Sloterdijk, Peter

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Peter Sloterdijk

Peter Sloterdijk [ˈsloːtɐˌdɛik] (Lebensrune.png 26. Juni 1947 in Karlsruhe) ist ein deutscher Philosoph, Fernsehmoderator, Kulturwissenschaftler und Essayist. Die Regeln für den Menschenpark erregten 1999 eine heftige öffentliche Debatte. Man warf dem Autor der Rede vor, ein Plädoyer für eine Züchtungsideologie (→ Eugenik, Rassenkunde) gehalten zu haben. Gleichzeitig wurde er mit vielen Preisen ausgezeichnet, viele seiner Werke erhielten große mediale Aufmerksamkeit. Von Januar 2002 bis Mai 2012 präsentierte Peter Sloterdijk im ZDF zusammen mit Rüdiger Safranski[1] die populäre Talkrunde Das Philosophische Quartett.

Inhaltsverzeichnis

Werdegang

Sloterdijk wuchs als Sohn eines niederländischen Vaters und einer deutschen Mutter auf, die sich in den Wirren des ausgehenden Krieges kennengelernt hatten. Die Ehe wurde früh geschieden, worauf er bei seiner Mutter aufwuchs und kaum Kontakt zu seinem Vater hatte. Von 1968 bis 1974 studierte er Philosophie, Geschichte und Germanistik in München. Im Jahr 1976 promovierte Sloterdijk in Hamburg, das Thema seiner Dissertation lautete „Literatur und Organisation von Lebenserfahrung. Gattungstheorie und Gattungsgeschichte der Autobiographie der Weimarer Republik 1918–1933“. Zwischen den Jahren 1978 und 1980 hielt sich Sloterdijk im indischen Pune auf. Seit 1980 ist er als freier Schriftsteller tätig.

1983 wurde Peter Sloterdijk berühmt, als in zwei illustrierten Taschenbuchbänden seine „Kritik der zynischen Vernunft“ in der Neuen Folge der „edition suhrkamp“ original erschien. Mit ironischer Anknüpfung an Immanuel Kants Postulate der europäischen Aufklärung unternahm Sloterdijk eine eingehende Bestandsaufnahme der zivilisatorischen Ergebnisse dieser hoffnungsfrohen Aufklärung. Sein Befund: Die zynische Maskierung unzähliger an jeglicher Aufklärung desinteressierter Mächte und Kräfte mit Vernunftphrasen beherrscht das Terrain. Weit eher als Kantsche Begriffe, vermag – Sloterdijk zufolge – dagegen der hündische Blickwinkel des Kynikers Diogenes dasjenige zu erfassen und zu beschreiben, was als aufklärerische Anstrengung oder als Licht der Venunft in unserem Kulturkreis „in der einen oder anderen Weise“ noch spürbar bleibe. Das linksgewirkte Feuilleton deutscher Pressemedien stöhnte erbost auf: „Selber zynisch!“, rief eine Alt-Achtundsechziger-Generation dem religiös gestimmten Nach-68er Sloterdijk entgegen. Eine begeisterte Leser- und Zuhörerschar war jedoch anderer Meinung. Seither hat Peter Sloterdijk – in einer langen Reihe vielgelesener Werke gerade auch aus der Gattung Essay – seine Meisterschaft als Illustrator der Zeitumstände und der geistigen Moden bewiesen. Seine zumeist als konservativ verstandene Kritik formuliert er stets hintergründig und mit einem sonst kaum irgendwo zu findenden hohen Sprachsinn.

Ansichten

Der „böse Doppelgänger“ im Weltnetz

Zu den biographischen Auskünften, die Peter Sloterdijk selber gibt, zählt auch folgender Bericht über sein „unpersönliches Unbewußtsein“, das ihm selber begegnet, sobald er das Weltnetz konsultiert:

„Psychoanalyse in eigener Sache. Bis vor circa zehn, fünfzehn Jahren durfte ich mir einbilden, ich hätte nur ein persönliches Unbewußtes, in dem mehr oder weniger automatisch das privat Vergessene, Unbeachtete, Unwillkommene abgelegt wurde, vielleicht auch hier und dort Verdrängtes – obschon der Gebrauch dieses Konzepts bei meinem modus vivendi seit den erwachsenen Jahren mir kaum noch sinnvoll anwendbar schien. In der Zwischenzeit ist ein zweites, unpersönliches Unbewußtsein aufgetaucht, das nicht zu meinem biographischen Selbst, sondern zu meiner publizistischen Imago bzw. meinem gleichnamigen Doppelgänger im Netz gehört. Merkwürdig, wie auch Medienpuppen ein dunkles Innen“leben“ entwickeln.
Nach allem, was man hört, ist meine Imago in ihrer dunklen Hälfte ein anmaßendes Unding, ein Hybrid aus Dieter Bohlen, Muammar al-Gaddafi und Carl Schmitt. Hätte ich die Wahl, würde ich es vorziehen, ihm nicht zu begegnen. Mein zweites Unbewußtes hat offenbar den Auftrag erhalten, eine Quelle des Übels in der Welt zu verkörpern. Ja, eine Gruppe von sensitiven Personen, darunter Philosophieprofessoren und Journalisten, benutzt dieses Phantom als Voodoo-Puppe, um es mit Nadeln, Flüchen und Unterstellungen zu spicken. Mein Avatar ist das Lieblingshaßobjekt einiger Leute, die sich für klug, sozial und gutartig halten. Sie scheinen es zu genießen, daß das Böse eine Karlsruher Adresse hat. Da ist wieder einer, der die Schwefeldämpfe des Elitismus atmet. Er besucht Oswald Spengler in der Hölle und feiert kaltherzige Champagnerfeste mit den Bösmenschen. Wie man sieht, ist der Haß ohne den Willen zur Trivialisierung nicht zu denken. Hinter all den Projektionen hört man eine hilflose Stimme, die bittet, sei doch so schlecht, daß ich dich ablehnen kann.“[2]

Wenn schon in ganz wenigen Jahren die erdrückende Mehrheit aller Menschen sich vorrangig im Netz informiert, dann existiert eine anthropologisch veränderte Situation! Nicht allein die Person und ihr Unbewußtes sind Akteure und sind zu betrachten, sondern zusätzlich das irrwitzige Eigenleben dieses Netz-Doppelgängers auch noch. Es wird eben nicht aufhören, daß im Netz angezeigt wird „Escort-Dame“, wenn eine gewisse Alt-Bundespräsidentengattin nachschaut; oder wenn ein Prof. Wilhelm Hankel nachschaut, dann steht da gerne mal „unbelehrbarer Nationalist“ und „Europa-Feind“. Dergleichen Netz-Verknüpfungen sind keinesfalls bloß Medienmüll, der herumliegt, sondern das ist vielmehr eine eigengesetzliche Erscheinung mit Eigendynamik, mit hämmerndem Wahrheitsanspruch vorgebracht. Eine Eigendynamik, für die jene Bezeichnung Sloterdijks – das „unpersönliche Unbewußte“ – brillant ist! Also dasjenige, was mir selbst unbewußt ist (schließlich kümmere ich mich nicht um jeden Quatsch, der geredet werden mag); dieses Unbewußte aber ist zugleich unpersönlich, das heißt: Es tendiert dazu, mit mir nicht etwa wenig, sondern vielfach nicht das Geringste zu tun zu haben. Eben das „unbewußte Unpersönliche“ zu sein, dem ein eigenes Schicksal widerfährt, welches mein Schicksal aber wiederum anzustecken imstande ist. Ein verbreitetes Verständnis der ganzen Wucht, mit der diese Mediensituation einwirkt und zunehmend einflußreicher wird, ist heute leider gering ausgebildet oder nicht vorhanden.

Über Faschismus, Kommunismus und 68er

In einem Interview sagte Peter Sloterdijk 2005:

„Dass sich der linke Faschismus als Kommunismus zu präsentieren beliebte, war eine Falle für Moralisten. Mao Tse-tung war nie etwas anderes als ein linksfaschistischer chinesischer Nationalist, der anfangs den Jargon der Moskauer Internationale pflegte. Gegen Maos fröhlichen Exterminismus gehalten, erscheint Hitler wie ein rachitischer Briefträger. Doch man scheut noch immer den Vergleich der Monstren. Das massivste ideologische Manöver des Jahrhunderts bestand ja darin, dass der linke Faschismus nach 1945 den rechten lauthals anklagte, um ja als dessen Opponent zu gelten. In Wahrheit ging es immer nur um Selbstamnestie. Je mehr die Unverzeihlichkeit der Untaten von rechts exponiert wurde, desto mehr verschwanden die der Linken aus der Sichtlinie.“[3]
„Eine bleibende ‚Kulturleistung‘ der 68er besteht darin, dass sie die deutsche Gesellschaft in ein Kollektiv von Halbkranken umgeschaffen haben.“[4]

Sloterdijk greift Sarrazin-Kritiker an

Peter Sloterdijk griff die Kritiker des früheren Bundesbankvorstands Thilo Sarrazin (SPD) scharf an. Man könnte meinen, „die deutsche Meinungs-Besitzer-Szene habe sich in einen Käfig voller Feiglinge verwandelt, die gegen jede Abweichung von den Käfigstandards keifen und hetzen“, sagte Sloterdijk dem Magazin Cicero.

Weil Sarrazin in einem Interview die „unleugbar vorhandene Integrationsscheu gewisser türkischer und arabischer Milieus in Berlin“ angesprochen habe, sei „die ganze Szene der deutschen Berufsempörer“ auf die Barrikaden gegangen.

Das zeige, wie tief der „Sprachkarren“ im Dreck stecke. Die abgekartete Gruppendynamik wirke, als gelte es, einen Wettbewerb in Empörungsdarstellung zu gewinnen, sagte der Publizist weiter.

Dem Bundesbankpräsidenten Axel Weber warf Sloterdijk ein anbiederndes Verhalten vor. Auch er habe sich gegen die Epidemie des Opportunismus als nicht immun erwiesen, kritisierte der Philosoph.

Weitere Positionen

Grenzschutz

Weil Sloterdijk gegen die politische Korrektheit verstieß, indem er den Schutz der deutschen Grenze anmahnte, sollte ihm der Mund verboten werden.[5]

Absetzung des „Philosophischen Quartetts“

Rüdiger Safranski kritisierte die Art und Weise, wie ihm und Sloterdijk die Absetzung der Sendung mitgeteilt wurde. Sloterdijk äußerte aber, daß beide damit gerechnet hätten, nachdem Thomas Bellut neuer Intendant des ZDF geworden war. Sloterdijk zweifelte die Eignung ihres Nachfolgers Richard David Precht, ein philosophisches Profil auszuprägen, an mit der Bemerkung: „Seine Klientel gleicht eher der von André Rieu, den hören auch vor allem Damen über 50 in spätidealistischer Stimmung.“[6]

Zitate

von Sloterdijk

über Sloterdijk

  • „Er bietet sich und sein Denken als Ware an, die er für einen möglichst hohen Preis feilbieten will.“Frank Lisson, Kulturphilosoph[8]

Siehe auch

Literatur

Primärliteratur

  • Kritik der zynischen Vernunft, 2 Bde., Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 1983, ISBN 3-518-11099-3
  • Peter Sloterdijk / Thomas H. Macho (Hgg.): Weltrevolution der Seele. Ein Lese- und Arbeitsbuch der Gnosis von der Spätantike bis zur Gegenwart; 2 Bände, Artemis & Winkler Verlag, München/Zürich 1991, ISBN 3-7608-1055-1 [Abweichend von den theologischen und religionswissenschaftlichen klassischen Anthologien zum Thema Gnosis, präferiert diese Anthologie die eher philosophischen Texte der europäischen Tradition, bietet aber auch das Nag-Hammadi-Material ausführlich.]
  • Weltfremdheit. Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 1993, ISBN 3-518-11781-5
  • Sphären. Mikrosphärologie. Band I: Blasen. Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 1998, ISBN 3-518-41022-9
  • Regeln für den Menschenpark. Ein Antwortschreiben zu Heideggers Brief über den Humanismus. Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 1999, ISBN 3-518-06582-3
  • Zorn und Zeit. Politisch-psychologischer Versuch. Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2006, ISBN 978-3-51845990-4
  • Der ästhetische Imperativ. Schriften zur Kunst. Hrsg. v. Peter Weibel, PHILO & PhiloFineArts, Hamburg 2007, ISBN 978-3-86572-629-2.
  • Du mußt dein Leben ändern. Über Anthropotechnik. Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2011 [Taschenbuch-Ausgabe, Erstausgabe: 2009], ISBN 978-3-518-46210-2
  • Philosophische Temperamente. Von Platon bis Foucault. Diederichs, München 2009, ISBN 978-3-424-35016-6
  • Scheintod im Denken. Von Philosophie und Wissenschaft als Übung. Suhrkamp, Berlin 2010, ISBN 978-3-518-26028-9
  • Die nehmende Hand und die gebende Seite. Beiträge zu einer Debatte über die demokratische Neubegründung von Steuern. Suhrkamp, Berlin 2010, ISBN 978-3-518-06141-1
  • Streß und Freiheit. Suhrkamp (Sonderdruck), Berlin 2011, ISBN 978-3-518-06207-4 (Text der 5. Berliner Rede zur Freiheit)
  • Von der Domestikation des Menschen zur Zivilisierung der Kulturen. Zur Beantwortung der Frage, ob die Menschheit zur Selbstzähmung fähig ist. In: Die Neugier des Glücklichen, hrsg. v. B.-Christoph Streckhardt. Verlag der Bauhaus Universität Weimar, 2012, ISBN 978-3-86068-474-0
  • Zeilen und Tage. Notizen 2008–2011. Suhrkamp, Berlin 2012, ISBN 978-3-518-42342-4
  • Im Schatten des Sinai. Über Ursprünge und Wandlungen totaler Mitgliedschaft, Perlentaucher, 21. Februar 2013
  • Ausgewählte Übertreibungen. Gespräche und Interviews 1993–2012. Suhrkamp, Berlin 2013, ISBN 978-3-518-42200-7
  • Reflexionen eines nicht mehr Unpolitischen. Dankrede von Peter Sloterdijk zur Entgegennahme des Ludwig-Börne-Preises 2013. Laudatio: Hans Ulrich Gumbrecht: Wachheit. Von Ludwig Börne zu Peter Sloterdijk. Suhrkamp, Berlin 2013, ISBN 978-3-518-06070-4
  • Gespräche über Gott, Geist und Geld. Mit Thomas H. Macho, Herder, Freiburg im Breisgau 2014, ISBN 978-3-451-30928-1
  • Die schrecklichen Kinder der Neuzeit. Suhrkamp, Berlin 2014, ISBN 978-3-518-42435-3
  • Nach Gott. Glaubens- und Unglaubensversuche. Suhrkamp Verlag, Berlin 2017, ISBN 978-3518426326

Sekundärliteratur

  • Peter Sloterdijks „Kritik der zynischen Vernunft“. Frankfurt am Main, Suhrkamp Verlag 1987 [Taschenbuch ohne Herausgeber-Angabe. Beiträge von Mathias Greffrath, Peter Glotz, Thomas H. Macho u. a.], ISBN 3-518-11297-X

Auszeichnungen (Auswahl)

Verweise

Fußnoten

  1. Safranski, ein 68er, war 1970 Mitbegründer der maoistischen Kommunistischen Partei Deutschlands.
  2. Peter Sloterdijk: Zeilen und Tage. Notizen 2008–2011, Suhrkamp Verlag, Berlin 2012, ISBN 978-3-518-42342-4, S. 325 f.
  3. Focus, 1. August 2005
  4. Ebenda
  5. 33-cabinet.png Abgerufen am 30. August 2016. Bei WebCite® archivieren.Wer darf den Mund aufmachen?National-Zeitung, 8. April 2016
  6. Sloterdijk greift TV-Nachfolger Precht an, Münsterländische Volkszeitung, 9. Mai 2012
  7. 33-cabinet.png Abgerufen am 28. August 2016. Bei WebCite® archivieren.„Wir müssen wehrhafter werden“NZZ, 13. März 2016
  8. Frank Lisson: Homo Viator. Die Macht der Tendenzen (2013), S. 299
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