Hierarchie

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Hierarchie steht im allgemeinen Sprachgebrauch für ein Ordnungsystem, in welchem verschiedene Ebenen und Elemente einander über- bzw. untergeordnet sind. Letztlich stehen nahezu alle Erscheinungen der stofflichen Welt in zahllosen Hierarchien. Ausgenommen hiervon sind nur die a priori vorhandenen Erscheinungen, welche innerhalb der diesseitigen Welt absolut sind, wie Raum, Zeit und die allgemeine Erscheinung der Materie an sich, nebst deren physikalischen Grundgesetzen.

Ursprünglich bezog sich das Wort direkter auf seinen altgriechischen Inhalt (ἱεραρχία hierarchia, aus: ἱερός, hieros, „heilig“ und ἀρχή, archē, „Herrschaft“, also „Herrschaft der Heiligen“), wird aber auch heute noch gelegentlich in diesem exklusiv religionsbezogenem Sinn gebraucht, wo Hierarchie dann soviel wie „Priesterherrschaft“ bedeutet.

Artikel aus dem staatspolitischen Handbuch


Quelle Folgender Text stammt aus dem Staatspolitischen Handbuch, Band 1: Begriffe.

Hierarchie bedeutet vom Wortsinn »heilige Ordnung« (von griech. hieros für »heilig« und archē für »Ordnung«), gemeint ist damit ein stark strukturierter, deutlich zwischen oben und unten scheidender, in letzter Konsequenz pyramidaler Aufbau, der insofern als heilig angesehen wurde, als er die himmlische Ordnung spiegelte. Dementsprechend kannten viele alte Kulturen eine hierarchische Organisation, an deren Spitze Priesterkönige oder doch sakrale Herrscher standen, die den Gott repräsentierten, während das Gefüge der Untertanen in einer Weise gegliedert war, die ihrerseits überirdischem Modell entsprach. Solche Vorstellungen lassen sich auch im biblischen Zusammenhang (Jahwe Zebaoth – der »Herr der Heerscharen«), vor allem im Alten Testament, nachweisen und haben in Verknüpfung mit der platonischen wie aristotelischen Philosophie zu einer alle Bereiche in hierarchische Stufungen fassenden Konzeption des Kosmos geführt, die den Lehren der Scholastik ebenso zugrunde lag wie dem Gottesgnadentum der weltlichen Herrscher und der Gliederung der katholischen Kirche, die ausdrücklich die göttliche Ordnung spiegeln soll.

Dieser Anspruch gerät allerdings in Konflikt zu modernen (Moderne) Tendenzen, die H. grundsätzlich feindselig gegenüberstehen. Ursache ist der Atheismus einerseits, der keine Ordnung mehr als geheiligt akzeptiert und überhaupt dem Grundsatz »von oben« ablehnend gegenübersteht, der starke Einfluß egalitärer Ideologien und ihr Vorzug des »von unten« andererseits, aber auch der Zweifel an der Funktionalität von H. Trotz dieses antihierarchischen Affekts und der selbst in der Wirtschaft verbreiteten Vorstellung, es dürfe bestenfalls »flache H.« geben, hat sich im Zusammenhang mit der neueren Elite-Diskussion gezeigt, daß H. grundsätzlich unvermeidbar sind und – wenn auch aller überweltlichen Legitimation entkleidet – einen innerweltlichen Sinn haben. Diese Einsicht kann nicht überraschen. Die Notwendigkeit »technischer« H. (Technokratie) ist in der Soziologie früh erkannt worden. Max Weber hat den Begriff ausdrücklich verwendet, um die Funktionsweisen rationaler Verwaltungssysteme zu charakterisieren.

Eine wesentliche Ursache für diese Unsterblichkeit des hierarchischen Prinzips liegt in der Natürlichkeit von H., die sich schon im System der Elemente, im Aufbau von Organismen und den sozialen Formprinzipien tierischer Gruppen nachweisen lassen, wo sie zur mehr oder weniger deutlichen Scheidung von Führern und Geführten (Führung) sowie zur Geltung von Beziehungsregeln zwischen den verschiedenen Klassen beitragen.

Daß der Mensch auch biologisch auf H. angelegt ist, jedenfalls nicht ohne dauerhafte Orientierung an entsprechenden sozialen Mustern existieren kann, zeigt aber nur einen Aspekt des Sachverhalts. Entscheidender ist, daß die vollständige Aufhebung der H. zwangsläufig in Chaos oder die Ausübung illegitimer (Legitimität) Gewalt führt, was jede wirklichkeitsgerechte politische Theorie zugunsten der H. anführen wird.

Zitate

  • Die Industriegesellschaft beruht auf Produktion – und die ist ohne bürokratische Organisation und technische Hierarchie nicht möglich. Egalitäre Ideologie und »efficiency« stoßen sich.“ — Armin Mohler
  • An Schulkindern lässt sich sehr gut beobachten, wie krankhaft Hierarchiebildung in unseren Gesellschaften von klein auf eingelernt wird. Anstatt wie in der Tierwelt mit einfachen und konstruktiven Methoden sich zu vergleichen und miteinander zu konkurrieren, tyrannisieren sich Menschenkinder untereinander mit härtesten Methoden und verursachen damit oft lebenslange psychische Schäden. In der Regel dominieren diejenigen Kinder, die mit Körpergröße, Aussehen, Kraft und ihrer materiellen Versorgung mehr Glück hatten. Es ist also zunächst nicht die eigene Leistung, die den hierarchischen Status eines Kindes bestimmt, sondern oberflächliche, weniger bedeutende Faktoren. Mit Muskeln, einem hübschen Gesicht und Markenklamotten fühlen sich Kinder schnell als Superstars, obwohl sie eigentlich noch nichts Nützliches für die Gesellschaft geleistet haben. Sie verfügen (noch) nicht über Fähigkeiten, Führungsqualitäten und Erfahrung, die die Gesellschaft braucht. Die dominierenden Kinder orientieren sich an dem, was sie sich von der größeren Gesellschaft der Erwachsenen und insbesondere den Prominenten abgeguckt haben: Narzissmus, Arroganz, Gemeinheit. Um die eitlen Kinder scharen sich dann in der Regel Anhänger, die weniger Glück hatten. Unter den Anhängern gibt es eine klassische Hackordnung. Gegenüber dem Anführer muss unterwürfiges Verhalten gezeigt werden. Wer nicht spurt, wird schnell mit diversen Maßnahmen diszipliniert oder notfalls von der Gruppe ausgeschlossen. Wer ausgeschlossen wurde oder von vornehrein nicht in eine Clique aufgenommen wird, der ist vogelfrei, zum Abschuss freigegeben, zur Einsamkeit und Erniedrigung verdammt. Für diese Pechvögel gibt es richtig ernsten Psychoterror. Für die ist dann die Schulzeit wie Knast und es bleiben auch nachhaltig psychische Wunden zurück. Die Anhänger und Mitläufer unter den Anführern trainieren ein gefährliches Verhalten ein: Unterwirf dich Narzissten oder versuche, diese zu kopieren, ansonsten gehst du unter. Während junge Tiere es schaffen, eine gesunde Hierarchie zu erschaffen und nicht dabei den Stamm zu gefährden, gelingt dies Menschenkindern nicht. Sind diese Kinder erst einmal selbst Erwachsene, sind sie unfähig, sich selbst und andere Menschen korrekt einzuschätzen.“ — Alexander Benesch[1]

Literatur

  • Georg Weippert: Das Prinzip der Hierarchie in der Gesellschaftslehre von Platon bis zur Gegenwart, Hamburg 1932

Fußnoten