Masse (Soziologie)

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Masse ist im soziologischen Zusammenhang ein Begriff, welcher häufig abwertend gebraucht wird, um eine große Anzahl bzw. Ansammlung von Menschen zu bezeichnen. Diese Masse neutralisiert die Qualität des Einzelnen, zeigt selber jedoch keine gestaltende, keine urteilende oder auch nur stabile Qualität, sondern verstärkt nur wüste, herabziehende oder vulgäre Kräfte.

Masse und Vermassung

Der Ausdruck „Vermassung“ konnte im 20. Jahrhundert einige Jahrzehnte hindurch so etwas wie einen konservativen Schrecken vor Umsturz, Aufruhr und Verpöbelung bannen. Das bloße Aussprechen des Wortes „Vermassung“ hielt die kollektivistischen und egalitären Gegner der Konservativen eine ganze Weile effektiv davon ab, völlig irrsinnige Maximalforderungen der politischen Linken öffentlich zu propagieren. Doch damit ist nun seit langem Schluß.

Mit der neoliberalen Aufweichung des klassischen Konservatismus (in Europa v.a. verbunden mit der Regierungszeit der britischen Premierministerin Margaret Thatcher, 1979–1990), verschwanden zugleich „Masse“ und „Vermassung“ als politische Drohbegriffe, sie verloren ihre Wirksamkeit vollständig – Umsatz, Geldumlauf, noch größere Märkte und eine sehr viel größere Massenproduktion, Verhinderung jeglichen Schutzes (= „Anti-Protektionismus“) und Beseitigung aller Schranken und Grenzen (= „Öffnung“), waren nun die unantastbaren politischen Heilsbegriffe geworden.

Artikel aus dem staatspolitischen Handbuch


Quelle Folgender Text stammt aus dem Staatspolitischen Handbuch, Band 1: Begriffe.

Masse ist eine größere Zahl von Menschen ohne festen sozialen Verband, die aber fallweise ein Ganzes bilden und dadurch zum politischen Faktor werden. M. traten sicher schon in der Frühgeschichte auf, jedenfalls soweit zentrale Kultplätze, Großsiedlungen oder erste Städte gebildet waren, die eine Zusammenballung von Menschenmengen ermöglichten; hinzu kam später eine mit der antiken Landflucht einhergehende Auflösung von älteren Bindungen, die der Entstehung der M. förderlich war. Die Problematik des Prozesses hat man früh erkannt, vor allem was die Anfälligkeit der M. für Demagogie und irrationales Verhalten betrifft; in diesen Zusammenhang gehört auch eine Kritik der Demokratie als »Ochlokratie«, das heißt Herrschaft der M.

Das erste Auftreten der M. kann indes nicht darüber hinwegtäuschen, daß M. im eigentlichen Sinn erst mit der Industrialisierung zu ihrer historischen Bedeutung kamen. Bedingt durch Bevölkerungswachstum und Urbanisierung, den Zerfall von Tradition und älteren Loyalitäten, den Aufstieg der Technik und die damit gegebenen Verkehrsmöglichkeiten bildeten sich damals in Europa und dann vor allem in Nordamerika die Anfänge einer Massengesellschaft.

Deren potentielle Gefährlichkeit hatte sich zum ersten Mal in der Französischen Revolution deutlich gezeigt, als nicht nur die Verführbarkeit der M., sondern auch ihre Tendenz zur Gewalttätigkeit hervortrat. Während die Linke darauf ihre Hoffnung setzte und glaubte, die Selbsttätigkeit und Selbstorganisation der M. werde nicht nur den großen Umsturz herbeiführen, sondern überhaupt den Fortschritt antreiben, sah die Rechte die Entwicklung mit erheblicher Besorgnis. Glaubte man anfangs noch, es lasse sich der Gesamtprozeß eindämmen oder vielleicht sogar rückgängig machen, sah man sich nach einiger Zeit zu der Einsicht gezwungen, daß die »Vermassung« im Grunde nicht zu korrigieren war.

In der Konsequenz entstanden verstärkt theoretische Bemühungen zur Interpretation der Massengesellschaft, die vor allem zur Ausbildung einer »Massenpsychologie« und zur Konzeption einer »Massenpolitik« führten. Während die Massenpsychologie auf die Ambivalenz des Phänomens abhob – die M. ist einerseits dümmer als der einzelne und unberechenbar, andererseits heroischer als das Individuum –, suchte die Massenpolitik nach praktischen Möglichkeiten zur Beherrschung der großen Menge. Dabei spielte das bonapartistische Modell eine wichtige Rolle, aber auch die Erwägungen zur Erziehung und Integration der M. in einen technischen Staat (Technokratie), der ihrer Unkalkulierbarkeit durch den Aufweis von Sachzwängen Grenzen ziehen würde.

Ein letzter Erfolg war diesen Bemühungen nicht beschieden, was vor allem an der Unterstützung für die totalitären Bewegungen durch die M. deutlich wurde, und die Entwicklung nach 1945 hat mit dem Auftreten der »einsamen M.« (David Riesman) zu einem in dieser Form bis dato unbekannten Problemstau geführt, den man provisorisch durch Ablenkung und den Aufbau des Wohlfahrtsstaates zu beherrschen sucht.

Zitate

  • „Es hängt alles von der Art des Einflusses ab, unter dem die Masse steht.“ - Gustave Le Bon
  • „In der Masse sinkt der Verstand mit der Anzahl der Versammelten“ - Gustave Le Bon
  • „»Masse an sich« hat es … immer gegeben und wird es stets geben, wo irgend eine größere Zahl durch irgendeinen Anlaß vorübergehend angezogen wird. Jene organisierten Massen hingegen, die sich von bloßen Massenmengen eben darin unterscheiden, daß sie einen bestimmt-gerichteten kollektiven Willen und eine ihm entsprechende Ideologie herausbilden, … gehen doch erst hervor eben aus einem soziologischen Mißverhältnis zwischen Gemeinschaft und Gesellschaft.“ - Heinz Marr
  • „Die Psyche der breiten Masse ist nicht empfänglich für alles Halbe und Schwache.“ - Adolf Hitler in: Mein Kampf, 22. Auflage, 1944, S. 44
  • „Ein Mann bedeutet viel gegenüber einer Masse von Sklavenseelen, von Pazifisten und Weltverbesserern, die Ruhe um jeden Preis ersehnen, selbst um den der »Freiheit«.“ - Oswald Spengler[1]
  • „Die eigentliche Katastrophe wird jedoch durch die Schuld der Masse herbeigeführt werden, wenn sie durch die Geldgier der einen sich geschädigt glaubt, während der Ehrgeiz der andern, ihrer Eitelkeit schmeichelnd, sie zur Selbstüberschätzung verführt.“ - Gaius Iulius Polybius[2]

Siehe auch

Literatur

  • Walther Lohmeyer: „Die Dramaturgie der Massen“, 1913 (PDF-Datei) Für Nicht-VSA-Bewohner nur mit US-Proxy abrufbar!
  • Gustave Le Bon: Die Psychologie der Massen [1895/1908], zuletzt Stuttgart 1982 (PDF-Datei)
  • José Ortega y Gasset: Der Aufstand der Massen; autorisierte Übersetzung aus dem Spanischen von Helene Weyl. Mit einem Nachwort von Michael Stürmer (Originalausgabe: La rebelión de las masas, 1929); München, Deutsche Verlags-Anstalt 2012, ISBN 978-3-421-04577-5 [222 Seiten]
  • Heinz Marr: Die Massenwelt im Kampf um ihre Form, Hamburg 1934
  • David Riesman: Die einsame Masse [1956], zuletzt: Hamburg 1982
  • Alain de Benoist: Demokratie: Das Problem; aus dem Französischen von Patrick Trevillert. Hohenrain-Verlag, Tübingen/Zürich/Paris 1986, ISBN 3-89180-011-8 (französische Originalausgabe: 1985)
  • Jason Brennan: Gegen Demokratie. Warum wir die Politik nicht den Unvernünftigen überlassen dürfen; aus dem Amerikanischen von Stephan Gebauer; Ullstein, Berlin 2017, ISBN 978-3-550-08156-9 [464 Seiten]
  • Günter Ederer:
    • Träum weiter, Deutschland! Politisch korrekt gegen die Wand; Eichborn Verlag, Frankfurt am Main 2011, ISBN 978-3-8218-6540-9
    • Die Sehnsucht nach einer verlogenen Welt. Unsere Angst vor Freiheit, Markt und Eigenverantwortung. Über Gutmenschen und andere Scheinheilige; 2. Auflage, Bertelsmann, München 2000, ISBN 3-570-00432-5
  • Hans Domizlaff: Die Geburtsfehler der Demokratie als Herrschaftsform (PDF-Datei)

Verweise

Fußnoten

  1. In: Jahre der Entscheidung, 45.-60. Tsd., C.H. Beck'sche Verlagsbuchhandlung, München, Seite 42
  2. Zitiert von Oswald Spengler in: Jahre der Entscheidung, 45.-60. Tsd., C.H. Beck'sche Verlagsbuchhandlung, München, Seite 42