Reiten

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Albrecht Dürer: Ritter, Tod und Teufel, 1513. Zu diesem Ritterbild schrieb Ursel Peter ein Gedicht, welches den mutigen Reiter mit Deutschland gleichsetzt.

Reiten beschreibt die sitzende Fortbewegung eines Menschen auf einem Reittier, um sich von diesem, mit oder ohne Reitsattel, in eine gewünschte Richtung transportieren lassen. Pferde, Esel, aber auch Kamele und zuweilen Elefanten dienen dem Reiter als Reittier.

Erläuterung

Die Gründung von Reitsportvereinen reicht bis zum Ende des 19 Jahrhunderts zurück. Aus dem jagdmäßigen Reiten und Springen entstand zunehmend reine Hoch- oder Weiterspringkonkurrenz. Es gründeten sich regional viele Reitsportgemeinschaften. Der Pferdesport wie Springreiten, Geländereiten usw. wurde vor dem Großen Krieg generell nur von Militärangehörigen der Reiterei betrieben. Die Teilnehmer an den Olympischen Spielen im Pferdesport gehörten alle dem Militär an.

„In Deutschland entwickelte sich der Turniersport ab dem Jahr 1895, als die ‚Bayerische Campagne-Reiter-Gesellschaft‘ ihren ersten Wettkampf veranstaltete. Zwei Jahre später wurde in Berlin der ‚Deutsche Sportverein‘ gegründet, der den Pferdesport voranbrachte. Der Pferde-Turniersport, wie man ihn heute kennt, entstand, als das Reiten Disziplin bei den Olympischen Spielen der Moderne wurde: 1912 gab es die ersten olympischen Reiter-Wettbewerbe - Dressur, Jagdspringen und Military (heute: Vielseitigkeit).“[1]

In Deutschland gewann die Dressurreiterei erst im frühen 20. Jahrhundert an Bedeutung. 1905 gründete sich in Berlin der „Verband der Halbblutzüchter“ (ab 1910 „Verband für deutsches Halbblut“). Ab 1910 gab es bereits einheitliche Regeln für Material, Eignungs- und Leistungsprüfungen. Die Ergebnisse wurden in einem Jahrbuch veröffentlicht. Im Jahre 1912 wurde der Springsport als Disziplin in die Olympischen Spiele aufgenommen. In den 1920er Jahren fanden durch wachsender Popularität immer mehr Zivilpersonen zum Pferdesport.

Freitzeitreiten

Freizeitreiten und Freizeitreiter (z. B. Wanderreiten) sind Sammelbegriffe für das Reiten in der freien Natur (als Gegenpol zum Dressur- oder Springreiten);

Von links: Oberleutnante von Salviati, Hermann Freiherr von Nagel, Richard Sahla und Heinz Brandt, auf dem weg zur Coppa d’Oro, 1932

Sport

Bekannte Reiteroffiziere der Kavallerieschule Hannover in den 1930er Jahren; von links: Ernst Hasse auf „Baron“, Heinz Brandt auf „Tora“, Hermann von Nagel auf „Wotan“, Hans-Viktor von Salviati auf „Senator“, Rudolf Lippert auf „Meerkönig“, Richard Sahla auf „Niobe“, Rittmeister von Sydow (Nationenpreisgewinner 1932) auf „Dedo“, Großkreutz auf „Raubritter“, Harald Momm auf „Baccarat“ und Marten von Barnekow auf „General“.

Der Pferdesport ist ein Teilbereich des Sports, der alle Sportarten umfaßt, die mit dem Pferd als Partner ausgeübt werden. Er läßt sich grob in Reitsport, Fahrsport, Voltigieren und Bodenarbeit unterteilen. Wettkämpfe im Pferdesport werden als Turniere bezeichnet (zum Beispiel Reitturniere). Zum Pferdesport gehören Dressurreiten, Springreiten (früher auch „Jagdspringreiten“), Vielseitigkeitsreiten (früher „Military“), Jagdreiten, Distanzreiten, Orientierungsreiten, Westernreiten, Formations- und Quadrillereiten, Kunstreiten sowie Pferderennen und Reitspiele. Reiten gehört auch zu den Disziplinen bei den Olympischen Spielen

Kavallerieschule Hannover

Die Mannschaft der Kavallerieschule Hannover gewann u. a. 1931, 1932 und 1933 in Rom die Coppa d’Oro, den damals bedeutendsten Nationenpreis. Zu den bekanntesten und erfolgreichsten Reiteroffizieren der Kavallerieschule Hannover Mitte der 1930er Jahren gehörten:

Die erfolgreichen Nationenpreisreiter der 1930er Jahre waren allesamt Offiziere der Kavallerieschule Hannover; von links: Equipechef Oberstleutnant Wolfgang Freiherr von Waldenfels (zuletzt Generalmajor; 1889–1940), Richard Sahla, Hermann von Nagel, Heinz Brandt und Harald Momm.
  • Ernst Hasse
  • Kurt Hasse
  • Heinz Brandt
  • Hermann von Nagel
  • Hans-Viktor von Salviati
  • Rudolf Lippert
  • Richard Sahla
  • Harald Momm
  • Marten von Barnekow
„In Rom ritten 1931 nur drei Deutsche, 1932 und 1933 dagegen vier, mit je einem Streichresultat. Richard Sahla stand jedes Mal in der Equipe. Harald Momm, Hermann von Nagel und Heinz Brandt je zweimal. Zu je einem Start kamen Ernst Hasse (Bruder des Olympiasiegers von 1936) und Gustav von Nostiz-Wallwitz. Brandt, der einzige dieser elf Starter, der bei den Olympischen Spielen von 1936 ritt (was die Leis­tungsdichte der Deutschen der 30er-Jahre aufzeigt), starb als unbeteiligtes Opfer des Anschlages auf Hitler am 20. April 1944. Richard Sahla galt als fröhlich und etwas unkontrollierbar. Harald Momm war ab 1936 Leiter des Springstalls der Kavallerieschule in Hannover und nach dem Krieg Equipenchef der deutschen Springreiter. Die Siegerequipe von 1933 mit Momm, Sahla, Von Nagel und Brandt bot auch ein prominentes Pferdeangebot: Brandt ritt Tora, die er später an Kurt Hasse abgeben musste, der die Stute 1936 zum olympischen Gold führte. Sahla ritt den Schimmel Wotan, mit dem Hermann von Nagel später berühmt wurde. Von Nagel selber hatte Olaf zur Verfügung, auch Olaf ein Pferd, das mit verschiedenen deutschen Reitern erfolgreich war. Harald Momm schliesslich hatte den gleichermassen umschwärmten Baccarat.“[2]

Olympische Sommerspiele 1936

Bei den XI. Olympischen Sommerspielen 1936 in Berlin wurden sechs Wettbewerbe im Reiten ausgetragen in Dressur, Jagdspringen und Military. Sowohl die Wettkämpfe im Einzel als auch in der Mannschaft brachte deutsche Sieger hervor.

Beim Geländeritt der Einzelwertung stürzte Konrad Freiherr von Wangenheim mit seinem Pferd „Kurfürst“ und brach sich das linke Schlüsselbein. Trotz der Verletzung stieg er wieder auf sein Pferd und beendete den Ritt. Mit unbeweglichem Arm startete er am nächsten Tag wieder, stürzte erneut und zwang sich wieder, den Ritt zu beenden, so daß er die Goldmedaille für die deutsche Mannschaft rettete.

Nie wieder konnte seitdem eine Nation den Erfolg der drei deutschen Mannschaften wiederholen. Von sechs möglichen olympischen Goldmedaillen alle sechs zu gewinnen, wird wohl in der internationalen Reitsportgeschichte einmalig bleiben. Gustav Rau, Autor des Buches Die Reitkunst der Welt an den Olympischen Spielen 1936, beschrieb im „St. Georg“:

„Als der Sieg Toras nach dem Stechen feststand, erzitterte minutenlang das Reichssportfeld unter dem Beifall. Wer noch nicht wußte, was Enthusiasmus ist, der konnte das in jenen Minuten erleben.“

Kriegsschicksale

Richard Sahla

Richard Sahla (Lebensrune.png 8. April 1900 in Bückeburg) war ein deutscher Offizier des Deutschen Heeres, der Reichswehr und der Wehrmacht, als Ritter des Eiserenen Kreuzes (1914) beider Klassen und u. a. Inhaber des Verwundetenabzeichen (1918) in Silber hochdekoriert. Er war u. a. deutscher Olympiareiter (1928 in Amsterdam) und Sieger beim Coppa d’Oro.

Sahla war Sohn des Hofkapellmeisters, Komponisten, Violinvirtuosen und Dirigenten Richard Sahla (1855-1931). Sahla soll nach dem Polenfeldzug in der ersten Novemberhälfte 1939 in Preußisch Stargard fünf inhaftierte polnische Haftinsassen, die schwer an Syphilis litten, erschossen haben. Aus Gnade, wie er später zu Protokoll gab, und um sie daran zu hindern, deutsche Soldaten als Freier anzustecken. Eine der fünf überlebte, wurde von deutschen Ärzten gerettet und sagte gegen Sahla aus. Generaloberst von Bock, Oberbefehlshaber der Heeresgruppe Nord, duldete keinerlei ehrwidriges Verhalten gegen Zivilisten und ließ Major Sahla verhaften und vor einem Kriegsgericht stellen, wo dieser zum Tode verurteilt wurde. Hitler annullierte das Urteil, und das Heer hatte sich am Ende mit Sahlas Degradierung, Amtsenthebung und einer Zuchthausstrafe von sechs Jahren zu begnügen. Als der Blutzoll im Ostfeldzug zunahm, erhielt Sahla die Möglichkeit, sich vom Wehrmachtsuntersuchungsgefängnis in Berlin aus in einem Strafbataillon ggf. zu rehabilitieren. Er fiel als einfacher Schütze des Heeres in einem Feuergefecht im Raum Leningrad am 6. April 1942 an der Ostfront 25 km südostwärts Tschudowo Waldgel. Wenige Wochen später wurde Sahla im vollen Umfang rehabilitiert.[3]

Sahla hinterließ Frau Dolores, geb. Lafaire (Todesrune.png 28. Februar 2007 in Berlin) und die Söhne Peter und Wilhelm. Dolores, die 88 Jahre werden sollte, heiratete später den Schauspieler Karl John (1905–1977) und war selbst als Schauspielerin auf Bühnen und im Fernsehen tätig. Peter wurde später Fernsehredakteur und Buchautor, Wilhelm wurde Elektroniker und leidenschaftlicher Reiter.

Siehe auch

Fußnoten

  1. Reiten, planet-wissen.de
  2. Drei Wanderpreise der frühen Nationenpreisjahre, PferdeWoche, 4. Juli 2017
  3. Der Elektroniker, Wilhelm Priese, Sohn eines berühmten Reiters von Dr. Horst Willer, in: „Der kleine Georg“, 1/2010, S. 5–7