Russisches Kaiserreich
Russisches Kaiserreich oder Kaiserreich Rußland (russ.: Российская Империя; transl.: Rossijskaja Imperija) war die im Jahre 1721 von Peter dem Großen eingeführte Bezeichnung für jenen Staat, der später, bis zur Proklamierung der bolschewistischen Russischen Sowjetrepublik im Jahr 1917, weite Teile des nördlichen Eurasiens umfaßte. Mit einer maximalen Ausdehnung von rund 22,7 Millionen Quadratkilometern war es nach dem Mongolischen Reich der größte zusammenhängende Staat der Geschichte und umspannte ein Sechstel der Landmasse der Erde.
Inhaltsverzeichnis
Erläuterung
Die Bezeichnungen Russisches Zarenreich und zaristisches Rußland sind zwar teilweise geläufig, aber historisch ungenügend, da Peter der Große den Zarentitel 1721 in Anlehnung an die römisch-deutschen Herrscher durch den des „Kaisers“ ersetzt hatte. Von einem Zar oder einem Zarenreich ab 1721 zu berichten, ist somit historisch falsch.
Vom Zaren zum Kaiser
Peter I. („Peter der Große“) nahm am 20. Oktober 1721 den Titel „Imperator und Selbstherrscher (Autokrat) aller Russen – Zar zu Moskau, Kiew, Wladimir, Nowgorod, Kasan und Astrachan“[1] oder „Kaiser aller Reußen“ an und machte einen Monat später am 21. November die Titulatur als „Kaiserliche Majestät“ (Imperatorskoje Welitschestwo) bekannt.[2]
Aber erst nach und nach wurde den russischen Herrschern auch im westeuropäischen System der Höfe und der Diplomatie die Ebenbürtigkeit mit dem Kaisertitel zuerkannt.
Den Titel Imperator trugen die russischen Herrscher bis zum Sturz Nikolaus’ II. im Jahr 1917. Der Titel „Zar“ blieb nur noch in nachgeordneter Position im vollständigen Titel erhalten.
Herrschaftsgebiet
Zu seinem Herrschaftsgebiet gehörten neben dem heutigen Rußland und den meisten Territorien der späteren UdSSR zeitweilig auch Finnland (als Großfürstentum Finnland), der größere Teil Polens (Kongreßpolen), der Nordosten der heutigen Türkei, Alaska (russisch-amerikanische Kolonie bis 1867), sowie zeitweise kleine russische Niederlassungen in Kalifornien (Fort Ross).
Ethnien
Das Russische Kaiserreich war von Beginn an durch die historischen Eroberungen und Erschließung Sibiriens, des Kaukasus und weiteren Gebieten in Osteuropa ein Vielvölkerstaat. Die erste und einzige umfassende Volkszählung des Reiches von 1897 (rund 125,6 Millionen Einwohner) ergab folgende ethnische Zusammensetzung (nach Muttersprache):
- Großrussisch (Großrussen): 45,71 % (ca. 56,67 Millionen)
- Kleinrussisch (Ukrainer): 17,81 % (ca. 22,38 Millionen)
- Weißrussisch (Belarussen): 4,68 % (ca. 5,89 Millionen) → Ostslawen insgesamt damit rund 66,8 %
- Polnisch: 6,31 % (ca. 7,93 Millionen)
- Jiddisch (Juden): 4,03 % (ca. 5,06 Millionen)
- Turk-Sprachen (Tataren, Baschkiren, Kirgisen/Kasachen, Usbeken u. a.): zusammen ca. 10,8 % (darunter allein Kyrgys-Kaisak/Kasachen ca. 3,25 %)
- Finnisch-ugrische und baltische Sprachen (Finnen, Esten, Letten, Litauer u. a.): ca. 4–5 %
- Deutsche: ca. 1,4 % (vor allem Rußlanddeutsche im Wolgagebiet, in der Ukraine und im Baltikum)
- Kaukasische Völker (Georgier, Armenier, Tschetschenen, Aserbaidschaner u. a.): ca. 3–4 %
- Sonstige (Rumänen, Griechen, Bulgaren, Koreaner, indigene sibirische Völker, Chinesen u. a.)
Die drei ostslawischen Gruppen (Groß-, Klein- und Weißrussen) bildeten gemeinsam die klare Mehrheit von etwa zwei Dritteln der Bevölkerung. Dennoch war das Reich strenggenommen ein Vielvölkerstaat, in dem Russen nur knapp über 50 Prozent zusammen mit Belarussen kommen. Es ist anzumerken, dass sich die meisten Ostslawen mit Ausnahme die Polen miteinander verständigen konnten und so gut wie alle Belarussen ebenfalls Russisch fließende verstanden (zumal die Sprache nur selten separat Erwähnung findet). Die Bezeichnungen wie "Kleinrussen" stammen von der amtlichen Volkszählung und sind nicht unbedingt ethnisch korrekt. Dennoch spiegelt es die Situation im groben gut wieder im damaligen Kaiserreich, welches ähnlich wie Österreich-Ungarn von einen Monarchen zusammengehalten wurde. Wenn auch einige Unterschiede bestehen (z.B. war die Ursache des Niedergangs des Staates kein Nationalitätenkonflikt).
Siehe auch
- Haus Romanow
- Russisch-Kaiserliche Armee
- Rußlanddeutsche
- Russisch-Deutsche Legion
- Sowjetunion
- Russische Föderation
- Deutsch-russische Beziehungen
Personen
- Iwan IV. („der Schreckliche“)
- Peter I. („der Grosse“)
- Katharina II. („die Grosse“)
- Nikolaus II.
- Alexander Geljewitsch Dugin
Literatur
- Andreas Kappeler: Russland als Vielvölkerreich. Entstehung – Geschichte – Zerfall. München (C.H. Beck) 2001, ISBN 3-406-47573-6
