Schicksal

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Schicksal (von niederdeutsch schicksel) steht für die Vorbestimmtheit und somit Unabänderlichkeit des Lebenslaufes eines Menschen, mithin auch aller Erscheinungen in der Welt. Im Alltags-Sprachgebrauch wird der Begriff hingegen oft auch zur Bezeichnung eines bestimmten Ereignisses oder einer Reihe von Ereignissen verwendet, welche jemandes Leben entscheidend bestimmen und prägen, jedoch sich nicht vorhersehen und abändern lassen, weil ihre Ursachen unbekannt sind. In diesem Sinne spricht man vom Schicksal eines einzelnen Menschen, wie auch ganzer Reiche und Völker.

Erläuterung

Der Begriff hat einen metaphysischen Beiklang, da er die Vorstellung beinhaltet, daß das besagte Ereignis von einer höheren – zum Beispiel göttlichen, zumeist aber ganz unpersönlich verstandenen – Macht über jemanden verhängt wurde. In diesem Kontext erscheint das Schicksal immer auch als mehr oder weniger verdient, wohingegen beim im oberflächlichen Sinne – als scheinbarer bloßer (grundloser) Zufall – verstandenen Schicksal, man (insbesondere bei Schicksalsschlägen) von unverdientem Schicksal spricht.

Da das Schicksal allgegenwärtig und allgewaltig ist, besteht ihm gegenüber keine Wahl, vielmehr ist auch jede dem Menschen als „frei“ erscheinende Entscheidung Teil des vorbestimmten Schicksalsweges (→ „Freier Wille“).

Wortherkunft

Das im Mittelhochdeutschen noch nicht vorhandene Wort ist eine jüngere Bildung zu schicken mit dem Suffix -sal, abgeschwächt -sel. In der Form schicksel erscheint es aber schon früh im Niederdeutschen.[1]

Geschichte

Die Idee des Schicksals als einer geheimnisvollen, unergründlichen Macht über die Geschicke der Menschen ist uralt. Bei den Germanen erscheint es – vermittelt durch die webenden Nornen – als unerbittliche und unbestechliche Macht, der sich nicht nur die Menschen, sondern auch die Götter nie entziehen können. Auch den alten Griechen war das Schicksal, für welches sie viele Ausdrücke kannten (heimarmenê, peprômenê, moira, aisa, atê, adrasteia), eine dunkle Macht, welcher selbst die Götter unterworfen sind (Hesiodos nennt es das Kind des Erebos und der Nacht); seine Repräsentanten sind die Schicksalsgöttinnen (Keren, Parzen).

Das Christentum verwirft mit der der Postulierung eines allweisen, gerechten und gütigen Gottes die Idee eines blinden Schicksals und spricht stattdessen von Vorsehung, wenn auch bei den Streitigkeiten über die Prädestination die Seligkeit oder Verdammnis, welche der absolute Ratschluss Gottes jedem vorherbestimme, oft sehr in die Nähe eines blinden Schicksals gerückt worden ist. Im Islam ist der tyrannische Wille Allahs die Macht, welche jedem sein Schicksal bestimmt, ohne jede Möglichkeit dasselbe durch eigene Tätigkeit oder Anstrengung abzuwenden oder zu ändern. Religiöse Ansichten, welche sich in dieser Weise dem Fatalismus nähern, müssen – wenn sie natürlich auch nicht das alltägliche Geschäfts- und Arbeitsleben der Menschen vollständig zum Erliegen bringen können – doch im Großen und Ganzen einen lähmenden Einfluß ausüben, weil sie dem Menschen das Bewußtsein rauben, daß sein eigenes Wollen und Handeln selbst mit ein Glied in der Kette der Ursachen ist. Das Schicksal lässt in diesen Religionen den Menschen bloß als leidend erscheinen, und ein blindes zweckloses Geschehen ist unfähig ein sittliches Interesse zu erwecken und zu tragen.

Deshalb ist der christliche und mehr noch der islamische Begriff des Schicksals auch unfähig die Grundlage eines tragischen Kunstwerkes zu werden, welches doch so kennzeichnend für abendländisches Auffassen und Ringen und mithin für den Aufstieg Europas war. Jede tragische Handlung beruht auf einem Konflikt zwischen dem Willen und mithin Handeln der Hauptfigur und der Welt, und die tragische Katastrophe darf daher nicht außer allem Zusammenhang mit dem eigenen Wollen und Handeln des tragischen Helden stehen, d. h. sie darf sich nicht rein phlegmatischer Helden bedienen. Wenn hingegen bei den griechischen Tragikern das Schicksal als eine außerhalb des Menschen stehende Macht erscheint, welche Einzelne und ganze Geschlechter in Unheil und Verderben stürzt, so geschieht dies doch nie ohne Beziehung auf das eigene Tun des Menschen: das Schicksal ist in der griechischen Tragödie eine zwar dem Menschen fremde, aber zugleich sittlich waltende Macht, und in der Entwicklung der griechischen Tragödie bei Äschylus, Sophokles und Euripides tritt die Schicksalsidee hinter die subjektiven Faktoren, welche in dem eigenen Charakter des Handelnden liegen, immer mehr zurück. Und auch die im Europa der Neuzeit wiedererstandene (Schicksals-)Tragödie seit Shakespeare suchte ihren Schwerpunkt durchaus in dem eigenen Charakter des Handelnden.

Synonyme

  • allgemeine Synonyme
    • Bestimmung
    • Fügung
    • Höhere Gewalt
    • Los
    • Vorsehung
  • gehoben:
    • Destination
    • Geschick, Schickung

Zitate

  • „Das Schicksal nimmt nichts, was es nicht gegeben hat.“ — Seneca[2]
  • „Ich trotze allen Vorbedeutungen: Es waltet eine besondere Vorsehung über den Fall eines Sperlings. Geschieht es jetzt, so geschieht es nicht in Zukunft; geschieht es in der Zukunft, so geschieht es jetzt; geschieht es jetzt nicht, so geschieht es doch einmal in Zukunft. Bereit sein ist alles.“ — Shakespeare[3]
  • „Der Ziellose erleidet sein Schicksal – der Zielbewußte gestaltet es“ — Immanuel Kant[4]
  • „Es glaubt der Mensch, sein Leben zu leiten, sich selbst zu führen, und sein Innerstes wird unwiderstehlich nach seinem Schicksale gezogen.“ — Goethe[5]
  • „Du hältst es nicht mehr aus, dein herrisches Schicksal? Liebe es, es bleibt dir keine Wahl!“ — Friedrich Nietzsche[7]

Siehe auch

Verweise

Fußnoten

  1. Vgl.: Schicksal, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (Bd. 14, Sp. 2659 bis 2661)
  2. Lucius Annaus Seneca. Des Philosophen Werke, Bände 1-4, Seite 441 (Verlag der J.B. Metzler'schen Buchhandlung 1828)
  3. Hamlet V, 2.
  4. Sekundärquelle: Ziele erreichen - Zukunft gestalten, ISBN 9783636031358, Seite 22 (Verlag MI Wirtschaftsbuch)
  5. Egmont V, Gefängnis
  6. Aphorismen zur Lebensweisheit V, 48
  7. Nietzsche: Nachgelassene Fragmente. Sommer 1888