Fremdenverkehr

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Johann Wolfgang von Goethe als Genießer des Fremdenverkehrs in Italien, 1786/87

Fremdenverkehr (fremdsprachenbestimmt auch Tourismus oder Touristik) ist ein Überbegriff für Reisen, die Reisebranche und das Gastgewerbe sowie die Freizeitwirtschaft. Das Fremdenverkehrswesen wird in Inländer, Ausländer und Insgesamt (je nach Herkunft des Gastes) statisch kategorisiert. „Asyltourismus“ beschreibt dagegen die Flut von unwillkommenen Fremden im Land.

Urlaub/Ferien

Die Burg, die als Schloß Neuschwanstein bekannt ist: Es wird jährlich von mehr als 1,3 Millionen Gästen aus aller Herren Ländern aufgesucht. Das oftmals als Märchenschloß bezeichnete Neuschwanstein kann besichtigt werden und ist nahezu ganzjährig für Besucher geöffnet. Die Architektur und die Innenausstattung sind vom romantischen Eklektizismus des 19. Jahrhunderts geprägt, das Schloß gilt als ein Hauptwerk des Historismus.
Fremdenverkehr in der hessischen Natur: Seit 1910 heben die Segelflieger auf der Wasserkuppe in der Rhön ab, inzwischen kommen Flieger aus der ganzen Welt.
Begehrtes Ausflugsziel „Kehlsteinhaus“ in den Berchtesgadener Alpen

Urlaub ist für Menschen, die gegen Bezahlung arbeiten, meist die Voraussetzung für längere Freizeitreisen (Erholungsurlaub, Sportwochen, Entdeckungs-, Studien- und Städtereisen).

Themensetzung

Clemens August Andreae nennt zehn Themen zum Freizeittourismus:

  • Fremdenverkehr bedeutet Nachfrage … aus dem In- und Ausland
  • Fremdenverkehr als Angebot – je beweglicher die Anbieter sind, desto erfolgreicher können sie sein
  • Fremdenverkehr als Impulsgeber
  • Fremdenverkehr als Impulsnehmer – nach Erreichen einer gewissen Quantität muß die Qualität gesteigert werden
  • Fremdenverkehr: Kur- und Fremdenverkehrsdirektor – damit ist der Bedarf an ausgezeichnet ausgebildeten Fremdenverkehrsfachleuten zu verstehen
  • Fremdenverkehr: Werbung, Öffentlichkeitsarbeit, Unternehmensidentität
  • Fremdenverkehr und Umwelt
  • Fremdenverkehr und Mode
  • Fremdenverkehr: Steuern und Transferzahlungen
  • Fremdenverkehrsgesinnung: Die Belastungen von Zeiten der Hochsaisons auf die Bevölkerung ohne entsprechende Information und Einbindung wirkt sich negativ auf Fremdenverkehr aus; echte Gastfreundschaft ist das Lebenselixier des Phänomens Urlaub.

Deutschland

Vor dem Zweiten Weltkrieg waren die Jahre 1930/31 und 1936/37, auch der Olympischen Spiele in Berlin geschuldet, mit 20,1 Millionen Übernachtungen aus dem In- und Ausland rekordverdächtig.

BRD

Erst 1952/53 konnte die BRD solche Zahlen mit über 19 Millionen Übernachtungen erreichen, wobei der Wochenend- und Tagesverkehr aus Deutschland, der Schweiz und Italien nicht mitgezählt wurde.[1]

2013/14

Über 411,8 Millionen Mal übernachteten in- und ausländische Gäste 2013 in Beherbergungs­betrieben in Deutschland. Das war ein Plus von 1 % gegenüber dem Jahr 2012. Die Zahl der Übernachtungen von Gästen aus dem Inland blieb mit 339,9 Millionen im Vergleich zum Vorjahr nahezu unverändert. Die Zahl der Übernachtungen von Gästen aus dem Ausland stieg um 5 % auf 71,9 Millionen.

Alleine im September 2014 gab es in den Beherbergungsbetrieben in Deutschland 42,4 Millionen Übernachtungen in- und ausländischer Gäste. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) nach vorläufigen Ergebnissen weiter mitteilte, war dies ein Plus von 4 % gegenüber September 2013.

Beliebtheit

Beliebtestes Urlaubsziel der Deutschen bleibt das eigene Land, wie aus dem anläßlich der ITB veröffentlichten ADAC-Reisemonitor hervorgeht. In einer Umfrage des Autoclubs 2013 unter 4.000 Mitgliedern erklärten 37 % der Befragten, ihren Urlaub innerhalb Deutschlands zu verbringen. Auch bei Ausländern ist Deutschland das beliebteste Land. Kein Land der Welt wird positiver gesehen als Deutschland. Dies geht aus einer Umfrage der BBC 2014 unter etwa 24.000 Personen in 24 Staaten hervor. Demnach beurteilten 60 % der Befragten Deutschland positiv. Mit Ausnahme von 2012, bei der Japan zum beliebtesten Land gewählt wurde, belegt Deutschland damit seit 2008 den ersten Platz in der Rangliste, was den Fremdenverkehr aus dem Ausland zu neuen Ufern führt.

Übernachtungszahlen

Der Fremdenverkehrsstandort Deutschland ist weiter auf Erfolgskurs. Nord- und Ostsee, Mecklenburgische Seenplatte, Berlin, Schwarzwald, Allgäu – überall dort verbringen Urlauber gerne ihre Ferien, aber auch Veranstaltungen wie Karneval im Rheinland oder das Oktoberfest in München locken Besucher aus aller Herren Länder an. Die Zahl der Übernachtungen aus dem In- und Ausland steigt dementsprechend stetig und bewegt sich in Gesamtzahlen des Statistischen Bundesamtes auf die Halbe Milliarde zu:

  • 1992: 293.836.463
  • 1993: 288.990.978
  • 1994: 291.089.520
  • 1995: 300.621.123
  • 1996: 299.991.765
  • 1997: 287.169.664
  • 1998: 294.543.787
  • 1999: 308.028.116
  • 2000: 326.343.991
  • 2001: 326.633.155
  • 2002: 317.509.965
  • 2003: 315.127.500
  • 2004: 338.768.840
  • 2005: 343.981.015
  • 2006: 351.223.970
  • 2007: 361.839.734
  • 2008: 369.579.835
  • 2009: 368.737.280
  • 2010: 380.334.025
  • 2011: 393.175.575
  • 2012: 407.259.922
  • 2013: 411.778.932
  • 2014: 424.061.525
  • 2015: 436.232.801
  • 2016: 447.177.524
Abschneidegrenze

Ab dem Berichtsjahr 2011 liegt der Monatserhebung im Fremdenverkehr eine neue Abschneidegrenze für die Auskunftspflicht zugrunde. Bei den Beherbergungsbetrieben wurde die Mindestanzahl der Schlafgelegenheiten von neun auf zehn bzw. bei den Zeltlagern von drei auf zehn Stellplätze angehoben.

Zitate

  • „Fremdenverkehr besteht darin, daß die Touristen die Einheimischen fotografieren und die Einheimischen die Touristen. [...] Urlaub ist nicht ganz ungefährlich. Vielleicht kommt dabei heraus, daß man gar nicht mehr gebraucht wird.“ — Jacques Tati
  • „Zuviel Fremdenverkehr bringt den Fremdenverkehr um.“ — Arno Gasteiger
  • „Sanfter Fremdenverkehr ist die Kunst, die falschen Gäste zu vertreiben und die richtigen auszunehmen.“ — DDr. Günther Nenning
  • „Die Leidenschaft des Reisens ist das weiseste Laster, welches die Erde kennt.“ — Bruno H. Bürgel (1875–1948)
  • „Der Sinn des Reisens ist, an ein Ziel zu kommen, der Sinn des Wanderns, unterwegs zu sein.“Theodor Heuss

Literatur

  • Karl Giannoni: Fremdenverkehr und Heimatschutz, Callwey, München 1926
  • Axel Klemmer: Wo Deutschland am schönsten ist. 1000 Ideen für die perfekte Reise – Kunst, Kultur, Kulinarisches, Merian, 2017, ISBN 978-3834225139

Fußnoten