Malaria (Wechselfieber)

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Malariarisikogebiete mit Chemoprophylaxeempfehlungen der DTG, 2005.png

Malaria (auch: Wechselfieber, Sumpffieber, kaltes Fieber) ist eine Tropenkrankheit. Ursache der Malaria sind winzige Parasiten (Plasmodien), die von Anopheles-Mücken übertragen werden. Der Name „Malaria“ stammt von den Abenddünsten ab, der „mala aria“ (schlechte Luft). Zu den bekanntesten Opfern gehört Alexander der Große, der mit 33 Jahren Gipfel des Ruhms dem Wechselfieber erlag, wie auch Kaiser, Päpste, z. B. Alexander Borgia (1431–1503), und Dichter. Der Poet Lord Byron (1788–1824) sagte seinen eigenen Tod voraus. Als Freiheitskämpfer gegen die Türken in Griechenland raffte ihn die Malaria dahin. Zuvor hatte er in die Heimat geschrieben:

„Wenn wir nicht von den Türken niedergemetzelt werden, so werden wir wahrscheinlich dem Fieber in diesen schmutzigen Löchern erliegen.“

Erläuterung

Ansteckung mit Malaria.png

Die Infektionskrankheit ist in den Tropen und Subtropen verbreitet und kommt in mehr als hundert Ländern vor, hauptsächlich in Afrika. Schon der antike Arzt Hippokrates hatte beobachtet, daß die Seuche überwiegend in feuchten Gegenden auftritt. Gegen Malaria gibt es bislang keinen wirksamen Impfstoff. Es gilt daher in erster Linie, Insektensticke durch vorbeugende Maßnahmen zu verhindern.

Erst im 19. Jahrhundert aber wurde der Zusammenhang zwischen den Steckmücken der Gattung Anopheles und den Infektionen aufgedeckt. Der menschliche Körper reagiert auf die Krankheit mit hohem Fieber in wechselnden Schüben (in Intervallen von zwei, drei oder vier Tagen) mit heftigem Schüttelfrost und Schweißausbruch, Kopf- und Gliederschmerzen, sehr häufig auch mit Durchfall. Die Krankheit kann bis zum Tode führen.

Früher haben die Menschen versucht, mit Branntwein mit schwarzem Pfeffer oder aber einem Ansatz von Wermut, Bitterklee, Wegwart, Farnkraut, Melisse, Brennessel und Pfefferminze zum Trinken die Malaria zu bekämpfen. Ebenso galten Knoblauch, schwarzer Senf, Meerrettich mit Essig, Lilienzwiebeln und Ingwer als gute Fiebermittel. Darüber versprach man sich Heilung durch tierische Heilmittel, wenn sie abends nach dem Sonnenuntergang oder frühmorgens vor Sonnenaufgang eingenommen wurden.

Dabei wurden den Kranken Spinnen- und Regenwurmpulver, faule Eier und auch Läuse verabreicht. Da man im 18. Jahrhundert noch einen dämonischen Ursprung in der Krankheit sah, versuchte man die Vertreibung der Krankheitsdämonen mit Hilfe eines Heilzaubers. Auch die Übertragung auf Bäume, Tiere oder Eier hielt man für möglich. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts ist die systematische Gabe von Chinin belegt als fiebersenkendes Medikament bekannt. Heutzutage gibt es moderne und effektive Impfstoffe.

Plasmodien

Der Mensch ist eigentlich nur ein Zwischenwirt, Endwirt ist die Stechmücke, in der sich die Plasmodien (sie gehören zu den Einzellern) vermehren. Im Menschen gelangen sie zur Reife, in der Mücke zur nötigen Mannsstärke und im Menschen werden sie dann wiederum zur toxischen Gefahr. Als am bedrohlichsten wird derzeit der Erreger Plasmodium falciparum eingestuft (Stand: 2017). Vier humanpathogene Arten von Plasmodium sind von Bedeutung:

  • Plasmodium malariae (Erreger der Malaria quartana).
  • Plasmodium vivax (Erreger der Malaria tertiana)
  • Plasmodium ovale (Erreger der Malaria tertiana)
  • Plasmodium falciparum (Erreger der Malaria tropica, auch Falciparum-Malaria genannt)

Die Plage am Vater Rhein

„Bis ins 20. Jahrhundert hinein gehörte die Malaria auch am Oberrhein zu den Infektionskrankheiten. Denn die Auenwälder der sehr dünn besiedelten Regionen entlang des Rheins waren regelrechte Urwälder, in denen die Malariamücke ein ideales Brutgebiet vorfand. Sie drangsalierte nicht nur das Vieh, sondern auch die Menschen. Das Ausmaß wird in einem Bericht von 1918 deutlich: ‚Wir haben von den Bauern mancher Orte erfahren, dass sie im Juli und August allnächtlich zwischen 2 und 4 Uhr das Vieh ins Freie führen mussten, weil die Tiere es der Stechmücken wegen in den Ställen nicht aushalten konnten und geradezu zu toben anfingen. Auch wenn die Zahl der Malariatoten nicht bekannt ist, so kann trotz der spärlichen Berichte vor dem 19. Jahrhundert von einem Wüten der Malaria unter der Bevölkerung entlang des Rheins gesprochen werden. In den Kirchenbüchern ist sehr häufig von ‚Frieren‘ oder von nicht näher bestimmbarem ‚bösartigem‘, ‚gallichtem‘, ‚kaltem‘ oder ‚hitzigem‘ Fieber oder Nervenfieber die Rede. Nur wenige Quellen erwähnen direkt das Auftreten der Malaria. 1635 wird sie in Kriegsberichten im Hanauerland erwähnt. Erstmals gibt es 1761 eine sehr präzise medizinwissenschaftliche Dokumentation der Seuche. Der in Mannheim praktizierende ‚Churfürstlich pfalzische Garnisonsphysicus‘ Friedrich Casimir Medicus beschreibt in seinem Buch ‚Sammlung von Beobachtungen aus der Arzneiwissenschaft‘ eine grassierende Malariaepidemie in Mannheim. Zwischen 1746 bis 1755 werden insbesondere die Rheinniederungen von Wechselfieberfällen heimgesucht. 1766 gibt es weitere Berichte, diesmal aus Straßburg, über die Häufigkeit von Wechselfieber in den Sommermonaten. In einer 1772 herausgegebenen Denkschrift wird berichtet, dass die ‚intermittierenden Fieber‘ überall entlang des Rheins endemisch seien. So wird Mannheim bereits von 1808 bis 1811 erneut durch starke Fieberepidemien heimgesucht.
Zu Beginn des 19. Jahrhunderts werden die Berichte über das Auftreten des Wechselfiebers in der Rheinebene zahlreicher und genauer. Vor allem Soldaten waren betroffen, die sich häufig im Freien und in der Nacht aufhielten. Die meisten Anopheles-Arten sind überwiegend nachts aktiv, von daher stammt auch der Name ‚Malaria‘ – er bezieht sich auf den lang gehaltenen Volksglauben von der schädlichen Wirkung der Abenddünste, der ‚mala aria‘. Zwischen 1823 und 1827 wütete die schwerste und hartnäckigste Malariapandemie. Sie erstreckte sich von den Niederlanden, Belgien und Norddeutschland über die Rheinebene bis in den Oberrheingraben und hielt lokal bis 1836 an. Dadurch stieg der Prozentsatz der erkrankten Personen, die ins Straßburger Militärhospital eingeliefert worden waren, auf 75 Prozent der dort behandelten Menschen an. [...] Nach 1948 wurde die Malaria in der Oberrheinregion nicht mehr beobachtet und ist seitdem völlig verschwunden. Meldungen über Erkrankungen in Deutschland haben ihren Ursprung durch Infektionen in tropischen malariaverseuchten Gegenden. Wenn auch die Korrektion des Rheins von großer Bedeutung für die Gesundheitsverhältnisse seiner Anwohner war, so ist es dennoch ein Trugschluss, dass allein die Rheinregulierung die Fieberkrankheit unterband. So fanden beispielsweise die Korrektionsarbeiten im Ried in den Jahren zwischen 1821 und 1825 statt, während direkt im Anschluss daran von 1825 bis 1827 die Zahl der Fiebererkrankungen sehr hoch war. Natürlich gehört die Tullasche Rheinkorrektion zu den wesentlichen Faktoren, die zur Verbesserung der damaligen Verhältnisse beigetragen hat. Wenn auch durch die Trockenlegung der Sümpfe nach und nach große Teile der Heimat und Brutplätze der Stechmücken wegfielen, so erklärt dies allein noch nicht das Verschwinden dieser Krankheit.
Fast parallel zur Rheinkorrektion machte sich mit der in Deutschland aufblühenden Industrie ein zunehmender Wohlstand bemerkbar. Mit dem wirtschaftlichen Wandel wurden die Lebensbedingungen der ländlichen Bevölkerung wesentlich verbessert. Die Wohnhäuser wurden größer, massiver, vor allem luftiger gebaut, außerdem waren sie trockener. Die Landwirte erhielten Vorgaben, wie sie ihr Vieh zu halten haben, die Stallungen wurden nun vom Bezirkstierarzt regelmäßig kontrolliert. Die Umwandlung der Landschaft, die Verbesserung der Wohnverhältnisse, eine saubere Landwirtschaft, ein höherer Stand von Sauberkeit und Hygiene und die verbesserte Gesundheitsversorgung dürften die wichtigsten Faktoren sein für den Rückgang der Malaria entlang des Rheins. Obwohl es in der Oberrheinischen Tiefebene besonders im Bereich der Rheinauen noch eine beträchtlich hohe Anzahl von Malariamücken gibt, ist die Malaria ausgerottet. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Menschen am Oberrhein durch einen Mückenstich an einer Seuche erkranken, ist als gering einzustufen – auch wenn aufgrund des Klimawandels und der starken Migration und Mobilität der Menschen die Anopheles-Mücke wieder zurückkehrt.“[1]

Verweise

Fußnoten

  1. Malaria wütete lange Zeit am Oberrhein, Badische Zeitung, 23. August 2014