Pervitin

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Pervitin war ein von dem Berliner Pharmaunternehmen „Preuß & Temmler AG“ (früher Temmler Werke GmbH und Vereinigte Chemische Fabriken H. Temmler) von 1938 bis 1988 hergestelltes Arzneimittel. Der stark abhängig machende synthetische Inhaltsstoff der eingetragenen und geschützen Marke ist das Stimulans Methamphetamin (auch N-Methylamphetamin). Pervitin erlangte besondere Bekanntheit durch den relativ freizügigen Einsatz während des Zweiten Weltkriegs.

Wirkung

Pervitin, das Wachhaltemittel der Wehrmacht.jpg
PERVITIN.jpg
Panzerschokolade mit Pervitin.jpg

Pervitin unterdrückt Müdigkeit, Hungergefühl und Schmerz. Es verleiht kurzzeitig Selbstbewußtsein, ein Gefühl der Stärke und dem Leben eine ungewohnte Geschwindigkeit. Zu den Nebenwirkungen gehören Persönlichkeitsveränderungen, Psychosen und Paranoia aufgrund von Schlafentzug oder bei Prädisposition. Eine häufige Einnahme von Pervitin führt zu Gewöhnung und späterem Wirkungsverlust, der oft Dosissteigerung zur Erzielung der ursprünglichen Wirkung nach sich zieht.

Geschichte

Im Jahre 1937 gelang dem Temmler-Chemiker Fritz Hauschild der Durchbruch bei der Herstellung eines Wachhaltemitels. Er entdeckte ein besonders effektives Amphetamin: das Methylamphetamin. Das Medikament mit dem Namen „Pervitin“ wurde in der Zeit des Dritten Reiches von den Temmler-Werken in Berlin hergestellt. Damals wurde Pervitin medizinisch verwendet.

Wehrmacht

Schnell wurden die Militärärzte auf das neue Mittel aufmerksam. In der Akademie führen sie erste Tests durch. Von allen Mitteln versprach Pervitin den größten militärischen Nutzen. Neben der Beseitigung des Schlafbedürfnisses führt es auch zu einer Steigerung des Selbstbewußtseins und der Risikobereitschaft.

Unter den im Volksmund bekannten Spitznamen „Panzerschokolade“, „Stuka-Tabletten“ oder „Hermann-Göring-Pillen“[1] diente das Mittel zur Dämpfung des Angstgefühls und zur Steigerung der Leistungs- und Konzentrationsfähigkeit.

Allein in der Zeit von April bis Juni 1940 bezogen Heer, Luftwaffe und Waffen-SS mehr als 35 Millionen Tabletten Pervitin,[2][3][4] wie viele Tabletten ausgehändigt oder gar eingenommen wurden, läßt sich nicht verifizieren.

Benzedrine: Amphetamin der Alliierten im Zweiten Weltkrieg zum inhalieren, aber auch in Tablettenform; die Infanterie nahm 5 bis 10 mg alle fünf bis sechs Stunden, wobei die Höchstdosis „20 mg täglich“ empfohlen wurde, die Flieger der Royal Air Force und der USAAF sollten vor einem Feindflug 10 mg inhalieren.[5]

Insbesondere an der Ostfront, wo Soldaten oft tagelang ohne Schlaf im Kampf standen, wurde Pervitin zur Notwendigkeit. Die Besatzungen des deutschen Kleinst-U-Bootes „Seehund“ konnten mit dem Aufputschmittel zum Teil bis zu sieben Tage und Nächte im Einsatz bleiben.


Reichsgesundheitsführer

Durch eine Intervention des Reichsgesundheitsführers und Chefs der Reichsärztekammer Dr. Leonardo Conti, der für seinen asketischen Lebensstil bekannt war und der die Verwendung von chemischen Hilfsmitteln ablehnte, war das Medikament ab Mitte 1941 nicht mehr frei erhältlich, sondern nur noch auf Rezept, wodurch sich sich der Einsatz der Droge merklich reduzierte. Conti hatte die Berichte seiner Ärzte und Sanitätsoffiziere gelesen, die von zunehmenden Nebenwirkungen berichteten, die teilweise verheerend waren: „Wer Ermüdung mit Pervitin beseitigen will, der kann sicher sein, daß der Zusammenbruch seiner Leistungsfähigkeit eines Tages kommen muß.“ Ein von Conti gefordertes Verbot wurde jedoch wegen des Kriegsbedarfes abgelehnt.

Sonstiges

Von verschiedenen Seiten wurde nach dem Krieg gerüchteweise behauptet, daß Adolf Hitler pervitinabhängig gewesen sei, was jedoch nie bewiesen werden konnte.

Gorch Pieken, der wissenschaftliche Direktor des Militärhistorischen Museums der Bundeswehr in Dresden, stellte 2016 fest: „Einige Soldaten starben an Herzversagen oder erschoßen sich im Wahn.“ Allerdings seien nicht alle Soldaten abhängig geworden oder hätten an diesen Nebenwirkungen gelitten. „Das war natürlich von der Dosis, dem Zeitraum und der körperlichen Konstitution abhängig.“

Alliierten

Die Alliierten verwendeten ebenfalls im großen Still Amphetamine und Methamphetamine, als „Energie-Tabletten“ (energy tablets) getarnt. Die Briten geben für den Zweiten Weltkrieg 72 Millionen ausgehändigte Tabletten an. Die US-Amerikaner verweigern Angaben, Schätzungen liegen jedoch bei 200 Millionen+.[6]

Verwendung nach 1945

Trotz Nebenwirkungen und Suchtgefahr gehörte Pervitin auch noch nach dem Krieg zur Ausrüstung der Bundeswehr und NVA-Nationale Volksarmee der DDR. Es ist die Geschichte eines ungebrochenen Erfolges. Deshalb wurde der Wirkstoff Pervitin auch nach 1945 weiterhin hergestellt und kam, außer dem normalen Apothekenverkauf, zum miltärischen Einsatz z. B. während des Kriegs der US-Amerikaner gegen Vietnamesen. Ebenso als Doping-Substanz, verwendeten es Sportler, etwa 1952 Josy Barthel, der beliebte Luxemburger Leichtathlet und Olympiasieger. Die (USAF)-Luftwaffe der US-Amerikaner verwendete noch 2013 das Dexamphetamin „Dexedrine“ für ihre Flugzeugführer.

Einstellung

Das Fertigarzneimittel „Pervitin“ wurde 1988 in der BR-Deutschland vom Markt genommen.

Fußnoten

  1. Jahrbuch 2005 der Deutschen Gesellschaft für Geschichte der Sportwissenschaft e.V., LIT Verlag Münster, 2006, Seite 110
  2. Die Karriere des Crystal Meth, FAZ
  3. Pervitin, CHEMIE.DE Information Service GmbH
  4. Wolfgang U. Eckart, Hans-Walter Schmuhl, Winfried Süß, Robert Jütte: Medizin und Nationalsozialismus: Bilanz und Perspektiven der Forschung, Wallstein Verlag, 2012
  5. Benzedrine Sulphate used in War Operations – by Brook Durham
  6. Nicolas Rasmussen: Medical Science and the Military – The Allies’ Use of Amphetamine During World War II, in: „Journal of Interdisciplinary History 42“, Nr. 2 (2011), Seiten 205–233