An Deutschlands edle Frauen

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An Deutschlands edle Frauen ist ein patriotisches Gedicht der deutschen Dichterin Arnoldine Wolf (1769–1820) vom 4. Januar 1815 zu Ehren der deutschen Frauen, die während der Befreiungskriege (Sechster Koalitionskrieg) große Opfer für die Deutsche Erhebung um Freiheit und Selbstbestimmung des Vaterlandes gebracht haben.

Die Kranzwinderin auf einem Gemälde von Georg Friedrich Kersting (1785–1847) aus dem Jahr 1815

Text

Johanna Stegen (1793–1842), Heldenmädchen von Lüneburg, versorgte in den Befreiungskriegen deutsche Truppen mit Munition aus französischen Beständen.
Der Tod der Heldenjungfrau Eleonore Prochaska
Auf zum Bunde, edle deutsche Frauen!
Auf zum Bunde für die Ewigkeit!
Frommer Sinn und hohes Gottvertrauen
Führt’ uns durch die bange Schreckenszeit;
Was uns werther war, als selbst das Leben,
Haben wir zum heil’gen Kampf gegeben.
Manches Auge senkt den Blick hinab
Auf des Theuern fernes Heldengrab.


Schmuck und Gold und seltne Kostbarkeiten
Brachten wir dem Vaterlande dar;
Kranken Kriegern Lind’rung zu bereiten,
Scheuten wir nicht Mühe, noch Gefahr;
Unsre Herzen, die für Recht erglühten,
Unsre Thaten, die im Stillen blühten,
Sind gewiß dem deutschen Manne werth,
Der für Freyheit focht und Vaterheerd.


Große Opfer sind nicht mehr zu bringen,
Heil’ger Friede wallt auf deutscher Flur,
Aber Kronen sind noch zu erringen,
Folgen wir dem Wink des Herzens nur:
Heilig sey uns alte deutsche Sitte,
Häuslichkeit belebe unsre Mitte,
Und des Fremdlings Uebermuth und Pracht
Sey verbannt, wie fremde Kleidertracht!


Unsre Kinder sicher zu geleiten
Auf des Lebens trügerischem Pfad,
Daß sie nie vom rechten Wege gleiten,
Schütze sie der Mutter weiser Rath;
Männer laßt der Nachwelt uns erziehen,
Die für Vaterland und Recht erglühen,
Edle Töchter sonder Ziereren,
Ihrem Stande und Berufe treu.


Und vor Allem laßt uns still erkunden,
Wo des Krieges Geißel Wunden schlug:
Mancher Tapfre hat sein Grab gefunden,
Der der Menschheit Wohl im Herzen trug;
Manche Wittwe weint um ihren Gatten,
Mancher Jüngling ging zum Reich der Schatten,
Blutend an der Freyheit Hochaltar,
Der der Aeltern Trost und Freude war.


Manche Hütte ward ein Raub der Flammen,
Manche Flur zertrat des Kriegers Fuß;
Heil’ge Mauern stürzten selbst zusammen,
Durch der Feuerschlünde Donnergruß;
Ganze Schaaren armer Kinder irren
Wild umher, und grasse Eulen schwirren
Auf der Stätte ihren Grabgesang,[1]
Wo der Freude Hymne einst erklang.


Laßt uns handeln, laßt uns Elend mildern,
Je nachdem uns Gott das Pfund verliehn,
Aehnlich dann der Vorzeit hehren Bildern,
Die in Klarheit uns vorüber ziehn;
Möchte einst aus der Verwüstung Trümmern
Eine Glorie hinüber schimmern,
Daß die Nachwelt unsern Werth erkennt,
Und noch dankbar unsre Namen nennt.

Siehe auch

Quelle

  • Gedichte von Arnoldine Wolf geb. Weissel mit dem Leben und einer merkwürdigen Krankheitsgeschichte derselben, Schmalkalden 1817, S. 153–155

Literatur

  • Dietrich Anton Karl Rose Gutmann: Die edelsten vaterländischen Frauen der vergangenen Zeit, für Deutschlands edle Frauen und Töchter, von dem Verfasser des Spiegels,[2] Verlag Wilhelm von Heinrichshofen, Magdeburg 1831
  • Fanny Arndt: Die deutschen Frauen in den Befreiungskriegen, 1867

Fußnoten

  1. Volkstümlich wird das traurige Geschrei (Leichengeschrei) der Nachteule als Grabgesang oder Grablied verstanden, als Vorbote des Todes ähnlich des Leichenhuhns (Leichhuhns) oder des Nachtraben.
  2. Gymnasialdirektor Dr. phil. Gutmann (Lebensrune.png 10. März 1774 zu Soest in der Grafschaft Mark) schrieb Der Spiegel – Ein Taschenbuch für Deutschlands edle Töchter, zur Beförderung des häuslichen und ehelichen Glücks. Dritter Theil. Beim Der Spiegel bzw. Neuer Spiegel und schließlich Der neueste Spiegel handelt es sich um ein seltenes Periodikum von dem nur drei Bände im Magdeburger Verlag Heinrichshofen erschienen sind (1827, 1829 und 1832).