Dollfuß, Engelbert

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Engelbert Dollfuß (1892-1934)

Engelbert Dollfuß (Lebensrune.png 4. Oktober 1892 in Texing; Todesrune.png 25. Juli 1934 in Wien) war ein deutscher Politiker aus Österreich. Er war von 1932 bis 1934 österreichischer Bundeskanzler, der ab dem 4. März 1933 autoritär regierte. Dollfuß war der Begründer des von linken Historikern sogenannten „austrofaschistischen Ständestaats“.

Leben

Christlichsozialer Bundeskanzler Engelbert Dollfuß als Redner bei einer Veranstaltung der Vaterländischen Front auf dem Wiener Trabrennplatz, 11. September 1933
Dollfuß auf einer 10-Schilling-Gedenkbriefmarke von 1936.

Engelbert Dollfuß war das uneheliche Kind der Bauerntochter Josepha Dollfuß und des Müllergehilfen Josef Wenninger. Er wuchs in Kirnberg bei seinem Ziehvater Leopold Schmutz auf. Auf Fürsprache des Pfarrers Simon Veith bei Bischof Johann Baptist Schneider wurde ihm ein Stipendium für das fürsterzbischöfliche Knabenseminar der Erzdiözese Wien in Oberhollabrunn gewährt, in das er 1904 eintrat. 1913 legte er die Matura mit gutem Erfolg ab. Für einige Monate trat er in das Wiener Priesterseminar ein und studierte Theologie, wechselte dann zum Studium der Rechtswissenschaften in Wien.

Erster Weltkrieg

Im Ersten Weltkrieg wurde er wegen seiner geringen Körpergröße (er war laut Militärakte nur 1,53 1/2 m groß) von der Militär-Kommission in Wien abgelehnt, bemühte sich aber weiter und schließlich erfolgreich um seine Aufnahme in die Kaiserliche und Königliche Armee. In St. Pölten wurde er schließlich für militärtauglich erklärt. Er meldete sich freiwillig zu den Tiroler Schützen und wurde Ende 1914 mit Auszeichnung aus der Brixener Offiziersschule ausgemustert und kam nun zur kämpfenden Truppe.

Als Tiroler Kaiserschütze (nicht Tiroler Kaiserjäger, wie zuweilen behauptet wird) und Kommandant einer Maschinengewehrabteilung kämpfte er an der italienischen Front. Dabei zeichnete er sich im Oktober 1916 als Leutnant der Reserve (seit dem 1. Januar 1916), zuletzt als Oberleutnant der Reserve (seit dem 1. Februar 1918), durch die erfolgreiche Verteidigung des Schrimmlerjoches aus und erhielt insgesamt mehrere Tapferkeitsmedaillen. Noch während des Krieges wurden an der Fleimstal- bzw. Lagoraifront Positionen als „Dollfuß-Kaverne“ und „Dollfuß-Scharte“ bezeichnet.

„War Engelbert Dollfuß 1913 und noch im Juni 1914 als untauglich befunden worden, so entschied die Stellungskommission am 9. September 1914, Dollfuß, der sich freiwillig gemeldet hatte, sei „tauglich ohne Gebrechen für den Gebirgsdienst“. Mit dem k.k. Landesschützen-Regiment Nr. II (den späteren k.k. „Kaiser-Schützen“ Nr. II) ging er nach Südtirol ab. Der Einjährig-Freiwillige begann seine militärische Laufbahn als Patrouillenführer, wurde noch im Dezember 1914 Unterjäger, im Jänner 1915 Zugsführer und am 1. Februar 1915 Kadett. In der Folge avancierte am 20. Juli 1915 zum Fähnrich, am 1. Jänner 1916 zum Leutnant und schließlich am 1. Februar 1918 zum Oberleutnant. Viermal wurde Dollfuß, bis Kriegsende Kommandant einer Maschinengewehr-Abteilung an der italienischen Front, nachweislich dekoriert: 1916 mit der silbernen Tapferkeitsmedaille I. Klasse , 1917 mit dem Karl-Truppenkreuz und der bronzenen Militär-Verdienstmedaille und 1918 mit dem Militär-Verdienstkreuz 3. Klasse. [...] Dollfuß, der sich gesprächsweise als Vertreter eines Kompromissfriedens erwies – ‚Geben wir den Italienern das Land bis zur Salurner Klause. Es war ja der ewige Zankapfel zwischen Österreich und Italien‘ – wurde bei einer dreitägigen Absentierung in Innsbruck vom Kriegsende überrascht, was ihm schließlich die italienische Kriegsgefangenschaft ersparte.“[1]

Zwischenkriegszeit

Nach dem Krieg war Dollfuß, bevor er sein Studium fortsetzte, für kurze Zeit bei der Invaliden-Entschädigungs-Kommission tätig. 1919 wurde er Sekretär beim Bauernbund. Er war Mitglied der K.Ö.H.V. Franco-Bavaria Wien, die im Cartellverband (CV) organisiert war. Der Korporierte studierte Jura und Nationalökonomie in Berlin und war 1919 Mitgründer der Deutschen Studentenschaft (Zusammenschluß der Allgemeinen Studentenausschüsse aller deutschen Hochschulen einschließlich Danzigs, Österreichs sowie der ehemals deutschen Hochschulen im Sudetenland). 1920 stellte Dollfuß als Vertreter der Franco-Bavaria auf der Generalversammlung des CV den Antrag, daß Mitglieder der Verbindungen „deutsch-arischer Abstammung, nachweisbar bis auf die Großeltern“ sein müßten, also bis zur Generation der Großeltern keine direkten jüdischen Verwandten haben dürften.

Die ihm zuweilen in Nachkriegsliteratur unterstellte deutschfeindliche Gesinnung ist erfunden und genau so hanebüchen wie seine spätere Glorifizierung als angeblicher „Widerstandskämpfer gegen das Dritte Reich“.[2]

„Eva Dollfuß, zum Zeitpunkt des Attentats keine 6 Jahre, geht mit einer sehr persönlichen Sicht an die Dinge, geprägt von der Intention, ihren Vater von genanntem Etikett zu befreien, als liebevollen Vater und österreichischen Patrioten zu zeigen, der mutig gegen die drohende Vereinnahmung durch den schier übermächtigen Nachbarn im Norden kämpfte. Um ihre Thesen zu stützen, führt sie ihre spärlichen Erinnerungen mit denen von anderen Menschen aus dem persönlichen Umfeld von Engelbert Dollfuß an und verbindet sie mit oft seitenlangen Zitaten aus der politischen Memoirenliteratur. Die Auswahl erfolgt kategorisch nach der Nützlichkeit für ihr Anliegen. Ihr eigener Beitrag ist dabei meist beschreibend. Hier konstatiert sie für ein Verständnis der damaligen Zeit wichtige Stimmungen und Haltungen, wie die weit verbreiteten Zweifel in die Überlebensfähigkeit eines eigenen Staates und daraus folgend einen starken Vereinigungsgedanken. So streichen auch die Sozialdemokraten erst unter dem Eindruck der nationalsozialistischen Machtübernahme in Deutschland den Anschlußparagraphen aus ihrem Parteiprogramm. Karl Renner (sozialdemokratischer Bundespräsident nach 1945) und Kardinal Innitzer rufen selbst 1938 noch ihre Landsleute dazu auf, für den Anschluß an Deutschland zu stimmen. Daß nun Dollfuß für einen eigenständigen ‚deutschen Staat Österreich‘ kämpft, ist nicht nur seiner Abneigung gegenüber dem Nationalsozialismus, sondern vor allem der Angst geschuldet, in einem gemeinsamen Staat an den Rand gedrängt und gerade mal den ‚Einfluß Hessens‘ zu haben. [...] Eva Dollfuß versucht herauszuarbeiten, daß ihr Vater ehrlich an einer Versöhnung mit der Sozialdemokratie interessiert war und alle innenpolitischen Maßnahmen nur allein der Abwehr des Nationalsozialismus dienten. Nur wurde in der Regierungszeit von Dollfuß alles unternommen, um potentielle Bündnispartner gegen den Nationalsozialismus auszuschalten: Auflösung des Parlaments, Verbot aller Parteien und Versammlungen, Notverordnungen, Anhaltelager (Internierungslager), Einführung des Standrechts und der Todesstrafe. Letztlich bereitet er für die Herrschaft, die er bekämpfen will, durch seinen autoritären Ständestaat nur den Boden. Das ist sicherlich auch seine Tragik.“[3]

Seit 1919/1920 war Dollfuß in Wien Mitglied der katholisch-deutschnationalen Deutschen Gemeinschaft, der auch Arthur Seyß-Inquart, Karl Wache, Robert Hohlbaum, Emmerich Czermak und Hermann Neubacher angehörten. 1922 wurde er Sekretär und 1927 Direktor der niederösterreichischen Landwirtschaftskammer. Er war mit Bundeskanzler Ignaz Seipel befreundet und Österreichs Experte beim Völkerbund. 1931 wurde er Bundesminister und 1932 Bundeskanzler.

Als Bundeskanzler erlebte Dollfuß eine schwere Geschäftsordnungskrise bei einer Parlamentssitzung: Da alle drei Vorsitzenden gleichzeitig zurücktraten, konnte die Sitzung nicht mehr fortgeführt und auch keine neue Parlamentssitzung mehr einberufen werden. Nachdem sich das Parlament auf diese Weise selbst ausgeschaltet hatte, regierte Dollfuß per Notverordnungen. Dem italienischen Faschismus und der katholischen Kirche nahestehend, lehnte er die pluralistische Demokratie, den Nationalsozialismus und die Sozialdemokratie ab.

Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten im Deutschen Reich verfocht Dollfuß in engem Einvernehmen mit Benito Mussolini die Unabhängigkeit Österreichs, allerdings aus machtpolitischen Erwägungen, vermutete er zurecht, daß der Siegeszug der NSDAP seine politische Entmachtung bedeuten könnte. Demzufolge verbot er die SDAP und die NSDAP in Deutsch-Österreich und ließ ihre Anhänger verfolgen, darunter viele spätere Blutzeugen, aber auch zahlreiche spätere Blutordensträgerinnen.

Am 3. Oktober 1933 wurde Dollfuß von Rudolf Drtil, ein Gefreiter a. D. des Bundesheeres und überzeugter Nationalsozialist, der sich gegen die Unterdrückung durch das Dollfuß-Regime wehrte, im Parlamentsgebäude durch zwei Schüsse leicht verletzt. Am 10. November 1933 führte die aufgescheuchte und exzessiv agierende Regierung Dollfuß das standrechtliche Verfahren mit der Todesstrafe ein.

Der „Republikanische Schutzbund“ hatte zuvor im Februar 1934 einen bewaffneten Aufstand versucht, den Dollfuß von der Polizei und Gendarmerie, dem Bundesheer und der Heimwehr niederschlagen ließ. In der Folge wurden Konzentrationslager, offiziell „Anhaltelager“ genannt, für Sozialdemokraten und oppositionelle Nationalsozialisten errichtet.

Unter Dollfuß wurde der Nationalsozialismus mit dem Preußentum zusammen als „heidnischer“ und „barbarischer“ Geist von Potsdam betrachtet und Österreich als der christliche Hort deutscher Kultur und das historische Bollwerk des Reiches gegen die Türkengefahr und den Franzosen gepriesen. Damals kam das Wort von den Österreichern als den „besseren Deutschen“ auf. Südtirol wurde unter seiner Regierung – wie auch später von Hitler – um der guten Beziehungen zu Mussolini willen im Stich gelassen.

Dollfuß schuf mit der Maiverfassung 1934 einen autoritären Ständestaat und stützte sich vor allem auf die Heimwehr, die katholische Kirche und die Bauern. 1934 schloß er mit dem Heiligen Stuhl ein Konkordat und räumte durch die „Römischen Protokolle“ mit Italien und Ungarn Mussolini bedeutenden Einfluß auf die österreichische Innen- und Außenpolitik ein.

Tod

Im Verlauf des sogenannten Juliputsches, einer Aufstandsbewegung österreichischer Nationalsozialisten, wurde Dollfuß am 25. Juli 1934 beim Versuch seiner Festnahme angeblich von Otto Planetta erschossen. Der eigentlich tödliche Schuß soll jedoch von Generalstaatskommissar Emil Fey abgegeben worden sein, der später unter mysteriösen Umständen „Selbstmord“ beging.

Literatur

Verweise

Fußnoten

  1. Engelbert Dollfuß im Staatsarchiv
  2. Eva Dollfuß: Mein Vater – Hitlers erstes Opfer, Amalthea, Wien 1994, ISBN 3-85002-354-0
  3. Berliner LeseZeichen, Ausgabe 01/97, Edition Luisenstadt, 1997