Lazarett

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Lazarett Lüttich, 1916

Ein Lazarett ist ein Krankenhaus oder Hospital (Spital). Die Bezeichnung wird oft als militärisch empfunden und mit dem Militärkrankenhaus oder Feldlazarett gleichgesetzt. Zivile oder öffentliche Räume, die bei Waffenhandlungen zum Lazarett umfunktioniert werden, heißen Kriegslazarett oder Reservelazarett. Kriegslazarette für Angehörige der deutschen Fliegertruppe oder Luftwaffe (insbesondere Flugzeugführer) kamen nach Möglichkeit in ein Fliegerlazarett (auch: Flieger-Lazarett).

Personal

Das militärische Lazarettpersonal besteht meist aus Sanitätssoldaten. Sie sind reguläre Militärangehörige, haben im Ernstfall aber aufgrund der Genfer Konventionen nicht den Status eines Kombattanten – auch wenn sie zur Selbstverteidigung eine Handfeuerwaffe führen, sofern sie diese nicht zum unprovozierten Angriff benutzen. Sie gehören nicht zu den Kriegsgefangenen, können aber zur medizinischen Versorgung der Kriegsgefangenen herangezogen werden. Das Sanitätspersonal ist verpflichtet, jedem verwundeten Soldaten Hilfe zu leisten, egal ob Freund oder Feind. In der Bundeswehr werden die festen Lazarette als Bundeswehrkrankenhäuser bezeichnet.

Feldlazarett

Feldlazarette (Feld steht für die frühere Bezeichnung des Kriegsschauplatzes) sind bewegliche Sanitätseinrichtungen meist in der Etappe – also im Hinterland der Front – und dienen der Versorgung von Verwundeten in einem militärischen Konflikt. Vorläufer waren mobile Hospitäler der verschiedenen Ritterorden während der Kreuzzüge.

Ein ziviles Feldlazarett der Preußischen Armee in Hamburg für die Cholera-Kranken beim Eppendorfer Krankenhaus in einer zeitgenössischen Darstellung – Holzstich nach G. Arronto, 1892

Das Feldlazarett folgt dem Truppen- und Hauptverbandplatz als drittes Glied der militärischen Rettungseinrichtungen. Es befindet sich zwischen Hauptverbandplatz und Kriegslazarett, dem stehenden Lazarett im rückwärtigen Armeegebiet (erobertes Feindesland). Im Falle von Besatzungseinsätzen werden sie aber regelmäßig auch innerhalb der Konfliktgebiete errichtet, was zu einer stark erhöhten Gefährdung des Sanitätspersonals führt.

Der typische Versorgungsvorgang eines verwundeten Soldaten sah wie folgt aus:

VerwundetennestTruppenverbandplatz (TVPl) → Hauptverbandplatz (HVPl) →
Feldlazarett (FLaz) → Orts-, Standort-, Kur- bzw. Reservelazarett (ResLaz) → Heimaturlaub

Deutsche Feldlazarette 1914–1918

Im Ersten Weltkrieg gab es 670 bekannte Feld-, Reserve- und Kriegslazarette, dazu kamen noch 330 bekannte Verband- und Hauptverbandplätze.

„Im Feldlazarett ist großer Betrieb; es riecht wie immer nach Karbol, Eiter und Schweiß.“[1]

Um die medizinische Versorgung der verwundeten Soldaten der Kaiserlichen Armee in frontnahen provisorischen Lazaretten zu gewährleisten, war ein schneller Abtransport hinter die Frontlinie nötig. Er oblag den Verwundetenbergern, deren Aufgabe zu den gefährlichsten im Heer gehörte. Von den Feldlazaretten aus erfolgte der Weitertransport der Verwundeten, deren häufige Wundinfektionen, neben den eigentlichen Verletzungen, zu den gravierendsten Problemen zählten. Einer möglichst schnellen antiseptischen Wundbehandlung vor Ort dienten die individuellen Verbandspäckchen, die jeder Soldat bei sich trug. Diese breite Versorgung mit Erste-Hilfe-Material des einzelnen Soldaten gab es erstmals im Ersten Weltkrieg. In Feldlazaretten mangelte es häufig an Verbandszeug und Medikamenten. Morphiumknappheit führte oftmals dazu, daß die Lazarette vom Schreien und Stöhnen der Schwerverwundeten erfüllt waren.

In deutschen Lazaretten waren neben den Ritterorden nur die Vereine des Roten Kreuzes zur freiwilligen Krankenpflege bei der Armee zugelassen. Bei Kriegsbeginn 1914 verfügte das Deutsche Rote Kreuz über 5.000 ausgebildete Schwestern (→ Elsa Brändström), 1.000 Hilfsschwestern und eine unbestimmte Anzahl von Helferinnen bei den Frauenvereinen. Da die Anzahl der verfügbaren Schwestern im Krieg nicht ausreichte, wurde bereits 1914 vermehrt mit der Ausbildung von Pflegepersonal begonnen. In Feldlazaretten sahen sie sich neben Verwundungen überdies mit Erkrankungen und Seuchen konfrontiert. Fleckfieber oder Magen-Darm-Erkrankungen waren auf die unhygienischen Zustände in den Schützengräben zurückzuführen. Unter diesen Bedingungen gehörte Typhus in seinen unterschiedlichen Arten überall zu den besonders gefürchteten Epidemien. In Rußland, aber auch an der Nordostfront und insbesondere auf dem Balkan litten die Armeen besonders stark unter Flecktyphus, dessen Erreger durch Läuse übertragen wurden. Deutschland konnte einer Ausbreitung innerhalb des Reiches durch Entlausungsmaßnahmen weitgehend entgegenwirken.

Deutsche Feldlazarette 1939–1945

Die Feldlazarette (auch: Feld-Lazarette) unterstanden den jeweiligen Ärzten bei den Armeen, Korps und Divisionen. Sie waren Teil der jeweiligen Sanitätstruppen. Im Feldlazarett wurden die für Kranke und Verwundete notwendigen Behandlungen unter krankenhausähnlichen Bedingungen durchgeführt. Dabei konnten auch schwierige chirurgische Eingriffe durchgeführt werden. Ein Feld-Lazarett nahm diejenigen Verwundeten und Kranken von der Front auf, die nach ihrer Bergung aus dem unmittelbaren Kampfbereich zunächst auf den Truppen- bzw. Hauptverbandplätzen bestmöglich versorgt worden waren und weiterer ärztlicher Versorgung und lazarettmäßiger Unterbringung bedurften.

Soldaten mit Verwundungen und Erkrankungen, die das Feld-Lazarett aus Kapazitätsgründen bzw. wegen einer über seine Möglichkeiten hinausgehenden, medizinisch notwendigen Weiterbehandlung nicht fachgerecht versorgen konnte, wurden im rückwärtigen Gebiet liegenden Kriegs-Lazaretten bzw. an Reserve-Lazarette, teilweise mit Spezialfachgebieten und -Ausstattung, zugewiesen.

Man unterscheidet bei den Feldlazaretten die bespannten und die motorisierten Feldlazarette. Beide entsprachen sich in Gliederung (Gruppe Führer, 1. und 2 Zug) wie personeller Stärke (76 Mann). Unter den Sanitätsoffizieren befanden sich mindestens 2 Chirurgen und 1 Facharzt für Innere Krankheiten, dazu kamen 1 Zahnarzt und 1 Apotheker. Das Feldlazarett lag meist 15-20 km hinter der Front und sollte, wenn irgend möglich, in festen Gebäuden (Schulen, Krankenhäuser u. a.) eingerichtet werden. Es verfügte meist über folgende Stationen: Aufnahme, Operations-, Verband-, Röntgen- und Apothekerraum.

Dazu kam der Küchen- und Vorratsbereich sowie ein Leichenraum. Sanitäts- und Wirtschaftsgüter wurden aus einem Sanitätspark nachgeführt. Das Feldlazarett war für die Aufnahme von 200 Patienten ausgerüstet. Mußte es der Division auf dem Vormarsch folgen, so wurden die Verwundeten entweder in ein rückwärtiges Kriegslazarett der Armee verlegt, oder ein Kriegslazarett löste das Feldlazarett vor Ort ab.

Im Zweiten Weltkrieg waren mindestens 1650 Feldlazarette nach Numerierung bekannt.[2]

Standortlazarette

Reserve-Lazarett Kirchseeon, 1940: Das Reservelazarett war in der dortigen Lungenheilanstalt (ehem. Sanatorium Landesversicherungsanstalt) untergebracht und gehörte zur Sanitätsabteilung München. Im Oktober 1940 hatte es eine Kapazität von 136 Betten für Lungenkranke.

Die Standortlazarette der Wehrmacht bestanden bereits zu Friedenszeiten. Die ersten wurden bereits 1921 gegründet bzw. aus der kaiserlichen Armee übernommen. Es waren feste militärische Einrichtungen, ähnlich den heutigen Bundeswehrkrankenhäusern. Ihre Bettenzahl schwankte zwischen 35 (Neustettin) und 400 (Dresden). Einige der Truppenübungsplätze hatten eigene Lagerlazarette mit maximal 76, im Schnitt rund 35 Betten.

Die Lazarette waren wehrmachteigene Krankenanstalten für die heilfürsorgeberechtigten Soldaten. Wehrmachtbeamte und Familienangehörige konnten aufgenommen werden, wenn genügend Raum vorhanden war. Sie dienten aber auch zur fachtechnischen Ausbildung des Sanitätspersonals. Die größeren Lazarette gliederten sich in:

  • Krankenabteilung I: innerlich Kranke einschl. Absonderungskranke
  • Krankenabteilung II: chirurgisch Kranke
  • Krankenabteilung III: Haut- und Geschlechtskranke
  • Krankenabteilung IV: Augenkranke
  • Krankenabteilung V: Hals-Nasen-Ohrenkranke
  • Krankenabteilung VI: Nerven- und Geisteskranke
  • Lazarettapotheke

Die Standortlazarette wurden während der Mobilmachungsphase in Reservelazarette (auch Reserve-Lazarett geschrieben) umgegliedert. Weitere Reservelazarette wurden während des Krieges im Reichsgebiet und in den besetzten Gebieten in bereits vorhandenen Krankenhäusern bzw. in dafür geeigneten Räumlichkeiten wie Schulen, Hotels oder Heimen eingerichtet. Sie hatten die gleichen Aufgaben wie die ehemaligen Standortlazarette und waren aufgrund der erhöhten Kranken- und Verwundetenzahlen im Kriege notwendig.

Im Reservelazarett wurde dann auch entschieden, wie es mit dem Soldaten nach dessen Genesungszustand weiterging:

  • Heimaturlaub zur Genesung,
  • kv = kriegsverwendungsfähig,
  • gvh = garnisonverwendungswürdig Heimat oder bei schweren Verwundungen sogar
  • Entlassung aus dem Dienst als nkv = nicht mehr kriegsverwendungsfähig.

In den letzten Monaten des Zweiten Weltkrieges wurden zahlreiche Kurhäuser, Hotels u. a. in Reserve-Teillazarette umfunktioniert, z. B. das Reserve-Teillazarett Hotel „Dianabad“, das Reserve-Teillazarett Zerbst, Reserve-Teillazarett Kurhaus Jonsdorf, Reserve-Teillazarett Schloß Ketschendorf u. v. m.

Lazarettzug

An der Front in Westeuropa (Westwall): Ein deutscher Lazarettzug mit Verwundeten und Kranken auf dem Transport in die Heimat, 1940

Ein Lazarettzug ist ein Eisenbahnzug mit Krankenbetten, Operationsraum, Apotheke usw. zur Zurückführung Verwundeter und Kranker aus dem Einsatz- bzw. Kriegsgebiet. Man unterschied zwischen

  • Leichtkrankenzügen,
  • gemischten Lazarettzügen, versehen zur Hälfte mit Bänken und Betten und
  • Volllazarettzügen.

Lazarettzüge wurden von Armeen oder Hilfsorganisationen bestellt und während sowie nach Kriegen eingesetzt, auch um Vertriebene oder Soldaten in Kriegsgefangenschaft nach Hause zu holen, wie dies bis 1955 bei der Heimholung deutscher Landser aus der Sowjetunion geschah.

Die Lazarettzüge der Wehrmacht hatten die Aufgabe, Verwundete von den Krankensammelstellen der Armeen zu den Kriegslazaretten der Heeresgruppen oder in die Reservelazarette der Heimat zu transportieren. Der Gruppe Ib in der Feldtransportabteilung oblag die zentrale transporttechnische Bearbeitung und Steuerung der Züge, der Heeressanitätsinspektion die sanitätsdienstliche Lenkung der Verwundetentransporte. Die Züge wurden in den Bereich einer Transportkommandantur (bei einer Reichsbahndirektion) geleitet. Der Sanitätsoffizier bei dieser Kommandantur erhielt alle Unterlagen über die in seinem Bereich vorhandenen Bettenkapazität und die Fachabteilungen und verteilte die Verwundeten auf die einzelnen Lazarette gemäß Belegung, Art der Verwundung oder Erkrankung und vorhandener Fachabteilungen. Der bereits beladene und fahrende Lazarettzug erhielt dann die entsprechenden Anweisungen über Funk oder Fernsprecher.

Völkerrechtlicher Schutz

Laut den Genfer Konventionen sind Angriffe auf sanitätsdienstliche Einrichtungen wie Lazarette und Krankenhäuser, die unter dem Schutz eines der Schutzzeichen der Konvention stehen, streng verboten. Umgekehrt dürfen Sanitätseinrichtungen – eben wegen des ihnen nach der Genfer Konvention zukommenden besonderen Status – auch nicht als „Schutzschild“ für andere militärische Einheiten mißbraucht werden. Krankentransportfahrzeuge dürfen deshalb nicht für Truppenverlegungen und den Transport von Waffen oder Munition genutzt werden. Es ist weiterhin nicht statthaft, Lazarette im selben Gebäude mit anderen, aktiven Teilen der Streitkräfte unterzubringen, die ein legitimes Ziel feindlicher Angriffe wären.

Siehe auch

Verweise

Fußnoten

  1. Erich Maria Remarque: Im Westen nichts Neues. Kiepenheuer & Witsch, Köln 1993, Seite 18. ISBN 3-462-01844-2. Erstveröffentlichung 1928, als Buch 1929
  2. Feldlazarette bei „Lexikon der Wehrmacht“