Schlacht bei Langensalza

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Pfeil 1 start metapedia.png Für das Gefecht im Jahre 1761 siehe Gefecht bei Langensalza
Handlow - Schlacht bei Langensalza.jpg

Die Schlacht bei Langensalza war das erste größere Gefecht auf dem westlichen Kriegsschauplatz während des Deutschen Bruderkrieges. Die Schlacht fand am 27. Juni 1866 statt. Auf diesem Kriegsschauplatz standen Preußen und sein norddeutscher Verbündeter Sachsen-Coburg und Gotha dem mittlerweile außenpolitisch isolierten Königreich Hannover gegenüber.

Vorgeschichte

Erinnerung an die Schlacht bei Langensalza den 27. Juni 1866.jpg
Preußische Truppenaufstellung (8.200 Mann Infanterie, 240 Mann Kavallerie, 200 Mann Artillerie und 22 Geschütze), aus: „Österreichs Kämpfe im Jahre 1866“, Band I aus VI, Seite 195.

Nachdem Preußen dem Königreich Hannover am 15. Juni 1866 den Krieg erklärt hatte, begannen die preußischen Truppen der Westarmee den Vormarsch auf die Landeshauptstadt Hannover. Vorausgegangen war ein Konflikt im Frankfurter Bundestag, hinter dem die kleindeutsche Frage stand. Hannover glaubte sich unbeteiligt und hatte den Truppen, die es nun angriffen, den Durchmarsch nach Süden noch am 14. Juni genehmigt.

Der Ausbruch des Krieges fiel im Königreich Hannover mit dem planmäßigen Sommermanöver zusammen, so daß das gesamte Heer von ca. 19.000 Mann mit 42 Kanonen unter Waffen stand. Die zerstreut im Lande stehenden, für den Kriegsfall nur unzulänglich ausgerüsteten Einheiten der hannoverschen Armee konnten sich jedoch dem Zugriff der preußischen Truppen entziehen und sich nach Göttingen absetzen. Dabei gelang es ihnen, die Bahnlinie von Hannover nach Kassel zu unterbrechen und so einen Vorsprung von ihren Verfolgern herauszuholen.

Dieser schnelle Rückzug führte jedoch dazu, daß die Vorräte und fast die gesamte Munition in Hannover zurückbleiben mußte. Diese Position in Göttingen war jedoch auf Dauer gegenüber den zahlenmäßig überlegenen und jetzt auch von Wetzlar in Richtung Kassel anmarschierenden preußischen Truppen mit ca. 18.000 Soldaten nicht zu halten. Diese dritte Division der Westarmee hätte eigentlich die Verfolgung der Regimenter von Hessen-Kassel übernehmen sollen. Die hannoversche militärische Führung entschloß sich daher, nach Süden zu marschieren, um hier Anschluß an die süddeutschen Verbündeten, insbesondere die bayerische Armee, zu gewinnen.

Bei entschlossener Ausnutzung aller Möglichkeiten hätte dieses Ziel wahrscheinlich erreicht werden können, auch wenn das VIII. Korps vom Bundesheer sich weigerte, zur Unterstützung in Richtung Norden vorzugehen. Die Möglichkeit zur Vereinigung mit dem Bundesheer ergab sich insbesondere, weil Falckenstein in Hannover stehen blieb und dort nach der kampflosen Eroberung der Hauptstadt die Verfolgung nicht energisch betrieb, sondern sogar für den 18. Juni einen Ruhetag anordnete.

General Goeben hatte erst einen Tag vorher die Verfolgung aufgenommen, die seine Division wegen der unterbrochenen Bahnlinie zu Fuß versuchen mußte. Auf die Nachricht vom Ruhetag hin, befahl Moltke die sofortige Verfolgung, die jedoch nicht umgesetzt wurde. Falckenstein war der Meinung, daß die hannoversche Armee ohne jeglichen Nachschub keine Aussicht hätte, die Vereinigung mit den Bayern herbeizuführen. Auch auf weitere Befehle am 22. Juni hin erfolgte keine Verfolgung, diesmal mit der Begründung, daß erst noch die Bahnlinie repariert werden müsse. Erst auf einen persönlichen Befehl vom preußischen König Wilhelm I hin setzte sich die Westarmee am 24. Juni hin in Bewegung.

Tatsächlich mußten die Hannoveraner in Göttingen einen Halt von drei Tagen machen, in dem in und um die Stadt neue Vorräte beschafft werden mußten. Als dann aber die ersten Preußen in Göttingen erschienen, waren die hannoverschen Truppen bereits in Richtung Südosten abgezogen und nur noch wenige Tagesmärsche von der Vereinigung mit dem Bundesheer entfernt. Ein solcher Zusammenschluß hätte auf dem westlichen Kriegsschauplatz einen Verband entstehen lassen, der den drei Divisionen der Westarmee zahlenmäßig überlegen gewesen wäre und die Rückzugs- und Versorgungswege der nach Böhmen vorstoßenden Elb-Armee und der ersten Armee hätte bedrohen können. Unnötigerweise ließen sich jedoch Georg V., der sich bei der Armee aufhielt, und die Armeeführung in Verhandlungen mit Preußen ein. Sie führten dazu, daß der Vormarsch – die Armee hatte inzwischen Langensalza erreicht – nicht fortgesetzt wurde.

Während dieser Verhandlungen gelang es der preußischen Heeresführung, einen Verband von ca. 9.000 Mann unter Generalmajor Eduard Moritz von Flies als Sicherungsverband aufzustellen, der den Rückzugsweg versperrte. Dieser Verband bestand aus fünf regulären Bataillonen Festungsbesatzungen und sieben Bataillonen der Landwehr mit zusammen 22 Kanonen und wurde in Gotha zusammengezogen. Gleichzeitig waren die drei Divisionen der Westarmee in Eilmärschen auf der Verfolgung und auch die gesperrten Bahnlinien standen wieder zur Verfügung.

Georg V. war somit von drei Seiten her eingeschlossen, Goeben war im Norden bereits hinter Kassel, Beyer hatte von Westen her Eisenach erreicht und Flies stand im Süden. Ohne Unterstützung durch das Bundesheer blieb Georg in Langensalza stehen. Moltke fürchtet einen Abmarsch mit langer Verfolgung nach Osten in den Rücken des preußischen Heeres. Damit wäre der strategische Plan gefährdet gewesen. Moltke befahl daher Flies seine Position gegen einen befürchteten Ausbruch zu halten bis Goeben und Beyer herangekommen waren. Ein solcher Ausbruch nach Süden war immer noch möglich bei einem Kräfteverhältnis von 2:1 gegen die Preußen.

Generalmajor von Flies ging statt dessen selbst zum Angriff über. Daraus entwickelte sich am 27. Juni 1866 die Schlacht bei Langensalza.

Verlauf

Brigadekommandeur Generalmajor von Flies vom Korps Manteuffel auf dem Wahlstatt am Siechenhof bei Langensalza

Positionen und Truppenstärken

Attacke der 4. Eskadron des Hannoverschen Cambridge-Dragoner-Regiments auf zwei preußische Geschütze in der Schlacht bei Langensalza am 27. Juni 1866

Die hannoversche Armee unter dem Oberbefehl des Generalmajors Alexander Carl Friedrich von Arentschildt hatte auf dem Kirchberg bei Merxleben, 1,5 km nördlich von Langensalza, eine Defensivposition bezogen. Verstärkt wurde diese Stellung noch durch die beiden Flüsse Unstrut und Salza, die eine Annäherung weiter erschwerten.

Die Armee zählte ohne die nach dem 15. Juni zum Heer gestoßenen, meist unbewaffneten Reservisten etwa 17.000 Mann. Die preußische Streitmacht mit fünf Linienbataillonen, sieben Landwehrbataillonen einschließlich dem Kontingent des verbündeten Herzogtums Sachsen-Coburg und Gotha war etwa 9.000 Mann stark und damit den Hannoveranern zahlenmäßig deutlich unterlegen. Nach anderer Quelle (Schubert) waren die Verbände in etwa gleich stark, die Hannoveraner aber in der Ausrüstung (Fehlen der Zündnadelgewehre) unterlegen. Die Hannoveraner siegten zwar, aber ihre Verluste waren sehr hoch, und ohne Train drohte ihnen die Munition auszugehen, so daß sie letztlich zwei Tage später kapitulieren mußten.

Vormarsch der Preußen

Der preußische Verband unter dem Kommando des Generalmajors Eduard Moritz von Flies begann am Morgen des 27. Juni seinen Vormarsch auf Langensalza. Das zur Deckung der Stadt hier postierte hannoversche Bataillon zog sich vor dem preußischen Angriff hinter die Unstrut zurück. Die preußischen Truppen bezogen am Südufer des Flusses Position, konnten aber die starke Stellung der Hannoveraner nicht ernsthaft in Gefahr bringen.

An diesem Punkt hätte – so die meisten Militärhistoriker – das Gefecht abgebrochen werden müssen; denn es war klar, daß die hannoversche Armee keinesfalls nach Nordosten in Richtung Sondershausen abmarschieren wollte, sondern weiter bei Langensalza stand. Wegen der zahlenmäßigen Unterlegenheit konnte auf preußischer Seite kein entscheidender Erfolg erreicht werden. Da der preußische Oberbefehlshaber von Flies in dieser kritischen Phase einen Schwächeanfall (Hitzschlag in der Mittagssonne) erlitt und keine entsprechenden Befehle geben konnte, wurde der günstige Zeitpunkt für einen Abbruch des Gefechts verpaßt.

Der hannoversche Gegenangriff

Auf der Gegenseite hatte man zunächst angenommen, daß bedeutend überlegene preußische Kräfte gegenüberstanden. Daher hatte die hannoversche Führung sich darauf beschränkt, die Defensivstellung zu halten. Sobald im Verlauf des Gefechts klar wurde, daß man es mit einem zahlenmäßig deutlich unterlegenen Gegner zu tun hat, entschloß man sich jedoch zum Gegenangriff.

Der auf dem linken Flügel (die Infanterie-Brigade unter Generalmajor Ludwig von Bothmer) vorgetragene Angriff scheiterte wegen der ungünstigen Geländeverhältnisse beim Überschreiten der Unstrut und des hartnäckigen Widerstandes auf preußischer Seite. Um so erfolgreicher war die Attacke auf dem rechten hannoverschen Flügel. Nach und nach wurden die preußischen Kräfte aus ihren zum Teil festen Positionen, z. B. Kallenbergs Mühle, verdrängt und schließlich die für die Versorgung der hannoverschen Armee wichtige Stadt Langensalza zurückerobert.

Rückzug der Preußen

Daraufhin ordnete die preußische Führung den Rückzug an. Einige Einheiten erreichte der Rückzugsbefehl sehr spät, so daß sie zunächst isoliert von der Hauptmacht ihren Weg suchen mussten. Auf dem Rückzug wurden sie südöstlich der Stadt mehrfach von hannoverscher Kavallerie angegriffen, konnten diese Attacken aber erfolgreich abwehren. Am späten Nachmittag endete das Gefecht.

Die Kapitulation

Die hannoversche Armee hatte zwar einen Erfolg erzielt, an der ungünstigen Gesamtlage änderte dies allerdings nur wenig. Wegen der Erschöpfung der Soldaten (nicht zuletzt als Folge der an diesem Tage herrschenden großen Hitze) und der Munitionsknappheit konnte die siegreiche Armee die schwer angeschlagene preußische Streitmacht nicht mehr – wie von König Georg V. vorgeschlagen – verfolgen und eventuell endgültig vernichten. Ein solcher Vorstoß wäre nach Lage der Dinge der einzige mögliche Weg gewesen, um die Armee vielleicht doch noch vor dem Zugriff der preußischen Streitkräfte zu retten. Diese Aktion hätte jedoch vermutlich die letzten Munitionsvorräte verbraucht, so daß die Armee selbst im Erfolgsfall kaum noch operationsfähig gewesen wäre.

Auf die Nachricht von der Niederlage hin ordnete die oberste preußische Heeresleitung (König Wilhelm I., General von Moltke) an, die hannoversche Armee energisch von allen Seiten anzugreifen und sie dadurch zur Kapitulation zu zwingen. Bereits am folgenden Tag war die Armee weitgehend umstellt. Dem hannoverschen König Georg V. und der militärischen Führung wurde klar, daß jetzt kein anderer Ausweg mehr blieb als die Kapitulation. Die Verhandlungen führte auf preußischer Seite überraschenderweise nicht der Oberbefehlshaber General Vogel von Falckenstein, sondern der ihm untergeordnete General von Manteuffel. Gemäß der am 29. Juni 1866 abgeschlossenen Kapitulationsvereinbarung mußten die Unteroffiziere und Mannschaften ihre Waffen niederlegen und wurden in die Heimat entlassen. Pferde und sämtliches Kriegsgerät waren der preußischen Armee zu übergeben. Die Offiziere durften ihre Waffen behalten, mußten sich jedoch auf Ehrenwort verpflichten, nicht mehr gegen Preußen zu kämpfen. Dem hannoverschen König Georg V. und seinem Gefolge stand es frei, einen Aufenthaltsort seiner Wahl aufzusuchen.

Resümee

Die Entwaffnung der hannoverschen Armee bedeutete den ersten größeren preußischen Erfolg auf dem westdeutschen Kriegsschauplatz. Diese Schwächung der Gegner Preußens hatte jedoch keinen Einfluß auf das Gesamtergebnis des Krieges. Der Erfolg war trotz schwerwiegender Mängel und einiger gravierender Fehler auf preußischer Seite zustande gekommen. Insbesondere auf dem Gebiet der Feindaufklärung zeigten sich z. T. schwere Defizite. Sie führten z. B. dazu, daß die bayerische Armee (Verbündete Hannovers) auf ein bloßes Gerücht nur noch einen Tagesmarsch entfernt stehend angenommen wurde, mit entsprechenden Folgen für die Aufstellung der Truppen. Auch das Gefecht am 27. Juni 1866 kam, wie bereits erwähnt, aufgrund falscher Informationen zustande.

Für die hannoversche Armee war es nicht nur ein Gebot der Ehre, gegen die überlegenen preußischen Streitkräfte einen Kampf zu wagen. Eine vorschnelle Kapitulation hätte die Position Hannovers bei späteren Friedensverhandlungen geschwächt. Insofern hatte das Gefecht bei Langensalza auch eine politische Bedeutung. Alles hing jedoch vom Ergebnis des Kampfes zwischen den Hauptkontrahenten Preußen und Österreich ab. Die Entscheidung fiel bereits sechs Tage später mit dem preußischen Sieg über die österreichische Armee bei Königgrätz. Jetzt lag das Schicksal des Königreichs Hannover in preußischen Händen. Schon längst von Bismarck beabsichtigt, bewilligte der preußische Landtag am 20. September die Annexion Hannovers.

Berliner Landwehr bei Langensalza (Gedicht)

Preußische Landwehr

„Berliner Landwehr bei Langensalza (27. Juni 1866)“ ist ein Gedicht von Theodor Fontane:

Berliner Landwehr, Gewehr in Hand,
Steht bei Langensalza in Sonnenbrand,
Ein Staub, eine Hitze, es perlt der Schweiß,
Berliner Landwehr, wird Dir’s zu heiß?
„Is nich!“
Die Hannoveraner sprengen heran,
Zweitausend gegen achthundert Mann,
Zweitausend Reiter sprengen her:
Ergieb Dich, Landwehr, streckt das Gewehr!
„Is nich!“
Zweitausend Reiter haben gesiegt,
Was hilft’s, Hannover unterliegt.
„Trink mit, Kamerad, aus meinem Glas!“
„„Wir dachten, ihr trügt uns einen Haß!““
„Is nich!“

Literatur

Verweise