Zuse, Konrad

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Prof. Dr. h. c. mult. Konrad Zuse
Zuse unterschrift.png

Konrad Ernst Otto Zuse (Lebensrune.png 22. Juni 1910 in Berlin; Todesrune.png 18. Dezember 1995 in Hünfeld bei Fulda) war ein deutscher Bauingenieur, Unternehmer (Zuse KG) und Erfinder des ersten funktionstüchtigen Rechners der Welt.

Der Rechner ist eine Erfindung aus Deutschland. Der Berliner Zuse konstruierte 1941 den weltweit ersten funktionsfähigen Rechner mit Relais. Zuse gab an, er habe nicht die Möglichkeit gehabt, seine Erfindung in Deutschland als Patent anzumelden, das habe ihn sehr gestört. Später widmete er sich statt der Technik der Kunstmalerei.

Leben

Herkunft

Konrad Zuse (1944)

Konrad Ernst Otto Zuse kam am 22. Juni 1910 Berlin als Sohn eines Postsekretärs zur Welt.[1]

Ausbildung

Er hatte zunächst ein Gymnasium in Braunsberg/Ostpreußen besucht, bevor er 1927 am Reform-Realgymnasium in Hoyerswerda das Abitur ablegte. Ein ohne große Begeisterung absolviertes Studium des Bauingenieurwesens an der TH Berlin-Charlottenburg beendete er 1935 mit der Diplomhauptprüfung.[2]

Wirken

Professor Zuse (1992)

Bis 1937 war Konrad Zuse als Statiker bei den Henschel-Flugzeugwerken in Berlin-Schönefeld angestellt. Schon als Student hatte er einen Photoautomaten und ein elliptisches Kino entwickelt und einen Verkaufsautomaten gebaut, der Preise zu addieren und Rückgeld herauszugeben vermochte. Weil ihm die zeitraubenden statischen Berechnungen ein Greuel waren, begann Zuse 1934 – der „eigenen Faulheit wegen“ – im elterlichen Jugendstilwohnzimmer seine erste programmgesteuerte Rechenmaschine auf mechanischer Basis zusammenzubasteln. 1938 war die „Z 1“ (Zuse Z1), ein vier Quadratmeter bedeckendes Monstrum aus Blechteilen, Kurbeln, Glasplatten und Programmwalzen, betriebsbereit.[2] Die später als „Z 391“ bezeichnete Apparatur war für Zuse das wichtigste Patent seines Lebens geworden. Doch als 1967, nach 26jährigem (!) Streitverfahren, die Entscheidung fiel, hieß es nur, daß „... eine patentwürdige Erfindung“ nicht vorliege. Zwar war 1952 die „Z 391“ für „patentfähig“ erklärt worden, viele Firmen aber hatten Einspruch eingelegt. Lange Zeit galt fälschlicherweise der Harvard-Professor Howard H. Aiken, der unabhängig von Zuse (und von IBM unterstützt) geforscht hatte („Mark I“) und ihm um Jahre hinterher war, als der Erfinder des Rechners (Engl.: Computers). Erst 1962 räumte Aiken in einem Brief an den genialen Tüftler dessen Pioniertat ein. Die Erfindungen Zuses fanden wenig Förderer. Insgesamt meldete er über 50 Patente an, erhielt aber – zahllosen Ehrungen zum Trotz – kaum eines und blieb ein „gescheiterter Kapitalist“.[2]

Zweiter Weltkrieg

Eine Zeitlang von der Wehrmacht kriegsverpflichtet zum Bau von Flugabwehrraketen (1939), machte er sich 1940 selbständig und gründete die „Zuse Apparatebau“ Berlin, um programmierbare Rechner herzustellen. 1941 stellte er mit der „Z 3“ die erste voll funktionsfähige programmgesteuerte Rechenanlage der Welt vor. Mitfinanziert von der Deutschen Versuchsanstalt für Luftfahrt, wies das 25.000 Reichsmark teure, am 12. Mai 1941 funktionsfähig gewordene und die Größe von drei geräumigen Kühlschränken einnehmende Gerät wiederum ein binäres, mit 600 Relais ausgestattetes Rechenwerk auf, das durch Lochstreifen gesteuert und dessen Resultate durch Lampenleisten mitgeteilt wurden. Im Speicherwerk hatten 1.800 Relais Platz gefunden.

1944 wurden beim alliierten Bombenterror Zuses Haus und Werkstatt weitgehend zerstört, ein Großteil seiner Arbeit einschließlich vieler schriftlicher Aufzeichnungen ging verloren. Er konnte noch den Universalrechner „Z 4“ entwickeln, der von der Deutschen Versuchsanstalt für Raumfahrt bei Probeberechnungen des Flügelflatterns eingesetzt und der Luftangriffe auf Berlin wegen Anfang 1945 zur Aerodynamischen Versuchsanstalt in Göttingen gebracht wurde. Die später nachgebaute „Z 3“ hat man im Deutschen Museum in München ausgestellt. Sein Pioniermodell „Z 1“ rekonstruierte Zuse aus dem Gedächtnis heraus. Es steht seit 1989 im Museum für Technik und Verkehr in Berlin.[2]

Der Rechner Z3 (Nachbau) von Konrad Zuse im Deutschen Museum in München

Nachkriegszeit

Bei Kriegsende verschlug es Konrad Zuse nach Hinterstein im Allgäu, wo 1946 wieder ein Zuse-Ingenieurbüro entstand. 1949 übersiedelte er nach Neunkirchen, Kreis Hünfeld, bevor die neu gegründete Zuse KG sich endgültig in Bad Hersfeld niederließ. Zuse vermietete die „Z 4“ an die ETH in Zürich und machte mit theoretischen Arbeiten auf den Gebieten der Schaltalgebra und Computeralgorithmen von sich reden. Die nunmehr entwickelten und in Serie gebauten Geräte, zuletzt die lochstreifengesteuerte Zeichenmaschine „Z 64“ („Graphomat“), gelangten im In- und Ausland zum Einsatz. 1964, in seiner Blütezeit, zählte das Unternehmen mehr als tausend Mitarbeiter; der Umsatz stieg Mitte der 1960er Jahre auf rund 25 Millionen Mark. Dennoch blieben die unternehmerischen Erfolge im Vergleich zu denen des eng befreundeten Rechnerherstellers Heinz Nixdorf (Todesrune.png März 1986) eher bescheiden. Die ständigen Entwicklungskosten waren zu hoch geworden. Nachdem Zuse nacheinander Verbindungen mit den Rheinischen Stahlwerken und dem Mannheimer BBC-Konzern eingegangen war, ging seine Firma 1966 in der Siemens AG auf; er selbst stieg als Gesellschafter aus. Er wandte sich wieder seinen wissenschaftlichen Forschungen, insbesondere den theoretischen Grundlagen der Rechnertechnik, zu und übernahm noch im gleichen Jahr eine Honorarprofessur für Elektronische Datenverarbeitung an der Georg-August-Universität Göttingen.[2]

Größere, durch zahlreiche Ausstellungen belegte Anerkennung fand Zuse in seinen letzten Lebensjahren – auch unter dem Pseudonym „Kuno See“ – mit seiner Malerei. Sein Lieblingsmotiv waren astralisch in den Himmel ragende Wolkenkratzer. Gleichwohl arbeitete er, die elektronische Datenverarbeitung trotz aller Probleme als „Segen für die Menschheit“ empfindend, weiter im alten Metier. 1994 beschäftigte sich der inzwischen 84jährige mit der Entwicklung eines Leichtbau-Windgenerators, der sich bei Sturm ohne Energiezufuhr und mit Hilfe der Schwerkraft selbst demontiert und dessen Propeller dank eines aus- und einfahrbaren Turmes ausgewechselt und den jeweiligen Windstärken angepaßt werden können.[2]

1969 schrieb Zuse das Buch „Rechnender Raum“. Darin entwickelte er eine Theorie der Zellulären Automaten und wendete sie, ähnlich wie später Stephen Wolfram, auch auf die Kosmologie an.

Ein funktionstüchtiger Nachbau der „Z3“ steht heute im Deutschen Museum in München, ein Nachbau der „Z1“ befindet sich im Deutschen Technik-Museum in Berlin. Dort stehen auch eine komplette „Z22“ sowie diverse andere Zuse-Systeme.

An der Fachhochschule Karlsruhe befindet sich noch eine funktionstüchtige „Z22“ in kompletter Ausstattung (siehe Artikel c't 20/02, Seite 100). Anfang 2005 wurde sie im Rahmen einer Ausstellung im Zentrum für Kunst und Medientechnologie betriebsfähig aufgebaut. Eine bis vor kurzem noch funktionsfähige „Z23V“ befindet sich im Deutschen Technik Museum Berlin (DTMB) (früher: Museum für Verkehr und Technik).

Konrad Zuse besaß zeitlebens keinen Personal Computer. Zu den Lieblingsschriftstellern Zuses, der im Juni 1985 im ZDF als „Zeuge des Jahrhunderts“ vorgestellt wurde, gehörte Oswald Spengler („Untergang des Abendlandes“).

Tod

Konrad Zuse und Konrad Duden, Bad Hersfeld

Prof. Dr. h. c. mult. Konrad Zuse verstarb kurz vor Weihnachten 1995 an den Folgen einer Herzkrankheit.

Familie

Konrad Zuse war seit 1945 mit Gisela, geb. Brandes, verheiratet und Vater von fünf Kindern. Sein Sohn Ernst starb 1979.

Zitate

  • „Nur der Umstand, daß ich nichts von Rechenmaschinen verstand, half mir, völlig neue Wege zu gehen.“

Auszeichnungen und Ehrungen (Auszug)

Auszeichnungen

Harry H. Goode Memorial Award (1965; VSA), Werner-von-Siemens-Ring (1965), Diesel-Medaille in Gold (1969), Wilhelm-Exner-Medaille (1969), Großes Bundesverdienstkreuz (1973), Aachener und Münchener Preis für Technik und Angewandte Naturwissenschaften (1980), Ehrenplakette Bad Hersfeld (1980), Medaille Gustave Trasenster (1981), Konrad-Zuse-Preis (1981), Computer Pioneer Award (1982), Bernhard-Weiss-Plakette (1983), Bayerischer Maximiliansorden (1984), Goldener Ehrenring des Deutschen Museums (1984), Cothenius-Medaille (1985; DDR), Großes Bundesverdienstkreuz mit Stern, Ernst-Reuter-Plakette (1985), Ehrenring des Verbandes Deutscher Elektrotechniker (1986), Philip-Morris-Ehrenpreis (1987), Wilhelm-Leuschner-Medaille (1987), Prometheus Award (1995; Carnegie Mellon University, VSA). Zu den letzten Ehrungen gehörten 1995 der Eduard-Rhein-Preis mit einem Drittel der Gesamtpreissumme von 500.000 Mark sowie das Große Bundesverdienstkreuz mit Stern und Schulterband — für sein Lebenswerk.

Ehrendoktorwürden

TU Berlin (1956; Dr. Ing. E. h.), Universität Hamburg (1979), TU Dresden (1981), Universität Reykjavík/Island (1986; Dr. techn. h. c.), Universität Dortmund (1991; Dr. rer. nat. h. c.), Eidgenössische Technische Hochschule Zürich (1991; Dr. h. c. sc. techn.), Hochschule für Architektur und Bauwesen Weimar (1991; Dr.-Ing. E. h.), Universität Siena/Italien (1992; Dott. h. c. math.). Nach seiner Ernennung zum Honorarprofessor in Göttingen (1966) wurde er 1993 als „Ehrenprofessor“ der Universität Stettin ausgezeichnet.

Ehrennamen

Zuse wurde auf vielfältige Weise zum Namensgeber, u. a. für die Konrad-Zuse-Straße in Bad Hersfeld (1973), die Konrad-Zuse-Schule in Hünfeld und das Konrad-Zuse-Zertifikat (1978). 1975 wurde er Ehrenbürger der Stadt Hünfeld. 1984 wurde das Konrad-Zuse-Zentrum für Informationstechnik Berlin (ZIB) mit ihm als Ehrenvorsitzenden des Wissenschaftsbeirats und 1988 in Hünfeld die Konrad-Zuse-Gesellschaft gegründet. Zu den letzten Namenswidmungen gehörten das Zuse-Gymnasium in Hoyerswerda (1993) sowie in Jena und in Schneeberg/Erzgebirge eine Konrad-Zuse-Straße (1994).

Er wurde 2003 im ZDF auf Platz 15 der größten Deutschen gewählt. Zur Erinnerung an den Erfinder (100. Geburtstag des Pioniers) erhielt das Jahr 2010 den Namen „Konrad-Zuse-Jahr“.

Mitgliedschaften

Deutsche Akademie der Naturforscher LEOPOLDINA, Halle/Saale (seit 1972), Foreign Association National Academy of Engineering (seit 1981; VSA), Gesellschaft für Informatik (seit 1985; Ehrenmitglied), Verein isländischer Ingenieure (seit 1986; Ehrenmitglied), Internationales Forum Historische Bürowelt (I.F.H.B.) e. V. (seit 1994), Freundeskreis der Beruflichen Schulen Bad Hersfeld e. V. (seit 1995), Ehrenmitglied des Chaos Computer Clubs (CCC) (laut Beschluß der Mitgliederversammlung 1995, ist ihm aber nicht mehr mitgeteilt worden).

Filmbeiträge

Eine deutsche Erfindung: Der Computer – Fernsehbericht von 1958:

Siehe auch

Literatur

  • Menno Aden: Kulturgeschichte der deutschen Erfindungen und Entdeckungen von Albert Magnus bis Konrad Zuse, IFB, 2017, ISBN 978-3942409551

Verweise

Fußnoten

  1. Internationales Biographisches Archiv 08/1996 vom 12. Februar 1996
  2. 2,0 2,1 2,2 2,3 2,4 2,5 Munzinger-Archiv GmbH, 1996