Heiliger Gral

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Der Mythos vom heiligen Gral ist eine der wichtigsten und identitätsstiftenden Legenden des Abendlandes. Die Herkunft des Begriffes ist nicht restlos geklärt. Gängige Interpretationen sind unter anderen: okzitanisch „grazal“, altfranzösisch graal „Gefäß, Schüssel“.

Herkunft der Legende

Die Legende ist ursprünglich keltischen Ursprungs, wurde später auf das Christentum projiziert. Sie besagt im Kern, daß die Suche nach dem heiligen Gral die natürliche Ordnung und Harmonie einer in Unordnung geratenen Welt wiederherstellen wird. Der Besitz soll höchstes irdisches Glück und ewige Jugend verheißen. Er soll also ein Gefäß sein, das ewiges Leben verspricht. Diese Gefäß wird interpretiert als die Schale, aus der Christus sein letztes Abendmahl eingenommen hat, ein Gefäß mit dem aufgefangenen Blut des sterbenden Christus oder auch ein Gefäß, das aus einem kompletten Smaragden geschliffen wurde. Aufbewahrt wird der Gral in der Gralsburg.

In enge Verbindung mit dem Heiligen Gral wird immer wieder die Sage um den legendären König Artus und die Ritter der Tafelrunde gebracht. Jene Ritter zogen aus, um den Heiligen Gral zu finden. Lancelot fand ihn zwar, durfte ihn aber nicht sehen wegen seines Ehebruchs mit Guinevere. Seinem Sohn, dem untadeligen Galahad, wurde der Anblick des Heiligen Grals in all seiner Pracht gewährt. Kurz nachdem er den höchsten Triumph eines Ritters erreicht hatte, starb Galahad. Der Gral blieb seither verschwunden. Die Geschichte um das verlorene Paradies und die folgende Gralssuche als der Versuch, das Paradies wiederzuerlangen, stehen häufig im Mittelpunkt der Artuslegenden.

Wolfram von Eschenbachs Gralsdichtung

Die ersten Gralsdichtungen wurden im 12. und 13. Jahrhundert verfaßt. Die Autoren der Dichtungen waren häufig Zisterzienser- und Benediktinermönche, viele der Erzählungen haben einen deutlichen Bezug zu den legendären Tempelrittern. Wolfram von Eschenbach schrieb das deutsche Versepos „Parzifal“, dessen Quelle ein fragmentarisches Werk von Chrétien de Troyes war, weshalb Wolfram, um die Lücken in seiner Gralüberlieferung auszufüllen, als seinen zweiten Gewährsmann einen gewissen Kyot erfand, von dem die französische Überlieferung nichts weiß. Dieser vorgebliche Provençale Kyot beruft sich bei Wolfram auf die Schrift eines Mauren Flegetanis, die er in Toledo gefunden haben will, und auf eine lateinische Chronik von Anjou.[1]

Bei Wolfram ist der Gral ein Gesundheit und ewige Jugend verleihender Stein oder steinernes Gefäß namens „lapsit exillis“, den Engel vor alter Zeit zur Erde gebracht und anfänglich selbst bewahrt haben und das später unter die Obhut der Gralsritter kommt, die Eschenbach als „Templeisen“ bezeichnet, eine christliche und höfische, dem Templerorden ähnliche Ritterschaft, die unter einem König stehen und den Gral in einer tempelartigen Burg auf dem Berg Mont-Salvage bewachten und verehrten. Was genau der Gral allerdings genau ist, wird offen gelassen, der Ausdruck „lapsit exillis“ mutet lateinisch an, ergibt jedoch keinen Sinn. Möglicherweise ist mit „lapsit“ das lateinische Wort „lapis“ (dt. Stein) gemeint. Generell löst Wolfram den Leser in vielerlei Hinsicht im Ungewissen, so widerspricht er sich (wohl beabsichtigt) auch an manchen Stellen.

In Wolfram von Eschenbachs Parzival heißt es im 5. Buch „Die Gralburg“, Kapitel 235:

Auszug aus der von Wilhelm Hertz nachbearbeiteten Version
nâch den kom diu künegîn.
ir antlütze gap den schîn,
si wânden alle ez wolde tagen.
man sach die maget an ir tragen
pfellel von Arâbî.
ûf einem grüenen achmardî
truoc si den wunsch von pardîs,
bêde wurzeln unde rîs.
daz was ein dinc, daz hiez der Grâl,
erden wunsches überwal.
Repanse de schoy si hiez,
die sich der grâl tragen liez.
der grâl was von sölher art:
wol muose ir kusche sîn bewart,
diu sîn ze rehte solde pflegen:
diu muose valsches sich bewegen.

Karl Lachmann übersetzt diese Stelle folgendermaßen:

Auf einem grünen Achmardiseidenkissen / trug sie den Wunschtraum des Paradieses, / beides in einem: Wurzeln und Keimtrieb; / das war ein Ding, das hieß der Gral: / der Erden-Wunscherfüllung Überfluß

Interpretation

Die Interpretation des Grals als sinnbildliches Gefäß für das Weitertragen des Lebens führt letztlich zum Sinn allen Seins. Der Gral ist somit eine Metapher für die Abkunft des Blutes, das sich manifestiert in völliger Erkenntnis der Welt und letztlich in absoluter Liebe. Er ist ein Symbol innerer Reinheit und dem Streben danach. Er ist zugleich Sinnbild für die Begriffe Heimat, Geborgenheit und Frieden. So heißt es im Donauschwabenlied:

Wir tragen dich im Herzen mit uns,
verschollener, heiliger Gral!
Wohin wir auch vertrieben
in viele Länder zerstreut...

Der Heilige Gral und seine Erben

Die spätere enge Verknüpfung des Stoffes mit Jesus wurde, wie so vieles, in der folgenden Zeit von jüdischer Seite für jüdische Zwecke eingesetzt. Mittels Umdeutung des Jesus-Mythos wird bis heute versucht, dem Gralsmythos einen angeblich jüdischen Ursprung beizufügen. Dies ist jedoch geschichtlich unbelegt. Während der Zeit des Nationalsozialismus wurde die Geschichte vom heiligen Gral als gemeinsames sinnstiftendes Element des Abendlandes neu belebt.

Als populärer Stoff erlangte der Grals-Mythos erst in jüngerer Zeit wieder breites Interesse: Das Sachbuch Der Heilige Gral und seine Erben (im englischen Original: The Holy Blood and the Holy Grail) ist ein 1982 erschienener europäischer Bestseller von Henry Lincoln, Michael Baigent und Richard Leigh, der den Geheimorden Prieuré de Sion von Pierre Plantard (1920–2000) zum Thema hat. Dieser wenig seriös wirkende Mann hat sich in „Geheimpapieren“, die er in der Pariser Nationalbibliothek als „Dokumente“ einbrachte, als „wahrer König Frankreichs“ und als letzter Erbe des besagten Ordens bezeichnet. Wegen der hohen inneren Kohärenz dieser Papiere ist im Laufe der Jahre eine breite Literatur entstanden, die eine alternative Deutung der europäischen Glaubensgeschichte hervorgebracht hat. Kernaussage ist die Übersetzung des französischen San Greal als bewußt verschlüsselter Ausdruck Sang real, also als „königliches Blut“, ein angeblicher Hinweis auf die Verwandtschaft einer französischen Königslinie mit Jesus Christus.

Demnach wäre Maria Magdalena Ehefrau Jesu Christi gewesen. Die drei Autoren beziehen sich auf das apokryphe Philippus-Evangelium, dessen Spruch 55 die typisch orientalische Fragehaltung überliefert mit den Worten:

„Und die Gefährtin von Christus ist Maria Magdalena. Der Herr liebte sie mehr als alle anderen Jünger, und er küßte sie oftmals auf ihren Mund. Die übrigen Jünger […] sagten zu ihm: »Weshalb liebst du sie mehr als uns alle?«“

Ferner wurde spekuliert, daß Magdalena nach Jesu Kreuzestod gemeinsam mit Josef von Arimathäa nach Gallien geflohen, dabei aber bereits von Jesus schwanger gewesen sei. So soll sie bei ihrer Flucht den Samen Christi nach Europa getragen haben. Das aus dieser Verbindung entstandene Kind sei somit der eigentliche Heilige Gral und in Wahrheit das größte Geheimnis der Christenheit. In diesem Kind und seinen Nachfahren lebe Jesus Christus und sein Blut bis heute fort. Es bestehe eine verwandtschaftliche Verbindung des merowingischen Königshauses mit dem Haus David bzw. Jesus. Dan Brown hat seinen weltweit erfolgreichsten Roman The Da Vinci Code (2003) in wesentlichen Grundzügen jener Sachbuch-Vorarbeit entnommen.

Siehe auch

Filme/Dokumentationen

  • Mythos Heiliger Gral – Auf Spurensuche in Südfrankreich (DVD)
  • Das Geheimnis des Grals – Teil 1–3 (DVD)

Literatur

Verweise

Fußnoten

  1. Vgl.: Brockhaus` Konversationslexikon, 8. Bd., S. 245, Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896