SS-Verfügungstruppe

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Die SS-Verfügungstruppe (Abkürzung: SS-VT), auch Verfügungstruppe (VT) genannt, war eine stehende, kasernierte und bewaffnete Sondereinheit der SS ab Herbst 1934. Die SS-VT bildete neben der Leibstandarte-SS „Adolf Hitler“ und den SS-Totenkopfverbänden den Kern der späteren Waffen-SS. Am 10. Oktober 1939 wurde aus der Zusammenlegung der SS-Verfügungstruppe mit Teilen der SS-Totenkopfverbände die SS-Verfügungsdivision (VT-Division) gebildet.

Männer in Uniformen der frühen SS-Verfügungstruppe; hier bei einer Wehrübung

Aufstellung und Gliederung

Fritz Langanke mit einem rechten Kragenspiegel, der erkennen läßt, daß er zur SS-Standarte „Germania“ gehört. Die SS-Fußstandarten hatten ebenfalls einen solchen Kragenspiegel, aber ohne SS-Runen und Nummern bis 127. Zu den Runen am Spiegel gab es auch Buchstaben, z. B. für Teilnehmer an Lehrgänge der SS-Junkerschulen, d. h. ein „B“ für Braunschweig oder ein „T“ für Tölz.

1938 umfaßten die bewaffneten SS-Verbände folgende Einheiten, in denen insgesamt rund 23.000 Mann dienten:[1]

  • Verfügungstruppe (VT) 1939:
    • SS-Inspektion/VT (Berlin)
      • SS-Sanitätsabteilung/VT
    • Leibstandarte SS „Adolf Hitler“
    • SS-Standarte „Deutschland“/VT
    • SS-Standarte „Germania“/VT[2]
    • SS-Standarte „Der Führer“/VT
    • SS-Nachrichtensturmbann/VT
    • SS-Pionier-Sturmbann/VT (Dresden)
      • im April 1935 aufgestellt, später als SS-Pionier-Bataillon (noch später „Reich“) geführt
    • SS-Artillerie-Standarte/VT
    • SS-Kradschützen-Bataillon II
      • im November 1938 aufgestellt und im Juni 1939 aufgelöst; aus dem Bataillon wurde dann die Aufklärungs-Abteilung/SS-VT (später „Reich“) und Fliegerabwehr-Maschinengewehr-Abteilung/SS-VT
    • SS-Kradschützen-Bataillon N[3] (Nürnberg)
      • im November 1938 aus dem Nürnberger SS-Sturmbann N (im Oktober 1936 aufgestellt[4]) aufgestellt und im Juni 1939 aufgelöst; aus dem Bataillon wurde dann die Panzerabwehr-Abteilung/SS-VT
    • SS-Regiment z. b. V. Ellwangen
      • im November 1938 als Stab für die beiden Kradschützen-Bataillone aufgestellt
  • Totenkopfverbände (TV)
    • SS-Inspektion/TV (Oranienburg)
    • SS-Totenkopfstandarte „Oberbayern“
    • SS-Totenkopfstandarte „Brandenburg“
    • SS-Totenkopfstandarte „Thüringen“
  • SS-Junkerschulen
    • SS-Junkerschule Tölz
    • SS-Junkerschule Braunschweig
  • SS-Sondersturmbann Führungshauptamt[5]

Regimenter

Es wurden bis Juni 1938 drei Regimenter aufgestellt, die offiziell als „SS-Standarten der Verfügungstruppe“ (SS-St./VT) genannt wurden.

Tabelle mit den Regimentern der SS-Verfügungstruppe (1938)

Standartenname Sitz Wehrmachtsergänzungsstelle Bezeichnung vor Neunumerierung und Anmerkungen
Leibstandarte-SS „Adolf Hitler“ Berlin-Lichterfelde Ergänzungsstelle I Vor dem 14. Dezember 1934: SS-Standarte 1 „Adolf Hitler“; Alle Bewerber, deren Wohnort in den Wehrkreisen I, II, III, IV und VIII liegt. Ferner alle Bewerber aus dem Reich, die die Mindestgröße von 180 cm erreichen.
1. SS-Standarte „Deutschland“/VT München Ergänzungsstelle III Vor dem 14. Dezember 1934: SS-Standarte 2 „Deutschland“; Alle Bewerber, deren Wohnort in den Wehrkreisen V, VII und XII liegt.
2. SS-Standarte „Germania“/VT Hamburg-Veddel Ergänzungsstelle II Vor dem 14. Dezember 1934: SS-Standarte 3 „Germania“; Alle Bewerber, deren Wohnort in den Wehrkreisen VI, IX, X und XI liegt. Ab Oktober 1936 unter Carl-Maria Demelhuber. Am 1. Dezember 1940 wurde „Germania“ an die SS-Division „Wiking“ abgegeben und durch das SS-Regiment (mot.) 11 ersetzt.
3. SS-Standarte „Der Führer“/VT Wien Ergänzungsstelle IV Aufstellung im März 1938 als SS-Standarte 3 „Der Führer“; Alle Bewerber, deren Wohnort in der Ostmark liegt.

SS-VT-Standarten „Nordland“ und „Westland“

Aufstellung der SS-VT-Standarte „Westland“

Anläßlich des Unternehmens „Weserübung“ und des Westfeldzuges 1940 wurden weitere Standarten für ausländische Freiwillige aufgestellt und vorerst der SS-Verfügungstruppe unterstellt, kurz darauf aber zur Aufstellung der Nordischen Division (Nr. 5) der Waffen-SS verwendet:

  • SS-VT-Standarte „Nordland“
    • Aufstellungsbefehl am 30. April 1940
  • SS-VT-Standarte „Westland“

Einsätze der Standarten

SS-Verfügungstruppe (nun als SS-Verfügungsdivision) vor dem Rathaus in Haarlem (Niederlande; Stadhuis van Haarlem) während des Westfeldzuges im Mai 1940

Beitritt Österreichs

Am 13. März 1938 nahmen Einheiten der SS-Standarten „Deutschland“ und „Germania“ sowie des SS-Nachrichtensturmbannes (früher aus Berlin-Adlershof, dann Unna/Westfalen) an der Wiedereingliederung Österreichs teil. Dort wurde unverzüglich aus Angehörigen der Standarte „Deutschland“ die neue SS-Standarte „Der Führer“ gebildet. Dessen Kader stammte also nicht mehr von der Allgemeinen SS, sondern von der Verfügungstruppe ab.

Polenfeldzug

Während des Polenfeldzuges wurde die SS-Verfügungstruppe nicht im geschlossenen Verband eingesetzt, sondern war auf mehrere Großverbände der Wehrmacht verteilt worden. Die SS-Standarte „Deutschland“, die Nachrichten- und die Aufklärungsabteilung waren dem Stab der Panzer-Division „Kempf“ unterstellt. Die SS-Standarte „Germania“ wurde als Reserve der 14. Armee unter Generalmajor Wilhelm List eingesetzt. Der Pionier-Sturmbann der SS-Verfügungstruppe gehörte mit der Leibstandarte-SS „Adolf Hitler“ zur 10. Armee unter General der Artillerie von Reichenau. Die SS-Standarte „Der Führer“ wurde als Reserve der im Abschnitt des Westwalls eingesetzten Armee unter General der Artillerie Dollmann in Alarmbereitschaft gehalten und nahm nicht aktiv am Feldzug teil.

SS-Standarte „Germania“ am Feind (Beispiel)

Die SS-Standarte „Germania“ (ohne II. Sturmbann, das beim VIII. Armee-Korps eingesetzt war, und ohne Panzer-Späh-Zug, der bei der 5.Panzer-Division im Einsatz war; Div. eingesetzt, 2. und 3. Sturm waren Korps-Reserve beim Generalkommando XXII. Armeekorps) hatte einen Bereich von 15 bis 20 km als Flankensicherung des XXII. Armee-Korps zu decken. Eines der Kernelemente der Halbstandarte im Verlauf des Ganzen war der 15. Sturm, also die Krad-Schützen-Kompanie, unter der Führung von SS-Hauptsturmführer Johannes Mühlenkamp, die nach Sadowa Wiznia entsandt wurde, um die Straße Przemysl–Lemberg zu sperren. Am Nachmittag des 13. Septembers 1939 nahm diese Kompanie ein sich zurückziehendes polnisches Bataillon in Stärke von 500 Mann und Offizieren gefangen.

Am Abend des 13. Septembers 1939 wurde die 15. Kompanie dann von stark überlegenen polnischen Kräften angegriffen und erlitt beim feindlichen Sturm schwere Verluste. Die gegnerischen Kräfte setzten sich zusammen aus Fahnenjunkern und Offizieren der Krakauer Kriegsschule und zusätzlichen Teilen eines Kavallerie-Regiments, eines Artillerie-Regiments und Teilen einer Infanterie-Division. Die Polen hatten den Auftrag, sich bis Warschau durchzukämpfen. Im Schutz der Nacht und nur leicht ausgerüstet gaben sich die Polen als verbindungsuchende deutsche Soldaten aus, da wohl viele Polen deutsch sprachen, und machten die weit auseinanderliegenden deutschen Posten überraschend im Nahkampf nieder. Die 15. „Germania“-Kompanie, heftig angegangen von starken polnischen Stoßtrupps, welche unterstützt wurden von Artillerie und schweren MGs, zog sich bis 2.30 Uhr in der Nacht nach Norden zurück, dort ging Mühlenkamps Krad-Schützen-Kompanie gemeinsam mit der nach vorne gesandten 1. „Germania“-Kompanie beiderseits der Ortschaft Mala Omzola in Stellung. An Verlusten hatte der 15. Sturm vier Gefallene, drei Verwundete und 25 Vermißte, die zum schweren MG-Halbzug gehörten. Ebenfalls vermißt wurde der Kompaniechef (der sich jedoch zurückkämpfen konnte); mehrere Fahrzeuge des 3. Zuges wurden zurückgelassen.

Im Laufe des 14. Septembers 1939 konnten die bei Mala liegenden Kompanien mit Hilfe der III. Abteilung/Artillerie-Regiment 109 polnische Angriffe in Battailonsstärke, die von Minenwerfern (MW) oder Infanteriegeschützen (IG) unterstützt wurden, abwehren. Die Abwehrkämpfe der zahlenmäßig schwachen SS-Standarte „Germania“, die sich während dieser Kämpfe bis an den Südrand von Jaworow zurückziehen mußte, stets unter starkem Druck zahlenmäßig überlegener polnischer Kräfte, die eben mitunter jene waren, die schließlich von den Verbänden der 7. und 44. Infanterie-Divisionen des Heeres bei Przemysl geworfen wurden, dauerten bis in den Morgen des 17. Septembers 1939 an. Am Morgen dieses Tages griffen Verbände der 7. Infanterie-Division bei Jaworow in die Kämpfe ein und konnten gemeinsam mit den „Germania“-Kompanien (Stürme) die feindlichen Kräfte zurücktreiben.[6]

SS-Inspektion (Verfügungstruppe)

Am 1. Oktober 1936 wurde die „Inspektion der SS-Verfügungstruppe“ im Berliner SS-Führungshauptamt eingerichtet. Dessen Kommandant war der damalige SS-Brigadeführer Paul Hausser, der auch die Junkerschule Braunschweig leitete. Dieses Inspektorat wurde schließlich in das „Kommandoamt der SS-Verfügungstruppe“ umgewandelt. Die spätere Waffen-SS wurde entscheidend von Paul Hausser, Felix Steiner, Wilhelm Bittrich, Friedemann Götze, Georg Keppler und Cassius Freiherr von Montigny geprägt.

Ärmelstreifen und Kragenspiegel

Die vier Standarten der Verfügungstruppe trugen eigene Ärmelstreifen mit der jeweiligen Aufschrift „Adolf Hitler“, „Deutschland“, „Germania“ und „Der Führer“. Ebenfalls waren die Standarten am rechten Kragenspiegel (der linke zeigte den Dienstgrad) zu erkennen: Die „Leibstandarte“ trug SS rune.png-Runen ohne Zahl, „Deutschland“ SS rune.png 1, „Germania“ SS rune.png 2 und „Der Führer“ SS rune.png 3. Die Spiegel für Pionier-, Nachrichten- (mit Blitz) und Sanitätseinheiten (SS rune.png S) wurden von der Allgemeinen SS übernommen und nur die SS-Runen im Spiegel ergänzt, z. B. trug der SS-Pioniersturmbann Dresden der SS-Verfügungstruppe als Kennung von 1935 bis Kriegsbeginn die gekreuzte Schaufel und Kreuzhacke auf einem Kragenspiegel mit den SS-Sigrunen.

Mit Kriegsbeginn bzw. mit Bildung der Divisionen 1939/40 (und somit der Umbenennung der Standarten in Regimenter) ließ man diese Kennzeichnungen auslaufen, wobei es immer noch Bilder von 1940 gibt, auf denen einzelne Soldaten der Waffen-SS die Kragenspiegel der Standarten tragen. Auch die meisten Ärmelstreifen entfielen oder wurden ausgetauscht, die Infanterie-Regimenter „Germania“, „Westland“ und „Nordland“ der SS-Division „Wiking“ behielten jedoch ihre ursprünglichen Ärmelstreifen.

Bildergalerie

Fußnoten

  1. Gordon Williamson: Die Waffen-SS 1933–1945. Ein Handbuch, S. 35
  2. Das III. Bataillon befand sich seit dem 31. Juli 1937 in Radolfzell am Bodensee im Befehlsbereich des Wehrbezirkskommandeurs Generalmajor (E) Egon Gerhard Groeneveld.
  3. SS-Kradschützen-Bataillon N
  4. SS-Sturmbann N
  5. Moritz Finkschor: Der Allmächtige. Reichsführer-SS Heinrich Himmler, DMZ-Sonderband 1/2007 „Die Waffen-SS“, S. 53
  6. Zusammenfassung aus Division Das Reich. Der Weg der 2. SS-Panzer-Division „Das Reich“. Die Geschichte der Stammdivision der Waffen-SS, Band 1 von Otto Weidinger