Zug der Erinnerung
Der Zug der Erinnerung war eine jeweils sechs Monate dauernde „rollende Ausstellung“, die quer durch Deutschland und Polen führte.
Sie sollte an die während des Zweiten Weltkrieges stattgefundene Umsetzung von bestimmten Bevölkerungsgruppen mit der damaligen Reichsbahn erinnern.
Inhaltsverzeichnis
Geschichte
Beate und der Jude Serge Klarsfeld entwarfen für die staatliche französische Eisenbahn SNCF ein shoaistisches Projekt. Drei Jahre lang inszenierten die Klarsfelds in Frankreich die auf 18 Bahnhöfen abgehaltene Wanderausstellung „Enfants juifs déportés de France“.
Der BRD-Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee warb besonders stark für dieses Projekt in der BRD. Die Deutsche Bahn AG lehnte diese „Ausstellung“ in ihren Bahnhöfen „aus Sicherheitsgründen“ ab und verwies sie ins DB-Museum nach Nürnberg. Der damalige DB-Chef Hartmut Mehdorn argumentierte, daß dieses Thema „viel zu ernst sei, als daß man sich brötchenkauend“ auf Bahnhöfen mit ihm beschäftigen dürfe.
Daraufhin erhielt Hartmut Mehdorn „aufgrund von angeblicher Verunglimpfung des Andenkens Verstorbener § 189 StGB durch die vorsätzliche Weigerung der Ausstellungseröffnung ‚Elftausend Kinder‘ auf deutschen Bahnhöfen“, mehrere Anzeigen.[1][2] Die Veranstalter der Ausstellung übten auch anderweitig politisch Druck aus. So riefen sie dazu auf, Protestbriefe an Bahnchef Hartmut Mehdorn, Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee und die Mitglieder des Bundestags-Verkehrsausschusses zu schreiben.
Drei Wochen nach Anzeigeerstattung des „Menschenrechtsaktivisten“ Bernd Michael Uhl, gab dieser den Widerstand „gegen die schon auf französischen Bahnhöfen gezeigte Ausstellung zu den mit Hilfe der Deutschen Reichsbahn durchgeführten [Umsetzungen] in die Konzentrationslager offiziell und endgültig auf.“ Ende 2006 hatten sich dann Tiefensee und Mehdorn darauf verständigt, eine neue, DB-eigene Ausstellung „über die Rolle der Reichsbahn im Zweiten Weltkrieg“ zu unterstützen.
Der Verein „Zug der Erinnerung“ wurde im Juni 2007 gegründet. Am 20. August 2007 erläuterte er in einem Schreiben an Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee das Konzept der Ausstellung und kündigte deren Beginn für November an. Mit gleichem Schreiben bat der Verein um eine „Kostenfreistellung“ von den Trassengebühren sowie um eine Übernahme der Kosten (von 175.000 Euro) für die technische Bereitstellung des Zuges (Lok und mehrere Wagen).[3]
2009 zahlte die Deutsche Bahn zur Unterstützung des Vereins „Zug der Erinnerung“ „wiederum 175.000 Euro“ an die Stiftung „Erinnerung, Verantwortung, Zukunft“ (EVZ) für die Gründung eines Hilfsfonds.[4]
Polnische Entschädigungsforderungen
Polnische Verbände fordern als „Geste der Versöhnung“, Entschädigung von der Deutscher Bahn. Anlaß für die Forderung ist der geplante Einstieg der DB in den polnischen Personenverkehr. Dazu wurde eine Studie des deutschen Vereins „Zug der Erinnerung“ erstellt, demzufolge die Deutsche Reichsbahn während des Zweiten Weltkrieges durch die Transporte in die Lager nach heutigem Wert mindestens 445 Millionen Euro verdient haben soll.[5] Vertreter polnischer Organisationen fordern, daß Überlebende humanitäre Hilfe bekommen. Auch der Deutschland-Beauftragte der polnischen Regierung, Władysław Bartoszewski, fordert von der Deutschen Bahn AG die Auszahlung eines Teil des Geldes, das die Reichsbahn für den Transport von Häftlingen erhielt.[6] Ein Konzernsprecher betonte, daß das Unternehmen kein Rechtsnachfolger der Reichsbahn sei. Darüber hinaus habe sich die Bahn AG an der 10 Milliarden D-Mark teuren Stiftung für die Entschädigungszahlungen an ehemalige Zwangsarbeiter beteiligt.[7]
Osteuropäische Entschädigungsforderungen
Auch weitere Opferverbände „in Polen, Rußland, der Ukraine und Weißrußland haben von der Deutschen Bahn eine Entschädigung in Höhe von 445 Millionen Euro für den Transport von Menschen zu Todeslagern während des Zweiten Weltkrieges“ gefordert. Vertreter von Veteranenverbänden teilten am 26. März 2010 auf einer Pressekonferenz in Warschau mit, daß die Forderung von führenden Repräsentanten von mehr als 20 Organisationen aus den oben genannten Ländern unterzeichnet wurde. Darunter seien die Polnische Vereinigung der Verfolgten des Dritten Reiches, der Ukrainische Verband der „Nazi“-Opfer, die Weißrussische Vereinigung ehemaliger „KZ“-Häftlinge und der Internationale Verband minderjähriger „Nazi“-Opfer, dessen Mitglieder Bürger von elf Staaten der früheren Sowjetunion seien. Der Vorsitzende der Stiftung Polnisch-Deutsche Aussöhnung, Dariusz Pawlos meint: „Die Deutsche Reichsbahn war integrierter Teil des Nazi-Regimes. Die Bahn transportierte Millionen Menschen von ganz Europa zu Todeslagern sowie zur Sklavenarbeit nach Deutschland“. Die Stiftung vermittelt bei den Verhandlungen mit der Deutschen Bahn.[8]