerleben

Durch den Beruf seines Vaters, eines Offiziers, kam es in der Kindheit von Herbert Reyl-Hanisch zu vielen Übersiedlungen, so z. B. nach Krakau und Prag. 1914 fiel der Vater im Krieg. 1916 legte Reyl-Hanisch in Wien die Reifeprüfung ab und rückte zur Artillerie ein, auf Grund eines Lungenleidens wurde er jedoch vom weiteren Militärdienst befreit. Ab 1916 war er lungenkrank. 1917 besuchte er kurz die Akademie der bildenden Künste in Wien, wechselte aber bald an die Wiener Kunstgewerbeschule zu Wilhelm Müller-Hofmann. Nach seinem Abschluß 1920 war er als freier Künstler tätig. 1923 heiratete er Marianne Nohl, mit der er viele Italienreisen unternahm. Er beteiligte sich 1923 erstmals an einer Ausstellung der Wiener Secession. Durch seine guten gesellschaftlichen Kontakte erhielt er auch während der wirtschaftlich schwierigen Jahre zahlreiche Porträtaufträge und betätigte sich auch als Buchillustrator. Ende der Zwanzigerjahre wurde Reyl-Hanisch in die Künstlerverbindung „Alte Welt“ aufgenommen. Es entstand eine enge Freundschaft zum Maler Franz Sedlacek, dessen Frau Maria er 1930 porträtierte. In den Dreißigerjahren stieg sein Bekanntheitsgrad stetig. Es folgten Ausstellungen in Deutschland und Italien. 1934 übersiedelte er ganz mit seiner Frau nach Bregenz, auch dort erhielt er durch Vermittlung seines Schwagers Moritz von Matt lukrative Porträtaufträge und illustrierte Bücher von E. Colerus, R. Binding und anderen. 1935 ereilte ihn ein schwerer gesundheitlicher Rückschlag. 1936 war er mit dem Porträt seines Neffen Bernhard Matt „Der Jugendmeister“ bei der Olympia-Ausstellung in Berlin vertreten. Dieses Bild wurde auch als Reichspostkarte verlegt. 1937 verbrachte er noch in Portofino mit seiner Frau einen letzten Erholungsurlaub, bevor er an einem schweren Blutsturz starb.

Neue Sachlichkeit

Reyl-Hanisch gilt als Vertreter der „Neuen Sachlichkeit“, einer Kunstrichtung, die – in Österreich ab 1925 – die Rückkehr zur Natur, zur Ordnung und zum Genre einschlug. Dem Künstler ist die Umsetzung menschlicher Empfindungen in so genannte „Seelenlandschaften“ wichtig. Er selbst beschreibt das so: „Nur ein Sinneseindruck vermag uns in ähnlicher Weise zu ergreifen wie die Musik: der Anblick einer Landschaft, das Anschauen der Natur. Sie weckt stärkere Stimmungen in uns, als es der größte Mime vermag oder das höchste Dichterwort, weil sie ebenso wie die Musik an unsere ursprünglichsten, unbewußten Tiefen greift.“

Der Betrachter blickt von einer Anhöhe auf eine mittelalterlich wirkende Stadt, ein als Spielzeuglandschaft komponiertes Idealbild. Ein breiter Weg führt hinab zum Stadtkern, der von einer zweitürmigen großen Kirche dominiert wird. Eine breite Brücke mit Eisenbahnschienen führt nach links zum Industriehafen, großen Lagerhäusern und Fabriken mit riesigen Schornsteinen. Zum rechten Bildrand breitet sich die Stadt zu einem modernen Wohnviertel mit eng aneinander gebauten Hochhäusern aus. Dieses Viertel hat einen eigenen Hafen, in dem reges Treiben herrscht. Schiffe und Boote tummeln sich auf dem Wasser, sogar ein Wasserflugzeug ist zu erkennen. Der Stadt vorgelagert ist eine zerklüftete Felslandschaft mit Inseln und einem Leuchtturm. Im rechten Bildhintergrund erhebt sich ein gewaltiges, steil abfallendes Felsmassiv, über dem aus dunklen Gewitterwolken sich gerade ein greller Blitz entlädt. Vor dem Betrachter hält auf dem Weg eine Mutter mit zwei kleinen Kindern inne, um sie auf dieses Naturschauspiel aufmerksam zu machen. Dahinter sitzt ein alter Mann auf einer Parkbank, dessen Hund auch erwartungsvoll in Richtung Blitz schaut. Von einem älteren Paar auf dem Weg zur Stadt öffnet der Mann in Erwartung eines baldigen Gewitters schon leicht den mitgebrachten Regenschirm. Weiter bergan steht ein junges Paar Hand in Hand und blickt ebenso zum eindrucksvollen Geschehen. Die Kleidung der abgebildeten Menschen entspricht den Zwanzigerjahren des vorigen Jahrhunderts, also der Zeit, in der das Bild entstand.

Interpretation des Werkes Zweikampf (1932)

Zweikampf 1932

Zu Beginn der 30er Jahre verstärkte der Künstler seine zivilisationskritische Tendenz. Die Industrialisierung wird als Vernichtung des Humanen und als aggressionsfördernd gesehen, dem gegenüber Reyl die antiken Ideale in einer Art Seelenläuterung hoch zu halten versucht. Der Kämpfer links zitiert mit seiner extremen Schrittstellung frei den borghesischen Fechter im Louvre, dem gegenüber der andere mit Messer in Verteidigungsposition geht. Die Frau, deren Gegenwart suggeriert, der Anlass des Duells zu sein, scheint die Szene gelassen zu beobachten. In einer vorbereitenden Zeichnung des Vorarlberger Landesmuseums (Bertsch, 2003, S. 31, Abb. 15) ist der rechte Mann noch stärker mit bürgerlicher Kleidung zum Arbeiter als Gegner kontrastiert. Im selben Jahr hat Reyl-Hanisch die stilistisch ähnliche „Verfolgung“ (Privatbesitz) gemalt, in welcher der Kampf zwischen Sozialdemokraten und Nationalsozialisten am 14. April 1932 in Schwechat reflektiert wird, nach welchem letztere unter Polizeischutz abtransportiert werden mussten (Vgl. Bertsch/Neuwirth 1995, 108-111; Abb. 55, 56, 72). Die Stimmung, welche die sozialen und politischen Spannungen der Zwischenkriegszeit spiegelt, wird im „Zweikampf“ noch mit dem Leuchten des Himmels, den verdunkelten Zonen und dem Panoramablick von oben übermittelt. Das Licht am Horizont erzeugt scharfe Schlagschatten in Richtung Betrachter, zu diesem optischen Trick kommt die Windrichtung im rechten Winkel dazu, erkennbar am Kleid der Frau und am Rauch. Der Kontrast von erhöhtem Vordergrund als Bühne der menschlichen Konflikte und dem abrupten Abbruch zur überindustrialisierten Umwelt darf als Ursache und Wirkung interpretiert werden.

Reyl-Hanisch-Retrospektive

Im März 2001 präsentierte das Institut für Kunstgeschichte der Universität Innsbruck eine Werkauswahl des Künstlers Dabei wurden 15 noch nie ausgestellte Werke gezeigt, die einen Einblick in das Werk boten. 1898 geboren erlebte Reyl-Hanisch den Zerfall Donau-Monarchie, den er in Bildern wie „Strassenschlacht“ von 1920 verarbeitet hat. Das Bild gilt als Dokument für die politische Situation in der ersten Republik in Österreich. Reyl-Hanisch wird als dem romantischen Teil der Neuen Sachlichkeit zugeordnet. Man sieht seine Kunst im Spannungsfeld der österreichischen, italienischen und deutschen Kunst.

Zur Ausstellung ist ein Katalog erschienen.

Literatur

„Herbert von Reyl- Hanisch. Das Land der Seele.“ Christoph Bertsch, Markus Neuwirth (Hg.). Neufeld Verlag (Lustenau 1991) „Krieg Aufruhr Revolution. Bilder zur Ersten Republik in Österreich.“ Christoph Bertsch, Markus Neuwirth. Löcker Verlag (Wien 1995)

„H. von Reyl-Hanisch 1898-1937“ H. Quintern, Dissertation, Innsbruck 1971.

„Neue Sachlichkeit, Österreich 1918-38“ K. Schröder, Ausstellungskatalog, (Wien 1995)

Österreichisches Biographisches Lexikon.

Werk

  • Zweikampf

| 1932 | 80 x 65 cm, Öl auf Platte | Signiert und datiert rechts unten, HERBERT REYL 1932 | Kunsthandel Wienerroither & Kohlbacher, Wien

  • Die große Hafenstadt

| 1928 | 105,6 X 87,7 cm, Öl auf Leinwand | signiert, datiert rechts unten: HERBERT REIL-HANISCH | im Besitz der Osterreichischen Nationalbank

  • Menschwerdung

| 1930 | 97 X 79 cm, Öl auf Holz | im Besitz der Osterreichischen Nationalbank

  • Porträt von Marianne Reyl

| 1930 | 73 x 60 cm, Öl auf Holz |signiert und datiert untenrechts: 'Herbert Reyl 1930' | derzeitiger Besitzer unbekannt; versteigert durch "Christie's Amsterdam" am 10.März 2009

  • Paradieslandschaft

| nach 1922 | 67,5 x 59 cm, Öl aus Holz | derzeitiger Besitzer unbekannt; ungeverkauft im Kinsky am 20.November 2007

  • Entdeckung der neuen Welt - Verlust der Unschuld (triptych)

| Zeit ungeklärt | 90 x 150 cm | derzeitiger Besitzer unbekannt; verkauft durch Dorotheum am 19.Dezember 2007

  • „Der Jugendmeister“

| 1936 | als Reichspostkarte aufgelegt

Galerie

Quellen