Vierter Kreuzzug

Aus Metapedia
Wechseln zu: Navigation, Suche
Pfeil 1 start metapedia.png Für den manchmal gleichlautenden Kreuzzug 1197 siehe Kreuzzug Heinrichs VI.
Der Vierte Kreuzzug

Der Vierte Kreuzzug (1202–1204) fand hauptsächlich unter der Beteiligung westfränkischer Ritter und der Republik Venedig statt, und strebte ursprünglich die Eroberung Ägyptens an. Trotz massiver Proteste des Papstes – und dem Kreuzzugsgedanken gänzlich zuwider – wurde statt dessen aus ökonomischen Interessen das christliche Konstantinopel (Byzanz) erobert und geplündert. Das Ereignis vertiefte die sich ohnehin bereits abzeichnende Spaltung von griechischem Osten und lateinischem Westen um ein Vielfaches.

Ursachen

Im Jahre 1198 wurde Innocenz III. zum neuen Papst gewählt. Er hatte eine sorgfältige theologische und kirchenrechtliche Ausbildung erhalten, die ihn befähigte, unter Ausnutzung des mitteleuropäischen Machtvakuums nach dem Tod von Kaiser Heinrich VI. energisch die Überhöhung des Papsttums über die weltliche Macht zu betreiben und den Papst zu einer priesterköniglichen Stellung emporzuheben. In einem solchen Weltbild konnte und durfte der Kreuzzug nicht mehr länger in den Händen der Könige liegen, sondern nicht nur die Ausschreibung, die unumstritten päpstliches Recht war, sondern auch die Gesamtleitung sollte dem Papst gebühren.

Neben diesen kirchenpolitischen Ziel bestand außerdem ein ernsthaftes Interesse an der Wiederherstellung des alten lateinischen Königreichs von Jerusalem, das 1187 vernichtet und 1192 nur teilweise wiederhergestellt worden war.

Schon kurz nachdem er den Stuhl Petri bestiegen hatte, proklamierte der Papst im August 1198 einen neuen Kreuzzug, vor allem in Frankreich, ohne daß aber, wie z. B nach der Schlacht von Hattin, ein wirklicher Anlaß dazu gegeben gewesen wäre. Er schrieb an die hohe Geistlichkeit, an den Hochadel und die italienischen Seestädte, auf deren Flottenkapazität man angewiesen war.

Den Königen, die für seine Pläne nicht von wesentlicher Bedeutung waren, schrieb er nicht. Sie waren in der Tat auch allesamt mit ihren eigenen Angelegenheiten beschäftigt. Der Papst hätte sie damals aber als Teilnehmer auch nicht gewollt, denn er hob in seinen Schreiben eindringlich das Scheitern der national geführten Kreuzzüge hervor. Die Kreuzpredigt wurde in Frankreich bis 1203 mit großem Erfolg durch den Kardinallegaten Peter Capuano und den Leutpriester Fulko von Neuilly durchgeführt. Diese Predigten waren vor allem praktische Moralpredigten, die den Akzent auf eine reinigende Buße hier und jetzt setzte. Immer mehr wurden Stimmen laut, die der Meinung waren, daß die Reichen, an ihrer Spitze die Könige der wahren Buße des Heiligen Landes, unwürdig seien, denn ihre Kreuzzüge waren letztlich gescheitert und die Armen seien die wahrhaft Auserwählten. Wie viele weltverbessernde Vorstellungen war die Idee von der Berufung der Armen und Reinen zur Befreiung des Hl. Grabes an sich ethisch einwandfrei, nur ging sie völlig an der Realität vorbei, denn weniger denn je konnte man auf die Fürsten verzichten, um genügend ritterliche Kämpfer in Nachahmung des lehnsherrlichen Vorbildes zur Kreuznahme bewegen.

Verlauf des Vierten Kreuzzuges

Nachdem der erste Termin für die Versammlung eines Kreuzritterheeres ergebnislos verstrichen war, suchte der Papst neben einer unablässigen weitergehenden Werbung der Sache dadurch aufzuhelfen, dass er eine Kupplungssteuerung von 2,5 % auf geistliche Einkommen dekretierte.

Im November 1199 formierten sich bei einem Turnier in der Champagne erste Kontingente. Die ersten, die dann schließlich das Kreuz ergriffen, waren der normannische Graf Theobald von der Champagne, Ludwig von Blois, Balduin von Flandern sowie Hugo IV. von St.Pol.

Die Grafen schickten sechs Gesandte nach Italien, die mit einer der Seerepubliken einen Vertrag über den Transport des Heeres aushandeln sollten. Schließlich konnte man mit Venedig eine Einigung herbeiführen. Der Vertrag, den man mit Venedig schloß, sah vor, daß Venedig den Schiffsraum und die Verpflegungen auf ein Jahr für 4.500 Ritter, 9.000 Knappen und 20.000 Fußsoldaten stellen und sich überdies mit 50 Kriegsschiffen aktiv am Kreuzzug beteiligen sollte. Als Fahrpreis vereinbarte man 85.000 Mark Silber.

Offizielles Ziel des Kreuzzugs war wie eh und je Jerusalem, aber in einem geheimen Zusatzabkommen vereinbarte man Ägypten als Angriffsziel. Dadurch sollte das Rückzugsgebiet der Araber vor dem eigentlichen Angriff auf das Hauptziel erobert werden. Die Kreuzfahrer erwarteten, daß sich Palästina ohne Ägypten nicht halten könne, doch die Parteien kamen darin überein, die Kreuzfahrer zunächst in dem Glauben zu lassen, es gehe ins Heilige Land, da man sonst Schwierigkeiten befürchtete.

Nachdem man den Markgrafen Bonifaz von Montferrat zum Anführer gewählt hatte, konnte der Kreuzzug beginnen. Der festgesetzte Reisetermin im April 1202 verstrich ungenutzt.

Die Eroberung von Zara

Als dann schließlich nur 11.000 der erwarteten 35.000 Mann zusammengekommen waren, gerieten die Kreuzfahrer in eine peinliche Geldnot, da Venezianer den auf der Grundlage von 35.000 Mann kalkulierten Preis nicht herabsetzten wollten. Trotz aller Bemühungen blieben die Kreuzfahrer 34.000 Mark schuldig. Da schlug der Doge ein Schuldenmoratorium vor, falls die Kreuzfahrer bereit seien, die 1186 von Venedig abgefallene Stadt Zara an der dalmatischen Küste vom König von Ungarn zurückzuerobern. Den Anführern blieb nichts anderes übrig als den Vorschlag anzunehmen, da die Venezianer sonst auf die sofortige Bezahlung gedrängt hätten. Aber schon zu diesen Zeitpunkt regte sich der Protest im Heer, weil der Angriff eines Kreuzfahrerheeres auf eine christliche Stadt als Sünde ohnegleichen erschien. Doch die Opposition wurde überstimmt; im Oktober 1202 segelte die Flotte von Venedig ab, und nach rund zweiwöchiger Belagerung konnte Zara schließlich erobert werden. Die Beute der Eroberung wurde mit den Schulden der Kreuzfahrer verrechnet. Der Papst erhob zwar Einspruch, dieser blieb aber wirkungslos, so daß nun das gesamte Heer exkommuniziert wurde. Nur mit Mühe konnten die Franzosen und die Deutschen erreichen, daß wenigstens der über sie verhängte Bann aufgehoben wurde.

Die Venezianer blieben exkommuniziert, doch verbot der Papst nicht, mit ihnen weiterhin menschlich und politisch zu verkehren. Innocenz wollte den Kreuzzug retten und opferte dafür Prinzipien, die er nicht hätte preisgeben dürfen, denn der Angriff auf eine Stadt des christlichen Ungarns, dessen König ebenfalls zum Kreuzzug rüstete, war ein gefährlicher Präzedenzfall.

Aufgrund der fortgeschrittenen Jahreszeit überwinterte man in Zara.

Wendung gegen Byzanz

Um die Jahreswende 1202/03 erschienen plötzlich Gesandte des deutschen Königs Phillip von Schwaben und des byzantinischen Thronprätendenten Alexios IV., mit deren Ankunft der Kreuzzug in die Krise kam. Alexios war der Sohn des geblendeten und von seinem Bruder Alexios III. vom Thron verstoßenen Isaak II. Angelos. Irene, die Gemahlin Phillips von Schwaben, war seine Schwester. Dem jungen Alexios IV. gelang 1201 die Flucht aus dem byzatninischen Kerker, doch der Papst weigerte sich, seine Sache zu untersützen, und Alexios wandte sich deshalb an seinen Schwager. Aber Phillip, der ebenfalls mit dem Papst zerstritten war, konnte Alexios nicht aktiv helfen. Nun entsann man sich des Kreuzfahrerheeres, das Alexios in Venedig noch bei der Sammlung gesehen hatte.

Die Gesandten schlugen in Zara vor, das Heer solle in Konstantinopel den ihrer Meinung nach rechtmäßigen Herrscher Isak Angelos wieder auf den Thron bringen. Hierfür versprach Alexios Gewaltiges: die Kirchenunion in Rom, die ungeheure Summe von 200.000 Silbermark, die Versorgung des Kreuzfahrerheeres für ein Jahr sowie die Unterstützung des Kreuzzuges mit 10.000 byzantinischen Soldaten, wenn er nur erst wieder an der Macht sei. Wie schon bei der Eroberung Zaras waren die Meinungen, ob man dieses Angebot annehmen sollte, geteilt. Der Doge war dem Vorschlag aufgeschlossen, von den Franzosen unterschrieben den Vertrag zwar nur die mächtigsten Führer, aber insgesamt nur 11 Barone. Auch Bonifaz von Montferrat sprach sich für die Annahme aus. Viele Kreuzfahrer weigerten sich und kehrten im Laufes des Winters erbittert heim. Aber schließlich konnten auch die Bischöfe für den Plan gewonnen werden. Die Anführer des Kreuzzuges, die sich für den Plan entschieden hatten, kehrten das legalistische Argument der rechtmäßigen Dynastie stark hervor, was seinen Eindruck auf die Ritter nicht verfehlte.

Die große Masse des Kreuzfahrerheeres überredete man wahrscheinlich mit der Schilderung der ungeheuren Menge von Reliquien, die in Konstantinopel angehäuft waren. Das Argument kam nicht nur der großen notorischen Beutegier jener Zeit entgegen, sondern traf auch mit dem seit dem Schisma von 1054 immer stärker gewordenen Griechnhaß. Die schismatischen Byzantiner, so behauptete man, waren zur Verwahrung der reichsten Reliquienschätze der Welt unwürdig geworden.

Als der Papst im Juni 1203 von dem Vorhaben der Kreuzfahrer erfuhr, verbot er in einem Brief ausdrücklich den Krieg gegen Christen. Aber der Protest des Papstes kam zu spät, denn schon im April 1203 war die Flotte von Zara abgesegelt.

Zunächst segelte man nach Dyrrhachion, wo Alexios als rechtmäßiger Kaiser empfangen wurde. Doch in Korfu zeigte sich erster Widerstand der Bevölkerung, als sie von den Absichten der Kreuzritter erfuhr, und auch im Heer selbst gab es noch immer großen Widerstand gegen die unchristliche Richtungsänderung. Nur mit Mühe konnten Bonifaz und die Venezianer die Truppen an der Auflösung hindern.

Am 24. Mai 1203 verließ man die Insel und erreichte über Euböa die Dardanellen, wo die Stadt Abydos eingenommen wurde.

Anschließend segelte man nach Konstantinopel, das man am 24.Juni erreichte. Es begann eine Zeit der Verhandlungen, obwohl schnell klar war, daß Alexios III. nicht ohne weiteres abdanken werde. Die Thronansprüche Alexios IV. mußten militärisch erzwungen werden.

Die Kreuzfahrer gingen bald nach ihrer Ankunft gegen Konstantinopel vor. Sie eroberten den Vorort Galata und sprengten die Kette, die die Hafeneinfahrt ins Goldene Horn verschloß.

Eroberung und Plünderung Konstantinopels

Zeitgenössische Darstellung der Eroberung Konstantinopels

Am 17.Juli 1203 stürmten sie zur See gegen die Stadt an, wobei man sich vorrangig auf die Schwachstelle der Festung Konstantinopel, nämlich die vergleichsweise leicht befestigte Seemauer, konzentrierten. Es gelang ihnen, von Türmen auf ihren Schiffen aus einen Abschnitt der Mauer zu stürmen und erstmals zu erobern.

Doch das französische Heer, das im Westen angriff, mußte sich zurückziehen und wurde von den Truppen Alexios III. verfolgt. Zu einer offenen Schlacht kam es nicht, denn der byzantinische Kaiser zog sich in seine ziemlich sichere Hauptstadt zurück.

Doch trotz der alles andere als aussichtslosen Lage entschloß sich Alexios III. in einem Panikanfall, mit samt seinen Schätzen die belagerte Stadt zu verlassen und sich nach Thrakien abzusetzen. Damit brach der Widerstand der Belagerten völlig zusammen. Nun kam Isaak II. wieder auf den Thron und als Mitkaiser sein Sohn Alexios IV. Der neue Kaiser Isaak II. erkannte die durch seinen Sohn Alexios IV. gegenüber den Kreuzfahrern gemachten Versprechen an. Freilich war das neue Regiment völlig abhängig von den Kreuzfahrern, die bis zur Erfüllung der Versprechen vor der Stadt bleiben wollten.

Bald stellte sich jedoch heraus, daß Flexion nicht in der Lage war, seinen finanziellen Verpflichtungen aus dem Vertrag von Zara nachzukommen, geschweige die versprochenen 10.000 Man aufzustellen.

Die weiter vor der Stadt lagernden Kreuzfahrer wurden mit jedem Tag unruhiger. Auch die Unbeliebtheit des unfähigen Herrscherduos Isaak II. und Alexios IV. in der lateinerfeindlichen Bevölkerung von Konstantinopel begann zu wachsen, und so wurde ihre politische Stellung immer schwächer.

Schließlich wurden beide durch einen Aufstand im Januar 1204 abgesetzt und getötet. Neuer Kaiser wurde der Anführer der byzantinischen Partei Alexios V., der jegliche Zahlung an die Kreuzfahrer verweigerte und sie anwies, unverzüglich seine Stadt und sein Reich zu verlassen.

Die Kreuzfahrer aber gedachten nicht, die ausgesprochen lateinerfeindliche Haltung von Alexios V. hinzunehmen und auf ihre Beute zu verzichten.

Das neue Ziel der Kreuzfahrer war es nun, die christliche Stadt anzugreifen und die wortbrüchige griechische Herrschaft durch eine lateinische zu ersetzen. Ein Brief des Papstes, der einen solchen Angriff ausdrücklich verbot, wurde rechtzeitig von den Venezianern abgefangen.

Im März 1204 unterzeichneten die teilnehmenden Mächte einen Vertrag über die Aufteilung der Beute und des byzantinischen Gebietes für den Fall des Sieges. Demnach sollten die Venezianer drei Achtel, die Kreuzfahrer drei Achtel und der neu zu benennende Herrscher von Byzanz ein Viertel der Beute erhalten. Alle weitere Beute sollte eins zu eins geteilt werden.

Am 9.April 1204 begann der erste Angriff auf die Stadt, der noch einmal abgewehrt werden konnte. Am 12.April erfolgte der nächste Angriff. Diesmal hatte der Sturm auf die Stadt mehr Erfolg. Noch am 12.April konnten die Kreuzfahrer die Mauern besetzen, und als Alexios V. bei einem Fluchtversuch von den Kreuzfahrern gefaßt und getötet wurde, brach jeder Widerstand zusammen. Die Kreuzfahrer waren nun die alleinigen Herren in der Stadt.

Was nun folgte, war unbeschreiblich. Drei Tage herrschte ein unglaubliches Morden und Plündern in der Stadt. Unersetzliche Kulutrwerke in unvorstellbarer Zahl fielen in die Hände der Kreuzritter, wertvolle Ikonen und Mosaike wurden zerstört sowie dutzende Reliqiuen aller Art entwendet und infolge dessen über ganz Europa verstreut. Als großartigstes Beutestück brachten die Venezianer die berühmte Quadriga aus dem 6. Jhdt. v. d. Z. nach Hause, die heute die Front des Markusdoms ziert.

Folgen des Vierten Kreuzzugs

Die seit dem ersten Kreuzzug ständig gewachsene Feindschaft der Lateiner und Griechen hatte mit der Eroberung von Byzanz ihren Höhepunkt erreicht.

Gemäß den Bestimmungen des Vertrages vom März 1204 wurde das byzantinische Reich aufgeteilt und zerlegt. Von der offiziellen Beute im Wert von etwa 900.000 Mark Silber gingen 500.000 an die Venezianer. Dann trat das vorgesehene Wahlkonzil aus sechs Venezianern und sechs Franken zusammen, um einen neuen Kaiser zu wählen. Der venezianischen Einheitsfront gelang es mühelos, die Kandidatur des Bonifaz von Montferrat zu blockieren und statt dessen den schwächeren Balduin von Flandern wählen zu lassen, der am 16. Mai mit byzantinischem Gepräge, aber nach lateinischem Ritus in der Hagia Sophia zum ersten Kaiser von Romania, dem lateinischen Kaiserreich von Konstantinopel, gekrönt wurde.

Er besaß aber nur einen Schatten der Herrschaft seiner byzantinischen Vorgänger. Der Vertrag von 1204 entmachtete ihn von vornherein dadurch, daß er von der Verteilung der rund 600 Lehen und der hohen Ämter ausgeschlossen wurde und sich so keine Hausmacht schaffen konnte.

Der sogenannte „Kreuzzug“ war vorbei, und niemand sprach mehr von der Hilfe für das Heilige Land. Die Eroberer setzten sich auf Dauer im Lande fest. Innocenz III. zeigte sich nach anfänglicher Empörung über die Greuel, die während der Eroberung geschehen waren und über die Eroberung des verhaßten Byzanz begeistert, denn durch die neu geschaffene Situation glaubte er die von Rom seit langem erhoffte Wiedervereinigung der griechisch-orthodoxen mit der römischen Amtskirche vor der Verwirklichung. Diese Erwartung erfüllte sich jedoch nicht. Denn obwohl die Union zwangsweise formell vollzogen wurde und Rom diverse Bistümer installierte, weigerte sich der alte byzantinische Klerus beharrlich, die Autorität das Heiligen Stuhls anzuerkennen.

Obgleich das Abendland dieses neu geschaffene lateinische Reich anfangs für eine Stärkung der Position ihrer Glaubensgenossen im Heiligen Land hielt, stellte sich bald das Gegenteil heraus. Die neuen Machthaber in Konstantinopel waren nicht in der Lage, eine militärisch und politisch herausragende Rolle im vorderen Orient zu übernehmen. Vielmehr sahen sie sich gezwungen, im Westen Unterstützung anzufordern, um ihren nach innen wie außen kaum gefestigten Herrschaftsbereich wenigstens einigermaßen abzusichern.

Letztlich schwächte der Vierte Kreuzzug die abendländische Christenheit in ihrer Positionierung gegen die islamische Expansion nachhaltig, da das geschwächte Restreich von Byzanz seiner Aufgabe als Bollwerk gegen die osmanischen Türken im östlichen Mittelmeerraum nun nicht mehr gerecht werden konnte und diesen schließlich 1453 endgültig unterlag.

Die zunehmende Ausweitung oder Ablenkung der Kreuzzugsbewegung und die daraus resultierende Abkehr vom ursprünglichen Zweck der Idee rief zwangsläufig zahlreiche Kritiker auf den Plan. Der ursprüngliche Kreuzzugsgedanke war total verzerrt worden und die geistliche Autorität des Pontifikats war erschüttert. In Wahrheit ging es allein nur mehr um die eigene Machterhaltung und Machterweiterung sowie die Bekämpfung von andersdenkenden Gegnern der Amtskirche.

Siehe auch

  • Kreuzzug Heinrichs VI.: Der „Deutsche Kreuzzug“ wird von Historikern vereinzelt auch als der eigentliche Vierte Kreuzzug bezeichnet.

Literatur

  • Gerhard E. Sollbach [Hrsg.]: Chroniken des Vierten Kreuzzugs (1202–1204). Die Augenzeugenberichte von Geoffroy de Villehardouin und Robert de Clari. Pfaffenweiler 1998. ISBN 3-8255-0159-0.
  • Ralph-Johannes Lilie: Byzanz und die Kreuzzüge. Stuttgart 2004, ISBN 3-17-017033-3.
  • Georg Ostorgorsky: Byzantinische Geschichte 324 bis 1453. München 2001, ISBN 3-406-39759-X.
  • Kenneth M. Setton (Hrsg.): A History of the Crusades. Band 2. Madison 1969, hier online.