Artillerie

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Waffenhefte des Heeres: Die Artillerie
Artillerie bezeichnet im Militärwesen den Sammelbegriff für großkalibrige Geschütze und Geschütztypen sowie Raketen als auch eine Heerestruppengattung. Angehörige dieser Waffengattung werden als Artilleristen bezeichnet.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Bis ca. 1845 wurden die Stadtmauern europäischer Städte noch militärisch erneuert, seither jedoch sind Artilleriewaffen so durchschlagskräftig, daß Stadtmauern (die ihre fiskalische Funktion vielfach noch länger behielten) kein militärisches Hindernis mehr sind. Sie konnten seit jener Zeit aus großer Distanz – ohne daß ein Angreifer sich selbst in Gefahr begab – vollständig zerrüttet werden.

„Höhepunkt“ der Rohrartillerie war der Erste Weltkrieg (1914–1918). Hier kamen alle Gattungen der Artillerie zum Einsatz. Dadurch änderte sich das Gesicht des Krieges nachhaltig: der jetzt besonders wirksame Einsatz von Granaten machte Bewegung in offenem Gelände sehr risikoreich und erzwang den Bau von Grabensystemen. Trotzdem gingen ca. 3/4 der Verluste der Kriegsparteien auf die Artillerie zurück, da auch neue Artillerie-Techniken und Taktiken, (etwa die „Feuerwalze“), sowie der verstärkte Einsatz von Sprenggeschossen erprobt und eingeführt wurden.

Im Ersten Weltkrieg verschoß die Artillerie der Kriegsparteien zusammen etwa 850 Millionen Schuß. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde durch eine höhere Mobilität der Infanterie und Ausbau der Panzertruppen die Wirksamkeit der Artillerie beschränkt und die mobile Kriegsführung wieder ermöglicht. Dementsprechend wurden auch die Mobilität und der Panzerschutz der Artillerie ständig erhöht.

Im Laufe des Zweiten Weltkrieges wurde neben der bis dahin eingesetzten Rohrartillerie die Raketenartillerie weiterentwickelt. Bei den Verbänden des deutschen Heeres tauchte im Jahr 1940 erstmals der „Nebelwerfer“ (sechs kreisförmig angeordnete Rohre, die auf einer Lafette montiert waren) auf.

Unterteilung

Feldartillerie-Schießschule zu Jüterbog; Die Militärgeschichte in Jüterbog II beginnt in der Mitte des 19. Jahrhunderts mit dem Ausbau des Schießplatzes zur Ansiedlung einer ständigen Garnison. 1890 wurde die Feld- und Fußartillerie-Schießschulen aus Berlin nach Jüterbog verlegt. Die mit den beiden Weltkriegen verbundene Aufrüstung führte zu einem großen Flächenbedarf für das Militär, der auch innerstädtisch einen enormen Entwicklungsschub auslöste.

Man unterscheidet historisch:

  • Wurfmaschinen, die von der Antike bis zum 16. Jahrhundert verwendet wurden.
  • Die Rohrartillerie wird seit dem 15. Jahrhundert benutzt. Sie ist mit Geschützen ausgestattet und bildete im Laufe der Geschichte verschiedene Untergruppen heraus:
    • Festungs- und Belagerungsartillerie,
    • Schiffsartillerie
    • Feldartillerie als historischer Truppengattungsverbund mit
      • Fußartillerie (die Geschütze waren bespannt, also von Pferden gezogen; die Artilleristen gingen zu Fuß und waren in Deutschland um 1900 mit Bajonett und Gewehr bewaffnet) – Infanteriegroßverbänden unterstellt
      • Fahrende Artillerie (die Bedienmannschaft hatte auf Protze und Lafette eigene Sitze; bewaffnet mit Bajonett und Pistole, jedoch kein Gewehr) – Infanteriegroßverbänden unterstellt
      • Berittene Artillerie (umgangssprachlich auch Fliegende Artillerie; schneller manövrierbar als die Fahrende Artillerie, Artilleristen gänzlich beritten; bewaffnet mit Kavalleriesäbel) – Kavalleriegroßverbänden unterstellt
  • Raketenartillerie (in China entwickelt, in Indien gegen die Briten eingesetzt und von diesen übernommen).

Modern wird Artillerie unterschieden in

Bedeutung haben in modernen Streitkräften überwiegend nur noch die Panzerartillerie, die Raketenartillerie, die aufklärende Artillerie, sowie in kleinerem Maße die fahrende Feldartillerie insbesondere als Luftlandeartillerie.

Verwendete Munition

Je nach Ziel können unterschiedliche Munitionssorten bzw. Zünder verwendet werden:

Artilleriegefechtsschießen der NVA ca. 1970 mit 152-mm-Haubitze
  • Historisch:
    • Kanonenkugel, meistens ein Volleisengeschoß
    • Ketten und durch Ketten verbundene Kugeln (gegen die Takelage von Segelschiffen)
    • Kartätsche, eine Art Schrotladung
    • Schrapnell, mit Kugeln gefülltes Geschoß, die vor dem Ziel durch eine dahinterliegende Treibladung aus Schwarzpulver ausgestoßen werden. Wird gegen Menschen und Tiere eingesetzt. Gebräuchlich bis etwa 1916, Vorläufer eines Splittersprenggeschosses
    • Einheitsgeschoß (in Deutschland), ein Zwitter aus Schrapnell und Sprenggranate
    • Karkasse (Geschoß), ein Käfig aus Bandstahl, gefüllt mit glühenden Kohlen (Brandgeschoß).
  • Sprenggeschoß, wirkt durch Spreng- und Splitterwirkung, je nach Zünder kann das Geschoß über dem Ziel, im Moment des Aufschlages oder mittels Verzögerung nach Eindringen in das Ziel zur Detonation gebracht werden. Bei geeigneten Fallwinkeln und Beschaffenheit des Bodens können bei Verzögerungszündern auch Abpraller entstehen.
  • Panzerbrechendes Geschoß, ursprünglich als Vollkugel, hat heute einen massiven Kern mit weicher Spitze zum Durchschlagen von Panzerungen. Panzerbrechende- oder Sprenggeschosse werden auch verwendet, um im Ausnahmefall gepanzerte Fahrzeuge unmittelbar zu bekämpfen (direktes Richten). Feld- und Panzerhaubitzen verfügen hierzu meist über ein separates Panzerzielfernrohr. Das Ziel wird nur durch einen direkten Treffer zerstört.
  • Cargogeschosse:
    • Bombletgeschoß, stößt über dem Ziel eine Wolke von kleinen Hohlladungs-Sprengkörpern aus, die – von oben auftreffend – auch leichte Panzerungen durchschlagen. Hinter Deckungen und in Schützengräben fallend wirken sie gegen weiche Ziele ähnlich wie Handgranaten.
    • SMArt (Suchzündermunition Artillerie) Munition, dient zur gezielten Bekämpfung einzelner, gepanzerter Fahrzeuge. Ein Geschoß enthält zwei Subgeschosse die autonom fungieren und getrennte Ziele bekämpfen können. Ein Problem liegt allerdings darin, daß
      • nur bis zum Ausstoß der 1. Submunition die Ballistik genau bestimmt werden kann,
      • der Ausstoßpunkt der 2. Submunition nicht genau bestimmt werden kann,
      • die Windrichtung und Windgeschwindigkeit im Ziel (ggf. > 30 km entfernt) ziemlich genau bekannt sein muß. Diese Daten können der „Zielmeldung“ beigefügt werden (siehe auch „ADLER“) oder auch durch ein Wettermodell (z. B. „WeModArt“ der Bundeswehr) errechnet werden und
      • die Ziele sich nach dem Ausstoß der Submunition im Fußabdruck („Footprint“), der mit dem Sinken des an einer Art Fallschirm hängenden Geschosses immer kleiner wird (Radius ca. 150 Meter), befinden müssen.
    • STRIX Selbstzielsuchende Munition 12 cm Fest Mw
  • Nukleargeschoß: Das Heer der Bundeswehr verfügte nie über atomare Geschosse. Allerdings waren in Zeiten des Kalten Krieges Teileinheiten (ArtSpezZüge) aufgestellt, die Nukleargeschosse der VS-Streitkräfte durch Rohrartillerie der Bundeswehr im Rahmen der Nuklearen Teilhabe transportieren und verschießen konnten. Besitz und Freigabe blieb jedoch stets unter VS-Hoheit.
  • Nebelgeschoß: Nebelgeschosse können (je nach verwendetem Nebel) dem Gegner nicht nur die optische Sicht nehmen und Bewegungen verschleiern, sondern auch die Sicht durch Sichtverstärker (Wärmebild etc.) beeinträchtigen bzw. ganz stören.
  • Leuchtgeschoß: Das Leuchtgeschoß dient zur Beleuchtung des Gefechtsfeldes. Da technische Unterstützungsgeräte wie Restlichtverstärker etc. immer mehr auf dem Vormarsch sind, wird dieses Geschoß über kurz oder lang aussterben. Es werden derzeit bei der Bundeswehr auch nur noch Restbestände verschossen.
  • Spezielle Munition, die beispielsweise Flugblätter enthält. Während des Kalten Kriegs wurden auch Geschosse auf beiden Seiten entwickelt, die Giftköder oder mit Erregern von Seuchen behaftete Köder enthielten, um über den Umweg der Tiere bzw. Nutztiere die Bevölkerung zu infizieren.
  • Spezielle Minen werden mittels Artillerieraketen verschossen.
  • Für Ausbildungszwecke existieren Exerzier- und Übungsgeschosse. Exerziergeschosse (Schweiz: Manipuliermunition) dienen nur dem Üben am Gerät (Ansetzvorgang simulieren), bei der neuen Panzerhaubitze 2000 kann damit im Simulator ein Schießen simuliert werden und das Geschoß wird nur mit Preßluft durch das Rohr gedrückt und fällt am Ende in eine Auffangvorrichtung. Übungsgeschosse (Schweiz: Übungsmunition) werden tatsächlich verschossen und sind mit Gips gefüllt. Der Aufschlag wird durch den Gipsstaub ortbar.
  • reichweitengesteigerte Geschosse wie z. B. das Base-Bleed-Geschoß

Schlachtruf

Jede deutsche Waffengattung hat ihren eigenen Schlachtruf – so auch die Artilleristen: Zu-Gleich! Er dient im deutschen Sprachraum gleichzeitig zur Erkennung, Verbrüderung und Motivation. Er erklärt sich aus der – teilweise heute noch notwendigen – gemeinsamen Anstrengung der Geschützbesatzung bei verschiedenen Anlässen.

Dabei geht es einerseits um das Ansetzen des Geschosses (manchmal – bei Kaliber 155 mm – bis über 50 kg schwer), um es anschließend mit einem so genannten Ansetzer in das Rohr zu drücken, andererseits um das Reinigen des Rohres nach dem Schießen, wofür vor allem im Feld eine Stange mit Bürstenkopf durch das Rohr gezogen wird. Zum Dritten gab es Geschütze, bei denen das Rohr auf dem Transport um einige Meter zurückgezogen und zum Schießen wieder nach vorn gezogen werden mußte, was per Hand erfolgte. All dies ist nur unter der gemeinsamen und gleichzeitigen Anstrengung der Bedienungsmannschaft möglich.

Ein weiteres Ziel ist das möglichst gleichzeitige Abfeuern der Geschosse mehrerer Geschütze, so daß nur ein lauter Knall hörbar wird, was dem Feind die Ortung erschwert. Der Ruf dient daher auch zur gemeinsamen Koordinierung. Die ursprüngliche Bedeutung kommt aber aus der Zeit, in der die Geschütze noch von Pferden gezogen wurden. Wenn diese dann im Dreck oder Schlamm feststeckten, mußten die marschierenden Kanoniere die Geschütze mit anschieben. Dafür kam der Ruf Zu Gleich auf. Erst später wurde er für die anderen Tätigkeiten benutzt.

Siehe auch

Literatur

  • Georg Bruchmüller: „Die deutsche Artillerie in den Durchbruchschlachten des Weltkrieges“, 1922 (PDF-Datei) Für Nicht-VSA-Bewohner nur mit US-Proxy abrufbar!
  • Franz Nikolaus Kaiser: Das Ehrenbuch der deutschen schweren Artillerie. [herausgegeben vom Waffenring der Ehemaligen Deutschen Schweren Artillerie], Berlin Verlag Tradition Wilhelm Kolk 1931
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