Foetor Judaicus

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Riechen ist hauptsächlich ein genetischer, instinktiver Prozeß. Die wahrgenommenen Riech- oder Duftstoffe dienen Lebewesen zur Identifizierung von Nahrung, von Verdorbenem (z. B. Buttersäure als Anzeichen von Fäulnis, Aasgeruch, Schwefelwasserstoff aus Fäkalien), von Artgenossen („Stallgeruch“) und von Feinden, spielen aber auch beim Sozialverhalten eine große Rolle (zum Beispiel Knoblauch).

Foetor Judaicus (lat. foetor Iudaicus) – auch: odor Judaicus oder Hebräerduft – ist ein Terminus und Schlagwort der Antike für den vermeintlich unangenehmen Geruch der Juden. Der römische Poet Marcus Valerius Martialis, kurz Martial, gilt als der erste, der diese duftende Eigenschaft schriftlich festhielt.[1] Dieser Begriff wurde auch im Mittelalter als Schädlichkeitsmetapher („foetor judaicus“, Verbreitung der Cholera, Ratten usw.) verwendet.

Anwendungsbeispiele

Der protestantische Theologe Johann Jacob Schudt (1664–1722) behandelt dieses Thema in seinen vielen Schriften über das Judentum in Frankfurt am Main. Schudt sieht die Sauberkeit[2] der Juden als unzureichend an. Die Ernährung der Juden sei von Knoblauch geprägt. Die Schürzen der jüdischen Fleischer und ihrer Frauen seien von Blut und Kot bestimmt. Die obsolete Hygiene impliziere eine obsolete Religion der Juden.[3] Schudt verbindet Sauberkeit mit Geruch als die „Verlängerung des Körpers in den Raum“.[4] Den Juden wurde von alters her ein eigener Gestank zugeschrieben, ein „foetor judaicus“. Auch Schudt behauptet, daß aschkenasische Juden einen sehr unangenehmen Geruch an sich hätten[5] und schreibt dies dem Verzehr von Knoblauch zu. Schudt meinte, dies sei ein Problem der Etikette, weil Knoblauch nur von den Unterschichten verzehrt werde. Er bezeichnete den Knoblauchgeruch der Juden als einen gesellschaftlichen Fehltritt, als peinlich und unpassend. Ausweg sei eine christliche Lebensweise, also das Zusammenleben mit Christen in einem gemeinsamen Haus.[6] Schudts Argumentation ist nicht theologisch, sondern sozial begründet. Als Beispiel nannte Schudt jüdische Fleischverkäufer, die so „ekelerregend schmutzig“ seien, daß er keinen Appetit mehr auf Fleisch von einem jüdischen Metzger habe.[7] Die Schürzen der jüdischen Schächter und ihrer Frauen verglich er mit „Abdeckern, die Aas abdeckten“.[8] Laut Schudt würden die Juden nach einer Interpretation von Deuteronomium 21,14 Aas und verendete Tiere an Christen veräußern.[9] Juden würden aufgrund ihres Geruches die göttliche Ordnung stören.[10] Sie würden nach Schudt nicht nur in einem „bedauernswerten Zustand von Schmutz und Dreck“ leben, sondern auch in einer „seit langem obsoleten Religion“.

Es ist nicht unwahrscheinlich, dass die Sage von dem foetor judaicus, wegen dessen die Juden von allen Nationen alter und neuer Zeit verhöhnt und zurückgestossen wurden, von dem unter ihnen allgemein verbreiteten Genusse dieses streng riechenden Gewürzes zu allererst herrührte.[11]

Gelegentlich wird der ursprünglich lateinische Ausdruck foetor Judaicus („foetor Iudaicus“) auch metaphorisch verwendet, um das Wirken und den putativen starken negativen Einfluss der jüdischen Weltanschauung auf die nichtjüdischen, insbesondere europäischen Völker zu kennzeichnen. So schrieb Arthur Schopenhauer:

Man sieht, daß alle Zeiten und alle Länder sehr wohl die Quelle der Moralität erkannt haben, nur Europa nicht; woran allein der foetor Iudaicus schuld ist, der hier alles und alles durchzieht[12]

Auf Seite 135 seines Manuskriptbuchs „Senilia. Gedanken im Alter“ schreibt Schopenhauer dagegen abmildernd oder ironisch:

„Der liebe Gott, in seiner Weisheit voraussehend, daß sein auserwähltes Volk in alle Winde zerstreut werden würde, gab deßen Mitgliedern einen specifischen Geruch, daran er sie überall erkennen und herausfinden könne: den foetor Judaicus.“

Prominenter Verwender des Begriffes war Rabbinersprößling Karl Marx, der seine Artgenossen mit den durch Fäulnis und Gärung hervorgerufenen Gerüchen in Verbindung gebracht hat und diese als „stinkig, Ekel erregend, widerlich“ empfand.[13]

Foetor Europae

Geruchwahrnehmung spielte in der Geschichte der Menschheit eine große Rolle, zahlreiche Abhandlungen gab und gibt es zu diesem Thema. Auch der Germane oder Europäer war nicht von Geruchsdiskriminierung ausgenommen. Insbesondere Asiaten fanden den Geruch von Europäern unerträglich. Die Japaner empfanden dessen Geruch als „stechend und ranzig“, gemeint war der Achselschweiß. Weiße (Europäer und Amerikaner) haben seitdem den Spitznamen „Butterstinker“. Koreaner wurden schon von der Kriegerkaste der japanischen Samurai nur Knoblauchfresser genannt. In manchen indonesischen Dörfern müssen sich Besucher mit einer Durianfrucht einreiben lassen, „weil alle Fremden stinken.“[14]

Rassistische Komponente

Es wird in der heutigen Geschichtsschreibung immer wieder versucht, die instinktive und allzu menschliche Abneigung gegen den Geruch von Menschen aus verschiedenen Kulturräumen mit vielfältigen Eßgewohnheiten als „proto-rassistisch“ zu manifestieren, wobei es auffällig ist, daß z. B. das frühere Wahrnehmen des Muskatgeruches der Chinesen nicht unter dieser Rubrik fällt, ein bloßes Erwähnen von unangenehmen Gerüchen bei knoblauchverzehrenden Juden gleich als „Rassismus und Antisemitismus“ verdammt und in der Nachkriegs-BRD ggf. gerichtlich verfolgt wird. Weder Mark Aurel (der den foetor Judaicus seiner hebräischen Legionäre aus militärtaktischen Gründen kritisierte) noch Carl Wilhelm Friedrich Grattenauer (der 1803 in einem Buch eine biologisch-chemische Ursache des Geruchs feststellen wollte) waren als besondere Judengegner bekannte. Ebensowenig sind z. B. die indonesischen Dorfbewohner wegen ihrer sensiblen Nase als deutschfeindlich zu bezeichnen.

In der heutigen Zeit ist es nicht selten, daß das öffentliche Kundtun einer „völligen Knoblauchablehnung“ oder eines Angewidertseins beim „Gestank einer Döner-Bude“ dazu führen kann, daß der Verkünder als „moslem- und/oder judenfeindlich“ kategorisiert wird, wobei das anschließende Zücken der Faschismus- oder Antisemitismuskeule nicht ausgeschlossen ist.

Siehe auch

Literatur

  • Maria Diemling:Daß man unter so viel tausend Menschen so fort einen Juden erkennen kann: Johann Jacob Schudt und der jüdische Körper, In: Fritz Backhaus / Gisela Engel / Robert Liberles / Margarete Schlüter: Die Frankfurter Judengasse: Jüdisches Leben in der Frühen Neuzeit, Societätsverlag, Frankfurt (2006), ISBN 3797309279
  • Hans F. K. Günther: Rassenkunde des jüdischen Volkes, München (1930)
  • Carl Wilhelm Friedrich Grattenauer: Erklaerung an das Publikum ueber meine Schrift: Wider die Juden …, Berlin (1803)
  • Joachim Bartholomae / Christopher Keppel: „Schlaffe Ghaselen“ und „Knoblauchsgeruch“: Platen, Immermann und Heine streiten über freche Juden, warme Brüder und wahre Poesie, Männerschwarm (2012), ISBN 978-3863001223

Fußnoten

  1. Mart. Epi. 4,4
  2. Diemling, S. 83
  3. Diemling, S. 83
  4. Diemling, S. 84
  5. Diemling, S. 84
  6. Diemling, S. 85
  7. Diemling, S. 87
  8. Diemling, S. 88
  9. Diemling, S. 88
  10. Diemling, S. 88
  11. Vgl. Victor Hehn: Kulturpflanzen und Haustiere in ihrem Übergang aus Asien nach Griechenland und Italien sowie in das übrige Europa, S. 194, 1883, Nachdruck 2012, ISBN 978-3845724782
  12. Arthur Schopenhauer: Über die Grundlage der Moral, S. 786 oben. In: Kleinere Schriften. Band III (Suhrkamp 1986 ISBN 3-518-09737-7)
  13. Günther Ohloff: Düfte: Signale der Gefühlswelt: Signale Der Gefuhlswelt (Deutsche Einheitsverfahren), S. 100, Helvetica Chimica Acta 2004, ISBN 9783906390307
  14. Vgl. Günther Ohloff: Düfte: Signale der Gefühlswelt: Signale Der Gefuhlswelt (Deutsche Einheitsverfahren), S. 100 f.