Karl Wilhelm Ferdinand von Braunschweig-Wolfenbüttel-Lüneburg

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Herzog Karl II. (auch: Carl II. als Fürst von Braunschweig-Wolfenbüttel) Wilhelm Ferdinand von Braunschweig-Wolfenbüttel-Lüneburg, Sohn von Karl I. von Braunschweig-Wolfenbüttel, ruhmreicher deutscher Offizier im Siebenjährigen Kriege, 1773 General der Infanterie, 1785 Anschluß an den Fürstenbund, 1787 Generalfeldmarschall und Sieger eines „Blitzkrieges“ gegen Holland sowie ab 1792 Führer der preußischen und österreichischen Truppen im 1. Koalitions-Krieg gegen die französischen Revolutionsheere, 1794 legte er den Oberbefehl nieder, als Oberbefehlshaber der Preußischen Armee 1806 reaktiviert

Karl Wilhelm Ferdinand (Lebensrune.png 9. Oktober 1735 in Wolfenbüttel; Todesrune.png 10. November 1806 in Ottensen bei Hamburg) war Erbprinz und Fürst von Braunschweig-Wolfenbüttel und seit 1780 Herzog zu Braunschweig und Lüneburg. Der Neffe Friedrichs II. war Generalfeldmarschall der Preußischen Armee und ein Förderer von Carl Friedrich Gauß.

Wirken

Zu seinem Wirken heißt es:[1]

„Karl Wilhelm Ferdinand, geb. 9. Oktober 1735 zu Wolfenbüttel, seit 26. März 1780 regierender Herzog zu Braunschweig und Lüneburg, starb auf der Flucht in Ottensen den 10. November 1806. Als Erbprinz veranlaßte er 1769 die Berufung Lessing's an die Wolfenbütteler Bibliothek.“

Während der Schlacht bei Jena und Auerstedt am 14. Oktober 1806 wurde er blind geschossen und floh vor der Rache Napoléons auf dänisch besetztes Gebiet, wo er an seinen Verwundungen starb:[2]

„[...] Auf das flehende Gesuch des Herzogs um Gewährung der Neutralität für sein Land erfolgte die Antwort: ‚Das Haus Braunschweig hat aufgehört zu regieren‘. Und das sechszehnte Bulletin verkündete unter der Form einer fingierten Unterredung mit einem Abgesandten des Herzogs den unwiderruflichen Beschluß des erbarmungslosen Siegers: ‚Wenn ich die Stadt Braunschweig zerstörte und keinen Stein auf dem anderen ließe, was würde euer Fürst sagen? Erlaubt mir nicht das Vergeltungsrecht, an Braunschweig dasselbe zu üben, was er einst meiner Hauptstadt hat anthun wollen? Sagt dem General Braunschweig, er werde mit aller Rücksicht behandelt werden, die man einem preußischen General schuldet, aber für einen Souverän kann ich einen preußischen General nicht ansehen. An ihn, den Urheber zweier Kriege, mag sich das Haus Braunschweig halten, wenn es den Thron seiner Väter verliert.‘
Nach solchen Erklärungen blieb dem auf den Tod verwundeten Greise nichts anderes übrig als seine schmerzensreiche Flucht fortzusetzen. Die Ruhe der wenigen Tage, die er in Braunschweig hatte verbringen dürfen, hatte ihm wohlgethan. Seine Wunde fing an zu heilen, die Ärzte gaben selbst Hoffnung, ihn am Leben zu erhalten. Jetzt scheuchten ihn die Drohungen seines Überwinders und das Herannahen französischer Truppen von neuem auf. Am 25. Oktober verließ er auf einem Tragbette Braunschweig, um auf dänischem Gebiet eine Zuflucht zu suchen. Tausende von Menschen gaben ihm das Geleit. Es war, als wenn man einem schon Gestorbenen die letzte Ehre erweise. Glücklich erreichte er Hamburg und von da den Sicherheit bietenden dänischen Boden. Aber die Unruhe und die Unbequemlichkeiten des Transportes hatten seinen Zustand wesentlich verschlimmert. Das Äußerste war nicht mehr abzuwenden. Während sein Sohn und Erbe sich unter Blücher tapfer mit bei Lübeck schlug, trat der Todeskampf ein. Am 10. November starb Karl Wilhelm Ferdinand in Ottensen bei Altona. In einem Gewölbe der dortigen Dorfkirche ist er bestattet worden, bis vier Jahre nach der Befreiung des Vaterlandes seine sterblichen Reste nach Braunschweig gebracht und hier in der Gruft seiner Ahnen unter dem Dome von St. Blasien ihre letzte Ruhestätte fanden.“

Die Schlacht bei Auerstedt am 14. Oktober 1806

Nur vier Tage nach dem Unglück von Saalfeld brachte Napoleon dem völlig veralteten und in der friderizianischen Taktik vorgehenden preußischen Heer in der Doppelschlacht von Jena und Auerstedt eine vernichtende Niederlage bei (Anmerkung: Obwohl diese Kämpfe bei Jena und Auerstedt in der Geschichte die Bezeichnung „Doppelschlacht“ erhielten, sind sie doch als zwei voneinander getrennte Waffengänge zu betrachten, die zufällig zeitgleich geführt wurden. Bei Jena stieß Napoleon selbst mit großer Übermacht auf die beiden kleineren preußischen Armeeabteilungen des Fürsten von Hohenlohe-Ingelfingen und des Generalleutnants von Rüchel, während bei Auerstedt Napoleons tüchtiger Marschall Davout mit seinem III. Armeekorps mit etwa 25.200 Mann und 44 Geschützen auf die gesamte vom Herzog von Braunschweig geführte preußische Hauptarmee mit insgesamt etwa 53.250 Mann und 163 Geschütze traf.).

Zu Beginn der Schlacht von Auerstedt am 14. Oktober 1806 ritt Herzog Karl Wilhelm Ferdinand persönlich wie immer tapfer in die vorderste Gefechtslinie vor, um sich über die Lage zu orientieren und die Truppen zum Vorgehen anzufeuern. Wie vor vier Tagen der junge Hitzkopf Louis Ferdinand von Preußen bei Saalfeld vergaß auch der alte, erfahrene Heerführer, daß er nicht in vorderster Frontlinie zu stehen, sondern die Schlacht als Ganzes zu leiten hatte. Im Gefechtsbereich des preußischen Grenadierbataillons von Hanstein etwa 500 Meter vor Hassenhausen – an der Stelle, an der später ein Gedenkstein gesetzt wurde – wurde der Herzog von Braunschweig gegen 9 Uhr von einer Kugel getroffen, die ihm von der rechten Seite des Kopfes durch die Stirnhöhle zur linken drang und zur sofortigen Erblindung und zeitweisen Bewußtlosigkeit führte. Er stürzte hierbei vom Pferd, sofort sprangen einige preußische Soldaten hinzu und führten den Herzog vom Schlachtfeld in das Dorf Auerstedt, wo man ihn zunächst notdürftig verband. Gedeckt von einem kleinen aufopferungsbereiten Gefolge – in diesem als ortskundiger Führer der Auerstedter Fleischer Adam Krippendorf und der Regimentsarzt Dr. Völker unter Kommando von Karl Wilhelm Ferdinands treuem Adjutanten, dem Oberst von Kleist – wurde der Herzog in einer abenteuerlichen Flucht vor der französischen Gefangenschaft bewahrt und über Buttstädt, Kölleda, Angerhausen und Blankenburg nach Braunschweig transportiert, wo er am 20. Oktober 1806 ankam.

Der schwer verwundete Herzog von Braunschweig wird von einem Feldjäger in die rückwärtigen Bereiche gebracht (Bild von Richard Knötel).

Der Tod des Herzogs Karl Wilhelm Ferdinand von Braunschweig

In Braunschweig fand Karl Wilhelm Ferdinand seine Familie nicht mehr anwesend. Seine Gemahlin Auguste, seine Schwester, die Äbtissin von Gandersheim, seine beiden Söhne Prinz Georg Wilhelm Christian und Prinz August hatten sich nach Rostock, die Erbprinzessin nach Schwerin, die Herzogin Marie (die Frau seines jüngsten Sohnes Prinz Friedrich Wilhelm, dem späteren „Schwarzen Herzog“) mit ihren Söhnen eiligst nach Stralsund begeben. Am 21. Oktober 1806 traf dann schließlich sein jüngster Sohn Prinz Friedrich Wilhelm auf dem Rückzug der preußischen Armeeabteilung Blücher in Braunschweig ein. Ungeachtet seiner großen Leiden und der Sorge um sein Land und den geliebten jüngsten Sohn fertigte der Herzog eine Urkunde an, kraft welcher Friedrich Wilhelm die Regierungsnachfolge des Herzogtums Braunschweig überlassen wurde. Gleichzeitig stellte Herzog Karl Wilhelm Ferdinand an Napoleon die briefliche Bitte, sein Land zu schonen, da dieses selbst neutral geblieben war und er nur als Feldmarschall am Krieg teilgenommen hatte. Aber höhnisch lehnte der französische Kaiser ab, dessen Bescheid war: „Das Haus Braunschweig hat aufgehört zu regieren!“, und das ehemalige Herzogtum wurde nun dem neu errichteten Königreich Westfalen unter der Regierung von Napoleons jüngstem Bruder Jérôme Bonaparte einverleibt. So mußte der schwerverwundete Herzog am 25. Oktober 1806 von Braunschweig aus weiter fliehen. Er wollte durch die Lüneburger Heide nach Harburg, um in Holstein ruhig zu sterben. In Ottensen, einem Dorf bei Altona, erreichte ihn am 10. November 1806 der Tod. Der Herzog wurde am 23. November 1806 in der Kirche von Ottensen beigesetzt und im Jahr 1814 nach der Residenz Braunschweig überführt. Dort ruht er im Dom neben seinen großen welfischen Vorfahren. Auch König Friedrich I. von Württemberg, der 1806 als Verbündeter Napoleons in den Krieg gegen Preußen zog, war nach der Nachricht vom Tod des Herzogs von Braunschweig sehr tief über das Schicksal seines früheren Schwiegervaters betroffen.

Zu Lebzeiten neben Friedrich den Großen gestellt und als weiser Staatsmann gepriesen, sah ganz Europa in ihm den großen Soldaten und Feldherrn. Gewiß hatte Herzog Karl Wilhelm Ferdinand große Gedanken, die er in Schriften niederlegte, aber ihm fehlte schon im Frieden die Kraft, die teilweise guten Ideen umzusetzen. Er hörte viel zu viel auf andere. Eine innere Unsicherheit und Schwäche führten oft zu einer gewissen Angst vor der Verantwortung. Ihm fehlte die Kraft, ohne die dem Soldaten alle anderen Gaben nutzlos waren, ihm fehlte der feste eiserne Wille. Dazu kam, daß eine neue Zeit, hervorgerufen durch die Französische Revolution, auf militärischem und politischem Gebiet mit Gewalt zum Durchbruch kam. So liegt eine große Tragik im Leben dieses ungewöhnlichen Menschen und Soldaten. Für Preußen hat er aus innerster Überzeugung, weil er nur in ihm die Erneuerung Deutschlands sah, alles hingegeben: seinen Ruhm, seine Kraft und zuletzt sein Leben.[3]

Leben und Übersicht

Kurze Übersicht über sein Leben:[4]

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Nachkommen

Karl Wilhelm Ferdinand heiratete 1764 Prinzessin Augusta Friederike Luise von Hannover (1737–1813), Prinzessin von Großbritannien, Tochter von Friedrich Ludwig von Hannover, Fürst (prince) von Wales.

Aus einer seit 1766 bestehenden außerehelichen Beziehung mit Maria Antonia von Branconi entstammte Karl Anton Ferdinand (1767–1794), 1773 geadelt als Graf von Forstenburg. Einen weiteren Sohn, den Pädagogen Johann Jakob Theodor Schacht (7. Dezember 1786 in Braunschweig – 10. Juli 1870 Darmstadt), hatte er mit Louise Henriette von Hertefeld (8. Februar 1750 – 31. Juli 1806).

Ehrungen

Auszeichnungen (Auszug)

Standbilder und Denkmäler

Fußnoten

  1. Bilderatlas zur Geschichte der deutschen Nationallitteratur herausgegeben von Gustav Könnecke (PDF-Datei) Für Nicht-USA-Bewohner nur mit US-Proxy abrufbar!
  2. Otto von Heineman: Geschichte von Braunschweig und Hannover, Bände 1-3, 1882, S. 336f. (PDF-Datei) Für Nicht-USA-Bewohner nur mit US-Proxy abrufbar!
  3. Karl Wilhelm Ferdinand von Braunschweig-Wolfenbüttel-Lüneburg bei NapoleonWiki
  4. T. Matthay: Deutsche Literatur und Lese-Buch, 1866, S. 431ff. (PDF-Datei)