Goltz, Bogumil

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Bogumil Goltz wurde als Sohn eines preußischen Verwaltungsbeamten geboren, der im zu jener Zeit unter preußischer Verwaltung stehenden Warschau tätig war. Bogumil Goltz erhielt seine Bildung in Königsberg und Marienwerder. Er erlernte von 1817 bis 1821 in der Nähe von Thorn die Landwirtschaft und besuchte darauf an der Universität Breslau philosophische und philologische Vorlesungen. Nach beendetem Studium wurde er Landwirt. Von 1847 an lebte er als freier Schriftsteller in Thorn.

Bogumil Goltz (Lebensrune.png 20. März 1801 in Warschau; Todesrune.png 12. November 1870 in Thorn) war ein deutscher Schriftsteller.

Leben

Bogumil Goltz wurde als der jüngste von vier Geschwistern, zwei Schwestern und einem Bruder, am 20. März 1801 in Warschau geboren, das damals noch unter preußischer Verwaltung stand. Sein Vater war Stadtgerichts-Direktor, zugleich Anwalt und Notar. Da auch aus der ersten Ehe des Vaters eine zahlreiche Kinderschar vorhanden war und der vielbeschäftigte Vater das Erziehungsgeschäft der dadurch überbürdeten Mutter überließ, wurde er im Jahre 1808 einer alten Freundin seiner Mutter übergeben und siedelte auf einige Jahre nach Königsberg über.

Sein Aufenthalt in Königsberg endete mit dem Jahre 1810, wo er zu dem Pfarrer Jackstein nach Klein-Tromnau bei Marienwerder in Pflege und Unterricht gegeben wurde. Nachdem er seine Schullaufbahn auf dem Gymnasium in Marienwerder und zum Schluß noch einmal in Königsberg beendigt hatte, entschloß er sich, nunmehr 17 Jahre alt, Landwirt zu werden. 1821 ging er nach Breslau als Student der Theologie und Philosophie. Er ließ sich nun dauernd in Thorn nieder, von wo aus er eine Reihe von Reisen unternahm. In Wien traf er durch Vermittlung der Frau von Goethe mit Friedrich Hebbel zusammen.

Hebbel schrieb über Bogumil Goltz:

Er war mir damals ein bloßer Name, den ich obendrein erst aus dem Einladungsbrief kennen lernte, aber wie rasch verwandelte sich dieser Name in eine lebendige Gestalt mit den schärfsten bestimmtesten Zügen! Ein starkknochiger etwas hagerer Mann mit durchdringenden Augen, mächtig hervorspringender Nase und einer Stirn, die Eigensinn und Willenskraft zugleich abzuspiegeln schien, perorirte in einem Kreise von erschrockenen Damen und staunenden Herren mit mächtiger Stimme gegen das schöne Italien; seine Garderobe erinnerte an einen Professor aus der ehrwürdigen Zeit, wo Lessing, als er tanzen und fechten lernte, sich gegen seinen Vater weitläufig darüber verantworten mußte; der Frack schien ein uraltes Erbstück zu sein und ein weißes Tuch, bis über das Kinn hinaufgebunden vollendete den urväterlichen Eindruck. Aber seine Gedanken waren nicht alt und bestaubt, in körnigster Sprache entwickelte er eine Reihe der originellsten Ansichten und Ideen, die schlagendsten Ausdrücke, die treffendsten Bilder standen ihm zu Gebot, und das Schneidende seiner Aeußerungen wurde durch die Unmittelbarkeit ihrer Erzeugung, die das Wägen und Messen ausschließt, doch wieder gemildert.
Es giebt nämlich eine doppelte Art des Gesprächs, die auch eine doppelte Aufnahme bedingt. Bei reflectirenden Menschen ist es ein Gedankenextrakt, in welchem das Unbewußte fast ganz zurücktritt; sie sprechen heute aus, was sie gestern dachten, wählen und mischen mit Ueberlegung die Farben, zeichnen mit sicherer Hand die Umrisse und schreiben eigentlich nur mit der Zunge. Diese sind für Alles, was sie sagen, verantwortlich, und wissen es auch recht gut. Bei schöpferischen Naturen dagegen ist es ein Prozeß, den der Zuhörer in allen seinen Phasen mit durch machen muß und dessen Präzipitat erst aus der lebendigsten Friction aller Kräfte hervorgeht. Mit diesen wird nur ein kleinliches Individuum rechten, nur ein solches, das unfähig ist, das Leben im großen Sinn aufzufassen, und das eben darum an Formen Anstoß nimmt, welche der mit sich selbst ringende Geist, der sich ihrer in dieser Minute bedient, in der nächsten aus eigener Bewegung schon wieder zerschlägt. Zu ihnen gehört Goltz. (...) Von der Mattherzigkeit unserer Zeit meinte er, wohl nicht ohne Grund, die Menschen hätten heut zu Tage nur eben so viel Seele, daß das Fleisch nicht faule. (...)

Über das „Buch der Kindheit“ urteilte Hebbel:

Von welcher Fülle der echtesten Poesie strotzt fast jedes Kapitel! Wenn es jemals einen Dichter gab, der den Pfad zum Paradies der Kindheit zurückfand, so ist es Goltz. (...) Nie hat ein Mensch stärker empfunden, eigenthümlicher gedacht, selbständiger gelebt als der Mann, der da hervorbricht aus den Wäldern und Moorgründen Ostpreußens, wie der fabelhafte Elch, der Urhirsch in der Waldnacht von Bialystok, wo er als Rest einer untergegangenen Riesenwelt nur noch in wenigen Exemplaren ins 19. Jahrhundert hineinlebt. Bogumil Goltz ist eine Urschrift der Natur. Wo er auftritt, erscheint alles um ihn her wie eine Abschrift und eine Abschrift der Abschrift. Man könnte sagen: Es giebt vier Elemente und Bogumil Goltz ist das fünfte. (...)

Seit sich Bogumil Goltz in Thorn niederließ lebte er nur für seinen Schriftstellerberuf und seine Reisen. Er erzog dabei seine Pflegekinder, da er keine eigenen hatte und unternahm zwischendurch Vortragsreisen. Ständig in Geldnot, da ihm die Finanzierung des Lebens-Starts seiner Pflegekinder äußerst wichtig war, schrieb er das eine und andere Mal Bittbriefe an seinen Verleger Otto Janke um einen Vorschuß. Mal muß er seinen Neffen, die eine Offizierskarriere machen wollen, 400 Reichstaler zahlen, mal seine jung verheirateten Pflegetöchter ausstatten, so daß er klagend schreibt:

„Meine Verwandten und Pflegekinder kosten viel.“

Friedrich Wilhelm IV. war ein Verehrer seiner Schriften und zeichnete ihn mit einer Ehrenpension aus.

Einführung in Leben und Werk

Kurze Einführung in sein Leben und Werk:[1]

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Tod

Seit Mitte 1869 kränkelte Bogumil Goltz beständig und konnte das Haus nicht mehr verlassen. Am 12. November 1870 starb er an einem Gehirnschlag und wurde auf dem Friedhof in Thorn begraben. Sein Buch „Zur Naturgeschichte und Charakteristik der Frauen“, das „Frauenbuch“ wie er es nur in seinen Schreiben nannte, wurde danach noch fünfmal aufgelegt.

Zitate

  • „Die Heimat gehört zu unserm Körper, sie ist unser ätherischer Leib. Nur die Heimat kann ein Familienleben erzeugen, kann Sitten und sittliche Charaktere, kann Sinn und Verständnis für die Geschichte bilden. Ohne Heimat sind wir einer Felsenpflanze gleich, die ihre Nahrung allein aus den Lüften saugen muss. Wer uns die Heimat nimmt, schneidet uns die Gegenwart von der Vergangenheit ab, nimmt unserem Sinnen die gewohnten Anknüpfungs- und Anhaltspunkte, dem Körper den Boden unter den Füßen.“ (Zeitung DER WESTPREUSSE Juni 1958, Nummer 17/18)
  • „Der Mann kann reden, was er will; das Wort ist für ein richtiges Frauenzimmer keine geistige Macht. Sie hört nicht auf Gründe, sie gelten ihr als unausstehliche Zumutung, als eine Beeinträchtigung ihres Gefühls und ihrer Herrschaft durch weiblichen Instinkt.“ aus: „Charakteristik und Natur-Geschichte der Frauen“

Werke (Auswahl)

  • Buch der Kindheit (Frankfurt 1847, 4. Aufl.) (PDF-Datei)
  • Deutsche Entartung in der lichtfreundlichen und modernen Lebensart (Frankfurt. 1847) (PDF-Datei)
  • Ein Jugendleben: biographisches Idyll aus Westpreußen 1852 (Band 3 PDF-Datei)
  • Das Menschendasein in seinen weltewigen Zügen und Zeichen (Frankfurt 1850, 2 Bde.; 2. Aufl., Berlin 1867) (Band 1, Band 2)
  • Ein Kleinstädter in Ägypten (Berlin 1853, 3. Aufl. 1877) (PDF-Datei)
  • Der Mensch und die Leute - Zur Charakteristik der barbarischen und der civilisirten Nationen (Berlin 1858) (PDF-Datei)
  • Zur Naturgeschichte und Charakteristik der Frauen (Berlin 1858, 5. Aufl. 1874) (PDF-Datei)
  • Zur Physiognomie und Charakteristik des Volkes (Berlin 1859) (Band 2 PDF-Datei)
  • Die Deutschen, ethnographische Studien (Berlin 1860, 2 Bde.; 2. Aufl. unter dem Titel: Zur Geschichte und Charakteristik des deutschen Genius, 1864) (Bände 1-2 PDF-Datei)
  • Das Kneipen und die Kneip-Genies 1866 (PDF-Datei)
  • Typen der Gesellschaft (Berlin 1860, 2 Bde.; 4. Aufl. 1867) (PDF-Datei Band 1)
  • Hinter den Feigenblättern, eine Umgangsphilosophie (Berlin 1862–64, 3 Bde.) (Band 3)
  • Die Bildung und die Gebildeten (Berlin 1864, 2. Aufl. 1867) (Band 1 PDF-Datei)
  • Shakespeare's genius: Kindheit, Jugend und Alter 1869 (PDF-Datei)
  • Die Weltklugheit und die Lebensweisheit mit ihren korrespondierenden Studien (Berlin 1869, 2 Bde.) (Band 1 PDF-Datei)
  • Vorlesungen (Berlin 1869, 2 Bde.)
  • Exacte Menschen-Kenntniß in Studien und Stereoscopen; Zusammenfassung verschiedener Werke

Literatur

  • „Zur Naturgeschichte und Charakteristik der Frauen“, Auflage 1904 mit einer kurzen Biographie, verfaßt von Erich Janke, und einem Bildnis von Bogumil Goltz (PDF-Datei) Für Nicht-VSA-Bewohner nur mit US-Proxy abrufbar!
  • „Bogumil Goltz - Kindheit in Warschau und Königsberg“, Deutsche Bibliothek des Ostens, Nicolaische Verlagsbuchhandlung 1992, ISBN 3875843975

Fußnoten

  1. Literarische Warte – Monatsschrift für schöne Literatur, 6. Jahrgang, München 1905, S. 266ff. (PDF-Datei) Für Nicht-VSA-Bewohner nur mit US-Proxy abrufbar!