Oströmisches Reich

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Das oströmische Reich, auch Ostrom oder Byzantinisches Reich genannt, ging (nach der gängigen Darstellung) infolge des Ablebens des römischen Kaisers Theodosius I. im Jahre 395 n. d. Z. aus der Teilung des Römischen Reiches hervor. Der erste oströmische Kaiser war Arcadius, ein Sohn von Theodosius I.

Das Oströmische Reich (orange) auf dem Höhepunkt seiner Ausdehnung unter Iustinian I. im 6. Jahrhundert.

Ursprung, Niedergang, Untergang

Die Entwicklung des oströmischen Territorialbestandes von 550 bis 1400 in einer animierten Grafik

Kaiserliche Residenzstadt war Konstantinopel (davor Byzanz, das heutige Istanbul in der Türkei). Wesentliche hellenistische Kulturmerkmale des vormals untergegangenen antiken Griechischen Reiches überlebten im oströmischen Reich. Charakteristisch ist, daß das Altgriechische bzw. die Koiné die führende Sprache des Ostens wurde und Latein von geringer Bedeutung war.

Als Zeitpunkt des Untergangs des oströmischen Reiches wird die Eroberung Konstantinopels durch die Osmanen im Jahre 1453 angesehen. Das Reich war jedoch davor schon immer mehr in sich zusammengeschrumpft. Der Untergang Ostroms verschaffte den Osmanen den Weg nach Europa.

Im westlichen Europa ist die Geschichte Ostroms in der Regel weniger bekannt, da man sich auf die Geschichte des Westteils und die anschließend auf seinem Boden entstandenen germanischen Reiche konzentriert. Ostrom taucht hierbei meist nur als Randthema auf. Im Osten Europas (Rußland, Rumänien, Bulgarien, Griechenland und Serbien) ist seine Geschichte jedoch gemeinhin vertrauter, da nicht zuletzt durch die orthodoxe Kirche der kulturelle Einfluß Ostroms bis heute sichtbar ist. [1] Aus westeuropäischer Sicht kann die oströmische Geschichte somit als das „andere Mittelalter“ bezeichnet werden.

Geschichte

Eingrenzung der Epoche

Der Beginn des Oströmischen Reiches ist nicht eindeutig auszumachen, da es kein offizielles Gründungsdatum gibt. Statt dessen hat sich das Gebilde aus dem Römischen Reich heraus entwickelt. In der Forschung werden meist drei Zeitpunkte genannt, die man als Beginn der oströmischen Geschichte sieht:

  • 336: Unter Konstantin dem Großen wird das nun in Konstantinopel umbenannte Byzanz die neue Hauptstadt des Römischen Reiches. Somit verlagerte sich dessen Schwerpunkt nun nach Osten, die bisherige Hauptstadt Rom verlor zunehmend an Bedeutung. Mit diesem Umzug des Machzentrums in den Osten wurde die Grundlage für das spätere Ostrom gelegt. Zudem bildet das Datum auch eine schöne Klammer, da sowohl Beginn als auch Ende Ostroms mit der Stadt Konstantinopel selbst verbunden sind: Sie beginnt mit deren Erhebung zur Hauptstadt und endet mit ihrer Eroberung durch die Osmanen. [2]
  • 395: Die sogenannte Reichsteilung in einen West- und Ostteil des Imperiums war ein entscheidendes Ereignis, da die Entstehung Ostroms sich bereits abzeichnete. Jedoch handelte es sich um keine wirkliche Teilung des Reiches geschweige denn eine Neugründung, sondern lediglich eine Vereinfachung der Verwaltung. Es handelte sich nach wie vor um ein Reich, das sich jedoch aus zwei größeren Blöcken zusammensetzte. [3]
  • 2. Hälfte des 6. Jahrhunderts: Dieser späte Beginn der oströmischen Geschichte kann als subjektiv bezeichnet werden, da er vor allem in dem Kontext verwendet wird, ein glänzendes römisches Altertum einem Niedergang im Mittelalter gegenüberzustellen. [4]

Bei dem Ende des Reiches ist man sich hingegen einiger und nimmt 1453 als Ende. Zu beachten ist hierbei jedoch, daß nun auch das Kerngebiet des immer mehr geschrumpften Reiches in fremde Hand gelangte, Ostrom endgültig aufhörte als Staat zu bestehen, einige wenige Teile des Reiches hielten sich jedoch noch einige Jahrzehnte.

Eingeteilt wird die Geschichte Ostroms in der Regel in folgende drei Abschnitte:

  • Frühbyzantinische Periode
  • Mittelbyzantinische Periode
  • Spätbyzantinische Periode

Historische Betrachtung im Wandel der Zeit

Der Blinkwinkel europäischer Historiker in Bezug auf das oströmische Reich war stets ein überwiegend negativer. William Lecky schrieb 1869 eine gängige Auffassung nieder: „Das allgemeine Urteil der Geschichte über das Byzantinische Reich geht dahin, daß es ohne Ausnahme die niedrigste und verächtlichste Form der Kultur darstellt, die es bisher gab..“ (Maier, 2001:12) Der Begriff Byzantinismus ist im lateinisch-germanischen Europa zum Sinnbild für Kabale, Falschheit und Niedertracht geworden. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts scheint sich aber eine Betrachtungsweise durchgesetzt zu haben, die auf den Gesamtaspekt Ostroms Rücksicht zu nehmen scheint: Sein römisches Erbe, die Sprache, die geographische Lage, Sitten und Gebräuche usw. Ostrom war und ist jedoch weiterhin ein Exot in der Geschichtsschreibung Europas.

Raum und Herrschaft

Die Grenzen Ostroms entsprachen ursprünglich den Grenzen zur Zeit der römischen Reichsteilung 395. Diese Teilung war kein Akt administrativer Willkür (2001:13). Auch wenn ein gemeinsames Reich weiterhin Bestand haben sollte, hatten sich die lateinisch-germanische und griechisch-orthodoxe Reichshälfte zusehends entfremdet: Auf den Gebieten der Sprachen, der Rassen und der Wirtschaft. Jedoch, bei allen Gebietsverlusten hat der Einfluß Ostroms bis 1453 innerhalb des Gebietes von 395 gewirkt – und darüber hinaus (2001:14). Man betrachte nur den Einfluß auf die heidnisch-germanischen und slawisch sprechenden Völker im Osten und Südosten Europas.

Eine Einsicht in die demographische Struktur des Reiches gestaltet sich schwierig: Zu dürftig ist die Datenmenge. Als gesichert gilt, daß die Bevölkerungsdichte in den Ostgebieten – i. e. Syrien und Ägypten – aufgrund der Zahl der Städte höher war.

Die wirtschaftliche Struktur ist hingegen besser bekannt. (2001:14) Geld und Gewerbe waren in den östlichen Gebieten konzentriert. Der Westen hingegen blieb Rohstofflieferant.

Mit den Grenzen des Altreiches übernahm Ostrom auch zwei geopolitische Krisenherde: Den Donauraum und das Gebiet um Syrien-Armenien. Der daraus resultierende Zweifrontenkrieg wurde zu einer Konstante in der Geschichte Ostroms. Der Germanensturm im Westen konnte zwar abgewehrt werden. Jedoch erwuchs dort dem Reich ab 600 n. u. Z. ein neuer Gegner: Die „Slawen“.

Im Osten erschienen um 700 n. d. Z. die Sassaniden. Vom heutigen Gebiet des Iran ausgehend, kämpfte dieses gebildete und straff organisierte Staatswesen um die Vorherrschaft in Kleinasien. Mit der Vernichtung der Sassaniden durch das Kalifat änderte sich nur der Gegenspieler. Arabische und türkische Reiter lösten die sassanidischen Panzerreiter ab. (2001:16)

Die geographische Lage des Reiches brachte Vor- und Nachteile. Ein Nachteil war die geographische Entfernung zu den fruchtbaren Gebieten Nordafrikas. Der Verlust dieser Gebiete im 7. Jahrhundert sollte sich schwer auf die wirtschaftliche Kraft des Reiches auswirken. Der zweite Nachteil war die Exponiertheit der Donaugebiete.

Von Vorteil war die günstige Lage des Kerngebietes, d. h. der Hauptstadt sowie Thrakiens und Kleinasiens. Die innere Linie erleichtere die Verteidigung dieser wichtigen Gebiete als Menschenreservoir des Reiches. Des weiteren ermöglichte die Lage von Konstantinopel den Ausbau der Seeherrschaft im östlichen Teil des Mittelländischen Meeres. So vorzüglich war die Lage der Hauptstadt als militärisches, politisches und wirtschaftliches Zentrum, daß sie in ihrer tausendjährigen Geschichte nur zweimal eingenommen wurde, nämlich 1204 und 1453. (2001:17)

Historische Rolle Ostroms

Mit dem Untergang Westroms durch dessen Eroberung durch Germanen lebte die Idee des Imperium Romanum in Ostrom vorerst fort - theoretisch bis 1453, obwohl das Territorium des Reiches zu diesem Zeitpunkt auf das Gebiet der Hauptstadt geschmolzen war. In seiner tausendjährigen Geschichte bestimmte die Synthese aus Christentum griechischer Prägung mit den kulturellen Einflüssen aus dem Orient das Wesen Ostroms (2001:18).

Während das Westreich wirtschaftlich und politisch verfiel, überlebte Ostrom als einzige Macht in Europa und dem Nahem Osten. Kein anderer Staat - außer dem Kaiserreich China- konnte auf eine vergleichsweise Machtfülle zurückgreifen. Ostrom verfügte über die wirksamste Verwaltung, das schlagkräftigste Heer und die größten Reserven an Edelmetallen d. h. Geld. Erst der Aufstieg des Islam beendete die oströmische Alleinherrschaft im Mittelmeer (2001:19). Erst das Aufkommen der italienischen Seestädte zermürbte die führende Rolle in Handel und Geldwesen.

Die Geschichtswissenschaft versucht - in der Retrospektive -, dem Reich eine geschichtliche Funktion beizulegen. Eine mögliche Interpretation kann wie folgt subsumiert werden:

  • Kampf gegen den Islam
  • Überlieferung einer Griechischen Kultur
  • Aufeinandertreffen von lateinisch-germanisch-slawischen und orientalischen Einflüssen

Die Geschichte Ostroms, seine Existenz in allen Schichtungen staatlichen Seins, spielten sich „im Spannungsfeld“ dieser Pole ab.

Ostrom beeinflußte das lateinisch-germanische bzw. römisch-deutsche Europa mit seinem Herrscherzeremoniell, mit Waren und Gütern (e. g. Seide), sowie der Entwicklung der Kirchenmusik und des Mönchtums. Dies geschah in großem Ausmaß über Venedig und Unteritalien (2001:19).

Die Träger einer byzantinischen Tradition sind heute noch die orthodoxen Kirchen sowie der slawischen Völker. Konstantinopel wirkte über Jahrhunderte auf das kulturelle und spirituelle Leben der Bulgaren, Kroaten, Serben, Russen Ungarn. So hat zum Beispiel die Verschmelzung zwischen staatlicher und kirchlicher Macht die Einigung der russischen Stämme unter Moskau erleichtert (2001:20). Und schließlich wurden der Glaube und die byzantinisch geprägte Kultur für die orthodoxen Völker unter türkischer Herrschaft zum Kraftquell nationaler Selbstbehauptung.

Der Einfluß Ostroms hat also die geistige Grenzscheide zwischen Ost- und West-Europa befördert. Daraus erklärt sich auch, warum europäische Renaissance, Aufklärung und industrielle Entwicklung in diesen Gebieten nicht stattgefunden haben.

Politische und soziale Strukturen

Die imperiale Idee entsprang einer tief verwurzelten Ideologie. Ostrom verstand sich als Hüter einer politischen –oft auch als orientalisch bezeichneten- Tradition: Die Unteilbarkeit der Herrschaft. Macht konnte nur legitim sein, wenn sie von einem Kaiser in Konstantinopel ausgeübt wurde (2001:21ff). Der Kaiser von Ostrom war von Gott erwählt, der Bewahrer der Christenheit, rechter Ordnung und sozialen Lebens. Schon die ägyptischen Pharaonen verstanden sich als Brücke zwischen dem Göttlichen und der Welt. Die hellenistischen Königreiche begriffen Herrschaft als Imitatio Dei, als ein Abbild des geordneten Kosmos.

Die Verbindung des Kaisers mit der christlichen Politeia verlieh den Herrschern und Bürgern Ostroms das Bewußtsein, daß das Reich dem Willen des christlichen Gottes entsprungen war. Damit ging auch der göttliche Auftrag einher, den wahren Glauben zu schützen und zu verbreiten (2001:22). Das Reich stand unter dem Schutz Gottes, der Engel und Heiligen. Die Heere Ostroms fochten „unter Christus-Monogramm und Marien-Ikonen“.

Durch diesen Glauben entstand eine politische und soziale Ordnung, die trotz aller Krisen niemals wirklich in Frage gestellt wurde. Abgesehen von einigen politischen Theorien in der Spätzeit des Reiches erschienen andere Formen politscher Ordnung als unnötig und sinnlos (2001:23). Dadurch blieben Grundzüge wirtschaftlicher und sozialer Ordnung durch alle Jahrhunderte gleich. Dieses Beharrungsvermögen, bei allen Nachteilen, die damit einhergegangen sein mögen, verlieh Ostrom eine Widerstandskraft, die das Reich über tausend Jahre am Leben erhielt.

Innerhalb des Reiches war die Macht auf folgende Gruppen verteilt:

  • Kaiser
  • Kirche
  • Adel
  • Armee
  • Zivile Verwaltung

Die oströmische Monarchie war im Grunde eine Wahlmonarchie (2001:24). Jeder Mann konnte, wenn er über die Fähigkeiten verfügte, Kaiser werden. Jedoch brauchte es dazu der Akklamation durch die Armee, den Senat und das Volk von Konstantinopel. De facto wurde die Wahl meist durch die Armee entschieden, seltener durch einflußreiche zivile Beamte. Und schließlich bedurfte der Herrscher der kanonischen Bestätigung durch den Patriarchen von Konstantinopel. Der Kaiser herrschte theoretisch absolut. Er war Quelle allen Rechts. Faktisch waren seine Möglichkeiten jedoch durch die anderen vier Gruppen gehemmt, vor allem durch den Adel. Die Macht des Kaisers stütze sich auf die Armee, die zivilen Beamten, Gewerbetreibende und das Kleinbauerntum.

Die orthodoxe Kirche hatte sich -u.a. durch Schenkungen- eine wirtschaftliche Basis aufgebaut, durch die sie ökonomisch unabhängig war. Dadurch konnte sie Einfluß auf die Politik nehmen konnte. So groß war der Besitz des Patriarchen, daß er über das Schicksal eines Herrschers entscheiden konnte (2001:25). Darüber hinaus hatte sich die Kirche durch ihre Einrichtungen der Kranken- und Armenführsorge eine Klientel verschafft, welche im rechten Augenblick zum entscheidenden Faktor im Kampf um die Macht werden konnte. Die macht der Kirche gründete sich auf ihrem geistigen Monopol – d. h. ihrer Massenwirkung auf die Bürger- und ihrer ausgezeichneten Organisation.

Der ländliche Adel bzw. die Geldverleiher waren die stärksten Gegenspieler einer starken kaiserlichen Autorität. Wie auch in der römischen Republik und später im Imperium hatten sich die zentrifugalen Kräfte dieser kleinen Gruppe von Bürgern zersetzend auf Ostrom ausgewirkt. Dies sollte sich vor allem in der Spätzeit erweisen, als der Adel die militärische Organisation in den Provinzen innehatte.

Das Landheer Ostroms war über Jahrhunderte das Maß aller Dinge. Sehr gut organisiert und ausgerüstet, war es als Berufsarmee auch sehr kostspielig. Wie die Kirche, so hatte auch die Armee eine nicht zu unterschätzende Massenwirkung. Staatsstreiche durch die Streitkräfte kamen vor. Jedoch hat die Armee einige der besten Kaiser auf den Thron gebracht (2001:24). Trotzdem blieb sie ein wichtiges Instrument des Kaisers und wirkte als ein stabilisierendes Moment im Reich.

Die zivile Verwaltung war „ungemein kostspielig, sprichwörtlich korrupt,…, aber doch über Jahrhunderte die wirksamste administrative Organisation der europäisch- Nahöstlichen Welt.“ (2001:25). Reaktionär wie jede Bürokratie, arbeitete sie durch alle politischen und militärischen Krisen hindurch unbeeindruckt weiter und gab dem Reich damit Ruhe und Bestand. Die Existenz von Großstädten und die soziale Durchlässigkeit ermöglichten die Existenz eines Beamtenadels, der dem Kaiser loyal zur Seite stand.

Der Kampf um Geld, Grund und Boden

Wie in jedem Staatswesen mit Geldwirtschaft schwelte ein Kampf um die Kontrolle der Geldmenge, d.h. Metallgeld. Der Kaiser brauchte einen funktionierenden Geldumlauf, um Verwaltung, Armee, Flotte und öffentliche Infrastruktur zu bezahlen. Daneben wollte er Löhne und Preise stabil halten.

Der Adel wiederum strebte nach der Kontrolle der Geldmenge, um durch Geldverleih sein Eigentum auf Kosten der Kleinbauern zu mehren. Obwohl das byzantinische Reich als einziger Staat Europas und des Nahen Ostens über Großstädte verfügte, waren diese nur mit fünf Prozent am Gesamtsteueraufkommen beteiligt (2001:27). Das vorhandene Geld war überwiegend in Land angelegt; der größte Teil der Bevölkerung (bis zu 90 Prozent) lebte von und in der Landwirtschaft.

Deshalb hielten es die Kaiser mit dem Kleinbauerntum. Nur durch eine funktionierende Produktion in der Landwirtschaft, die auf Bauern mit kleinen und mittleren Flächen verteilt war, konnten der Geldumlauf funktionieren und die Menschenreserven aufgebracht werden, um das Reich wirtschaftlich und militärisch abzusichern. So hat das Themensystem, d.h. ein Milizsystem aus Wehrbauern, über Jahrhunderte das Fortbestehen der Kernzone Kleinasiens garantiert. Die fortlaufende Monopolisierung des Geldes und der Produktion durch den Landadel haben das Reich zusehends geschwächt, und schließlich unumkehrbar ruiniert.

Kirche und Kultur

Das Christentum war ein einigendes Moment im Vielvölkerstaat Ostrom. Der Glaube war für den Einzelnen wie für die Masse ein entscheidender Weg, Probleme des Daseins zu lösen (2001:31). Liturgie und Heiligenverehrung gehörten unabdingbar zum privaten Tagesablauf wie zu staatlichen Funktionen. Anders als in den lateinisch-germanischen Reichen waren religiöse Fragen nicht auf elitäre Kreise beschränkt, sondern wurden Teil lebhafter und oft heftiger öffentlicher Diskussionen. Zur Zeit der Dogmenkämpfe des Ikonoklasmos, zum Beispiel, nahm die gesamte Bevölkerung leidenschaftlich Partei.

Die Synode – d.h. die Versammlung der Bischöfe – war eine von Kaiser Konstantin I geschaffene Institution zur Lösung kirchlicher Fragen. Bischöfe und Patriarchen besaßen zwar Lehrautorität, aber keine Lehrgewalt; d. h. es galt die Ranggleichheit aller Bischöfe. Der Kaiser hatte den Vorsitz inne. Theoretisch konnte er Bischofsstühle schaffen und versetzen, Verordnungen erlassen und seinen Willen durchsetzen (2001:35). Doch besaß der Kaiser weder priesterliche Würde noch Lehrgewalt. So waren Entscheidungen eine Frage des Machtgefüges innerhalb des Klerus sowie zwischen Kirche und Kaiser.

Die byzantinische Kunst war im umfassenden Sinn religiöse Kunst (2001:32). Sie war eine Fortführung klassischer Traditionen, welche von den hellenistischen Königreichen übernommen worden waren, jedoch angereichert durch Ideen des Christentums. Anders als im lateinisch-germanischen Westen, waren diese Traditionen nicht übergestülpt worden, sondern Produkt direkter Überlieferung (2001:37), sie waren also ein selbstverständlicher Teil des Lebens. Zusammen mit dem Beharrungsvermögen oder Konservativismus ergab dies die feststehende Formensprache in traditionaler Malerei und Literatur.

Davon abgesehen hat die Volkskultur sicherlich eine Vielzahl an neuen Formensprachen und Inhalten hervorgebracht.

Die Hinwendung zum Bewährten war bezeichnend für das Denken weiter Schichten der Bevölkerung, vor allem der in Kirche, Adel und Verwaltung. Erprobtes und Bewährtes wurde bewahrt und ständig weiterentwickelt. So zum Beispiel wurden die Methoden in Diplomatie und Kriegswesen ständig untersucht, Bewährtes beibehalten und Neues erprobt. So kam es zur Bildung einer oströmischen Kriegswissenschaft - z. B. das Strategikon von Kaiser Maurikios.

Entscheidend blieb aber die Synthese aus hellenistischer, römischer, christlicher und orientalischer Überlieferungen (2001:38).

Nachwirkung

Mit dem Fall Konstantinopels und dem Ende Ostroms war das letzte Bollwerk gegen die aufstrebenden Osmanen gefallen. Diesen gelang es daraufhin, nach Europa einzudringen und sich dort dauerhaft festzusetzen. Damit verbunden ist auch das Ende der europäischen und vor allem auch der griechischen Kultur aus Kleinasien, welche hier ihren Beginn genommen hatte.

In Osteuropa sind viele Völker bis heute noch durch Ostrom kulturell geprägt, vor allem in Bezug auf die dortige orthodoxe Kirche. Der schlechte Ruf des Balkans als Krisenherd, Unruheregion und Armenhaus hat seine Ursache darin, daß die uralte Kulturgrenze zwischen dem weströmischen und oströmischen Reich (die eben deutlich älter ist als der Konflikt zwischen Islam und Christentum) hier verläuft. Der Glanz eines Reiches korrespondiert stets mit dem Elend am Rande seines Einflußgebietes und mit dem Chaos, das am äußersten topographischen Rand der Geltung letztlich einer erweiterten Gruppenmoral unweigerlich losbricht.

Verwendete Literatur

  • Andreas Külzer: Byzanz (Theiss WissenKompakt). Theiss-Verlag, Stuttgart 2012.
  • Franz Georg Maier (Hg): Byzanz (Fischer Weltgeschichte). Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt a.M. 2001.
  • Paul Veyne: Als unsere Welt christlich wurde (312–394). Aufstieg einer Sekte zur Weltmacht, München (C.H. Beck) 2008; frz. Original: Paris (Éditions Albin Michel) 2007

Siehe auch

Verweise

Fußnoten

  1. Vgl. Külzer, S. 22.
  2. Vgl. Külzer, S. 17.
  3. Vgl. Külzer, S. 16
  4. Vgl. Külzer, S. 17.