SMS „Hertha“ (Schiff, 1897)

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Gemälde der S.M.S. „Hertha“ vor den Umbaumaßnahmen ab 1905

Die SMS „Hertha“ war das zweite Schiff der Victoria-Louise-Klasse, einer Klasse von fünf Kreuzern II. Klasse (Panzerdeckkreuzer) der Kaiserlichen Marine. 1899 wurde das Schiff zum Großen Kreuzer umklassifiziert. Die Hertha, nach der germanischen Göttin so benannt, wurde besonders im Auslandsdienst sowie ab 1908 als Schulschiff eingesetzt.

Dienst im Ostasiengeschwader

Noch während die Hertha in Genua an der Werft lag, erhielt der Kreuzer, inzwischen neu als Großer Kreuzer klassifiziert, den Befehl zur Verlegung nach Ostasien. Das Schiff sollte das dortige Kreuzergeschwader verstärken. Diese Reise konnte am 14. April 1899 angetreten werden. Über mehrere Zwischenhäfen erreichte die Hertha am 21. Mai Singapur und damit das Gebiet der Ostasiatischen Station, am 8. Juni schließlich den neuen Liegehafen Tsingtau. Der Kreuzer löste dort die alte Panzerfregatte S.M.S. „Kaiser“ ab und wurde vorübergehend Flaggschiff des Zweiten Admirals des Geschwaders, Konteradmiral Ernst Fritze.

In den folgenden Monaten unternahm die Hertha, zeitweise von weiteren deutschen Schiffen begleitet, einige Reisen durch das nördliche Stationsgebiet und traf schließlich am 4. November in Xiamen ein, wo ein Treffen mit ihrem Schwesterschiff Hansa und dem Geschwaderflaggschiff SMS „Deutschland“ stattfand. Zwei Tage später wechselte der Zweite Admiral auf die Hansa, da die Hertha als neues Geschwaderflaggschiff vorgesehen war. Zuvor ging das Schiff jedoch für drei Monate nach Hongkong an die Werft, während Deutschland mit dem bisherigen Geschwaderchef, Prinz Heinrich von Preußen, die Heimreise antrat. Am 17. Februar 1900 setzte sein Nachfolger, Vizeadmiral Felix Bendemann, seine Flagge auf der Hertha. Das Kreuzergeschwader bestand zu diesem Zeitpunkt neben der Hertha und der Hansa aus der Kaiserin Augusta sowie den Kleinen Kreuzern SMS „Gefion“ und SMS „Irene“, zusätzlich waren ihm die beiden Kanonenboote SMS „Iltis“ und SMS „Jaguar“ unterstellt.

Nachdem der Geschwaderchef Anfang April seinen Antrittsbesuch beim japanischen Kaiser Mutsuhito gemacht hatte, traf sich die Hertha am 23. April mit den übrigen Kreuzern des Geschwaders in Tsingtau, um in den folgenden Tagen Verbandsübungen durchzuführen. Anschließend führten sie Reisen durch das Stationsgebiet durch, wobei die Hertha gemeinsam mit der Gefion den Jangtse bis Hankau befuhr. Anfang Juni sollte der Große Kreuzer vor Tanggu ankern, da Vizeadmiral Bendemann gemeinsam mit dem deutschen Abgesandten in Peking, Freiherr Clemens von Ketteler, einen Besuch am chinesischen Kaiserhof plante. Zu diesem kam es jedoch nicht mehr, da am 29. Mai die ersten Nachrichten von schweren Unruhen zwischen Peking und Tientsin eintrafen.

Einsatz während des Boxeraufstandes

Hauptartikel: Boxeraufstand

Vorsorglich baten verschiedene Gesandtschaften um die Verstärkung ihrer Schutzwachen und um die Vorbereitung einer etwaigen Evakuierung an die Küste. Freiherr von Ketteler forderte darüber hinaus die Entsendung von Kriegsschiffen nach Tanggu an. Entsprechend traf die Iltis am 31. Mai vorzeitig dort ein und stellte am 4. Juni zwei Offiziere und 30 Mann zum Schutz der deutschen Niederlassung in Tienstin ab. Die anderen Schiffe des Geschwaders, mit Ausnahme der als Wachtschiff in Tsingtau zurückbleibenden Irene, wurden vom Geschwaderchef ebenfalls nach Tanggu beordert, wo die Hertha am 8. Juni eintraf.

Die Entwicklung im Pekinger Gesandtschaftsviertel, wohin inzwischen über 3.000 Menschen geflüchtet waren und das sowohl von Boxern als auch von regulären chinesischen Truppen angegriffen wurde, veranlaßte den britischen Befehlshaber, Admiral Edward Hobart Seymour, einen Teil der Besatzungen seiner Schiffe einzusetzen, um den bedrohten Gesandtschaften zu Hilfe zu kommen. Seymour bat die Befehlshaber der anderen anwesenden Kriegsschiffe, seinem Beispiel zu folgen. So kam eine insgesamt 2.129 Mann starke internationale Truppe zusammen, an der die deutschen Schiffe mit 20 Offizieren, zwei Ärzten und 487 Mann beteiligt waren. Das Landungskorps der Hertha umfaßte vier Offiziere und 120 Mannschaften unter Führung von Kapitän zur See Guido von Usedom, der auch den Befehl über das gesamte deutsche Aufgebot innehatte. Am 10. Juni verließ die Truppe unter dem Befehl von Admiral Seymour Tonggu in Richtung Peking, erreichte ihr Ziel jedoch nicht. Bereits am 12. Juni mußte die Unternehmung abgebrochen werden, da die Bahnlinie nach Peking durch die Chinesen gesprengt wurde und auch der Nachschub bedroht war. Am 19. Juni schließlich trat der Verband den Rückmarsch an. Während eines Rückzuggefechts erhielt von Usedom den bekannt gewordenen Befehl The Germans to the front!, woraufhin die deutschen Soldaten die vorderste Kampflinie übernahmen. Im Verlauf desselben Gefechts wurde der spätere Befehlshaber der Grand Fleet in der Skagerrakschlacht, John Jellicoe, verwundet und von Usedom nahm dessen Stellung ein. Das Landungskorps der Hertha verlor während des Vorstoßes insgesamt vier Matrosen, drei von ihnen erlagen nach mehreren Tagen ihren erlittenen Verletzungen.[1][2]

Unterdessen organisierte Vizeadmiral Bendemann eine weitere internationale Truppe, die unter dem Befehl des Kommandanten der Hansa, Kapitän zur See Hugo von Pohl stand und mit Unterstützung mehrerer Kanonenboote, darunter die Iltis, am 17. Juni die Taku-Forts einnahm. Dies war nötig, um den Nachschub für die Truppe Seymours zu sichern. Außerdem wurde die Anlandung weiterer Truppen nötig, um in das von insgesamt 859 Mann verteidigte Tientsin durchbrechen zu können. Dies gelang am 23. Juni, wobei von der Hertha insgesamt vier Unteroffiziere und 69 Mannschaften unter dem Befehl von Kapitänleutnant Adolf von Trotha eingesetzt wurden. Die Entsetzungstruppen konnten sich mit der Truppe Admiral Seymours vereinigen und bis zum 18. Juli den letzten Widerstand in Tientsin brechen. An diesem Tag wurden die deutschen Landungsverbände bis auf 300 Mann zurückgezogen und wieder an Bord ihrer Schiffe gebracht.

Das Scheitern des Vorstoßes von Admiral Seymour hatte die Entsendung stärkerer britischer, russischer, US-amerikanischer, japanischer, französischer und deutscher Truppen zur Folge. Die deutschen Expeditionstruppen wurden dem Chef des Ostasiengeschwaders unterstellt, zusätzlich die 1. Division des I. Geschwaders, bestehend aus den Schiffen der Brandenburg-Klasse, sowie der neue Panzerkreuzer SMS „Fürst Bismarck“ nach China in Marsch gesetzt. Die deutschen Einheiten erreichten China jedoch viel zu spät, da bereits am 4. August ein ca. 20.000 Mann starker internationaler Verband nach Peking aufbrach und die Stadt am 14. August erreichte. Zu diesem gehörte das 195 Mann starke Landungskorps der Hansa. Aufgrund des für Bendemann überraschenden schnellen Vormarsches nach Peking wurden den internationalen Truppen zusätzlich weitere 200 Mann der Hansa sowie 150 Mann der Hertha unter dem Kommando von Kapitän zur See von Pohl nachgesandt, welche Peking am 18. August und damit mit vier Tagen Verspätung erreichten. Die Landungskorps wurden am 5. September durch aus Deutschland eingetroffene Truppen abgelöst und kehrten auf ihre Schiffe zurück.

Am 17. August 1900 wurde die Hertha von der Fürst Bismarck als Geschwaderflaggschiff abgelöst. Der Panzerkreuzer behielt diese Funktion bis 1909. Die Hertha lief nach Rückkehr ihres Landungskorps mehrere mittelchinesische Häfen an und hatte schließlich Generalfeldmarschall Alfred von Waldersee, der fortan den Oberbefehl über die deutschen Truppen in China übernahm, nach Tanggu zu bringen. Kapitän zur See von Usedom wurde aufgrund seiner Erfahrung zum Stabschef von Waldersees, so daß der Erste Offizier, Kapitänleutnant Hecht, bis Ende Oktober das Kommando über den Kreuzer übernahm. Die restliche Zeit des Jahres lag die Hertha zumeist vor Tanggu auf Reede, war jedoch am 1. Oktober an der Niederkämpfung von Küstenforts nahe Schanheikwan beteiligt und besuchte Yantai und Tsingtau. Nach Anfang Oktober erfolgte kein weiterer kriegerischer Einsatz des Kreuzers. Die Hertha hatte im gesamten Einsatz während des Boxeraufstands sieben Tote zu beklagen.[3]

Gefallene Marineinfanteristen

Folgende Besatzungsmitglieder der S.M.S. „Hertha“ fielen in den Kämpfen um Tientsin:

  • Matrose Jakob Baatz aus Oberweiß, Kreis Bitburg, am 18. Juni, 1 Schuß in die Brust, 2 Schüsse in den Unterleib
  • Matrose Heinrich Grafe aus Holsterhausen, Kreis Gelsenkirchen verwundet am 18. Juni, gestorben am 28. Juni, Lungenschuß
  • Matrose Heinrich Herkenrath aus Rheydt, verwundet am 22. Juni, verstorben 29. Juni, Schuß in den rechten Oberschenkel
  • Matrose Paul Woyack aus Holländer, Kreis Friedeberg V.-M, verwundet am 21. Juni, gestorben am 2. Juli, Schuß in den rechten Unterarm

Weiterer Einsatz in Ostasien

Das Jahr 1901 brachte zunächst in seiner ersten Hälfte weitere Einsätze entlang der chinesischen Küste. Vom 8. bis zum 16. Juni brachte die Hertha Generalfeldmarschall von Waldersee nach Kōbe zu einem Besuch des japanischen Kaisers und anschließend nach Nagasaki, von wo aus der Graf die Heimreise antrat. Es folgte eine längere Werftliegezeit in Tsingtau und anschließend eine weitere Japanreise. Vom 21. Oktober 1901 bis zum 19. Februar 1902 wurde der Kreuzer erneut Geschwaderflaggschiff, da die Fürst Bismarck in der Werft lag. Vom 25. März bis zum 5. Mai 1902 wurde die Hertha in Yokosuka einer Grundreparatur unterzogen, um anschließend für längere Zeit in Tsingtau zu verweilen. Nachdem das Schiff erneut japanische Häfen besucht hatte, geriet es am 9. September östlich von Taiwan in einen Taifun, der einen erheblichen Wassereinbruch an Bord verursachte. In der Folgezeit lief der Kreuzer im Rahmen der Repräsentationsaufgaben des Ostasiengeschwaders verschiedene Häfen auf den Philippinen und in Indonesien sowie Singapur an.

Anfang 1903 wurde die Hertha in Nagasaki der Jahresüberholung unterzogen und hielt sich anschließend vier Monate in Tsingtau auf. In der zweiten Jahreshälfte besuchte das Schiff mehrere russische, koreanische und japanische Häfen. Im Folgejahr unternahm die Hertha neben dem üblichen Stationsdienst gemeinsam mit der Fürst Bismarck eine Fahrt auf dem Jangtse bis nach Wuhan. Im Mai lag sie in Tientsin, von wo der an Bord dienstleistende Kaisersohn Prinz Adalbert nach Peking zu einer Audienz am Kaiserhof reiste[4]. Im Laufe des Jahres zeigte sich die Notwendigkeit einer Grundüberholung. Zu diesem Zweck wurde die Hertha nach fünf Jahren in Ostasien nach Deutschland zurück befohlen und verließ am 31. Dezember 1904 das Stationsgebiet. Auf der Heimreise besuchte das Schiff unter anderem die Schutztruppe in Daressalam in Deutsch-Ostafrika und traf am 5. April 1905 für drei Tage mit der Hohenzollern im Mittelmeer zusammen. Am 12. Mai wurde der Kreuzer schließlich in Kiel außer Dienst gestellt.

Verweise

Fußnoten

  1. http://www.deutsche-schutzgebiete.de/sms_hertha.htm Abgerufen am 19. März 2010.
  2. http://www.boxeraufstand.com/expeditionsteilnehmer/verlustliste.htm boxeraufstand.com Abgerufen am 19. März 2010.
  3. Hildebrand/Röhr/Steinmetz: Die deutschen Kriegsschiffe. Bd. 4, S. 144.
  4. Prinz Adalbert nach Peking, NYT 9. Mai 1904