SS-Heimwehr „Danzig“

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Truppenstandarte der SS-Heimwehr Danzig

Die SS-Heimwehr „Danzig“ wurde offiziell vom Senat der Freien Stadt Danzig unter Albert Forster am 20. Juni 1939 als Selbstschutzorganisation aufgestellt.

Erläuterung

SS-Heimwehr „Danzig“ bei den Kämpfen in den Straßen von Danzig, 1. September 1939
Das von Polen besetzte Postamt in Danzig brennt, kurz darauf gaben die polnischen Freischärler auf.
Die gefangenen Freischärler werden abgeführt

Im Zuge der Spannungen in Europa Ende der 1930er Jahre zu einem Politikum geworden, wäre die Freie Stadt Danzig bei einem Krieg mit Polen, wie die Verschleppungsmärsche zeigen, zunächst ohne jeglichen Schutz gegen feindliche Truppen gewesen. Um dies zu verhindern, ordnete der Danziger Senat die Aufstellung örtlicher Verteidigungsverbände an. Eine dieser Formationen war die SS-Heimwehr „Danzig“ in Stärke eines verstärkten Bataillons. Aufgrund der bestehenden Konflikte mit Polen meldeten sich zu dieser – zunächst als Einwohnerwehr bezeichneten Einheit – auch rund 500 junge Danziger, die ihre Heimat bedroht wähnten und den propagierten Anschluß an das Deutsche Reich herbeisehnten. Diese Freiwilligen meldeten sich zum SS-Sturmbann „Götze“.

SS-Obersturmbannführer Götze, Kommandeur des im Oktober 1938 in Berlin-Adlershof aufgestellten III. Sturmbannes der 4. SS-Totenkopfstandarte „Ostmark“, führte die Heimwehr an. Der III. Sturmbann wurde auch mit dem „Panzerabwehr-Lehrsturm der SS-Totenkopfstandarten“ verstärkt. Die Danziger SS-Männer waren überwiegend Angehörige des Wachsturmbannes „Eimann“ (SS-Sondersturmbann „E“).[1]

1. September 1939

Von März bis August 1939 ereigneten sich mehr als 200 polnische militärische Grenzverletzungen mit Brandlegung, Mord und Verschleppung. Diesen Terror wollte sich Danzig nicht weiter schutzlos unterwerfen. Das polnische Postamt Nr. 3 (später Nr. 1) am Heveliusplatz, das im Rahmen des Versailler Schanddiktats in der Freien Stadt Danzig eingerichtet wurde, war, auch laut dem polnischen Militärhistoriker Edmund Charaszkiewicz (1895–1975), seit 1935 Stützpunkt der polnischen Geheimdienstgruppe „Zygmunt“. Der Feind war im Zentrum der deutschen Stadt. Als der Polenfeldzug begann, wurde das Gebäude der polnischen Post um 4.45 Uhr von der SS-Heimwehr Danzig und Polizeitruppen der Freien Stadt Danzig belagert. Sie wußten, es würde sich um ein gefährliches Gefecht handeln, den das Postamt war auch ein Waffendepot für polnische Partisanen mit zahlreichen Pistolen, Kisten voller Handgranaten, ein Panzerabwehrgewehr und mehrere Maschinengewehre.

Als die Deutschen unter der Deckung drei Steyr ADGZ-Radpanzer (beschriftet aufgrund der vorherigen Einsatzorte mit „Sudetenland“, „Ostmark“ und „Saar“) unter dem Kommando von Willi Bethke der Danziger Polizei noch bei der Anfahrt waren, eröffneten die rund 60 Polen aus dem Obergeschoß das Feuer. Als deutsche Truppen am Eingang kurzfristig eindringen konnte, erlitten sie die ersten Verluste (zwei Gefallene, sieben Verwundete). Der Angriff vom Seitengebäude aus durch die Wand wurde auch abgewehrt, allerdings wurde der polnische Kommandant Konrad Guderski getötet, nach manchen Quellen durch seine eigene Handgranate, die er nur stümperhaft handhabte.

Nach vergeblichen Einsatz von zwei eingetroffenen 75-mm-Geschützen um 11 Uhr, die Deutschen wollten das Gebäude nicht zerstören, und ein verstrichenes Ultimatum bis 15 Uhr, sprengten deutsche Pioniere ein großes Loch in die Fassade um 17 Uhr und eroberten Teile des verbarrikadierten Gebäudes. Die Polen hofften darauf, daß ihr Heer, so hatten Planspiele der Vorkriegszeit es vorgesehen, innerhalb von sechs Stunden zum Entsatz eintreffen würden, aber die Zeit war verstrichen und die Polen, die inzwischen sechs Tote (zuletzt acht) und mehrere Verwundete zu beklagen hatten, ahnten nicht, daß ihre „unbesiegbare Armee“ an allen Fronten geschlagen wurden.

Um 19 Uhr kapitulierten die Polen und stürzten aus dem Postgebäude. Sechs konnten fliehen, die restlichen 44 wurden festgenommen. 16 Verwundete wurden ins Krankenhaus gebracht, sechs von ihnen verstarben dort zwischen dem 2. September und dem 20. Oktober 1939, fünf an Verbrennungen 2. und 3. Grades. Von den sechs Flüchtigen wurden zwei später gefaßt. Am 8. September 1939 standen 28 Polen vor dem Kriegsgericht, am 30. September 1939 die restlichen zehn. Sie wurden alle wegen Freischärlerei angeklagt und vermutlich nach § 3, Absatz 1 der „Verordnung über das Sonderstrafrecht im Kriege und bei besonderem Einsatz“ (Kriegssonderstrafrechtsverordnung) des deutschen Militärstrafrechts vom 26. August 1939 zum Tode verurteilt.

„Wegen Freischärlerei wird mit dem Tode bestraft, wer, ohne als Angehöriger der bewaffneten feindlichen Macht durch die völkerrechtlich vorgeschriebenen äußeren Abzeichen der Zugehörigkeit erkennbar zu sein, Waffen oder andere Kampfmittel [1456] führt oder in seinem Besitz hat in der Absicht, sie zum Nachteil der deutschen oder einer verbündeten Wehrmacht zu gebrauchen oder einen ihrer Angehörigen zu töten, oder sonst Handlungen vornimmt, die nach Kriegsgebrauch nur von Angehörigen einer bewaffneten Macht in Uniform vorgenommen werden dürfen.“

Zweiter Weltkrieg

Nach der Befreiung Danzigs von polnischen Freischärlern diente die Heimwehr bei der Küstenwache. Am 29. September 1939 wurden Teile der Heimwehr nach Dachau verlegt und wurden am 30. September 1939, unter Auflösung der SS-Heimwehr „Danzig“, in die neu aufgestellte SS-Division „Totenkopf“ unter Theodor Eicke eingegliedert.

Gliederung der SS-Heimwehr Danzig

SS-Obersturmbannführer Hans-Friedemann Goetze (links) und Gauleiter Albert Forster mit der Standarte der SS-Heimwehr „Danzig“

Kommandant

Gefechtsordnung

  • Militärischer Stab (SS-Obersturmbannführer Hans-Friedemann Goetze; III. Sturm/4. Totenkopfstandarte)
  • I. Schützenkompanie (SS-Hauptsturmführer Karl Thier; 2. Totenkopfstandarte)
  • II. Schützenkompanie (SS-Obersturmführer Willy Bredemeier; 2. Totenkopfstandarte)
  • III. Schützenkompanie (SS-Hauptsturmführer Georg Braun; 2. Totenkopfstandarte)
  • IV. Schützenkompanie (SS-Hauptsturmführer Erich Urbanietz; 3. Totenkopfstandarte)
  • V. Schützenkompanie (SS-Hauptsturmführer Otto Baier, 6. SS-Standarte der Allg. SS)
  • 13. Grenadierkompanie (SS-Hauptsturmführer Walter Schulz; Stammabt. 6 der Allg. SS)
  • 14. Panzerabwehrkompanie (SS-Hauptsturmführer Josef Steiner; SD-Hauptamt)
  • 15. Panzerabwehrkompanie (SS-Obersturmführer Otto Leiner; 10. Standarte der Allg. SS)
Traditions-Ärmelstreifen „SS-Heimwehr Danzig“

Zusammenarbeit

Die Ehrennadel der SS-Heimwehr Danzig wurde ab Ende 1939 an jeden SS-Soldat des III. (verstärkten) Sturmbanns der SS-Totenkopfstandarte 4 verliehen.

Außer der SS-Heimwehr „Danzig“ waren an den Kämpfen um Danzig insbesondere beteiligt:

„Ende August 1939 lagen unsere Einheiten rund um Danzig in Verteidigungsstellungen. Als am 1. September der Deutsche Panzerkreuzer Schleswig-Holstein das Feuer eröffnete, griffen wir in Richtung polnischen Korridor, in Richtung Orlowo und Gdingen an. Wir waren stolz, daß wir Polen besiegt hatten und unsere Heimatstadt Danzig vor einer Polnisierung bewahrt hatten. Wahrend unser zweites Regiment um Gdingen (Gotenhafen) kämpfte, vereinigten wir uns mit den deutschen Truppen, die von Pommern angegriffen hatten. Danach kamen wir noch zum Einsatz gegen die Festung Modlin. Danach Rückmarsch im Gewaltmarsch nach Danzig zur Parade der tapferen Danziger Polizeitruppe, die eine Besetzung ihrer Heimatstadt Danzig durch die Polen verhindert hatten. Danach bekamen alle Danziger 8 Tage Sonderurlaub und es folgte die Umkleidung zur Wehrmacht.“ – Arthur Krüger[2], Feldwebel der Infanterie (Lebensrune.png 12. Juni 1920; Todesrune.png 13. Januar 2009)

Uniform

Die SS-Heimwehr in Danzig trug bei ihrer Aufstellung, im Sommer 1939, in der Regel die Polizeiuniformen der Freien Stadt Danzig. Diese wurde lediglich um die entsprechenden SS-Insignien ergänzt. Daneben wurden aber auch der reguläre weiße und schilfgrüne Drillich („Arbeitsuniform“) der SS-Verbände getragen. Mit der Auflösung der Heimwehr Danzig im Herbst 1939 übernahmen deren Angehörigen die Uniformen der SS-Totenkopfverbände mit all deren Effekten. Ehemalige Angehörige in der späteren SS-Totenkopf-Division waren ab 1940 berechtigt, ein Ärmelstreifen mit der Aufschrift „SS-Heimwehr Danzig“ als Traditions-Ärmelstreifen zu tragen.

Ehrennadel der SS-Heimwehr Danzig

Die „Ehrennadel der SS-Heimwehr Danzig“ war eine am 10. Oktober 1939 „zur Erinnerung an seine Dienstzeit und zur Erinnerung an die Kämpfe zur Befreiung Danzigs“ gestiftete Auszeichnung der NSDAP, die an mehr als 1550 Personen verliehen wurde. Die Ehrennadel spiegelt die Truppenstandarete der SS-Heimwehr Danzig wider; eine silber eingefaßte rote Hakenkreuzfahne mit schwarzem Andreaskreuz und zeigt mittig ein aufgelegtes Hakenkreuz sowie die Symbole der Schutzstaffel und Teile des Stadtwappens von Danzig. Die Rückseite des Abzeichens ist glatt, zeigt eine angelötete und an ihrem Ende verdrehte Nadel sowie die Herstellerbezeichnung: STUMPFU. SOHN DANZIG.

Literatur

  • Rolf Michaelis
    • Die Geschichte der SS-Heimwehr Danzig, Verlag für Militärhistorische Zeitgeschichte, Rodgau 1990
      • 2. Auflage im Selbstverlag, Erlangen 1993
    • Sie kämpften für den Anschluß. Der Einsatz der SS-Heimwehr Danzig im Polen-Feldzug, Michaelis-Verlag, Berlin 1999
    • Die SS-Heimwehr Danzig im Polenfeldzug, Dörfler Verlag, Egolsheim 1999, ISBN 9783895556708

Bildergalerie

Fußnoten

  1. Am 3. Juni 1939, zwei Wochen nach Aufstellung der Heimwehr, wurde durch den damaligen „Bevollmächtigten des Danziger Senates für politische Angelegenheiten“, SS-Brigadeführer Johannes Schäfer, aus Angehörigen der Danziger SS-Standarte 36 der sogenannte SS-Wachsturmbann „E“ aufgestellt. Kommandeur dieser neu aufgestellten SS-Einheit war der SS-Sturmbannführer Kurt Eimann, der auch die Danziger SS-Standarte leitete. Offiziell war der Wachsturmbann „E“ (das „E“ stand für Eimann) ein bewaffneter Reservesturmbann der Danziger SS und wurde formal als „verstärkte SS-Polizeireserve für Sonderaufgaben“ aufgestellt. Faktisch war dieser Sturmbann aber eine Einheit des SS-Sicherheitsdienstes und dem Danziger Polizeipräsidenten unterstellt. Stabsführer dieser SS-Einheit war Max Pauly.
  2. Arthur Krüger: „Meine Gedankengänge während meiner Soldatenzeit von 1938 bis 1945“