Kreuzzüge

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Christus auf dem Weg nach Jerusalem, gefolgt von seinen Rittern (→ Reiterei), 13. Jahrhundert

Als Kreuzzüge werden die auf Veranlassung von Päpsten der römisch-katholischen Kirche seit dem Ende des 11. bis gegen Ende des 13. Jahrhunderts zur Eroberung Palästinas und zum Sturz der mohammedanischen Vorherrschaft unternommenen Kriegszüge bezeichnet.

Erläuterung

Einnahme von Jerusalem 1099

Dem Ersten Kreuzzug war ein Hilferuf des byzantinischen Kaisers Alexios I. Komnenos um militärische Unterstützung gegen die Seldschuken vorausgegangen. Dies löste den Aufruf Papst Urbans II. 1095 in Clermont aus, der zur Befreiung Jerusalems und des „Heiligen Landes“ aus der Hand der Mohammedaner aufforderte, mehr als acht Jahrzehnte, nachdem es in der Regierungszeit des fatimidischen Kalifen al-Hakim 1009 zur Zerstörung der Grabeskirche gekommen war, eines der größten Heiligtümer des Christentums. Ebenso verschlechterte sich die Lage der Christen und der christlichen Pilger im Heiligen Land und Jerusalem.

Im weiteren Sinne bezeichnet man als Kreuzüge auch die von der römischen Kirche veranlassten oder begünstigten Kriege gegen andere nichtchristliche Völker, z. B. die Wenden und Prußen, oder gegen sogenannte Ketzer, wie die Albigenser, Katharer und die Stedinger.

Vorgeschichte der Kreuzzüge

Die politische und geistige Umbruchstimmung gegen Ende des 11. Jahrhunderts bot dem Heiligen Stuhl die Gelegenheit, als geistige wie auch säkular führende Kraft des christlichen Abendlandes das Schisma von 1054 zu beseitigen und die ersehnte Einheit unter den Primat Roms wiederherzustellen. Aus diesem Grund hatte bereits Papst Gregor VII.(1073-1085) eine militärische Expedition ins Heilige Land erwogen, konnte sie aber wegen des sich anbahnenden Investiturstreits nicht durchführen.

Für die angestrebte Wiedervereinigung bot sich nun mit der beabsichtigten Wiedergewinnung Jerusalems ein trefflich geeignetes Instrument. Da unter anderem nach der Doktrin Gregors VII. das Heilige Land naturgemäß das „Erbgut Christ“ und somit Urbesitz der Christenheit sei und als ein von den Mohammedanern widerrechtlich angeeignetes Territorium betrachtet werden mußte, war nach Auffassung der römischen Amtskirche die Rechtsgrundlage zur Rückeroberung der Heiligen Stätten gegeben.

Seit der Teilung des Römischen Reiches im Jahre 395 gehörte Palästina zum Oströmischen Reich, bis es 637 von denArabern eingenommen wurde.

In den 90er Jahren des elften Jahrhunderts richtete der byzantinische Kaiser Alexios I. mehrere Hilfegesuche an das christliche Europa, da sein Reich immer stärker von den türkischen Seldschucken bedroht wurde. Diese hatten nach der gegen Byzanz gewonnenen Schlacht von Manzikert im Jahre 1071 Anatolien und Antiochia, die Stadt Petri, erobert. Das von inneren und äußeren Krisen geschüttelte Byzanz verfügte nicht über die militärischen Möglichkeiten zur Rückeroberung. Um die europäische Militärmacht und die Kirche zu mobilisieren, übertrieben und dramatisierten die byzantinischen Gesandten in ihren Berichten die Entweihung der heiligen Stätten und die Lage der im Heiligen Land lebenden Christen.

Nach dem Hilfegesuch des byzantinischen Kaisers um militärische Unterstützung sah Papst Urban II. den Zeitpunkt für gekommen, um auf dem Konzil von Clermont 1095 „zum Marsch auf Jerusalem zur Befreiung der christlichen Kirchen“ aufzurufen.

Byzanz, das in seiner bedrängten Lage den eigentlichen Vorwand für den Kreuzzug lieferte, handelte selbst aber keineswegs aus religionspolitischen Motiven. Die Byzantiner dachten vielmehr daran, ihre Vormachtstellung im kleinasiatischen Raum gegenüber den Seldschucken zurückzugewinnen. Bereits seit Jahrhunderten an die Auseinandersetzungen mit den islamischen Nachbarn gewohnt, war dem Oströmischen Reich die abendländische Kreuzzugsidee völlig fremd, wodurch schließlich der Keim für spätere Auseinandersetzungen zwischen Ost- und Westkirche gelegt war.

Am 27. November 1095 wandte sich Papst Urban II. in einem Appell insbesondere an das Rittertum mit dem Ziel, den Gedanken der christlichen Wallfahrt mit der Theorie des Ritters als Lehnsmann Gottes zu verbinden. Der Aufruf des Papstes rief eine gewaltige Begeisterung in Europa hervor.

Die Begeisterung, die der Appell des Papstes bewirkte, ist im wesentlichen auf folgende Motive zurückzuführen: Das 11. Jahrhundert war geprägt von starker Religiosität und Angst vor dem drohenden Ende der Welt in weiten Teilen der Bevölkerung. Wallfahrten und Pilgerzüge zum Heiligen Grab, als Möglichkeit der Buße und für den Sündenablaß, erlebten einen großen Aufschwung. Eine Bußwallfahrt nach Jerusalem galt als besonders verdienstvoll und heilbringend. Die kirchliche Theorie vertrat zwar von Anfang an die Meinung, man könne durch eine Ortsveränderung an sich Gott nicht näherkommen, aber im Volk hielt sich der Glaube an den Heilswert einer Jerusalemwallfahrt.

Der Adel versprach sich von einem Zug in den Osten vor allem irdische Reichtümer, dagegen hofften die Armen, den Seuchen und Hungersnöten in ihren Heimatländern entfliehen zu können. Ebenfalls ein wesentlicher Grund waren die sozialökonomischen Schwierigkeiten des Adels im ausgehenden 11. Jahrhundert.

Durch das in Westeuropa weitverbreitete Erbrecht des Erstgeborenen, standen die Nachgeborenen vor der Alternative, sich entweder der kirchlichen Laufbahn oder dem Kriegsdienst zuzuwenden. Ein Kreuzzug bot jenen Besitzlosen die selten gewordene Gelegenheit auf Beute, Land und Titel.

Mochte der Sinn des Kreuzzuges nach Urbans Worten zunächst in einer Hilfe für die christlichen Ostkirchen liegen, so wurde daraus sehr schnell ein bestimmtes Ziel: es ging um die Befreiung des Heiligen Landes, insbesondere Jerusalems und des Grabes des Herrn von „Joch der heidnischen Herrschaft“.

Überblick über die Kreuzzüge

Die Kreuzzüge
Erster Kreuzzug: 10961099,
Volkskreuzzug: 1096
Deutscher Kreuzzug von 1096
Zweiter Kreuzzug: 11471149,
Dritter Kreuzzug: 11891192,
Kreuzzug Heinrichs VI.: 11971198 (Deutscher Kreuzzug)
Vierter Kreuzzug: 12021204,
Fünfter Kreuzzug
Kreuzzug von Damiette: 12171221,
Kreuzzug Friedrichs II.: 12281229,
Sechster Kreuzzug: 12481254,
Siebter Kreuzzug: 1270-1272,

Erfolge und Mißerfolge der Kreuzzüge

Schnell erkannten die unternehmungsfreudigen Kaufleute von Venedig und Genua, daß die Eroberung des „Heiligen Landes" für sie ein gutes Geschäft werden konnte. Mit den Schätzen Asiens und Afrikas reich beladen, kehrten ihre Schiffe nach den Heimathäfen zurück und machten sie schnell reich und mächtig. Auch süddeutsche Städte: Augsburg, Nürnberg, Mainz und Frankfurt nahmen an dem Aufschwung teil.

Doch das Königreich Jerusalem bestand nur 90 Jahre. Dann eroberten die übermächtigen Osmanen die Stadt wieder zurück. Wohl zogen in den nächsten zwei Jahrhunderten noch oft deutsche, englische, französische, lombardische und normannische Kreuzfahrer unter der Führung von Königen und Kaisern nach Palästina. Sie erfochten auch noch manchen Sieg über die Gegner. Aber ein dauernder Erfolg blieb ihren Kämpfen versagt. Im Jahre 1291 waren die Türken wieder Herren im ganzen Lande. Bei jedem Siege der Kreuzritter frohlockten die Päpste. Doch als dann schließlich alles mit einer Niederlage endete, hatte die Kirche den Schaden. Viele dachten jetzt:

„Wenn der Segen des ,Heiligen Vaters' eine so schlechte Wirkung hat, dann kann der Papst unmöglich der Stellvertreter Gottes auf Erden sein."

Der Mißbrauch, den die Kirche mit ihrer Macht und ihrem Reichtum trieb, kam hinzu. Gegen Ende der Kreuzzüge erwachte zum ersten Mal in Europa der Zweifel an den päpstlichen Lehren. Schon der letzte Hohenstauferkaiser Friedrich II. war ein Freigeist, der sich in Glaubensdingen von Papst und Kirche unabhängig fühlte. Der Kampf um Geistesfreiheit nahm seinen Anfang.

Opferzahlen

Die Zahl der Opfer der Kreuzzüge wurde früher mit vielen Millionen angegeben, in den letzten Jahrzehnten nur noch mit Hunderttausenden,[1] in modernen Großlexika findet man meist überhaupt keine Zahlenangaben mehr. Gunnar Heinsohn, der zu Völkermordthemen publiziert hat, gibt annähernd zwei Millionen Opfer an.[2]

Moderner ideologischer Mißbrauch

Die Kreuzzüge gelten heute als sogenanntes Totschlagargument bezüglich der aktuellen Kritik an der Geschichte des Mohammedanismus, indem behauptet wird, die Christen wären vor tausend Jahren auch nicht besser gewesen.

Ein Unterschied liegt jedoch darin, daß die Kreuzzüge als eine Entfernung von christlichen Grundsätzen gedeutet werden können. Jesus, seine Apostel und die frühen Christen fielen durch Gewaltverzicht auf; der Religionsgründer Mohammed hingegen führte selbst reichlich Überfälle, Raubmorde, Kriege und Massaker durch, um seine religiös und politisch motivierten Ziele zu erreichen.

Siehe auch

Literatur

  • Hans Eberhard Mayer: Geschichte der Kreuzzüge. 10. Aufl. Kohlhammer, Stuttgart 2005. ISBN 3-170-18679-5
    (Bewährtes Standardwerk von einem der führenden Historiker auf diesem Gebiet.)
  • Alan V. Murray (Hrsg.): The Crusades. An Encyclopedia. 4 Bde., ABC-CLIO, Santa Barbara/Calif. u.a. 2006, ISBN 1-57607-862-0.
    (Fachwissenschaftliche Enzyklopädie, in der recht detailliert auf alle relevanten Themenbereiche zu den Kreuzzügen eingegangen und die aktuelle Forschungsliteratur berücksichtigt wird.)
  • Jonathan Riley-Smith : Illustrierte Geschichte der Kreuzzüge. Campus Verlag, Berlin-New York 1999 (ND Parkland-Verlag, Köln 2004, ISBN 3-89340-068-0).
    (Originaltitel: The Oxford Illustrated History of the Crusades, 1995. Reichlich illustrierte und gut lesbare Einführung mit Beiträgen von mehreren führenden Kreuzzugshistorikern.)
  • Peter Thorau: Die Kreuzzüge. Beck, München 2008, ISBN 3-406-56287-7
    (Knappe und günstige Einführung.)
  • Otto Henne am Rhyn: Kulturgeschichte der Kreuzzüge; Nachdruck von 1900, Nachdruck-Verlag Leipzig, ISBN: 978-3-8262-0815-7
  • Rodney Stark: Gottes Krieger – Die Kreuzzüge in neuem Licht, Haffmann & Tolkemitt-Verlag, ISBN 978-3-942989-28-2

Fußnoten

  1. Zum Beispiel die Brockhaus Enzyklopädie von 1990, Stichwort Kreuzzug
  2. Gunnar Heinsohn: Lexikon der Völkermorde, 1998, S. 225 Vorsicht! Umerziehungsliteratur im antideutschen Sinne!