Scholl, Sophia Magdalena
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Sophia Magdalena Scholl (* 9. Mai 1921 in Forchtenberg; † 22. Februar 1943 in München-Stadelheim), genannt Sophie Scholl, beteiligte sich aktiv in der studentischen Widerstandsgruppe „Weiße Rose”.
[Bearbeiten] Leben
Sophie Scholl wuchs zusammen mit ihren Geschwistern Inge (1917–1998), Hans (1918–1943), Elisabeth (* 1920) und Werner (1922–1944) auf. Sie und ihre Geschwister wurden durch ihre Mutter Magdalena (1881–1958) und ihren Vater Robert Scholl, einen Liberalen, der von 1945 bis 1948 Oberbürgermeister von Ulm war, zu christlich-humanistischen Werten erzogen.
Sophie Scholl trat dem Bund Deutscher Mädel (BDM) bei. Im Herbst 1937 wurde sie zusammen mit ihren Geschwistern für einige Stunden verhaftet, weil ihr Bruder Hans wegen Fortsetzung der bündischen Jugend verfolgt wurde. 1940 begann sie eine Ausbildung zur Kindergärtnerin. Sie wurde für je ein halbes Jahr zum Reichsarbeitsdienst und zum Kriegshilfedienst verpflichtet. Die zunehmende Kritik Sophie Scholls am Nationalsozialismus und der Fortführung des Krieges setzte im Jahre 1941 ein. Im Juni 1942 begann Scholl, in München Biologie und Philosophie zu studieren.
Durch ihren Bruder, der an der Münchner Universität Medizin studierte, lernte sie Studenten kennen, die sie in ihrer Ablehnung einer Fortführung des Krieges und auch in ihrer Kritik am Nationalsozialismus selbst bestärkten. Entschlossen zu öffentlicher Kritik, beteiligte sie sich an der Herstellung und Verbreitung von Flugblättern der studentischen Widerstandsgruppe Weiße Rose. Im Januar 1943 war Scholl erstmals an der Herstellung eines Flugblattes beteiligt. Die unter anderem auch in Köln, Stuttgart, Berlin und Wien verteilten Flugschriften verursachten Aufsehen und führten zu einer intensivierten Fahndung nach den Urhebern. Im Februar vermutete die Gestapo die Autoren der Flugblätter in Münchner Studentenkreisen.
Mitte Februar wurde das sechste Flugblatt fertiggestellt und mit dem Aufruf versandt, das nationalsozialistische System zu stürzen und ein „neues geistiges Europa” zu errichten. Es wurde vom feindlichen Ausland mißbraucht, im Herbst 1943 in England nachgedruckt, von britischen Flugzeugen über Deutschland abgeworfen und außerdem durch den Sender BBC als Kriegspropaganda verbreitet.
Am 18. Februar 1943 wurde Sophie Scholl bei einer Flugblattaktion, bei der sie zusammen mit ihrem Bruder Hans in der Münchner Universität circa 1.700 Flugblätter verteilte, vom Hausmeister entdeckt und von der Gestapo festgenommen. In der Münchener Gestapo-Zentrale im Wittelsbacher Palais wurde Sophie Scholl vom 18. bis 20. Februar verhört.
Dort sagte sie zu ihren Taten: „Es war unsere Überzeugung, daß der Krieg für Deutschland verloren ist, und daß jedes Menschenleben, das für diesen verlorenen Krieg geopfert wird, umsonst ist. Besonders die Opfer, die Stalingrad forderte, bewogen uns, etwas gegen dieses unserer Ansicht nach sinnlose Blutvergießen zu unternehmen”.
Vier Tage später, am 22. Februar, wurde sie in München vom Volksgerichtshof unter Vorsitz des aus Berlin angereisten Richters Roland Freisler zum Tode verurteilt.
Auszug aus dem Urteil: „Wer so (...) hochverräterisch die innere Front und damit im Kriege unsere Wehrkraft zersetzt und dadurch den Feind des Reiches begünstigt (...), erhebt den Dolch, um ihn in den Rücken der Front zu stoßen (...) Wer so handelt, versucht gerade jetzt, wo es gilt, ganz fest zusammenzustehen, einen ersten Riß in die geschlossene Einheit unserer Kampffront zu bringen. (...) Wenn solches Handeln anders als mit dem Tode bestraft würde, wäre der Anfang einer Entwicklungskette gebildet, deren Ende einst 1918 war.”
Gegen 17 Uhr wurde Sophie Scholl im Strafgefängnis München-Stadelheim gemeinsam mit ihrem Bruder Hans Scholl und dem am 20. Februar festgenommenen Christoph Probst durch das Fallbeil enthauptet.
Ihre Briefe und Tagebuch-Aufzeichnungen spiegeln das Bild einer jungen Frau von hoher Empfindsamkeit für die Schönheiten der Natur und von tiefem christlichem Glauben wider. Das folgende Zitat von Jacques Maritain kommt in ihren Briefen mehrmals vor: Il faut avoir l'esprit dur et le cœur tendre („Man muß einen harten Geist und ein weiches Herz haben“).
Anläßlich des 60. Todestages von Sophie Scholl wurde der Briefwechsel zwischen ihr und ihrem Verlobten Fritz Hartnagel veröffentlicht, den sie 1937 kennengelernt hatte. Während dessen Offiziersausbildung blieben beide in brieflicher Verbindung. Kurz vor Ausbruch des Krieges verbrachten sie in Norddeutschland einen gemeinsamen Urlaub und lebten später, als Hartnagel Ausbildungsoffizier in Weimar war, einige Wochen zusammen. Von der Hinrichtung Sophies erfuhr Hartnagel im Lazarett in Lemberg, nachdem er in Stalingrad verwundet und noch rechtzeitig ausgeflogen worden war.
60 Jahre nach ihrem Tod, am 22. Februar 2003 wurde Sophie Scholl mit einer Büste in der Walhalla „geehrt”. Der bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber bezeichnete sie in einem Festakt als „weltweites Symbol für den Aufstand des Gewissens”. Ohne Scholls Idealismus in Frage stellen zu wollen, kann dies jedoch in Anbetracht der dort zuvor geehrten deutschen Geistesgrößen nur als gezielte Entehrung des Denkmals gewertet werden.
[Bearbeiten] Filme
- BRD-Spielfilm 2006: Sophie Scholl – Die letzten Tage
