Dürer, Albrecht

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Albrecht Dürer der Jüngere, auch Duerer (Lebensrune.png 21. Mai 1471 in Nürnberg; Todesrune.png 6. April 1528 ebenda), war ein deutscher Maler, Grafiker, Mathematiker und Kunsttheoretiker von europäischem Rang. Er war ein bedeutender Künstler zur Zeit der Renaissance und erhielt auch im damals künstlerisch führenden Norditalien große Anerkennung.

Selbstbildnis aus dem Jahre 1500

Quellenlage

Selbstbildnis aus dem Jahre 1498

Das Leben Dürers läßt sich recht genau rekonstruieren. Nicht nur zeitgenössische Berichte dienen als Grundlage, sondern auch — und das ist im 16. Jahrhundert noch einzigartig — eine Fülle von Selbstzeugnissen mannigfacher Art. Eine Familienchronik und das Bruchstück eines Familiengedenkbuches, ein Reisetagebuch und mehr als dreißig Briefe, verschiedene Gedichte und drei umfangreiche wissenschaftliche Bücher, die seine Kunstlehre und eine Befestigungslehre enthalten. Dazu kommen mehr oder weniger ausführliche Beischriften zu einigen seiner zahlreich erhaltenen Werke.

Dürer und seine Zeit

Betrachtet man das Leben Dürers im Zusammenhang mit seinem Werk, so ist zu erkennen, wie stark die weltbewegenden Ereignisse auf politischem, religiösem, sozialem und künstlerischem Gebiet, die sich während seines Lebens abspielten, seinem Leben und damit seiner Kunst seine entscheidenden Richtungen gaben. Politisch setzte ein bedeutungsvoller Wechsel auf dem Kaiserthron ein und auch religiös fand die entscheidende Zeitenwende des Jahrtausends statt. Sozial erlebte die Frühe Neuzeit eine gewaltige Umschichtung der Stände, das Erwachen des Bürgertums und Bauerntums, worin auch Dürer einen großen Schritt auf dem Weg der Befreiung aus Handwerks- und Gewerbesbanden zu einem freien und anerkannten Künstlertum sah.

Dazu aber kam bei Dürer das Forschen und Schaffen aus innerstem Drang, und dies war es, was ihn wesenhaft von der Gotik unterschied, deren Formensprache er dennoch zeitlebens verhaftet blieb. Daß auch Dürer seine Motive noch zum größten Teil der religiösen Gedankenwelt entnahm, war in dieser Zeit selbstverständlich, jedoch war er auch der erste, der die Alleinherrschaft des Kirchlich-Religiösen im Reich der Kunst durchbrach. In ganz anderem Maß als die Künstler vorher interessierte ihn das eigene Ich und die Umwelt, wie der menschliche Körper, die Landschaft und die Erscheinungen des Tages.

Leben

Albrecht Dürer: Ritter, Tod und Teufel, 1513. Zu diesem Ritterbild schrieb Ursel Peter ein Gedicht, welches den mutigen Reiter mit Deutschland gleichsetzt.

Herkunft

„Ritter, Tod und Teufel“ (Stich)

Albrecht Dürer war das dritte Kind und der zweite Sohn seiner Eltern, die in 24jähriger Ehe 18 Kinder zeugten. Dürers Vater Albrecht Dürer der Ältere, Sohn eines Goldschmieds, war 1455 nach Wanderjahren, die ihn bis in die Niederlande geführt hatten, in Nürnberg als Goldschmiedegeselle in die Werkstatt eines angesehenen Meisters eingetreten, dessen 15-jährige Tochter er als 40-Jähriger heiratete. Er stammte aus dem westlichen Ungarn, und zwar aus einem kleinen Ort Ajtós bei Jula, der verdeutscht „Tür“ bedeutet und nach dem er sich „Thürer“ oder „Dürer“ nannte; das später aufgenommene Wappen zeigt im Felde eine offene Tür. Nichts läßt jedoch darauf schließen, daß das Geschlecht magyarischen Ursprungs sei. Die moderne Rassenforschung bezeichnet den Dürer'schen Typus, den man aus seinen Selbstporträts ermitteln kann, als nordisch-dinarisch.

Kindheit und Ausbildung

Anbetung der Könige
Das Rosenkranzfest

Bereits im Alter von 13 Jahren zeichnete der junge Albrecht, als er noch Lehrling in der Goldschmiedewerkstätte seines Vaters war, mit dem Silberstift in feinen Strichen sein Selbstbildnis erstaunlich getreu. Aber nicht nur die Klarheit dieser Zeichnung ist bemerkenswert, das eigentlich Überraschende ist vielmehr der beispiellose Vorgang, daß bereits im Jahre 1484 einem werdenden Künstler das eigene Äußere abbildungswürdig erscheint. Man muß sich vergegenwärtigen, daß die Bildniskunst im 15. Jahrhundert in Deutschland noch kein Betätigungsfeld der Maler war und daß aus dem vordürerischen Nürnberg kein halbes Dutzend Bildnisse überliefert ist, daß Selbstbildnisse von Malern als Einzeldarstellungen, als Bildnistafeln aus dieser Zeit nördlich der Alpen — das Schongauer Bildnis ausgenommen — sonst überhaupt nicht bekannt sind.

Der Vater wollte Albrecht dem berühmtesten Meister, dem Martin Schongauer in Kolmar in die Lehre geben, dessen weit verbreitete Kupferstiche auch in Nürnberg bekannt waren, aber dieser war in jenen Jahren gerade auswärts tätig. So kam der Junge 1486 zu Meister Michael Wolgemut, dem Altarlieferanten Nürnberger und anderer Kirchen, der die bedeutendste Malerwerkstätte der Stadt leitete und in diesen Jahren dem Paten Albrechts, dem Buchdrucker Anthoni Koburger (oder Koberger), viele Holzschnittzeichnungen zu berühmten Büchern lieferte. Von der handwerklich trockenen Malweise des großen Ateliers zeugt Dürers erstes Gemälde, das Bildnis seines Vaters von 1490, während die wenigen erhaltenen Zeichnungen dieser Zeit, darunter Szenen aus dem täglichen Leben, eher den Einfluß der Kupferstiche Schongauers verraten. Bei Wolgemut scheint Dürer vor allem das Zeichnen (das „Reißen“) für den Holzschnitt gelernt zu haben, das er in den folgenden Wanderjahren anwandte. Nach 3-1/2-jähriger Lehrzeit hatte er zunächst deutsche Lande durchwandert und war erst 1492 wieder in Kolmar angekommen, als Martin Schongauer bereits ein Jahr tot war. Die wichtigsten erhaltenen Arbeiten der Wanderjahre sind neben einer aquarellierten Neujahrs-Grußkarte mit dem Christkind (datiert 1493) drei weitere Selbstbildnisse, die er wohl nach Hause geschickt hat. Zwei von ihnen sind mit der Feder gezeichnet, sie zeigen nur Kopf und Hand. Vor allem das in der Erlanger Universitätsbibliothek bewahrte Blatt von etwa 1492 ist ein Wunder lebendigster Selbstbeobachtung. Das andere, wohl aus dem nächsten Jahr, übertreibt sogar einen Schönheitsfehler des Künstlers: das von der Mutter vererbte Schielen.

Auch in dem 1493 datierten ersten gemalten Selbstporträt Dürers kann die schiefe Augenstellung bemerkt werden. Es zeigt den 22jährigen in Halbfigur vor dunklem Hintergrund, mit lang herabfallendem Haar, in den nach gotischer Manier gespreizten Händen die Blume „Männertreu“ haltend, woraus man auf ein Bräutigamsbild schließt. Zwischen diesem und dem nächsten Selbstbildnis liegen fünf für Dürer bedeutungsvolle Jahre.

Ende Mai 1494 traf er wieder in Nürnberg ein und heiratete Anfang Juli die Tochter eines wohlhabenden Kupferschmiedes und Feinmechanikers, ließ sie aber wenige Monate, vielleicht schon Wochen nach der Hochzeit wieder allein und ging nach Italien. Wieder in Nürnberg zurück (etwa Frühsommer 1495) machte Dürer, der inzwischen Bürger der Stadt und damit wohl auch Meister geworden war, Zeichnungen zu Holzschnitten für die Druckerei seines Paten, begann in Kupfer zu stechen und lebte hauptsächlich von dem Vertrieb seiner Einzelblätter, die auch nach auswärts geschickt wurden. Dürers Ruhm wurde durch diese Graphiken weithin verbreitet. Die wichtigste graphische Arbeit dieser Zeit ist die Holzschnittfolge von 15 Blättern zur Apokalypse (den Offenbarungen des Johannes), die 1498 in Dürers Selbstverlag erschien. Auch ein weiteres Selbstporträt fertigte er an. Im Bildausschnitt unterscheidet sich das Porträt nicht wesentlich von dem fünf Jahre älteren Selbstbildnis, aber wie bei italienischen Bildnissen ist jetzt der Hintergrund räumlich belebt. Deutlich bemerkbar sind auch hier wieder die verschiedene Stellung, Größe und Blickrichtung der Augen.

In dem nächsten Selbstbildnis, dem mit einer von Dürer nachträglich erneuerten Signatur, mit der zu Unrecht bezweifelten Jahreszahl 1500 und mit einem lateinischen Text versehenen Bild, stellt der Meister sich ganz von vorn gesehen dar. Man weiß, daß Dürer um diese Zeit ganz besessen war von dem Gedanken der Proportion, die er als eine Harmonie schöner Teile in den Bildwerken der Alten und in der — wie er meinte — nach deren Grundregeln gebildeten Kunst der Italiener verwirklicht sah; am Ende seines Lebens schrieb er noch:

„hne rechte proportion kan ye kein bild volkommen sein, ob es auch so fleißig als das ymer möglich ist, gedacht wirdet.“

Er glaubte, die Alten hätten das Geheimnis der richtigen und damit schönen Proportionierung der menschlichen Gestalt und ihrer Teile gekannt, das die modernen Italiener wiedergefunden hätten. Auch dieses Selbstbildnis trägt deutlich Spuren seiner Bemühungen um Form und Schönheit. Da nun Dürer vielfach Idealköpfe nachgemessen hatte und in diesem Selbstbildnis offensichtlich ein Idealbild schaffen wollte (die ungleiche Augenstellung ist gemildert, die Stirn höher, als sie in Wirklichkeit war), so mag aus der Ähnlichkeit seines Bildes mit dem traditionellen Antlitz Christi die viel verbreitete irrige Auffassung von dem Christuskopf Dürers entstanden sein. Seit Dürers Tod befand sich das Bild anscheinend schon im Besitz des Nürnberger Magistrats. Ende des 18. Jahrhunderts wurde die Holztafel parallel zur Bildfläche durchsägt, das Bild auf die hintere Tafel kopiert, das Original gestohlen und 1805 für 600 Gulden an die kurfürstliche Galerie in München verkauft; 1905 wurden die Augen durch das Attentat eines Verrückten beschädigt.

Reise nach Italien

Die vier Apostel

Bei den Bildnissen, die Dürer bis 1500 gemalt oder gezeichnet hat, bemerkt man ein starkes Herausarbeiten des seelischen Ausdrucks, wie bei dem nur in Kopien erhaltenen Vaterbild von 1497, dem Porträt des Ravensberger Faktors Oswolt Krel von 1499 und auch bei dem mit Wasserfarben auf Leinwand gemalten Bildnis seines Gönners, des Kurfürsten Friedrich des Weisen von Sachsen von 1496/97. In dessen Auftrag hatte er für die Wittenberger Schloßkirche in dieser Zeit mehrere Altarbilder geschaffen, darunter den sogenannten Dresdener Altar. Im Vordergrund seines Interesses aber stand seit etwa 1500 der menschliche Akt und die Errechnung seiner Normalmaße. Diese Bestrebungen, mit denen die Ausbildung und Verfeinerung der Kupferstichtechnik gleichlaufen, gipfelten in dem Stich „Adam und Eva“ aus dem Jahre 1504.

Ebenso war das reine Landschaftsbild ein Thema, das erst von Dürer für die Malerei erobert wurde. Es sind Nahsichten und Fernsichten, Darstellungen von Städten, Burgen, Häusergruppen, Gebirgstälern, Wäldern und Teichen, in Nürnbergs Umgebung, in Tirol, am Rhein und in den Niederlanden entstanden, aber es befindet sich kein italienisches Straßenbild darunter. Diese Blätter dienten Dürer als Studienmaterial zur Verwertung in Gemälden oder Graphiken. In den Aquarellen gelang es ihm, Stimmungsbilder rein aus farbigen Elementen aufzubauen, während die großen Figurenbilder vielfach noch mehr oder weniger kolorierte Zeichnungen sind.

Das Altarbild „Anbetung der Könige“ von 1504 wurde wahrscheinlich für die Wittenberger Schloßkirche im Auftrag des kurfürstlichen Mäzens Friedrich des Weisen gemalt und ist dann in die Uffizien von Florenz gelangt. Die ursprüngliche Sechsfigurengruppe im Vordergrund ist durch Übermalung des Joseph, der auf der linken Seite, halbverdeckt von Maria, gestanden hatte, im 17. Jahrhundert in eine Fünffigurengruppe umgewandelt worden. Die religiösen Bilder jener mittleren Zeit, zu denen auch der berühmte Paumgartner- Altar von etwa 1498 gehört, haben der Vorstellung Nahrung gegeben, daß Dürer im Grunde kein Maler, sondern nur ein Meister der Zeichnung gewesen sei. Aber schon die Bildschöpfung der „Stillenden Maria“ mit dem Datum 1503 erweist seine starke malerische Fähigkeit.

In Venedig, wohin Dürer im Sommer oder Herbst 1505 mit Unterstützung des Freundes Pirckheimer auf etwa 18 Monate reiste gelang es ihm, fünf von sechs mitgebrachten Gemälden zu verkaufen, dann malte er noch 1505 das Bild einer jungen Venezianerin, das 1923 aus der Verschollenheit in das Wiener Museum gelangte. Ein bedeutender Auftrag kam noch im Jahre 1505 von der deutschen Kaufmannsgesellschaft Venedigs für ihren Altar in der Kirche S. Bartolommeo, nahe dem Fondaco de' Tedeschi. Nach umfangreichen Vorbereitungen begann Dürer am 7. Februar 1506 mit der Arbeit, die er in fünf Monaten, wie er in der Inschrift stolz hervorhob, im September zu Ende führte. Selbst der Doge und der Patriarch sahen sich das Werk an und boten dem deutschen Meister 200 Dukaten jährlich, wenn er in ihrem Dienst in der Lagunenstadt bleibt. Aber Dürer lehnte ab.

In den erhaltenen zehn Briefen an den Freund Pirckheimer, die man in einer vermauerten Wandnische des Imhoffschen Hauses in Nürnberg entdeckt hatte, findet sich manches von Glück, Frohsinn und Stolz über das Werden des Bildes und die Anerkennung, die ihm gezollt wurde:

„Und ich hab auch die Moler geschtillt, die do sagten, im Stechen wär ich gut, aber im Molen west [wüßte] ich nit mit Farben umzugehn. Itz spricht Iderman, sie haben schoner Farben nie gesehen ...“

Zum „Rosenkranzfest“, das später von Kaiser Rudolf II. erworben und 1793 an das Chorherrenstift Strahow in Prag gegeben wurde schrieb er:

Sie sagen, „daß sie erhabner leblicher (lieblichere) Gemäl nie gesehen haben.

Dargestellt ist die Verleihung von Rosenkränzen und damit der Segnungen des Rosenkranzgebetes an den Kaiser Maximilian I. und den Papst Julius II. durch Maria und das Jesuskind. Unter die Vertreter mischt sich Dürer selbst (rechts am Baum) mit dem Augsburger Humanisten Konrad Peutinger. In ähnlicher Weise stellte sich der Meister auch in den nächsten großen Altartafeln dar, die er zwischen 1508 und 1511 in Nürnberg ausführte. Dem für den Kaufmann Jakob Heller in Frankfurt a. M. 1509 gemalten Bild der „Himmelfahrt und Krönung Marias“ (1674 in München durch Feuer zerstört), der für Friedrich den Weisen 1508 geschaffenen „Marter der zehntausend Christen“ und der 1511 für eine Nürnberger Kapelle gestifteten „Anbetung der hl. Dreifaltigkeit durch alle Heiligen“.

In der Heimat erwarteten den Meister, der sich nun ganz als Maler fühlte, große Aufträge. Während er sich auf dem Bild für Venedig „germanus“ (Deutscher) nannte, bezeichnete er sich auf dem für Wittenberg bestimmten Gemälde als „alemanus“ (Süddeutscher) und auf dem Nürnberger Altar als „noricus“ (Nürnberger). 1513 und das folgende Jahr waren die Hauptjahre seines Kupferstichs (u. a. die allbekannten „Meisterstiche„: 1513 „Ritter, Tod und Teufel“, 1514 „Hieronymus im Gehäus“ und „Melancholie“).

Reise in die Niederlande

Zwischendurch versuchte er sich in Radierungen, zeichnete 1514 das außerordentliche Bildnis seiner Mutter kurz vor ihrem Tode und entwarf mit Gehilfen die Risse für die Riesenholzschnitte der „Ehrenpforte“ (1515), des „Triumphzuges“ und des „Triumphwagens“ im Auftrage und zu Ehren des Kaisers Maximilian. Der Kaiser, den er auch porträtierte (1518) und dessen Gebetbuch er mit Randzeichnungen auf Pergament versah, setzte ihm 1515 ein hohes Jahresgehalt aus. Der Wechsel auf dem Kaiserthron, der die deutschen Lande nach Maximilians Tod 1519 in tiefe Wirrnis stürzte, brachte ihm zunächst den Ausfall dieses Ehrensoldes. Er reiste, der Pest ausweichend, am 12. Juli 1520 mit Frau und Magd in die Niederlande, um bei der Kaiserkrönung Karls V. in Aachen seine Ansprüche geltend zu machen, was ihm auch schließlich gelang. Es existiert über diese niederländische Reise in Abschrift ein Reisetagebuch Dürers, in das er seine Ausgaben und Einnahmen peinlich genau eingetragen hatte. Er führte darin auch sorgfältig die fast 120 Porträtzeichnungen auf, die außer fünf Ölbildnissen und einem farbigen Hieronymusbild in den Niederlanden entstanden und von denen viele erhalten sind.

Zu erfahren ist die genaue Reiseroute mit allen Abstechern und daß ihm zu Ehren die Stadt Antwerpen, deren Anstellungsangebot mit 300 Philippsgulden Jahresgehalt er ablehnte, ein „überköstlich“ Bankett gab:

„Und do ich zu Tisch Beführet ward, da stund das Volk auf beeden Seuten, als führet man einen großen Herren. Es waren auch unter ihnen gar trefflich Personen von Namen, die sich all mit tiefen Neigen auf das Allerdemütigste gegen mir erzeugten“.

In den anderen Städten erging es ihm ähnlich. Er verkehrte mit den bedeutendsten niederländischen Künstlern, wie Quentin Massys, Lucas van Leyden, Barend van Orley, mit den Humanisten, wie Erasmus von Rotterdam, mit reichen Kaufleuten aller Länder, wurde von der Statthalterin der Niederlande freundlich empfangen, speiste mit ihr und dem dänischen König, den er auch porträtierte. Für die Rückreise aber, die er am 6. Juni 1521 antrat, mußte der gefeierte Meister sich 100 Gulden leihen. Als Dürer wieder in Nürnberg eintraf, brachte er viele geschenkte, eingetauschte und gekaufte Kuriositäten und Kunstwerke heim, dazu auch Geschenke für Freunde und außerdem ein gewichtiges Skizzenbuch, von dem Einzelblätter später in die verschiedensten Museen gelangten.

Dürers Verhältnis zu Martin Luther

Für Altarbilder war diese Zeit des Zusammenbruchs der mittelalterlichen Weltordnung, diese Zeit der geistigen, sittlichen und religiösen Erneuerung, also des Reformationszeitalter, nicht günstig. Von Luthers Schriften war Dürer tief ergriffen, das Gerücht seiner Ermordung, das den Meister in den Niederlanden erreichte, erschütterte ihn aufs heftigste, die Niederschrift seines Gefühlsausbruchs im Reisetagebuch enthält scharfe Worte gegen das römische Papsttum. Aber ebenso wie Luther den christlichen Glaubensinhalt unangetastet lassen wollte, hatte auch Dürer sich niemals vom katholischen Glauben entfernt. Weder Luther noch Dürer dachten damals an eine Lösung von der alten Kirche, an eine konfessionelle Absonderung. Es blieben jedoch in Nürnberg noch viele Schwärmer und Sektierer, die die Ordnung gefährdeten, und gegen sie wandte sich der Meister in seinem letzten großen Werk, den „Vier Aposteln“.

Albrecht Dürers Grab
Nürnberg, St. Johannisfriedhof
Inschrift des Grabsteins

Die übliche Bezeichnung der beiden Tafeln ist nicht ganz zutreffend, denn Markus, der auf der rechten Tafel hinter dem dreizehnten Apostel, dem Heidenbekehrer Paulus erscheint ist kein Apostel, sondern der Evangelist, der den Apostel Petrus auf seinen Fahrten begleitet hatte. Die Beischriften sind aus Textstellen der vier dargestellten Urchristen nach der Lutherschen Übersetzung des Neuen Testaments zusammengestellt. Als die Bilder im Jahre 1627 nach München gebracht wurden, sägte man die Unterschriften ab und gab sie mit Kopien der Bilder an Nürnberg zurück, da man den Text als antipäpstlich auffaßte. Später wurden sie wieder mit den Bildern vereinigt.

Tod und Nachlaß

Dürer starb nach zeitgenössischen Angaben an „Abzehrung“. Sein Freund Pirckheimer machte direkt Dürers Frau für dessen Tod verantwortlich.[1] Da die Abzehrung jedoch eine Ursache gehabt haben muß, ist eine innere Erkrankung sehr wahrscheinlich. Bereits zuvor hatte Dürer eine Zeichnung erstellt, auf der er mit dem Finger auf eine kranke Stelle seines Leibes in der Milzgegend weist und dazu schrieb, daß es ihm dort wehtue. Wahrscheinlich hatte er das Blatt 1509 einem Arzt zur Fernkonsultation geschickt.

Dürer wurde in Nürnberg begraben. Dürer wurde im Grab seines Schwiegervaters Hans Frey beigesetzt. Nach dem Tode Dürers Frau Agnes im Jahre 1539 kümmerte sich bis 1651 die Stadt um das Grab, da die Ehe kinderlos geblieben war. Dann wurde es ausgeräumt (was mit Dürers Gebeinen geschah, ist unbekannt). Anschließend wurde es wieder mehrfach mit verdienten Verstorbenen belegt; bis zum 17. Jahrhundert sind insgesamt fünf Bestattungen registriert. 1681 erwarb Joachim von Sandrart durch einen Grabtausch das Dürer-Grab und gestaltete es im Geist der Zeit um; es erhielt eine schwere Grabplatte aus Sandstein und in Kupfer gestriebene Inschriften. (beides ist heute noch – wenn auch restauriert – vorhanden). Sandrat verfügte zwar, daß das Grab nicht wieder zu belegen sei, dennoch wurde es noch zweimal wieder belegt: 1818 und 1819.

Testament

Dürer schrieb als ein Testament in fast Lutherschem Deutsch ein Lehrbuch der Malerei, eine „Speis für die Malerknaben“, in mehreren Büchern, von denen er einen Teil noch selbst herausgab. Und angesichts drohender Türkengefahr entwarf er zudem eine Befestigungslehre.

Nachlaß

Seiner Witwe hinterließ er ein erkleckliches Vermögen von 6.848 Gulden, 7 Pfund und 24 Pfennigen.

In Zeichnungen und vor allem in Kupferstichen überlieferte er der Nachwelt die Bildnisse der bedeutendsten Persönlichkeiten seines Jahrhunderts. Auch im Gemälde wurden noch einige charaktervolle Männer der Zeit verewigt. Am bekanntesten sind darunter die beiden 1526 datierten Bildnisse zweier Nürnberger Ratsherren, des Hieronymus Holzschuher und des Jakob Muffel.

Werke

Graphische Werke

  • Ritter, Tod und Teufel, 1513, Kupferstich
  • Der heilige Hieronymus im Gehäus, 1514, Kupferstich
  • Melencolia I, 1514, Kupferstich (Dessau-Roßlau, Anhaltische Gemäldegalerie)
  • Rhinocerus, 1515, Holzschnitt
  • Selbstporträt als Akt; ca. 1500 bis 1512; Zeichnung

Dürer werden etwa 20 Exlibris zugeschrieben. Das bekannteste ist wohl davon das für seinen Freund W. Pirckheimer.

Gemälde

  • Bildnis der Elsbeth Tucher, dat. 1499 (Kassel, Alte Meister)
  • Marter der zehntausend Christen, 1507 (Wien, Kunsthistorisches Museum)Bildnis des Albrecht *Dürer des Älteren (Florenz, Uffizien), 1490; Vater.
  • Bildnis der Barbara Dürer, geb. Holper (Nürnberg, Germanisches Nationalmuseum, Gm 1160), um 1490–1493; Mutter.
  • Büßender Hieronymus (z.Zt. Cambridge), um 1494/97.
  • Männliches Bildnis vor grünem Grund (Kreuzlingen), ca. 1497.
  • Selbstbildnis mit Landschaft (Madrid, Museo del Prado), 1498.
  • Bildnis des Oswolt Krel (München, Alte Pinakothek), 1499.
  • Bildnis Elsbeth Tuchers (Kassel, Staatliche Museen Kassel, Gemäldegalerie Alte Meister), dat. 1499, Lindenholz 29,1 x 23,3 cm.
  • Selbstbildnis im Pelzrock (München, Alte Pinakothek), 1500.
  • Paumgartner Altar (München, Alte Pinakothek), 1503.
  • Anbetung der Könige (Florenz), dat. 1504.
  • Das Rosenkranzfest (Prag, Národní galerie/Nationalgalerie), dat. 1506, urspr. in Venedig, S. Bartolomeo.
  • Die Madonna mit dem Zeisig (Berlin, Staatliche Museen), 1506.
  • Adam und Eva (Madrid, Prado), 1507.
  • Bildnis eines jungen Mannes (Wien, Kunsthistorisches Museum), 1507.
  • Marter der zehntausend Christen (Wien, Kunsthistorisches Museum), 1507.
  • Heller-Altar zusammen mit Mathias Grünewald (Frankfurt am Main, Historisches Museum), 1508/09; *Mitteltafel verbrannt, urspr. in Frankfurt, Dominikanerkirche.
  • Anbetung der heiligen Dreifaltigkeit (sog. Allerheiligenbild) (Wien, Kunsthistorisches Museum, Inv.Nr. 838), 1511
  • Die Kaiserbilder:
  • Kaiser Karl der Große (Nürnberg, Germanisches Nationalmuseum, Gm 167, Leihgabe der Stadt Nürnberg), 1511/12, 187,7 x 87,6 cm; ein Idealbildnis.
  • Kaiser Sigismund (Nürnberg, Germanisches Nationalmuseum, Gm 168, Leihgabe der Stadt Nürnberg), 1512/13, 188,3 x 87,5 cm.
  • Bildnis Michael Wolgemuts (Nürnberg, Germanisches Nationalmuseum, Gm 885, Leihgabe der Bayerischen Staatsgemäldesammlung seit 1911), 1516.
  • Bildnis Kaiser Maximilians I. (Nürnberg, Germanisches Nationalmuseum, Gm 169), 1519.
  • Hl. Hieronymus, (Lissabon), 1521
  • Maria mit Kind, eine Birne haltend (Florenz, Galleria degli Uffizi), 1526.
  • Bildnis Johannes Kleberger (Wien, Kunsthistorisches Museum), 1526
  • So genannte Vier Apostel (München, Alte Pinakothek), 1526.
  • Bildnis Hieronymus Holzschuher (Berlin, Gemäldegalerie der Staatlichen Museen - Preußischer :Kulturbesitz), 1526.
  • Christ als Salvator Mundi, Dürers letztes Gemälde - 1526.
Weiher bei Sonnenuntergang

Aquarelle und Zeichnungen

  • Das Tal bei Kalchreuth (Berlin), 1500
  • Das große Rasenstück (Wien), 1503
  • Ritter, Tod und Teufel, 1513
  • Das Tal bei Kalchreuth (Berlin), 1500
  • Weiher im Walde (London), 1495
    • Motiv ist ein in ein Moor übergehender Weiher am Rande des im Volksmund als „Steggalaswald“ bezeichneten Kiefernwaldes bei Nürnberg.
  • Feldhase, (Wien, Albertina), 1502
  • Das große Rasenstück, Wasserfarbe und Gouache, (Wien), 1503
  • Betende Hände (Wien, Albertina), um 1508

Literarische Werke und Schriften

  • Lehrbuch der Malerei, ab 1500, von diesem Werk sind nur einige wenige Teile überliefert (Auszüge)
  • Vnderweysung der messung mit dem zirckel vnd richtscheyt (= Underweysung der Messung mit dem Zirkel und Richtscheyt), bei Hieronymus Andreae, Nürnberg 1525 (PDF-Datei)
  • Etliche vnderricht, zu befestigung der Stett, Schloß vnd Flecken, bei Hieronymus Andreae, Nürnberg 1527 (PDF-Datei)
  • Hierinn sind begriffen vier bücher von menschlicher Proportion, bei Hieronymus Andreae, Nürnberg 1528 – die postum erschienene „Proportionslehre“ mit dem „Ästhetischen Exkurs“, der Dürers kunsttheoretische Positionen zusammenfaßt.
    Lateinische Übersetzung von Joachim Camerarius d. Ä.: De Sym[m]etria partium in rectis formis hu[m]anorum corporum (PDF-Datei)

Siehe auch

Literatur

  • Hermann Knackfuss: „Dürer. [Liebhaber-Ausg.]“ (1895) (PDF-Datei)
  • Emil Waldmann:
    • „Albrecht Dürer“ (PDF-Datei)
    • „Lanzen, Stangen und Fahnen als Hilfsmittel der Komposition in den graphischen Frühwerken des Albrecht Dürer“ (1906) (PDF-Datei)
  • Anton Heinrich Springer: „Albrecht Dürer“ (1892) (PDF-Datei)
  • Valentin Scherer: „Dürer - des Meisters Gemälde, Kupferstiche und Holzschnitte in 471 Abbildungen“ (1906) (PDF-Datei)
  • Karl Rapke: „Die Perspektive und Architektur auf den Dürer'schen Handzeichnungen, Holzschnitten, Kupferstichen und Gemälden“ (1902) (PDF-Datei)
  • Richard Bürkner: „Dürer“, 1911 (PDF-Datei) Für Nicht-VSA-Bewohner nur mit US-Proxy abrufbar!
  • Paul Weber: „Beiträge zu Dürer's Weltanschauung; eine Studie über die drei Stiche: Ritter, Tod und Teufel, Melancholie und Hieronymus im Gehäus“ (1900) (PDF-Datei)
  • Berthold Haendcke: „Die Chronologie der Landschaften Albrecht Dürer's“ (1899) (PDF-Datei)
  • Ernst Heidrich: „Geschichte des Dürerschen Marienbildes“ (1906) (PDF-Datei)
  • Wilhelm Suida: „Die Genredarstellungen Albrecht Dürers“ (1900) (PDF-Datei)
  • Heinrich Wölfflin:
    • „Albrecht Dürers Handzeichnungen“ (1918) (PDF-Datei)
    • „Die Kunst Albrecht Dürers“ (1919) (PDF-Datei)
  • Paul Johannes Rée: „Dürer. Neun farbige Wiedergaben seiner Hauptwerke“ (1915) (PDF-Datei)
  • Kurt Pfister: „Der junge Dürer“ (1922) (PDF-Datei)
  • Moritz Thausing: „Dürer, Geschichte seines Lebens und seiner Kunst“ (1876) (PDF-Datei)
  • Werner Weisbach: „Der junge Dürer; drei Studien“ (1906) (PDF-Datei)
  • Ralf Leopold von Retberg: „Dürers Kupferstiche und Holzschnitte“ (1871) (PDF-Datei)
  • Wilhelm Waetzoldt: „Dürers Befestigungslehre“ (1916) (PDF-Datei)
  • Georg Kaspar Nagler: „Albrecht Dürer und seine Kunst“ (1837) (PDF-Datei)
  • „Reliquien von Albrecht Dürer“, 1828, mit Nachdruck von Briefen Dürers (PDF-Datei)
  • Konrad von Lange, Franz Louis Fuhse (Hrsg.): „Dürers schriftlicher Nachlass auf Grund der Originalhandschriften und theilweise neu entdeckter alter Abschriften“ (1893) (PDF-Datei)
  • Emil Waldmann: Albrecht Dürer, in: Willy Andreas / Wilhelm von Scholz (Hg.): Die Großen Deutschen. Neue Deutsche Biographie. Propyläen Verlag, Berlin, 4 Bde. 1935–1937, 1 Ergänzungsbd. 1943; Erster Band, S. 370–386
  • Theodor Stiefenhofer: Die Meisterhand: RiemenschneiderStoßGrünewald – Dürer, in: Ernst Adolf Dreyer / Heinz W. Siska (Hg.): Kämpfer, Künder, Tatzeugen. Gestalter deutscher Größe. 3 Bde., Zinnen-Verlag, München–Wien–Leipzig 1942, Bd. II, S. 59–96

Fußnoten

  1. vgl. hierzu: Reliquien von Albrecht Dürer, 1828, Kapitel IX: „Albrecht Dürers Tod“, S. 159ff. (PDF-Datei)
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