Klinger, Friedrich Maximilian von

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Friedrich Maximilian von Klinger (geb. 17. Februar 1752 in Frankfurt am Main; gest. 25. Februar 1831 in Petersburg[1]) war ein deutscher Dichter und Dramatiker.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Zu seinem Wirken heißt es:[2]

Friedrich Maximilian von Klinger, geb. wahrscheinlich 17. (getauft 18.) Februar 1752 zu Frankfurt a. M. in dürftigen Verhältnissen, studierte 1772 in Gießen, kam 1776 zu Goethe nach Weimar; war dann Theaterdichter der Seyler'schen Schauspielergesellschaft, 1778 in österreichischen, 1780 in russischen Militärdiensten. In Rußland wurde er geadelt und stieg bis zum Generallieutenant. Seit 1820 pensioniert, starb er in Petersburg 25. Februar (a. St.) 1831. Sein Schauspiel „Sturm und Drang“ (1776) gab der gährenden Übergangsperiode, der Geniezeit, welche unserer klassischen Zeit voranging, den Namen; „Die Zwillinge“ (1776) gewannen den von Schröder ausgesetzten Preis vor Leisewitzens „Julius von Tarent“. Einer späteren abgekühlteren Dichtungsperiode gehören an namentlich seine Romane „Fausts Leben, Thaten und Höllenfahrt“ (1791) und „Der Weltmann und der Dichter“ (1798).


Quelle
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Das bedeutendste unter diesen Kraftgenies ist Friedrich Maximilian Klinger, der seine milden Dramen in den siebenziger Jahren schrieb, und dessen Ton oft so stark mit dem später auftretenden Schiller zusammentrifft, daß man in den Räubern fast nur einen zweiten Klinger zu hören glaubt, und auch oft behauptet worden ist, Schiller habe Klinger nicht allein im allgemeinen, sondern durch Erborgung bestimmter Charaktere nachgeahmt. Auch er hatte es, wie Schiller, darauf abgesehen, tugendhafte Ungeheuer oder edle Kanaillen zu schildern; seine Charaktere sind durchgängig bis ins Fratzenhafte unwahr, voll einer titanischen, völlig bewußtlosen Naturkraft, die sich in furchtbaren Phrasen und gräulichen Handlungen bloßgiebt. Das Stück, durch welches er sich berühmt machte, sind die schon bei der Anführung von Leisewitzens Julius von Tarent erwähnten Zwillinge, vom Jahre 1774; damals gewann er den Preis, heutzutage wird niemand Lust haben, mehr als die ersten Seiten desselben zu lesen. Das dem Namen nach bekannteste seiner Dramen aber ist Sturm und Drang, ein aus der schottischen Königsgeschichte entlehnter oder wohl mehr dahin verlegter Stoff; von diesem Stücke bekam die ganze Genieperiode den noch heute in der Litteraturgeschichte üblichen Namen Sturm- und Drangperiode. An Unsinn ist dieses Stück kaum zu überbieten, wenngleich in der neuesten Zeit versucht worden ist, dasselbe künstlerisch zu analysieren. Klinger schloß es aus der Gesamtausgabe seiner Werke aus. Nachdem Klinger bereits 1778 das Theater verlassen hatte und wenig später in russische Dienste getreten war, wurde er nüchtern; er fuhr fort, das Schreckliche, das Zerstörende, die unverbesserliche Bosheit und das hoffnungslose Unglück zu schildern — nur nicht mehr in Dramen, sondern in Romanen — er fuhr fort, die Titanenkraft des Menschen im Zerstören und Vernichten, in der Verübung der Bosheit und im Ertragen des Unglücks darzustellen, aber mit der Kälte der Menschenverachtung, mit der unerschütterlichen Ruhe des Stoicismus, der in den gräulichsten Begebenheiten eben nichts als Alltagsgeschichten sieht. Unter diesen seinen Werken, die fast durchgängig in das Gebiet des philosophischen Romans gehören, steht Fausts Leben, Thaten und Höllenfahrt oben an (und man sieht daraus, wie nahe jenem Geschlechte die Idee dieser alten Volksfigur lag, da außer Lessing drei Glieder der Genieperiode sich diesem Stoffe Hingaben) — doch ist dieser Faust nichts weniger als ein Goethescher Faust, welcher den gewaltigen Kampf in sich selbst erlebt und durchkämpft; es ist eigentlich nichts mehr als ein Zeitspiegel, bei dem das Dämonische lediglich in der Welt liegt, und bei welchem Faust nur äußerlich beteiligt ist. Beliebter als sein Faust war der Schreckensroman Geschichte Rafaels de Aquillas, der schon 1793 erschien, aber noch fünfundzwanzig Jahre später gern gelesen wurde, und die ähnliche spätere Geschichte Giafars des Barmeciden. — Klinger, der einst in der Genieperiode in Weimar als Genie zerlumpt und fast nackt ging, und von dem Wieland sagte, er sehe aus, als wenn er Löwenblut saufe und rohes Fleisch fresse, starb als russischer Generalleutnant und Kurator der Universität Dorpat ein Jahr vor seinem Landsmanns Goethe, am 25. Februar 1831.

Quelle: August Friedrich Christian Vilmar: „Geschichte der deutschen National-Litteratur“, 1898, S. 466f. (PDF-Datei) Für Nicht-VSA-Bewohner nur mit US-Proxy abrufbar!


Kurze Einführung in Leben und Werk:[3]

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Werke (Auswahl)

  • Otto, Trauerspiel (PDF-Datei)
  • Die falschen Spieler, ein Lustspiel in fünf Aufzügen (PDF-Datei)
  • Konradin: Ein Trauerspiel in fünf Aufzügen (PDF-Datei)
  • Die Zwillinge, Trauerspiel in fünf Aufzügen (PDF-Datei)
  • Der Weltmann und der Dichter (PDF-Datei)
  • Geschichte eines Teutschen der neusten Zeit (PDF-Datei)
  • Faust's Leben, Thaten und Höllenfahrt (PDF-Datei)
  • Geschichte Raphaels de Aquillas. Ein Seitenstück zu Fausts Leben, Thaten und Höllenfahrt (PDF-Datei)
  • Reisen vor der Sündfluth (PDF-Datei)
  • Die Geschichte vom goldnen Hahn: ein Beytrag zur Kirchen-Historie (PDF-Datei)
  • Sahir, Eva's erstgebohrner im Paradiese (PDF-Datei)
  • Geschichte Giafars des Barmeciden
  • Sturm und Drang (HTML-Version)
  • Medea in Korinth; Medea auf dem Kaukasos; Aristodymos; Damocles (PDF-Datei)
  • Betrachtungen und Gedanken über verschiedene Gegenstände der Welt und der Litteratur (PDF-Dateien: Erster Theil, Zweyter Theil nur als Netzbuch, Dritter Theil)

Literatur

  • Max Rieger: „Friedrich Maximilian Klinger, sein Leben und Werke“ (1880) (PDF-Dateien: Band 1, Band 2, Zugabe zum 2. Teil)
  • Richard Werner Kurz: „F.M. Klingers ‚Sturm und Drang‘“ (1913) (PDF-Datei)
  • Fanny Tarnow: „Zwei Jahre in Petersburg: Aus den Papieren eines alten Diplomaten“ (1848) (PDF-Datei)
  • Emil Neubürger: „Goethe's Jugendfreund Friedrich Maximilian Klinger“, 1899 (PDF-Datei) Für Nicht-VSA-Bewohner nur mit US-Proxy abrufbar!

Zitate

  • „Wer, wenn das Vaterland in Not ist, einen anderen Gedanken als dessen Rettung fühlt, ist nicht wert, in einem freien Staat zu leben.”

Fußnoten

  1. andere Quellen geben Dorpat als Sterbeort an. Siehe auch Vilmar: „Geschichte der deutschen National-Litteratur“
  2. Bilderatlas zur Geschichte der deutschen Nationallitteratur herausgegeben von Gustav Könnecke (PDF-Datei) Für Nicht-VSA-Bewohner nur mit US-Proxy abrufbar!
  3. Johann Wilhelm Schaefer: „Literaturbilder. Darstellungen deutscher Literatur aus den Werken der vorzüglichsten Literarhistoriker“, Bände 1-2, 1874, S. 159ff. (PDF-Datei) Für Nicht-VSA-Bewohner nur mit US-Proxy abrufbar!
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