Aufklärungszeitalter

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Als Aufklärungszeitalter wird seit dem 18. Jahrhundert der Entwicklungsabschnitt der europäischen Geschichte bezeichnet, dessen geistige Grundlagen im 16. Jahrhundert liegen und dessen Eigenart sich etwa zwischen 1730 und 1780 in England, Deutschland und Frankreich am reinsten ausgeprägt hat. Das Zeitalter der Aufklärung war eine westeuropäische Geistesbewegung. Die geistige Richtung der Aufklärung zielte auf die Befreiung von der Übermacht kirchlich-theologischer Vorstellungen und ihren Auswirkungen in Inquisitions- und Hexenprozessen, auf Herrschaft der Vernunft über alles Dumpf-Triebmäßige und Leidenschaftsbestimmte, auf Befreiung des Einzelnen aus Willkür und öffentlicher Bevormundung sowie auf Sicherung postulierter unveräußerlicher Menschenrechte und der sogenannten Menschenwürde.

Zunächst fand in dem Begriff der Aufklärung das Streben nach religiöser, geistiger und politischer Befreiung, das die Gesellschaft des 18. Jahrhunderts beseelte, seinen bleibenden Ausdruck. Als weltanschauliches bzw. ideologisches Schlagwort trat der Ausdruck zudem seit Mitte des 18. Jahrhunderts auf und gewann in diesem Sinne eine ungeheuere Verbreitung.

Die negativen Seiten der Aufklärung waren eine gewisse Naturferne (u. a. Negation des Volksgedankens und der Nation sowie ein fehlender Rasseinstinkt), die in ihren späteren Auswirkungen Grundlage und Wegbereiter des Liberalismus war.

Zitate

  • „Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstands ohne Leitung eines anderen zu bedienen [...] Habe Mut dich deines eigenen Verstandes zu bedienen! ist also der Wahlspruch der Aufklärung.“Immanuel Kant[1]
  • „Die Aufklärung ist, kurz gesagt, die Emanzipation des Geistes von den Institutionen. Sie löst die Treuepflicht zu außerrationalen Werten auf, hebt die Bindungen durch Kritik ins Bewußtsein, wo sie zerarbeitet und verdampft werden, und stellt Formeln bereit, die Angriffspotential, aber keine konstruktive Kraft haben, wie die Rede vom ‚neuen Menschen‘ oder von der Unmenschlichkeit der Herrschaft.“Arnold Gehlen
  • „Den ursprünglichen Horizont kann man nicht erweitern. In der Savanne, wo homo sapiens sich aufrichtete, lebten die Menschen innerhalb des visuellen Maximalzirkels. Freier als im afrikanischen Grasland kann keine Umsicht sein – später kehrt diese Lage allenfalls auf hoher See wieder oder bei Durchquerungen der Sandwüste, wenn man von hohen Dünen an den Horizont schaut. Wer von Horizonterweiterung oder Aufklärung spricht, denkt an die Aufhebung von sekundären Horizontverengungen, wie sie post-afrikanisch in Höhlenbehausungen, in Waldsiedlungen, in Ackerbaudörfern, in Klöstern, in städtischen Zusammenballungen chronisch wurden. Lange Epochen haben den offenen Horizont nicht gekannt, manche Kulturen und Subkulturen kennen ihn bis heute nicht. Der Philosoph, was kann er für den Menschen in der Beklemmung tun? Nicht mehr, als die Sicht wieder so offenzulegen, wie sie in der Savanne gegeben wäre. Das ist nicht wenig, zudem nicht immer willkommen, da viele lieber in ihren Tunneln und Panoramen bleiben. Im besten Fall weicht dank philosophischer Intervention die eingeübte Beengung zurück, der Horizont liegt wieder offen da. Das unbehinderte Hinausschauenkönnen nennt man Gelassenheit – ein paradoxer Wert, weil mit ihm das anfangs Selbstverständliche als spätes Ergebnis angepriesen wird.“Peter Sloterdijk[2]

Siehe auch

Literatur

  • Sebastian Brunner: Allerhand Tugendbolde aus der Aufklärungsgilde. Gegen den Willen ihrer Verehrer ins rechte Licht gestellt, 1888 (PDF-Datei) Für Nicht-VSA-Bewohner nur mit US-Proxy abrufbar!
  • Jochen Schmidt (Hg.): Aufklärung und Gegenaufklärung in der europäischen Literatur. Philosophie und Politik von der Antike bis zur Gegenwart. Darmstadt, Wissenschaftliche Buchgesellschaft 1989, ISBN 3-534-10251-7
  • Egon Flaig: Die Niederlage der politischen Vernunft. Wie wir die Errungenschaften der Aufklärung verspielen, Verlag Dietrich zu Klampen, Springe 2017, ISBN 978-3-86674-535-3 [415 S.]
  • Martin Andreas Weber: David Hume und Edward Gibbon. Religionssoziologie in der Aufklärung, Verlag Anton Hain; Frankfurt am Main 1990 (= Athenäums Monografien, Philosophie, Bd. 263; zugleich Universitätsdissertation, Mannheim 1988), ISBN 978-3-445-09244-1 [164 S.]

Fußnoten

  1. 1784 in dem berühmten Aufsatz: „Was ist Aufklärung?“ (Berlinische Monatsschrift 4, 481) gleich zu Anfang als Antwort auf die von dem Prediger Zöllner ebenda 2, 516 aufgeworfene Frage
  2. Peter Sloterdijk: Zeilen und Tage. Notizen 2008–2011. Suhrkamp Verlag, Berlin 2012, ISBN 978-3-518-42342-4, S. 122–123