Schmitt, Carl

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Professor Dr. jur. Schmitt (1888–1985)

Carl Schmitt (Lebensrune.png 11. Juli 1888 in Plettenberg, Sauerland; Todesrune.png 7. April 1985 ebendort) war ein bedeutender deutscher Staatsrechtler und politischer Philosoph des 20. Jahrhundert.

Leben

Carl Schmitt als Student
Carl Schmitt im Dritten Reich
Reichsfachgruppenleiter Dr. Carl Schmitt als Herausgeber der „Deutschen Juristen-Zeitung“
Prof. Dr. Schmitt mit Ernst Jünger (links) 1941 auf dem See von Rambouillet; Schmitt war auch mit Erich Marcks eng befreundet.

Carl Schmitt wurde am 11. Juli 1888 als zweites von fünf Kindern eines Krankenkassenverwalters in Plettenberg/Westfalen geboren. Er wuchs in einem katholisch-kleinbürgerlichen Milieu auf. Von der väterlichen Linie her stammt Schmitt aus der Eifel, die mütterliche Linie kommt aus dem Trierer Raum. Der Urgroßvater väterlicherseits wuchs in Bausendorf/Eifel auf, ist später Landwirt, Bäcker und Gastwirt. Großvater Nikolaus Schmitt betrieb die Bäckerei und die Gaststätte (mit Schul- und Tanzsaal) weiter. Mit seiner Frau Katharina Anna, geb. Franzen, hatte der katholische Nikolaus Schmitt neun Kinder. Das älteste Kind war Johann Schmitt (1853–1945), Carls Vater.

Vater Johann war im Kirchenvorstand von St. Johannes Baptist, lehrte seinen Sohn die Gabelsberger Kurzschrift. Die Mutter, in einem lothringischen Kloster erzogen, vermittelte ihm die französische Sprache und das Klavierspiel. Anna Margarethe, die jüngste Schwester, wurde später Klavierlehrerin. Auch Carl spielte bis ins hohe Alter Klavier. Mit 11 Jahren wechselt Carl Schmitt in die Quarta des städtischen Gymnasiums Attendorn, trat auch in das katholische Konvikt Collegium Bernadinum (Erzbischöfliches Internat) ein. Es war ein Wechsel aus der katholischen Diaspora in das dominant katholische Milieu Kurkölns. Die Quarta hatte 13 katholische, 3 evangelische und einen jüdischen Schüler. Carl erhielt Unterricht in Latein, Französisch, Griechisch, Englisch. Er entschied sich gegen Hebräisch, obwohl seine Mutter es gern gesehen hätte, wenn Carl Priester oder Mönch würde. Zu Beginn der Oberprima, am 3. August 1906, wurde er mit 12 anderen Oberprimanern „wegen unerlaubten Wirtshausbesuches“ mit einer Stunde Schularrest bestraft. Vermutlich nicht nur deshalb mußte er das Internat verlassen, pendelte nun täglich, bis zur Abiturprüfung, mit der Eisenbahn (40 Minuten einfache Fahrtstrecke) zwischen Plettenberg-Eiringhausen und Attendorn hin und her. Am 2. März 1907 erhielt er sein Abiturzeugnis. Nur in Turnen hat er ein „Genügend“, alles andere ist „Gut“.

Carl, der zuerst Philologie belegen wollte, studierte ab 1907 dann doch Rechtswissenschaft in Berlin, München und Straßburg. Carls Mutter setzte das Studium durch, die weite Verwandtschaft wurde um Mithilfe bei der Finanzierung gebeten. Er wohnt zuerst in Berlin-Lichtenberg bei seinem Onkel Philipp Schmitt, der eine Druckerei besaß. Hier wohnte auch später seine Schwester Auguste.[1] 1910 promovierte er in Straßburg mit der Arbeit „Über Schuld und Schuldarten“ zum Dr. jur., legte nach dem Vorbereitungsdienst 1915 das Assessorexamen ab und habilitierte sich 1916 mit der Arbeit „Der Wert des Staates und die Bedeutung des Einzelnen“ als Privatdozent für Verwaltungsrecht, Völkerrecht und Staatstheorie.

Schmitt in der Nachkriegszeit

Wirken

Während seiner Münchener Zeit gehörte Schmitt, der eigentlich Philologie studieren wollte und schon früh mit literarischen Versuchen (z. B. „Die Buribunken“) hervorgetreten war, zur sog. „Schwabinger Bohème“. Im Ersten Weltkrieg diente er von Februar 1915, zuerst als Kriegsfreiwilliger im bayerischen Infanterie-Leibregiment in München, bis Juli 1919. 1916 wurde er für die Habilitation in Straßburg, Reichsland Elsaß-Lothringen kurz beurlaubt, um dann weiter als Soldat und Assessor in der Heeresverwaltung beim Stellvertretenden Generalkommando des 1. Armee-Korps in München zu dienen.

1921 erfolgte die Berufung an die Universität Greifswald. Dort erfolgte die Veröffentlichung der Abhandlung „Die Diktatur“, in der Schmitt die staatsrechtlichen Grundlagen der Weimarer Republik untersucht und dabei die starke Stellung eines Reichspräsidenten deutlich betont. 1922 wurde er Professor an der Universität Bonn. In seiner Schrift „Politische Theologie“ konkretisiert Schmitt seine Staatstheorie, indem er, ausgehend von seiner katholischen Grundhaltung, letztlich die menschliche Willensfreiheit negiert. In der Zeitanalyse „Die geistesgeschichtliche Lage des heutigen Parlamentarismus“ begründet Schmitt die Notwendigkeit totalitärer Herrschaftsstrukturen. Ab 1926 war er Professor der Rechte an der Handelshochschule in Berlin. 1932 erfolgte seine Berufung an die Universität Köln. Zu seinen Schülern zählten u.a. Ernst Forsthoff, Ernst Rudolf Huber, Werner Weber, Roman Schnur, Hans Barion und Ernst Friesenhahn. In der Schrift „Der Begriff des Politischen“ entwickelt Schmitt seine Staatsrechtslehre, in der er den Führerstaat vorwegnimmt und rechtsphilosophisch legitimiert. Schmitt vertrat die Reichsregierung unter Franz von Papen, mit dem er freundschaftlich verbunden war, im Rechtsstreit „Preußen contra Reich“ vor dem Staatsgerichtshof für das Deutsche Reich gegen die mit dem sogenannten Preußenschlag suspendierte preußische Regierung unter dem sozialdemokratischen preußischen Ministerpräsidenten Otto Braun.

Nationalsozialismus

Im Jahre 1933 erfolgte sein Eintritt in die NSDAP und seine Ernennung zum Preußischen Staatsrat durch Hermann Göring. Er war von 1933 bis 1936 Leiter der Fachgruppe „Hochschullehrer“ im Bund Nationalsozialistischer Deutscher Juristen und wirkte als Professor der Rechte an der Universität zu Berlin. Von 1933 bis 1936 war er Mitglied der „Akademie für Deutsches Recht“ unter Hans Frank. Auf einem in Berlin stattgefundenen Kongreß akademischer Rechtslehrer im Jahre 1936 forderte er, das deutsche Recht von jüdischem Geist zu säubern. In seinem Referat führte er aus:

„Der Jude hat zu unserer geistigen Arbeit eine parasitäre, eine taktische und eine händlerische Beziehung.“

Dennoch verlor er Ende 1936 auf Betreiben konkurrierender Juristen wie Otto Koellreutter, Reinhard Höhn und Karl August Eckhardt nach öffentlichen Angriffen im SS-Organ „Schwarzes Korps“ (Vorwurf des Opportunismus’) seine Partei- und Ehrenämter bis auf den Berliner Lehrstuhl sowie den Titel des Preußischen Staatsrats. Bis zum Ende des Nationalsozialismus arbeitete Schmitt als Professor an der Friedrich-Wilhelms-Universität in Berlin hauptsächlich auf dem Gebiet des Völkerrechts. Prof. Schmitt war an der sogenannten Aktion „Ritterbusch“ (Paul Ritterbusch) beteiligt, mit der zahlreiche Wissenschaftler die nationalsozialistische Raum- und Bevölkerungspolitik beratend begleiteten.

„Unser Landsmann, Professor Dr. Dr. Carl Schmitt, hat ein Büchlein verfaßt unter dem Titel ‚Land und Meer – eine weltgeschichtliche Betrachtung‘. In allgemein-verständlicher Weise erläutert der Verfasser, wie der Mensch als Landwesen, als ‚Landtreter‘ seinen Blickpunkt, seinen Gesichtskreis erhält. Und doch geht der Mensch an die Meeresküste, da tritt das ‚andere‘ Element, die überwältigende Fläche des Meeres hinzu. ‚Wasser und Meer sind der Urgrund allen Lebens‘. Weiter erörtert der Verfasser u. a. die Fragen: Was ist ein Element? – Von der Küste in den Ozean – Lob des Wals und der Waljäger – England als Erbe europäischer Seeleistung – Von der planetarischen Raumrevolution – Land und Meer im Religionskrieg – Vom Fisch zur Maschine – Das neue Stadium der planetarischen Raumrevolution. Der Verfasser kommt zu dem Schluß, den ein Philosoph in die Worte kleidet: ‚Die Welt ist nicht im Raum, sondern der Raum ist in der Welt.‘ Das lesenswerte Büchlein zeugt von reichem Wissen und birgt viele gute Gedanken. Es ist im Verlag Philipp Reclam, Leipzig, erschienen.“ — Süderländer Tageblatt vom 17. Februar 1943
Grabstelle von Carl Schmitt auf dem katholischen Friedhof an der Halle in Plettenberg-Eiringhausen. Weitere Gedenksteine erinnern an seine Schwester Auguste Schmitt (1891–1992), seine zweite Frau Duschka (Dusanka) Schmitt-Todorovic (1903–1950) und seine noch vor ihm verstorbene Tochter Anima Louise Schmitt-Otero (1931–1983).

Nachkriegszeit

Schmitt wurde nach seiner „Befreiung“ durch die Besatzer seines Lehramtes enthoben und verbrachte mehrere Jahre in Konzentrationslagern. Die Bibliothek Carl Schmitts, die 1945 schätzungsweise 6.000 Bände umfaßte, wurde in jenem Jahr von dem Gutachter Karl Loewenstein wegen ihrer Vollständigkeit zum öffentlichen Recht während der Weimarer Republik und des Dritten Reiches als „unschätzbar“ erachtet. Im Oktober 1945 wurde seine Bibliothek von der VS-amerikanischen Besatzungsmacht beschlagnahmt und in deutlich reduziertem Bücherbestand im Jahre 1952 wieder freigegeben.[2] Ab 1950 war er wissenschaftlich isoliert und vom politischen Diskurs weitgehend ausgeschlossen. Schmitt widmete sich insbesondere völkerrechtlichen Studien und veröffentlichte seine Memoiren.

Tod

Carl Schmitt starb 1985 in seiner Geburtsstadt Plettenberg.

Zitate

  • Wer das geltende Recht aufheben kann, ist der Souverän.
  • Dadurch, daß ein Volk nicht mehr die Kraft oder den Willen hat, sich in der Sphäre des Politischen zu halten, verschwindet das Politische nicht aus der Welt. Es verschwindet nur ein schwaches Volk.“
  • Erklärt ein Teil eines Volkes, keinen Feind mehr zu kennen, so stellt es sich nach Lage der Sache auf die Seite der Feinde und hilft ihnen. Aber die Unterscheidung von Freund und Feind ist damit nicht aufgehoben.“
  • Es kann eine Demokratie geben ohne das, was man modernen Parlamentarismus nennt und einen Parlamentarismus ohne Demokratie; und Diktatur ist ebensowenig der entscheidende Gegensatz zu Demokratie wie Demokratie der zu Diktatur.“

Siehe auch

Schriften (Auswahl)

  • Über Schuld und Schuldarten. Eine terminologische Untersuchung. 1910.
  • Gesetz und Urteil. Eine Untersuchung zum Problem der Rechtspraxis. 1912.
  • Schattenrisse. (In Zusammenarbeit mit Dr. Fritz Eisler veröffentlicht unter dem gemeinsamen Pseudonym Johannes Mox Doctor Negelinus) 1913.
  • Der Wert des Staates und die Bedeutung des Einzelnen. 1914.
  • Theodor Däublers ‚Nordlicht‘: Drei Studien über die Elemente, den Geist und die Aktualität des Werkes. 1916.
  • Die Buribunken. in: Summa 1/1917/18, 89 ff.
  • Politische Romantik. 1919.
  • Die Diktatur. Von den Anfängen des modernen Souveränitätsgedankens bis zum proletarischen Klassenkampf. 1921.
  • Politische Theologie. Vier Kapitel zur Lehre von der Souveränität. 1922.
  • Die geistesgeschichtliche Lage des heutigen Parlamentarismus. 1923.
  • Römischer Katholizismus und politische Form. 1923.
  • Die Rheinlande als Objekt internationaler Politik. 1925.
  • Die Kernfrage des Völkerbundes. 1926.
  • Der Begriff des Politischen. In: Archiv für Sozialwissenschaften und Sozialpolitik. Bd. 58 (1927), S. 1 bis 33.
  • Volksentscheid und Volksbegehren. Ein Beitrag zur Auslegung der Weimarer Verfassung und zur Lehre von der unmittelbaren Demokratie. 1927.
  • Verfassungslehre. 1928.
  • Hugo Preuß. Sein Staatsbegriff und seine Stellung in der dt. Rechtslehre. 1930
  • Der Völkerbund und das politische Problem der Friedenssicherung. 1930, 2. erw. Aufl., 1934.
  • Der Hüter der Verfassung. 1931 (Erweiterung eines Aufsatzes von 1929).
  • Der Begriff des Politischen. 1932 (Erweiterung des Aufsatzes von 1927).
  • Legalität und Legitimität. 1932.
  • Staat, Bewegung, Volk. Die Dreigliederung der politischen Einheit. 1933.
  • Das Reichsstatthaltergesetz. 1933.
  • Staatsgefüge und Zusammenbruch des Zweiten Reiches. Der Sieg des Bürgers über den Soldaten. 1934.
  • Über die drei Arten des rechtswissenschaftlichen Denkens. 1934.
  • Der Leviathan in der Staatslehre des Thomas Hobbes. 1938.
  • Die Wendung zum diskriminierenden Kriegsbegriff. 1938.
  • Völkerrechtliche Großraumordnung und Interventionsverbot für raumfremde Mächte. Ein Beitrag zum Reichsbegriff im Völkerrecht. 1939.
  • Positionen und Begriffe im Kampf mit Weimar – Genf – Versailles 1923–1939. 1940 (Aufsatzsammlung).
  • Land und Meer. Eine weltgeschichtliche Betrachtung. 1942.
  • Der Nomos der Erde im Völkerrecht des Jus Publicum Europaeum. 1950.
  • Donoso Cortes in gesamteuropäischer Interpretation. 1950.
  • Ex captivitate salus. Erinnerungen der Zeit 1945/47. 1950.
  • Die Lage der europäischen Rechtswissenschaft. 1950.
  • Gespräch über die Macht und den Zugang zum Machthaber. 1954.
  • Welt großartigster Spannung. In: Merian. Das Monatsheft der Städte und Landschaften. 7. Jahrgang, Heft 9, 1954: Sauerland.
  • Hamlet oder Hekuba. Der Einbruch der Zeit in das Spiel. 1956.
  • Verfassungsrechtliche Aufsätze aus den Jahren 1924–1954. 1958 (Aufsatzsammlung).
  • Theorie des Partisanen|Theorie des Partisanen. Zwischenbemerkung zum Begriff des Politischen. 1963.
  • Politische Theologie II. Die Legende von der Erledigung jeder Politischen Theologie. 1970.
  • Das internationalrechtliche Verbrechen des Angriffskrieges. Postum herausgegeben von Helmut Quaritsch, 1993.
  • Staat – Großraum – Nomos. Postum herausgegeben von Günter Maschke, 1995.
  • Frieden oder Pazifismus? Postum herausgegeben von Günter Maschke, 2005.

Verweise

Weltnetz

Schriften

Literatur

Fußnoten

  1. Seine Schwester Auguste, von Carl Schmitt in Briefen immer „Üssi“ oder „Gustchen“ genannt, geht bis zu ihrem 15. Lebensjahr in Plettenberg zur Schule, wechselt dann in die Klosterschule zu den „Armen Schulschwestern“ nach Arnsberg. Cousine Johanna besucht die gleiche Schule. Nachdem Auguste dort die Oberschule beendet hat, zieht sie nach Berlin zu ihrem Bruder, lebt dort ebenfalls bei Onkel Philipp Schmitt. Später zieht sie dort aus und wohnte im Pensionat der Ursulinerinnen. 1911 hat Auguste in Berlin das Lehrerexamen bestanden, kann sich aber nicht damit anfreunden, eine Stelle als Volksschullehrerin anzutreten. Sie entscheidet sich statt dessen, ab Oktober 1911 für zwei Jahre eine Stelle als Privatlehrerin bei der hochgestellten und begüterten Familie Dr. Fereira de Lomos in Santo Tyrso/Provinz Oporto in Portugal anzunehmen. Im Herbst 1913 kehrte sie aus Portugal nach Plettenberg zurück.
  2. Die Bibliothek Carl Schmitt (Monographien)