Heimwehr

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Eine Heimwehr (auch: die Heimatwehr und der Heimatschutz) ist im allgemeinen eine bewaffnete paramilitärische Einheit, die als Volkswehr oder Selbstschutzorganisation agiert, so wie die den Freikorps ähnelnden Heimwehren nach dem Ersten Weltkrieg oder SS-Heimwehr „Danzig“ zu Beginn des Polenfeldzuges sowie der Volkssturm zum Ende des Zweiten Weltkriegs.

Österreich (1. Republik)

In Österreich werden mit diesem Ausdruck – im engeren Sinne – die zumeist dem christlichsozialen und deutschnationalen Lager nahestehenden paramilitärischen Selbstschutzverbände der Zwischenkriegszeit des 20. Jahrhunderts bezeichnet. Die Heimwehr darf nicht mit der „Deutschösterreichischen Volkswehr“ (1918–1920), die Nachfolgerin der k. u. k. Armee und Übergangsheer Deutschösterreichs mit 50.000 Mann verwechselt werden.

Rot-Weiß-Rot bis in den Tod - Die Heimwehrbewegung in Österreich

Quelle
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Von der Regierung Dollfuß bezahlte österreichische Heimwehrleute beschmutzen eine Hakenkreuzfahne in der illegalen Kampfzeit[1]

Mit dem Zusammenbruch der Mittelmächte Deutschland und Österreich-Ungarn im Herbst 1918 zerbrach das habsburgische Vielvölkerreich in seine nationalen Bestandteile. Wie ihre nördlichen Landsleute, so fielen auch die Deutschen in Österreich auf die wohlklingenden US-Lügen vom "Selbstbestimmungsrecht der Völker" herein. Während die deutschen Gebiete im Sudetenland, in Südtirol, Ungarn und Slowenien von den Siegern besetzt wurden, entstand in Wien eine Republik, die vergebens den Anschluß ans Reich suchte. Dieser amputierte Rumpfstaat, abgeschnitten von seinen wichtigsten Agrar- und Industriegebieten, war nicht lebensfähig. Die politischen Entscheidungen fällten die beiden großen Parteien der Sozialisten und der Christlichsozialen.

Als Gegengewicht zu den sozialistischen und kommunistischen Milizen in den Städten entstanden ab November 1918 auf dem Land rechtsgerichtete Wehrverbände, Heimatschutz oder Heimwehr genannt. Sie sollten Übergriffe heimkehrender Soldaten oder entlassener Kriegsgefangener verhindern. Eine wichtige Triebkraft des Aufbaus war die Abneigung gegen das "rote Wien" und die als parasitär empfundene Zentralregierung, die zur Beruhigung der hungernden Massen der Hauptstadt Lebensmittel beschlagnahmen ließ. Da von Südosten her, aus dem Staat der Serben, Kroaten und Slowenen (SHS-Staat, später Jugoslawien genannt), infolge unklarer Volkstumsgrenzen Gefahr zu erwarten war, wurden die in Kärnten und der Steiermark stehenden Einheiten auf Befehl der Regierung bewaffnet und von kriegserfahrenen Offizieren organisiert. Zusammenstöße mit Linken waren fortan Dauerzustand.

Hier taten sich von Anfang an der Anwalt Walter Pfrimer und sein Stabschef Oberleutnant Hanns Albin Rauter (der spätere Höhere SS- und Polizeiführer in den Niederlanden) hervor. Die Standarten ihrer Verbände zeigten das Hakenkreuz und Schwarz-Weiß-Rot, der Kampf galt Marxismus, Judentum und Demokratie. Ziele waren die Schaffung eines autoritären Staates und der Anschluß an Deutschland. Pfrimers Männer durften keiner Partei angehören. Ähnlich sah es in Tirol unter Richard Steidle aus. Neben Bauern waren auch Studenten und Offiziere stark vertreten. Von Anfang an wurden die Heimwehren nur auf regionaler Basis aufgebaut und litten unter den Rivalitäten der lokalen Führer. Eine einheitliche politische Ausrichtung fehlte ebenfalls, wenn man einmal vom Grundnenner absieht.

Die erste Bewährungsprobe kam, als am 5.12.1918 die Kärntner Landesversammlung den bewaffneten Widerstand gegen die eindringenden SHS-Truppen beschloß. Ziel der Invasoren war es, die slowenisch besiedelten Gebiete Österreichs an sich zu bringen. Anfang Januar mußten sie jedoch nach empfindlichen Niederlagen in einen Waffenstillstand einwilligen. Der SHS-Staat nutzte die Ruhepause, um die Selbstbestimmungsforderungen der Volksdeutschen in Krain, Kroatien und Slawonien (fast 180.000) zu unterdrücken.

Es folgte eine Radikalisierung der Heimwehren insgesamt, die auf den sozialistischen Wahlsieg vom 16.2.1919, den von allen Parteien mehr oder weniger offen vertretenen Antisemitismus und vor allem die Räterepubliken in Ungarn und Bayern zurückzuführen war. Zur gleichen Zeit, als im Norden die deutschen Freikorps zum Marsch auf das rote München antraten, brachen die SHS-Truppen am 29.4. den Waffenstillstand. Freiwillige aus Deutschland, Tirol und der Steiermark strömten herbei, um die Reihen der Heimwehr im Kärntner Abwehrkampf zu stärken. Nach Anfangserfolgen machte sich das zahlenmäßige Übergewicht der Invasoren bemerkbar, und die Heimwehr mußte sich über die Drau zurückziehen. Am 6.6. stand der Gegner in Klagenfurt, aber nun griffen die dem SHS-Staat nicht wohlgesonnenen Italiener ein und erzwangen die Einstellung der Operationen.

Am 2.9.1919 segnete der Staatsvertrag von Saint-Germain die Schaffung Österreichs ab. Südtirol und das Kanaltal fielen an Italien, die Südsteiermark mit Marburg und das Mießtal an den SHS-Staat sowie Feldsberg und Böhmzell an die Tschechen. Das bisher ungarische Burgenland wurde im Gegenzug österreichisch. Im Klagenfurter Becken sollte eine Volksabstimmung über die Staatszugehörigkeit entscheiden. Der Staatsname Deutsch-Österreich mußte in Österreich geändert werden, der Anschluß an Deutschland blieb verboten. Vergebens protestierte der Sozialist Karl Renner gegen die Abtretung des Sudetenlandes und den Schandvertrag. Der weitgehend entwaffnete Staat verpfändete gegen alliierte Lebensmittellieferungen das Bauholz, die Salzbergwerke, alles städtische Eigentum, den Staatsbesitz und die Goldreserven. Immerhin stimmte in Kärntens Zone A die Bevölkerung 1920 mehrheitlich für Österreich, so daß weitere Trennungsversuche unterblieben.

Mittlerweile lief in ganz Österreich die Bildung der Heimwehren auf Hochtouren. Angesichts der Rüstungsbeschränkungen drückte die Regierung beide Augen zu. Aufgrund ihrer disziplinierteren Struktur hatten die Heimwehren einen wesentlich größeren politischen Einfluß als die deutschen Freikorps. Vor allem in der Steiermark erhielten sie Unterstützung durch den Landeshauptmann Anton Rintelen. Am 1.11.1919 schlossen sich verschiedene Rechtsgruppen zur Großdeutschen Volkspartei zusammen. Das Programm sprach sich scharf gegen die Monarchie aus. Republik und Privateigentum wurden anerkannt, wobei Auswüchse des Kapitalismus bekämpft werden sollten. Neben eine Bodenreform trat die Lösung der Judenfrage nach rassischen Gesichtspunkten. Auch in der Christlichsozialen Partei waren Antisemitismus und Antikommunismus weit verbreitet. Beide Parteien hatten also Berührungspunkte zu den Heimwehren.

Ab Februar 1920 knüpften die Milizionäre Verbindungen zum rechten Untergrund in Deutschland. Die deutschen Einwohnerwehren (Organisation Escherich) gaben Waffen nach Österreich ab. Für die Kontakte war die Organisation Kanzler Orka geschaffen worden, in der Major Hörl als Verbindungsmann der Reichswehr saß. Man strebte eine gemeinsame Front gegen das rote Wien an, um den Anschluß zu fördern und monarchistische Tendenzen zu bekämpfen. Vor allem Salzburg, Vorarlberg und Tirol ließen sich eng mit den deutschen Kameraden ein. Gerade in Tirol konnten die Heimwehren auf den traditionellen, auch von den Alliierten nicht angetasteten Schützenkompanien aufbauen. Nach dem Kapp-Putsch in Deutschland setzten sich zahlreiche Teilnehmer nach Österreich ab und bewirkten eine deutliche Radikalisierung des großdeutschen Flügels. Hier tummelten sich bald u. a. Major Waldemar Pabst (verwickelt in der standrechtlichen Erschießung von Liebknecht und Luxemburg) und Oberst Max Bauer (die rechte Hand Ludendorffs). Bald darauf ersuchte der christlichsoziale Politiker Ignaz Seipel das ungarische Horthy-Regime um Unterstützung der Heimwehr.

Spätestens im Sommer 1920 spaltete sich die Bewegung in einen radikalen großdeutschen (Pfrimer, Rauter und der Kärntner Militärbefehlshaber Hülgerth) und einen gemäßigten christlichsozialen Flügel. Die rivalisierenden Gruppen schwankten zwischen verschiedenen Führern der rechten Szene in Deutschland hin und her, was die Lage noch unübersichtlicher machte. Gelder kamen aus München sowie vom österreichischen Großgrundbesitz. Eine Frucht der Zusammenarbeit war der Einsatz von Heimwehrkompanien aus Tirol und der Steiermark beim Volkstumskampf in Oberschlesien 1921. In Tirol konnte Steidle seine Verbände als eine Art Sondermiliz im Einvernehmen mit der christlichsozialen Regierung installieren.

Im Sommer 1921 verschärften sich die Spannungen zwischen den Flügeln. Die Gemäßigten lehnten alle Kontakte zur Orka oder zur Reichswehr ab. In der Steiermark hatte Pfrimer begonnen, die christlichsozialen Waffenlager auszuräumen, und auch Kärnten stand weitgehend unter völkischer Kontrolle. In klerikalen Kreisen stellte man sich mittlerweile gegen den Anschluß an Deutschland. Die Behäbigkeit vieler Gemäßigten stand im krassen Gegensatz

zum Aktivismus der Rechten. Vergebens bemühte sich Steidle im Sommer 1922 um eine gemeinsame Linie der Verbände, vor allem, weil mit Seipel ein Sympathisant der Bewegung Kanzler einer Koalition aus Klerikalen und Großdeutschen war. Immerhin konnte Steidle erreichen, daß die Industrie über das Büro Seipels Unterstützungsgelder zahlte. Der Kanzler wollte die rechten Milizen zu einer latenten Bürgerkriegsarmee vereinen, um so die Linke in Schach zu halten. Es entstand ein Koalitionsausschuß, den Steidle zur Errichtung eines autoritären Systems auf außerparlamentarischem Wege nutzen wollte. Die Völkischen lehnten jedoch jede Zusammenarbeit mit dem Erfüllungspolitiker Seipel ab, und Steidle scheiterte im November mit der Einrichtung eines Länderausschusses als Führungsgremium - nicht zuletzt am Widerstand Seipels, der die Heimwehr von der Macht fernhalten wollte.

Nach mehreren Zusammenstößen mit der Heimwehr bildeten die Sozialisten am 19.2.1923 den Republikanischen Schutzbund als Parteimiliz. Im April wurde Steidle von den meisten Heimwehreinheiten als Bundesführer anerkannt und setzte eine Distanzierung zu den gefährlichen Putschplänen in Bayern durch. Zu dieser Zeit vergrößerte das Einsickern nationalsozialistischer und faschistischer Gruppen in die Bewegung das Chaos weiter. Diese Elemente und die Völkischen betrachteten Steidle mittlerweile als Verräter.

Die mangelnde politische und finanzielle Unterstützung durch das System - trotz einer klerikal-großdeutschen Regierung - hatte Konsequenzen. Am 9.8.1926 schlug Steidle bei der Einweihung eines Kriegerdenkmals in Brixlegg erstmals radikale Töne an: Eine Welle der Unzufriedenheit gehe durch die Reihen der Rechten. Steidle griff den Parlamentarismus scharf an und erklärte die Demokratie zur Regierung der Mehrheit durch eine korrupte Minderheit. Noch im gleichen Monat statteten Pfrimer und Rauter in München Adolf Hitler einen Besuch ab und begründeten das gute Verhältnis der steirischen Heimwehr zur NSDAP. Am 27.10. forderte Steidle in Innsbruck auf einem Treffen von Heimwehr, Frontkämpferverband, Oberland und völkischen Gruppen als Mittel gegen den Sozialismus die nationale Revolution, eine deutliche Anleihe beim Vokabular der radikalen Rechten in Deutschland.

Als Reaktion auf ein linksgerichtetes Klassenkampfprogramm der Sozialisten gaben sich die Christlichsozialen im November 1926 ein neues Programm mit vagem ständestaatlichen Konzept, was die Hoffnungen der Heimwehr auf eine Änderung in ihrem Sinne verstärkte. Pfrimer verselbständigte sich weiter und schloß am 3.7.1927 ein Kooperationsabkommen mit Hitler.

Nachdem eine Gruppe von Frontkämpfern, die in Schattendorf in Notwehr das Feuer auf eine Horde von Linken eröffnete und fünf Menschen tötete, freigesprochen wurde, eskalierte die gespannte innenpolitische Lage. Am 15.7.1927 wurde im Rahmen einer Protestdemo in Wien der Justizpalast niedergebrannt. Als die Feuerwehr am Löschen gehindert wurde, gab Polizeipräsident Johannes Schober Schießbefehl. Die Linke antwortete mit einem Verkehrsstreik, der vor allem in Tirol und der Steiermark von den Heimwehren mit der Präzision eines Uhrwerks zerschlagen wurde. Insgesamt fanden 89 Menschen (darunter 4 Polizisten) den Tod. Es gab 660 Schwer- und 1000 Leichtverletzte. Als Folge der Ereignisse hatten die Heimwehren massiven Zulauf aus den verunsicherten Schichten des Kleinbürgertums und der Bauern.

Die Ereignisse erweckten die Aufmerksamkeit des nahen Auslandes. Mussolini und das autoritäre Ungarn kamen im April 1928 überein, mit Hilfe der Heimwehren eine Rechtsregierung zu installieren. Über Budapest versorgen die Italiener die Bewegung mit Waffen und Geldmitteln. Steidle teilte den neuen Verbündeten mit, die mittlerweile 150.000 Mann starke Heimwehr werde die bürgerliche Regierung zwingen, eine autoritäre Verfassung einzuführen.

Die Bewegung wollte in der Politik mitreden und sich nicht mehr als Kettenhund der Reaktion mißbrauchen lassen.

Aus der Masse der Mitglieder wurden die Aktivisten herausgefiltert und in Sturmformationen zusammengefaßt. Die Als Gegenleistung forderte Mussolini eine Verzichtserklärung der Heimwehr auf Südtirol. Auch mit dem Stahlhelm und Hugenbergs DNVP nahm Steidle Kontakt auf.

Am 15.7.1928 wurde Richard Steidle zum Bundesführer der Heimwehr gewählt. Als Stabschef stand ihm Waldemar Pabst zur Seite, als Stellvertreter Walter Pfrimer. Erneut setzte das Intrigenspiel mit Seipel ein. Der Christlichsoziale sicherte Hilfe gegen die Linke zu, wünschte aber keine Machtbeteiligung der Heimwehr. Polizeipräsident Schober schaltete sich ein und nahm eine deutlich radikalere Haltung ein. Er ermuntert Steidle zum aktiven Vorgehen gegen die Roten. Die Heimwehr bereitete sich auf einen Schlag gegen den Schutzbund vor, damit ein Direktorium aus der Bundesführung und Schober die Macht übernehmen kann.

Mit großen Aufmärschen (so am 7.10. in Wiener Neustadt oder am 12.11. in Innsbruck) versuchte man, die Linke zum Waffengang zu provozieren. Wieder einmal zeigte sich Pfrimer am radikalsten und verstärkte sich durch Plünderung der Grazer Polizeidepots. Im Februar 1929 verglich Steidle gar den Kampf gegen die "Judenregierung" mit der Türkenschlacht von 1683. Gegen die Bedrohung des bürgerlichen Staates erhob sich auch in den Reihen der Christlichsozialen und Großdeutschen Widerstand. Mehr als gelegentliche Straßenschlachten mit der Linken kamen aber nicht zustande, und in Rom wurde Mussolini allmählich ungeduldig.

Da Steidle nicht entschlossen genug war, konnte sich der Aufstieg eines neuen Hoffnungsträgers vollziehen. Am 31.7.1929 wurde Ernst Rüdiger Fürst Starhemberg wird zum Führer der oberösterreichischen Heimwehr gewählt, was eine schwere Niederlage für die Christlichsozialen darstellte. Starhemberg kämpfte 1921 am Annaberg, schloß sich Oberland an und diente nach dem Hitlerputsch als Zeitfreiwilliger in der Schwarzen Reichswehr. Unter dem energischen neuen Mann nahm der Verband einen raschen Aufschwung. In allen Kreisen wurden sogenannte Jägerbataillone als mobile Eliteformationen aufgestellt. Hier handelte es sich um regelrechte militärische Einheiten mit guter Ausrüstung, die weit mehr leisten konnten, als nur die Exekutive zu unterstützen. Starhemberg strebte an, aus dem spießbürgerlichen Haufen eine Elite von 40-50.000 Mann herauszuziehen, um mit diesem Machtinstrument politischen Ideologien Nachdruck zu verleihen.

Bedeutend war ein Zusammenstoß mit Linken am 19.8.1929 in Vösendorf bei Wien. Der hier getötete Heimwehrmann Franz Janisch war Nationalsozialist und gilt als der erste Blutzeuge der NS-Bewegung in Österreich.

Der zögerliche Steidle bekam weiterhin nichts zustande. Seipel nutzte im September den Heimwehrflügel der Christlichsozialen aus, um seinen innerparteilichen Konkurrenten Streeruwitz zu stürzen und eine neue Regierung unter dem parteilosen Schober zu installieren. Heeresminister Carl Vaugoin wurde Vizekanzler. Die Heimwehren vertrauten dem neuen Kanzler und erwarteten von ihm, den angestrebten Umbau Österreichs durchzuführen und sie an der Macht zu beteiligen. Steidle warnte jedoch von Anfang an vor dem "Beamtentypen" Schober, der die faschistischen Tendenzen der Heimwehr ablehnte. Noch im gleichen Monat reiste Pabst nach Italien und schloß in Rom ein Abkommen, um den Faschismus in Österreich zu installieren. Pfrimer nahm schon im Oktober eine drohende Position ein und erinnerte den Kanzler an den Volkswillen. Die Italiener wiederum mahnten Steidle, gegenüber Schober Geduld zu zeigen.

Zur gleichen Zeit driftete die Bewegung wieder auseinander. Pfrimer war über Angriffe des Ständestaats-Theoretikers Othmar Spann verärgert und brach alle Kontakte nach Tirol ab. Der geschwächte Steidle schaffte es nicht, Garantien von Schober zu erhalten. Am 1.11.1929 legte Pabst der Heimwehrführung in Wien ein Aktionsprogramm vor. Die Verfassungsreform (Stärkung des Präsidenten, Ständeparlament, Einschränkung der Opposition, Aufhebung des Bundeslandes Wien) sollte nur der Anfang sein, um eine bessere Basis zu schaffen. Endziel war der Ständestaat, in dem der Nationalrat durch ein Ständeparlament ersetzt werden sollte. Deutschland sollte mit Hilfe des vom neuen Österreich aus unterstützten Stahlhelm wieder zur Großmacht erhoben werden, um gegen den Westen anzutreten. Zur großen Enttäuschung berücksichtigte die Verfassungsnovelle vom 7.12. die Forderungen der Heimwehr keinesfalls.

Am 6.2.1930 unterzeichnete der gerissene Schober einen Freundschaftsvertrag mit Italien, stellte sich als Verfechter einer rechten Einheitsfront dar und manövrierte Steidle somit aus. Auf der Suche nach Bundesgenossen trat einen Monat darauf Starhemberg mit den Nationalsozialisten in Verbindung.

Im Korneuburger Eid gab sich die Heimwehr am 18.5.1930 endlich ein politisches Programm. Man fordere den "Volksstaat des Heimatschutzes", der zum Wohl des Volkes Staat und Wirtschaft neu ordnen sollte. Eigene Vorteile und Parteipolitik sollten diesem Kampfziel untergeordnet werden. Der westliche Parlamentarismus und der Parteienstaat wurden verworfen. Die neue Ordnung sollte auf der Selbstverwaltung der Stände aufgebaut sein, mit einer aus führenden Ständevertretern und den bewährtesten Heimwehrführern gebildeten starken Führung. Die Heimwehr sagte der Zersetzung des Volkes durch den marxistischen Klassenkampf und liberalen Kapitalismus den Kampf an. Die Wirtschaft sollte sich auf berufsständischer Grundlage selbst verwalten. Zur Überwindung des Klassenkampfes waren soziale Würde und Gerechtigkeit zu schaffen. Eine gemeinnützige und "bodenstarke" Wirtschaft würde den allgemeinen Wohlstand heben. Der Staat als Verkörperung des Volksganzen wacht darüber, daß die Stände der Volksgemeinschaft verpflichtet sind.

Privat ging Starhemberg auf Distanz zu dem Eid, um sich nicht festzulegen. Er näherte sich Schobert an und stattete auch Mussolini einen Besuch ab. Die Großdeutschen lehnten Unterstellung unter die Heimwehr ab. Steidle ließ alle Politiker, die nicht den Korneuburger Eid leisten, aus der Heimwehr ausschließen. Die angestrebte Zersetzung der Demokratie von innen heraus scheiterte. Schober selbst lehnte das Drängen ab, sich auf die Seite der Heimwehren zu schlagen. Der Landbund faßte gar einen Unvereinbarkeitsbeschluß, aber die Christlichsozialen überließen es ihren Abgeordneten, ob sie den Eid leisteten oder nicht. Schober schlug zurück und ließ Pabst am 15.6. nach Italien ausweisen. Der christlichsozial orientierte Heimwehrverband Niederösterreich unter Julius Raab zieht sich aus der Gesamtbewegung zurück.

Mit Schober und der Industrie im Rücken wurde Starhemberg am 2.11.1930 zum neuen Bundesführer gewählt.

Eine Verbreiterung der Front durch die Nationalsozialisten scheiterte an deren Forderung nach Gleichberechtigung. Kurz darauf löste der triumphale Wahlsieg der NSDAP in Deutschland ein explosionsartiges Wachstum des österreichischen Ablegers aus. Schon am 25.11. kapitulierte Schober vor Starhembergs Freunden und wich einer Regierung unter Vaugoin. Starhemberg übernahm das Innenministerium, sein Heimwehrkamerad Franz Hueber das Justizministerium. Schober fungierte fortan als Außenminister und Vizekanzler. Für Neuwahlen löste man den Nationalrat auf, doch diese endeten am 9.11. mit einer empfindlichen Schlappe des auf Initiative Starhembergs gegründeten Heimatblocks (6,16 %).

Sofort regten sich die Gegner des Fürsten innerhalb der Bewegung. Pabst kehrte zurück und erklärte, mit dem Stimmzettel sei noch kein Volk in die Höhe gebracht worden. Die Heimwehr müsse in allernächster Zeit die Macht übernehmen. Wiens Heimwehrführer Major Emil Fey hatte bereits vor der Wahl Kontakt zu den Nationalsozialisten aufgenommen. Das Wahlfiasko trieb große Teile der Einheiten in Tirol und Vorarlberg in die Arme der Christlichsozialen, während die Anhänger des Nationalsozialismus zusehends ins Potential der Bewegung einbrachen.

Pfrimer forderte im Frühjahr bereits den Staatsstreich gegen die Mißwirtschaft der Parlamentarier. Kurz darauf stürzte die Regierung Vaugoin über eine Finanzkrise.

Am 12.11.1931 schlug Pfrimer in der Steiermark los und putschte gegen die verhaßte Republik. Starhemberg schien in die Vorbereitungen verwickelt zu sein. Die 14.000 Mann wurden von den anderen Führern schmählich im Stich gelassen. Einen Tag später gab Pfrimer auf. Er konnte Waffen und Uniformen mit Billigung der Polizei in Sicherheit bringen und flüchtete nach Jugoslawien. Die Bewegung stürzt in völlige Verwirrung. Starhemberg hatte sich auf seine Güter zurückgezogen, Pabst verließ Österreich, Pfrimer näherte sich immer mehr der NSDAP an und Fey revoltierte offen gegen den Bundesführer. Bezeichnenderweise hielten Heimwehr und NSDAP am 31.10. in Graz eine gemeinsame Großveranstaltung ab. Pfrimer wurde am 18.12. im Hochverratsprozeß freigesprochen. Anschließend zeigten Angeklagte und Schöffen gemeinsam den Römischen Gruß.

Der Zulauf zu den Nationalsozialisten hatte mittlerweile erdrutschartigen Charakter angenommen. Alleine die (im Frühjahr 1933) 600.000 Arbeitslosen waren ein gutes Argument für die NSDAP. Langsam überflügelte die NS-Bewegung die Heimwehren, die zudem von Geldmangel geplagt wurden und teilweise nicht mehr aktionsfähig waren.

Nach dem Landtagswahlen vom 24.4.1932 entwickelte sich das nationale Lager in Österreich zum Lager des Hakenkreuzes. Starhemberg hatte Hitler bereits unter Bedingungen seinen Beitritt zur NSDAP angeboten. Die Sogwirkung wurde durch den neuerlichen Wahlsieg Hitlers in Deutschland am 31.7. weiter verstärkt, außerdem starben zu dieser Zeit mit Schober und Seipel zwei Hauptvertreter des Legalismus.

Im September parierte Starhemberg die Revolte von 172 nationalsozialistisch beeinflußten Heimwehreinheiten gegen seine Bundesführung durch ein Bündnis mit Mussolini, das dem Fürsten endlich wieder Geld und Waffen sicherte.

Die seit Mai amtierende Regierung unter dem Christlichsozialen Engelbert Dollfuß berief am 17.10. den Starhemberg-Rivalen Emil Fey zum Sicherheitsminister. Zwei Tage später näherte der Kanzler sich durch ein Aufmarschverbot für Schutzbund und uniformierte NS-Gruppen weiter an die Heimwehr an. Auf der anderen Seite wurde Pfrimer bereits illegal vom Reichswehrministerium in Berlin unterstützt. Starhemberg bemühte sich weiterhin vergebens um eine Annäherung an Hitler, die jedoch an seiner Ablehnung der österreichischen NS-Führer ("Tschechenstämmlinge" und "Austrobolschewisten") scheiterte.

Nach Hitlers Machtergreifung in Deutschland schlug Dollfuß einen offen autoritären Kurs ein. Ein Eisenbahnerstreik wurde durch Militäreinsatz gebrochen. Die Entscheidung fiel am 4.3.1933. Eine tumultartige Mißtrauensabstimmung gegen Dollfuß wurde infolge des Rücktritts aller drei Nationalratsvorsitzenden nicht ordnungsgemäß geschlossen.

Bundespräsident Miklas stellte sich hinter den Kanzler, der nun nach dem Kriegswirtschaftlichen Ermächtigungsgesetz von 1917 mit Notverordnungen regieren konnte. Eine ordnungsgemäße Beendigung der Abstimmung wurde von der Polizei verhindert. Ende März wurde der Schutzbund verboten, und am 13.4. gewann der neue Diktator die Unterstützung Italiens für die Unabhängigkeit Österreichs. Das Verhältnis zum Reich und zum Nationalsozialismus verschlechterte sich dramatisch.

Während Pfrimer und seine Unterführer am 1.5.1933 in der Berliner Reichskanzlei Hitler bedingungslose Treue gelobten, organisierte Starhemberg in Wien (mit italienischem Geld) den bislang größten Heimwehraufmarsch. 40.000 Mann zogen zum Gedenken an den 250. Jahrestag der Befreiung Wiens von den Türken auf. Dollfuß kündigt die Schaffung eines neuen Staates auf christlicher und deutscher Grundlage an. Walter Pfrimer verwies auf die Beteiligung von Kommunisten, Sozialisten, Ungarn und Kroaten und nannte den Aufmarsch eine Schande für Österreich.

Als Staatspartei entstand am 20.5.1933 die Vaterländische Front VF. Bundesführer Dollfuß ernannte seinen Stellvertreter und den beratenden Führerrat. Die lokalen Parteigruppen sollten von je einem Vertreter des Gewerbes, der Bauern und der Arbeiter geleitet werden. Was indessen fehlte, war eine Ideologie. Starhemberg betrachtete die VF als klerikales Hindernis auf dem Weg zum Faschismus. Die NSDAP antwortete mit blankem Terror auf das neue Regime und erhielt am 19.6. Betätigungsverbot. Im September willigte Dollfuß in Verfassungsänderungen hin zum Faschismus ein und ernannte Fey zum Vizekanzler. Zur Ausschaltung innerer Gegner entstanden Anhaltelager. Am 27.9.1933 trat die Heimwehr kollektiv in die VF ein, ohne jedoch ihre Organisation aufzulösen. Starhemberg löste den Heimatblock auf und wurde zum stellvertretenden Bundesführer ernannt. Steidle, Fey und Starhemberg wähnten sich dem faschistischen Staat nahe, trafen jedoch auf den Widerspruch der Klerikalen, die ihre Führung nicht aufgeben wollten. Zur Absicherung nahmen Fey und andere erneut Kontakte zu den Nationalsozialisten auf.

In Kärnten, der Steiermark, Salzburg und im Burgenland war der Großteil der Mitglieder zur NSDAP gegangen. Am 21.11. richtete Starhemberg scharfe Angriffe gegen den von Berlin ferngesteuerten Nationalsozialismus. Er forderte die Einigung Deutschlands unter Führung Wiens. Ohne die Heimwehr könne Dollfuß nicht regieren, und wenn der Kanzler nicht bald handele, würde man zur Selbsthilfe greifen. Im Dezember verhandelten mit Fey, Graf Alberti, Starhemberg und Steidle bereits vier Heimwehrführer mit den Nationalsozialisten. Sie versuchten einander auszustechen und waren sich nur im Haß auf Dollfuß einig, der ihre Bewegung zusehends kaltstellte. Mit Druck und Gewalt bekämpfte die Heimwehr bereits den Aufbau der Ostmärkischen Sturmscharen, einer Konkurrenzmiliz der VF.

Ende Januar 1934 drängten die Heimwehren bei einem Aufmarsch in Innsbruck auf autoritäre und ständestaatliche Reformen. Die Verwaltung soll gesäubert werden. Jedem Bezirkshauptmann sollte ein Heimwehrführer zur Seite gestellt, bestimmte Städte durch Sonderkommissare verwaltet werden. Nach Auflösung aller Parteien sollte ein ständiger Landesausschuß aus Heimwehr und Landbund den Landeshauptleuten zur Seite stehen. Nur in Salzburg war die Verwaltung entgegenkommend, und am 4.2. stürzte Steidle die Tiroler Landesregierung und ersetzte sie durch einen autoritären Ausschuß.

Trotz aller Spannungen griff die Heimwehr auf Seiten der Regierung ein, als Dollfuß am 12.2. einen auf Wien und Linz beschränkten Aufstand der Sozialisten provozierte. Das Ergebnis war die völlige Zerschlagung der sozialistischen Organisationen. Alleine in Wien fanden 1500 Linke und 49 Mann Regierungstruppen den Tod. Zahlreiche verbitterte Sozialisten strömten in die Reihen der NSDAP, die in Österreich wesentlich weiter links stand als in Deutschland.

Da es der Heimwehr an konstruktiven Köpfen fehlte, wurde sie trotz ihres scheinbaren Triumphs und ihrer Stärke von bis zu 65.000 Mann von Dollfuß noch immer von der Macht ferngehalten. Am 17.3.1934 vereinbarten Italien, Österreich und Ungarn in den Römischen Protokollen wirtschaftliche und politische Zusammenarbeit.

Am 30.4.1934 nahmen die noch 91 Abgeordneten des Nationalrats die neue Verfassung an. Ein Bundesrat aus 59 Mitgliedern, die von verschiedenen anderen Räten delegiert wurden, konnte die Regierungsvorlagen annehmen oder ablehnen. Er hatte kein Recht, sie zu debattieren. Ferner gab es Räte für Kultur, Wirtschaft und Länder sowie den Staatsrat. Alle Mitglieder wurden ernannt und hatten nur beratende Funktion. Der Bundespräsident wurde fortan von den Bürgermeistern gewählt. Grundlage des Gesamtaufbaus waren die (nicht gebildeten) Stände Industrie, Gewerbe, Handel und Verkehr, Geld- und Versicherungswesen, Freie Berufe, Land- und Forstwirtschaft und Öffentlicher Dienst. Bis 1938 wurden nur die beiden letzten Stände geschaffen. Jede Untergruppe eines Standes sollte Unternehmer, Angestellte und Arbeiter umfassen. Die Verfassung wurde am 1.5. verkündet und trat am 31.10. in Kraft.

Als Antwort auf den austrofaschistischen Kurs Wiens kam es am 25.7.1934 zum Aufstand der Nationalsozialisten.

Infolge des Massakers unter ihren reichsdeutschen Kameraden im sogenannten Röhm-Putsch blieb die SA zunächst neutral, und das Unternehmen der SS in Wien scheiterte. Dollfuß wurde bei einem Handgemenge tödlich verwundet, sein Nachfolger wurde der bisherige Justizminister Kurt Edler von Schuschnigg. Mit einiger Verzögerung erhoben sich dann SA und Pfrimer-Heimwehr, standen aber gegen das Bundesheer und die Starhemberg-Verbände auf verlorenem Posten. Die Rebellen verloren 394 Gefallene, die Regierungstruppen 200. Anschließend wurden 12 Putschisten hingerichtet und 60 zu lebenslanger Haft begnadigt.

Die NS-Gliederungen reorganisierten sich schnell wieder, und auch Starhemberg prophezeite am 20.1.1935 die baldige Auseinandersetzung mit Schuschnigg und dem politischen Katholizismus. Im März wandten sich die Heimwehren von Oberösterreich und Salzburg in scharfer Form gegen den klerikalen Einfluß innerhalb der VF und erklären, man müsse die Christlichsozialen als Relikt des Parlamentarismus ausrotten. Auch in Kärnten und Tirol gärte es, wobei Steidle bereits als Konsul nach Trier abgeschoben wurde. Wortführer des revolutionären Flügels waren Steidle und Fey. In Niederösterreich kam es bereits zu massiven Übergriffen der Heimwehr gegen die klerikalen Sturmscharen. Die lokalen Einheiten entglitten zusehends der Regierungskontrolle. Um diese gefährliche Opposition auszumanövrieren, näherte Wien sich dem Haus Habsburg an und hob dessen Landesverweisung auf. Der Monarchismus, von den völkisch und nationalsozialistisch gesonnenen Kräften als separatistisch betrachtet, wurde gefördert. Ferner strebte Schuschnigg an, die gemäßigten Nationalisten in die VF einzugliedern, die somit noch heterogener werden würde.

Am 17.10.1935 wurde Fey als Vizekanzler entlassen und durch den verläßlicheren Starhemberg ersetzt. Die Heimwehr forderte nun eine erneute Regierungsumbildung und das Heeresministerium, was Schuschnigg auf keinen Fall zulassen wollte. Starhemberg schwankte noch immer, und Anfang 1936 lobte er gegenüber dem deutschen Botschafter von Papen Hitler als ersten Staatsmann, der die Gefahr der bolschewistisch-freimaurerischen Weltverschwörung erkannt habe. Im Januar hielt die VF ihren ersten Bundesappell ab, auf dem Starhemberg ein politisches Programm ankündigt. Es sollte niemals erscheinen. Zur Irritation der Heimwehrfraktion verbreitete er sich ausführlich über die Wiedereinführung der Monarchie. Der Fürst versuchte, Schuschnigg auszustechen, da er neben Monarchisten und Nationalsozialisten auch die Italiener hofierte. Seit Herbst 1935 kam es durch den italienischen Überfall auf Abessinien und Hitlers Nichtbeteiligung an Wirtschaftssanktionen zur schrittweisen Annäherung Deutschlands und Italiens.

Laut Papen griff Starhemberg die Regierung am 29.4.1936 scharf an. Er verlangte, Österreich solle mit Italien und dem Nationalsozialismus gegen den Bolschewismus zusammengehen. Diese Annäherung hielt er jedoch nur für möglich, wenn man sich von den Demokraten trennen würde. Auf der folgenden Maidemo in Wien kam es zu Zusammenstößen zwischen der Heimwehr und Regierungsgewerkschaftern. Auch am 12.5. konnten sich der Fürst und Schuschnigg nicht über eine Verständigung mit Berlin einigen. Erneut gipfelte eine Kundgebung in Auseinandersetzungen.

Fürst Starhemberg schaufelte sich indessen sein eigenes Grab, als er am 13.5. Mussolini ein Glückwunschtelegramm zur Eroberung Abessiniens sandte. Schuschnigg nutzte die Chance und entließ ihn als Vizekanzler und Bundesführer der VF. Starhemberg wurde Vorsitzender des VF-Mutterschutzwerkes, blieb aber Bundesführer der Heimwehr. Innenminister Eduard Baar-Baarenfels, von Schuschnigg als Kommandeur einer geplanten Bundesmiliz vorgesehen, schlägt der Heimwehr vergebens einen Putsch vor. Am 15.5. unterstellte der Kanzler sich die VF persönlich.

Eine Aktion der Heimwehren im Sommer scheiterte am Gegensatz zwischen Fey und Starhemberg. Im September entlud sich der Konflikt, als unter Fey und Major Lahr Wien, Kärnten und Tirol gegen den inkompetenten Bundesführer rebellierten. Sie konnten sich nicht durchsetzen und trennten sich von Starhemberg, um eine Annäherung an die gemäßigten Nationalisten durchzuführen.

Es war zu spät, denn am 10.10.1936 löste Schuschnigg alle Wehrverbände auf und erklärte die Frontmiliz der VF unter dem Veteranen Hülgerth zur einzig legalen militärischen Organisation neben dem Bundesheer. Vergebens forderte Starhemberg seine „Kameraden“ in der Regierung zum Rücktritt auf, und auch sein Wunsch, die Frontmiliz zu übernehmen, wurde abgewiesen. Am 3.11. entließ Schuschnigg alle ehemaligen Heimwehrführer aus dem Kabinett und ernannte Hülgerth zum Vizekanzler. Erstmals rückten dem Nationalsozialismus nahestehende Politiker in die Regierung auf.

Die Reste der Heimwehren fanden sich im Verband Alt-Heimatschutz zusammen. Reibungen zwischen den Anhängern Feys und Starhembergs blieben an der Tagesordnung. Viele Heimwehrmänner schlossen sich den Nationalsozialisten an, auch wenn Pfrimer als unbequemer Konkurrent von den Hitleristen ausgeschaltet wurde. Die Austrofaschisten hatten ihre Vaterländische Front des einzig aktiven Elements beraubt, was sich 1938 für sie schmerzhaft bemerkbar machen sollte. Schuschniggs Schaukelkurs zwischen Monarchisten und gemäßigten Nationalisten mündete direkt in den von ihm selbst provozierten Anschluß an Deutschland.

Nach dem Anschluß ereilte viele Heimwehrführer die Rache der konkurrierenden Nationalsozialisten. Fürst Starhemberg setzte sich ins Ausland ab und arbeitete im Krieg für die britische Propaganda. Major Waldemar Pabst scheint noch in den deutschen Staatsstreichvorbereitungen während der Sudetenkrise eine Rolle gespielt zu haben. Emil Fey nahm sich am 16.3.1938 zusammen mit seiner gesamten Familie das Leben. Robert Hecht, Vater der austrofaschistischen Verfassung, fand am 30.5.1938 in Dachau den Tod, während Richard Steidle am 30.7.1940 in Buchenwald erschossen wurde.


Literatur

Fußnoten