Bund Deutscher Offiziere

Aus Metapedia
Wechseln zu: Navigation, Suche

Der Bund Deutscher Offiziere (BDO) wurde am 11. September 1943 von 95 deutschen Offizieren im Gefangenenlager Lunjowo bei Moskau gegründet. Bereits kurz nach der Gründung fusionierte der Bund mit dem Nationalkomitee „Freies Deutschland“. Der Bund unter Führung der Kollaborateure General der Artillerie Walther von Seydlitz-Kurzbach (Präsident) und Generalleutnant Alexander Edler von Daniels (Vizepräsident) sowie Oberst Hans-Günther van Hooven (zweiter Vizepräsident) erklärten während und nach dem Kriege um Verständnis heischend, daß sie, aufgrund der sowjetischen Versprechungen, hofften, durch Zusammenarbeit mit der Sowjetunion, einen Beitrag für die Erhaltung des Deutschen Reiches nach der zu erwartenden Niederlage leisten zu können.

Erläuterung

Vorstand des „Bundes Deutscher Offiziere“ auf der Gründungsversammlung in Lunjowo bei Moskau, 11. bis 13. September 1943
Oberst Hans-Günther van Hooven (1896–1964), ehemaliger Armeenachrichtenführer der 6. Armee (Stalingrad), bei der Gründungsversammlung des „Bundes Deutscher Offiziere“ am 11./12. September 1943; In einer Nachwahl wurde er zum Mitglied des NKFD gewählt, gehörte dem geschäftsführenden Ausschuß an und war im Winter 1944/45 als „Frontbevollmächtigter an der Baltischen Front“ Hetzer und Aufwiegler beim vergeblichen Versuch, deutsche Soldaten im Kurlandkessel zum Überlaufen zu bewegen. Im April 1950 wurde er aus der Gefangenschaft entlassen und war vom 1. Dezember 1950 bis zum Eintritt in den Ruhestand beim Reisebüro der DDR beschäftigt.
Der Autor Heinrich Gerlach beschreibt darin auch den Versuch des NKWD, die deutschen Offiziere als Agenten zu werben.
„Es war der 11. September 1943: Acht Monate nach dem. Untergang ihrer Stalingrad-Armee formierten sich an die hundert kriegsgefangene Offiziere zum ‚Bund Deutscher Offiziere‘ und forderten – ‚nur von dem unerschütterlichen Willen durchdrungen, unserem Volk und unserer Heimat zu helfen‘ (so Mitbegründer Oberstleutnant Alfred Bredt, Nachschubführer des XI. Korps in Stalingrad) - ‚den Sturz der Hitlerregierung und die sofortige Beendigung des Krieges‘. So meldeten es ‚Prawda‘ und ‚Iswestija‘ in Moskau. Der Offiziersbund-Präsident – General der Artillerie Walther von Seydlitz-Kurzbach. Kommandierender General des LI. Armeekorps – hielt sich ‚wie niemand sonst‘ zur Rettung des Vaterlands berufen: ‚Wir ... sprechen nicht nur im eigenen Namen, sondern im Namen ... aller Opfer von Stalingrad. Das ist unser Recht und unsere Pflicht.‘ Und ein Oberleutnant Heinrich Gerlach, zuletzt I c im Stabe der 14. Panzerdivision, notierte: ‚Die von Hitler verratene und totgesagte 6. Armee ... begann ihren Marsch zur Rettung der Heimat, für ein freies Deutschland.‘ Die Stationen dieses Marsches, ‚von denen man in Deutschland kaum etwas weiß‘, hat Gerlach, heute Studienrat in Brake an der Unterweser, in dem ‚Bericht einer Irrfahrt‘ geschildert, der kürzlich auf dem Buchmarkt erschien. […] Gerlachs ‚Odyssee in Rot‘ knüpft dort an, wo die ‚Verratene Armee‘ des Generalfeldmarschalls Paulus in Blut und Tod endet: ‚Keine Kampftätigkeit mehr, über Stalingrad Nebel und roter Dunst‘, funkte die Besatzung einer Ju 88 und drehte zum Rückflug ein. […] Die Einsicht, daß Hitler tatsächlich kaputt, der großdeutsche Krieg verloren und ‚wir alle Kamrad‘ seien, wurde den überlebenden Offizieren der Paulus-Armee – unter ihnen Gerlach – von den roten Siegern dann auch wirklich eingetrichtert.
Die geistige Wandlung der Offiziere von Hitler-Getreuen zu Hitler-Feinden erläutert Autor Gerlach mit der psychologischen Ausnahmesituation, in der sich die Überlebenden von Stalingrad plötzlich befanden: ‚Die Welt, aus der sie kamen, ist in nebelhafte unerreichbare Fernen versunken. So mag ein Toter zurückschauen auf sein früheres Erdendasein.‘ Auf einem ‚Meeting‘, das die kommunistischen Emigranten im Lager veranstalteten, regte Becher an, alle antifaschistischen Kräfte ‚gegen den Verderber unseres Volkes‘ zusammenzuschließen. Aber die Offiziere gähnten, ‚polkten mit dem Fingernagel in den Zähnen‘ oder saßen ‚mit ausdruckslosen Gesichtern da‘. Lediglich ein – wie Gerlach beschreibt – gemütlicher Herr mit Erdbeernase erhob sich und schüttelte dem Dichter überschwenglich die Hände: Wilhelm Pieck. ‚Ja Himmel‘, erinnerten sich ein paar Zuhörer, ‚das ist ja allererste Garnitur! Mit dem müßte man sich wirklich mal unterhalten.‘ Nicht Becher und Pieck aber hatten Erfolg im Lager Susdal, sondern ein Hauptmann Dr. Ernst Hadermann, der als Alt-Gefangener zusammen mit den emigrierten Kommunisten Ulbricht, Bredel und Weinert schon am Stalingrader Kessel propagandistisch tätig gewesen war. […] Die Frage wurde am 20. Juli 1943 beantwortet: Die Zeitung ‚Neues Deutschland‘, schwarz-weiß-rot umrandet, meldete den Susdal-Offizieren die Bildung des ‚Nationalkomitees Freies Deutschland‘ und veröffentlichte dessen Manifest an Wehrmacht und Volk: ‚Deutsche Soldaten und Offiziere an allen Fronten! ... Bahnt Euch mutig unter verantwortungsbewußten Führern, die eins sind mit Euch im Kampf gegen Hitler, den Weg zur Heimat, zum Frieden.‘ Gerlach: ‚Wellen der Empörung schlugen hoch. Fäuste sausten auf Tischplatten herab, zitternde Hände zerfetzten und zerknüllten das Blatt, Füße trampelten darauf herum.‘ Nur wenige fanden: ‚Nein, das war keine Feindpropaganda, kein billiger Trick ... Hier sprachen die Toten von Stalingrad.‘ Wenige Tage später transportierten die Russen Trupps von Offizieren, die ihnen verläßlich erschienen, aus Susdal und anderen Lagern, nach Lunjowo bei Moskau, wo eine ‚Initiativgruppe‘ schon darangegangen war, einen Bund deutscher Offiziere zu gründen – anders als das Nationalkomitee, das von Russen und deutschen Kommunisten gesteuert wurde, mit einer ‚eigenen Idee‘, mit eigener politischer Initiative: ‚Wir können doch der kämpfenden Front nicht in den Rücken fallen ... Wir müssen erst einmal die Generale gewinnen ... Ein Aufstand von der Spitze her.‘
‚Einen Sinn‘, so sagt bei Gerlach ein Offizier, ‚muß das Ganze ja haben. Bloß um hier Kohlsuppe zu fressen und die Daumen zu drehen, sind wir nicht übriggeblieben.‘ So traten die Leutnants, Hauptleute und Obristen in Lunjowo der Initiativgruppe bei. Dann kamen auch die Generale. Sie wurden aus dem Lager 45 in Wojkowa herangeschafft, wo sie die Zeit mit Schach, Domino, Doppelkopf, Spaziergängen, Volleyball, Kniebeugen, Armkreisen sowie kalten Waschungen verbracht und das ‚Freie Deutschland‘ auf der Toilette gelesen hatten. In ihrem ‚Dornröschenschloß‘ (Gerlach) erhielten Marschbefehl nach Lunjowo: General von Seydlitz, der Kommandierende des LI. Korps in Stalingrad, Generalmajor Martin Lattmann, Kommandeur der 14. Panzerdivision, und Generalmajor Dr. Otto Korfes, Kommandeur der 295. Infanterie-Division. Doch beim ersten Zusammentreffen mit den neuen Lagerkameraden, vormittags um zehn Uhr auf dem Sportplatz, zeigten die Generale, daß sie offenbar noch die alten waren: ‚Ich glaube‘, stellte Seydlitz klar, ‚daß Sie nicht mit uns rechnen können.‘ Die Generale blieben auch ungerührt, als Oberst Steidle, einst Kommandeur des Grenadierregiments 767, die Erinnerung daran beschwor, daß Preußen und Russen in den Freiheitskriegen schon einmal Schulter an Schulter gekämpft hatten. Die Konvention von Tauroggen, der dieser Bund entsprang, war das Werk eines Mannes gewesen, der gleichfalls Seydlitz hieß. […] Die Wende kam am Abend, eingeleitet durch den Sowjet-General Melnikow, der aus Moskau herbeigeeilt war. Hinter den abgedunkelten Fenstern der Lagerverwaltung eröffnete der Sowjetmensch den drei Generalen, er habe im Namen seiner Regierung zu er klären: Wenn es deutschen antifaschistischen Kräften gelingt, Hitler zu stürzen und den Krieg zu beenden, bevor die deutschen Armeen über die sowjetischen Grenzen zurückgeworfen sind, dann wird die sowjetische Regierung "mit allen ihren Mitteln" dafür eintreten, daß Deutschland als freies Land in den Grenzen von 1937 erhalten bleibt. Melnikow versprach ‚im allerhöchsten Auftrag‘ noch mehr: eine demokratische, aber keineswegs kommunistische Regierung in Deutschland, Fortbestand der Wehrmacht, keine Abtrennung Österreichs. ‚Überlegen Sie diese Sache, meine Herren! Es ist eine sehr ernste Sache.‘ Am nächsten Morgen sahen sich die drei Generale, wie Gerlach berichtet, ‚zu ihrer Überraschung einig in dem Entschluß, an der Gründung des Bundes Deutscher Offiziere mitzuwirken‘. Wenige Wochen später wurde die Gründung des Offiziersbundes und seine Fusion mit dein Nationalkomitee vollzogen. Auf einer gemeinsamen Sitzung wurden die Forderungen der Generale gebilligt: Keine Zersetzungspropaganda mehr, kein Aufruf zum Überlaufen, geordnete Rückführung des Ostheeres an die Reichsgrenzen, Unterrichtung der kämpfenden Truppe durch Zeitung, Rundfunk, Flugblätter und persönliche Briefe. Zusammen mit Kommunisten wie Anton Ackermann (später Politbüro-Kandidat der SED), Alfred Kurella (später Politbüro-Kandidat der SED), Karl Maron (später DDR-Innenminister) und Rudolf Herrnstadt (später Chefredakteur des SED-Blatts ‚Neues Deutschland‘) entwarfen die abermals zur Rettung des Vaterlands angetretenen Offiziere Briefe an die Führer der kämpfenden Verbände des Ostheeres, schrieben Aufrufe für den Sender ‚Freies Deutschland‘ (Pausenzeichen: ‚Der Gott, der Eisen wachsen ließ‘) und redigierten Flugblätter und Zeitungsartikel. Thomas Mann und Hubertus Prinz zu Löwenstein gratulierten. Aber die deutsche Ostfront gab keine Antwort. Nichts von allem, was der Bund erhofft hatte, geschah.
Das Nationalkomitee, dem sich der Offiziersbund voreilig unterworfen hatte, befahl Kursänderung. Statt geordneter Rückführung des Ostheeres hieß die Parole nun: Desertion an der Front. Revolution in der Heimat. Es war ein Zivilist ‚mit einem seltsam unfertigen Gesicht‘, der den Offizieren dieses kalte Kalkül aufmachte: Walter Ulbricht. ‚Die Generale, bitteschön, haben nichts getan, ja? Sie können, bitteschön, zur Lösung der Krise beitragen, wenn sie die Durchführung der Hitlerbefehle verweigern, die Waffen niederlegen und sich mit ihren Soldaten dem Nationalkomitee unterstellen, bitteschön!‘ Noch sah der Bund eine letzte Chance, als im Januar 1944 die vordringende Rote Armee zwei deutsche Korps mit zehn Divisionen im Kessel von Korsun einschloß. Wenn es gelang, so überlegten die Seydlitz-Leute, die eingekesselten Truppen zum geschlossenen Übertritt zu bewegen, ‚dann war der große Einbruch geglückt‘. Am 8. Februar reiste eine Delegation des Offiziersbundes mit Seydlitz an der Spitze an die Kesselfront, verfaßte Aufrufe, besprach Schallplatten und schrieb Briefe an die Generale im Kessel (Seydlitz: ‚Ich beschwöre Sie inständigst …‘). Aber die Adressaten waren bereits ausgeflogen oder gefallen. Immerhin: Ein paar tausend Landser hatten die Seydlitz-Flugblätter als Passierscheine benutzt und waren übergelaufen. Dennoch erlosch das Interesse der Russen: Ihr Propaganda-Instrument zur Zersetzung der Wehrmacht hatte sich als kaum brauchbar erwiesen. Hitler-Deutschland, so erkannten sie, brach auch ohne Mithilfe der Seydlitz-Offiziere zusammen. Und so befand Walter Ulbricht: ‚Die Frage ist eine solche, daß einige Kameraden noch keine richtigen Antifaschisten sind, ja? Diese Kameraden, bitteschön, werden in den Lagern Gelegenheit erhalten, solche richtigen Antifaschisten zu werden!‘ Acht Monate nach seiner Gründung war der Bund Deutscher Offiziere gescheitert. Das Schicksal, das die Männer in Stalingrad getroffen hatte, traf nun ganz Deutschland.[1]

Auflösung

Ab Mitte Mai 1944 weitestgehend inaktiv und de facto gescheitert, wurde der BDO durch Stalin am 2. November 1945 endgültig aufgelöst. Dessen Mitglieder, die auch nach der Kapitulation der Wehrmacht hofften, Vorzugsbehandlung zu bekommen, erlebten nun die volle Härte der bolschewistischen Umerziehung. So z. B. wurde Walther von Seydlitz-Kurzbach von den Bolschewisten, seinen Freunden, wegen angeblicher Morde an der Zivilbevölkerung und gefangenen Rotarmisten angeklagt und am 8. Juli 1950 von einem sowjetischen Militärtribunal zum Tode verurteilt. Später wurde das Urteil in 25 Jahre Gulag umgewandelt.

Die, welche die Greuel der Gefangenschaft überlebten, wurden nicht selten erst 1955 als Spätheimkehrer aus der Gefangenschaft entlassen, so z. B. Erich Buschenhagen. Insbesondere die Generäle, die in die BRD zurückkehrten, galten als Verräter, die, welche sich in der DDR niederließen, galten zuerst offiziell als Vorbilder, wurden aber von Anfang an mißtraut und überwacht, später dann zumeist politisch und gesellschaftlich kaltgestellt.

Literatur

Verweise

Fußnoten