Claß, Heinrich

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Heinrich Claß (Porträt).jpg
Heinrich Claß (1868–1953)

Heinrich Claß (Lebensrune.png 29. Februar 1868 in Alzey, Todesrune.png 16. April 1953 in Jena) war Vorsitzender des Alldeutschen Verbands und danach Mitglied des Deutschvölkischen Schutz- und Trutzbundes.

Wirken

Heinrich Claß, der auch unter dem Pseudonym „Einhart“ und „Daniel Frymann“ Bücher verfaßte, studierte Rechts- und Staatswissenschaften in Berlin, Freiburg und Gießen. Anschließend ließ er sich in Mainz als Rechtsanwalt nieder. 1897 trat er dem Alldeutschen Verband bei. Enttäuscht zeigte er sich über die Entlassung Bismarcks und die Politik unter dessen Nachfolger Leo von Caprivi. Claß organisierte eine nationale Opposition, die über öffentliche Meinungsbildung Druck auf die Regierung ausüben sollte. Seine Einstellung wurde stark geprägt durch die Schriften Heinrich von Treitschkes.

In seinem Buch über die deutsche Geschichte weist Claß darauf hin, daß die „Anwendung der englischen Sprache an dieser Stelle“ – gemeint war die Formulierung „Copyright ... Printed in Germany“ (die sich selbst in „Mein Kampf“ findet) – einem VS-amerikanischen Gesetz geschuldet ist. Dies fand er offensichtlich erklärungsbedürftig, heute wird dies überhaupt nicht mehr so gesehen, aber selbst zu seiner Zeit scheint er mit diesem Hinweis eine große Ausnahme gewesen zu sein.[1]

Für Claß hörte ein Jude nicht auf ein Jude zu sein, wenn er sich taufen ließ. Seiner Auffassung nach sollte die Judenemanzipation wieder rückgängig gemacht werden. Er äußerte, daß es gut wäre, wenn es nicht nur eine internationale, sondern auch eine nationale Arbeiterpartei geben würde, um der ersteren, der SPD, Einhalt gebieten zu können, womit er die NSDAP vorwegnahm. Die in der Verfassung des Bismarck-Reiches verankerte Freizügigkeit hat, wenn man Claß folgt, mehr Menschenleben gekostet als ein Krieg. Nach ihm war ganz Deutschland durch Martin Luther evangelisch geworden. Erst durch die Gegenreformation sei dies wieder gewaltsam geändert und damit die religiöse Einheit des deutschen Volkes zerstört worden.

Hans von Liebig sagte von ihm, daß niemand die Politik von Kaiser Wilhelm II. stärker kritisiert hätte als Claß in seiner Schrift „Die Bilanz des neuen Kurses“ (1903). Claß war grundsätzlich dagegen, daß Deutschland sich mit nicht-weißen Völkern gegen andere weiße Völker verbündete, auch wenn er sich dadurch den Ruf einhandelte, kein Realpolitiker zu sein.

Er verfaßte unter dem Pseudonym Daniel Frymann das Buch „Wenn ich der Kaiser wär - politische Wahrheiten und Notwendigkeiten“, das erstmals 1912 erschien. Die visionäre Schrift ist eine schonungslose Abrechnung mit den innen- und außenpolitischen Fehlern der damaligen Zeit, die Deutschland letztlich, wie vorausgesehen, in die Katastrophe führten, die bis heute (2014) anhält. 1917 rief er gemeinsam mit Alfred von Tirpitz und Wolfgang Kapp die Vaterlandspartei ins Leben. Obgleich er seit 1908 meist in Berlin wirkte, verlegte er seinen Wohnsitz erst 1919, als die Franzosen Mainz besetzten, nach Berlin.

Claß unterstützte den konservativen Kapp-Aufstand, den Hitler-Putsch und das Volksbegehren gegen den Young-Plan. Er war am Zustandekommen der Harzburger Front und am Sturz der Regierung Heinrich Brünings beteiligt. Mit Adolf Hitler stand Claß in engem Kontakt. Ab 1933 war er Reichstagsabgeordneter. Nach dem Zusammenbruch Deutschlands 1945 hielt er sich in München auf, wurde dann jedoch von seiner Tochter in die SBZ nach Jena geholt, wo er wenige Jahre darauf verstarb.

Schriften

Verweise

Fußnoten

  1. Auch Willibald Hentschel fand dies erklärungsbedürftig und äußerte in seinem Werk Varuna daß geistiges Eigentum in den VSA „vogelfrei“ sei, wenn dieser Hinweis fehlt.
  2. Diese Ausgabe des Buches enthält das Kapitel Erhebung und Fall in dem Claß den Ersten Weltkrieg und dessen unglücklichen Ausgang für Deutschland behandelt.