Junge Welt

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Pfeil 1 start metapedia.png Für die gleichnamige Vorgängerzeitung siehe Junge Welt – die Reichszeitschrift der Hitler-Jugend

Die junge Welt (jW) ist eine überregionale deutsche Tageszeitung mit „linksradikalem“,[1] marxistisch orientiertem Selbstverständnis. Redaktionssitz ist Berlin, Regionalbüros bestehen in München und Bremen. Die Zeitung wurde 1947 gegründet und war zu DDR-Zeiten Zentralorgan der staatlichen Jugendorganisation FDJ. 2012 war sie nach ausbleibenden Abonnenten stark verschuldet.

Inhaltsverzeichnis

Die Junge Welt in der DDR

Die Junge Welt wurde am 12. Februar 1947 in der Sowjetischen Besatzungszone gegründet. Sie erschien zunächst wöchentlich, ab März 1950 sechsmal in der Woche. Seit dem 12. November 1947 führte sie den Untertitel „Zentralorgan der Freien Deutschen Jugend. Seit dem 1. März 1952 erschien sie als Tageszeitung und Organ des Zentralrates der FDJ. Die Auflage überschritt 1977 die Millionengrenze und lag Anfang 1990 bei 1,6 Mio. Exemplaren, damit war sie zuletzt die auflagenstärkste Tageszeitung der DDR, noch vor dem SED-Organ Neues Deutschland.[2] Anders als ein Abonnement anderer Druckmedien in der DDR, war der Bezug unproblematisch.

Insgesamt 19 Zeitungen und Zeitschriften wurden in Regie des FDJ-eigenen Verlages Junge Welt (heute: Buchverlag Junge Welt GmbH) publiziert. Damit sollte die Jugend im staatskonformen Sinne beeinflusst und die kommunistische Indoktrination der jungen Generation gefördert werden.

Seit der deutschen Teilvereinigung

Nach der deutschen Wiedervereinigung wurde die junge Welt privatisiert und wechselte mehrmals den Besitzer.[3] Jens König, später taz-Redakteur, wurde zum ersten Chefredakteur nach der Wende. Die Auflage brach rasch ein, 1994 erfolgte mit der konzeptionellen Hilfe von konkret-Herausgeber Hermann L. Gremliza ein Neustart. Nach einer nur achtmonatigen Zeit als Chefredakteur wurde Günter Kolodziej, heute stellvertretender Senatssprecher in Berlin, im November 1994 von Oliver Tolmein beerbt. Anfang April 1995 wurde dennoch die Produktion der Tageszeitung junge Welt durch den Eigentümer eingestellt. Ein Teil der Redaktion führte die Zeitung daraufhin in Eigenregie weiter fort, Chefredakteur Tolmein schloss sich dem nicht an und wurde durch den früheren Kulturchef Klaus Behnken ersetzt. Der Umfang der Zeitung wurde von 24 auf 16 Seiten reduziert, die Ressorts Frauen, Medien und Ökologie gestrichen.

1997 kam es zu einer Besetzung der Redaktionsräume durch einen Großteil der Mitarbeiter, nachdem Chefredakteur Klaus Behnken durch den Geschäftsführer Dietmar Koschmieder abgesetzt worden war. Letzterer produzierte mit drei ihm gegenüber loyal gebliebenen Redakteuren während der Besetzung Notausgaben, bis die Auseinandersetzung mit dem Ausscheiden der Besetzer aus der Redaktion endete. Die Redaktionsmehrheit hatte während der Besetzung die Wochenzeitung Jungle World als Gegenprojekt gegründet und führte diese anschließend weiter fort. Behnkens Nachfolger wurde Holger Becker, einer der drei loyal gebliebenen Redakteure. Nachdem es zu Auseinandersetzungen mit der Geschäftsleitung und der die Zeitung herausgebenden Genossenschaft gekommen war wurde er jedoch im Februar 2000 durch Arnold Schölzel ersetzt; mit ihm verließen Werner Pirker und Ulrike Schulz, die beiden anderen im Konflikt von 1997 der jungen Welt treugebliebenen Mitarbeiter, die Zeitung, Pirker kehrte allerdings später als Autor zurück. Das Ressort Innenpolitik wurde von 2002 bis 2005 von Ulla Jelpke geleitet, die zuvor Mitglied des Deutschen Bundestages war und die Zeitung anschließend wieder in Richtung Parlament verließ.

Die Auflagenstärke ist unbekannt, wurde vom Verlag 2011 mit 17.000 angegeben. Die JW befindet sich im Besitz einer Genossenschaft mit über 1.000 Mitgliedern — ähnlich nach dem Modell der „taz“. Trotzdem ist sie so eng mit der Linkspartei verbunden, als gehörte sie noch 2011 zu 100 Prozent zu Honeckers Presseimperium. Die Bundestagsfraktion inseriert permanent auf den Weltnetzseiten der Zeitung, die wiederum ständig mit den Seiten der Linkspartei verknüpft sind.

Einschätzung des Verfassungsschutzes

Die junge Welt wird vom "Verfassungsschutz" der BRD beobachtet. In den „Verfassungs“schutzberichten von 2006 und 2007 wird die Zeitung als „ein bedeutendes Printmedium im linksextremistischen Bereich“ bezeichnet. Sie pflege „eine traditionskommunistische Ausrichtung und propagiert die Errichtung einer sozialistischen Gesellschaft“. Der Verfassungsschutz vertritt weiterhin die Ansicht, dass einzelne Mitglieder der Redaktion und ein großer Teil der Autoren dem linksextremistischen Spektrum zuzuordnen seien. Wiederholt sei festzustellen, dass in Beiträgen der jW (etwa über Kurdistan oder Irak) Gewalt als Mittel im Kampf gegen Kapitalismus und Imperialismus anerkannt werde. Über ausländische Guerilla- und Terrororganisationen wie die kolumbianische FARC werde wohlwollend und unkritisch berichtet. Sie würden zu „Befreiungsbewegungen“ umgedeutet.[4][5]

Beschäftigung ehemaliger Stasi-Mitarbeiter

In die Kritik geriet die Zeitung von Seiten anderer Medien wie Der Spiegel [6] und Die Welt [7] aufgrund der Beschäftigung von früheren Agenten und inoffiziellen Mitarbeitern (IM) des Ministeriums für Staatssicherheit der DDR als Redakteure und Mitarbeiter. So war Chefredakteur Arnold Schölzel unter dem Decknamen „André Holzer“ langjährig als IM tätig. Peter Wolter, ehemaliger Ressortleiter Innenpolitik, wurde als Westjournalist für die Weitergabe von Informationen zu einer Bewährungsstrafe verurteilt.[7] Der ehemalige Spion Rainer Rupp arbeitet als Autor für die Zeitung.

Chefredakteur der JW Arnold Schölzel (alias IM André Holzer) stammt aus Westdeutschland und ist 1970 freiwillig in die DDR gezogen.

Rosa-Luxemburg-Konferenz

1996 initiierte die junge Welt eine Internationale Rosa Luxemburg-Konferenz, die seitdem mit jeweils etwa tausend Besuchern in jedem Jahr am zweiten Sonnabend im Januar organisiert wird.[8] Schwerpunkt sind Vorträge und Diskussionen zu Erfahrungen linker Bewegungen und Parteien weltweit und die politischen Entwicklungen in Deutschland.

Siehe auch

Verweise

Fußnoten

  1. Der Tagesspiegel, 25. Februar 2010: Holocaust - Linke streitet wieder über Israel - Norman Finkelstein und „Die Holocaust-Industrie“.
  2. In der DDR war die JW zeitweise die meistgelesene Zeitung, auflagenstärker gar als das Konkurrenzblatt „Neues Deutschland“.
  3. Die JW hat die Wende und eine Abspaltung in der Nachwendezeit überlebt und erscheint unbeeinträchtigt weiter als Tageszeitung.
  4. Verfassungsschutzbericht 2006
  5. Verfassungsschutzbericht 2007
  6. Spiegel Online: „Sichtbare Front“, Ausgabe 28/2006
  7. 7,0 7,1 welt.de: „Die schöne junge Welt der Stasiveteranen“, 21. März 2007
  8. Die alljährliche Rosa-Luxemburg-Konferenz, auf der sich der äußerste linke Rand trifft, wird von der JW organisiert.
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