Wagner, Winifred

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Winifred Wagner (Lebensrune.png 23. Juni 1897 in Hastings, England als Winifred Marjorie Williams; Todesrune.png 5. März 1980 in Überlingen) war die Schwiegertochter Richard Wagners und nach dem Tode ihres Ehemannes Siegfried Wagner Leiterin der Bayreuther Festspiele bis 1944. In Erinnerung geblieben ist sie vor allem als Hitler-Verehrerin.

Winifred Wagner (1897–1980)

Leben

Jugend

Winifred Wagner wurde am 23. Juni 1897 in Hastings, nahe der englischen Kanalküste, als Tochter des Journalisten John Williams und dessen Frau, der Schauspielerin Emiliy Florence, geboren. Sie verlor sehr früh ihre Eltern, den Vater im Alter von einem und die Mutter im Alter von zwei Jahren. Als Vollwaise, ohne Geschwister mit nur wenigen Verwandten, hatte sie eine recht betrübliche Kindheit ohne echte Zuwendung. Plötzlich meldete sich ein entfernter Verwandter ihres Großvaters. Dies war der 78jährige Pianist, Dirigent und Lisztschüler Karl Klindsworth, welcher in der Nähe von Berlin lebte. Er nahm sie auf, was ihr zukünftiges Leben entscheidend beeinflußte. Er war Wagnerianer. Somit kam die kleine Winifred in ein musikalisches Haus und wurde durch ihren Großvater „im Sinne Richard Wagners erzogen“, wie sie später in ihren Lebenserinnerungen berichtete. Jedes Jahr wurde jener Großvater von Cosima Wagner, der Witwe des großen Richard Wagner, zu den Generalproben der Wagner-Festspiele nach Bayreuth eingeladen. Mit 17 Jahren durfte auch Winifred die Festspiele zum ersten Mal erleben. Bei der Aufführung der Oper „Der fliegende Holländer“ am 22. Juli 1914 lernte Winifred den 45jährigen Sohn Richard Wagners, Siegfried, kennen, in welchen sie sich sodann verliebte.

Erster Weltkrieg

Infolge des Ersten Weltkrieges hatte es Winifred als „feindliche Ausländerin“ sehr schwer in der Wagner-Stadt. Dennoch heirateten Siegfried und Winifred am 22. September 1915. Es war eine glückliche Ehe, zumal sich die beiden in menschlicher und musikalischer Hinsicht sehr gut ergänzten. Sie lernte auch Houston Stewart Chamberlain kennen, den Ehemann ihrer Schwägerin Eva, und kam somit früh in nationale und alldeutsche Kreise. Chamberlain, dessen Bücher sie mit Begeisterung las, war für sie ein geistig-weltanschaulicher Wegbereiter. Besonders sein Buch „Die Grundlagen des 19. Jahrhunderts“ gefiel ihr sehr.

Am 5. Januar 1917 wurde aus ihrer Ehe das erste Kind Adolf Wieland geboren und es folgten noch drei weitere Kinder. Diese waren Friedelind (Lebensrune.png 1918), Wolfgang (Lebensrune.png 1919) und Verena (Lebensrune.png 1920).

Weimarer Republik

Früh lernte sie durch den Musikkritiker Josef Stolzing die DAP, die Vorläuferin der späteren NSDAP, kennen. Im November 1922 unterhielten Siegfried und Winifred bereits enge Kontakte zur jungen NSDAP und gehörten bald zu den aktivsten Förderern derselben. Am 1. Oktober 1923 hatte Winifred ihre erste Begegnung mit Adolf Hitler im „Haus Wahnfried“. Der spätere Reichskanzler versprach ihr große Pläne für die Wagner-Festspiele und die Stadt Bayreuth. Hitler wertschätzte das musikalische Schaffen Richard Wagners, erachtete seine Opern als die schönsten deutsche Opern und wollte zur Pflege dieser Musik beitragen, „sobald er an die Macht“ komme. Der Putsch der NSDAP in München mißlang – Adolf Hitler kam nach Landsberg in Festungshaft. Winifred Wagner, damals 26 Jahre alt, hielt im Restaurant „Lieb“ in Bayreuth flammende Reden für Adolf Hitler und erklärte ihre absolute Treue und Loyalität zu ihm. Sie besuchte ihn in Landsberg, brachte ihm eine Schreibmaschine, bestes Schreibmaschinenpapier und Essenspakete. Durch ihre Mithilfe war die Erstellung Hitlers Buches „Mein Kampf“ erst möglich geworden.

Im Januar 1924 reiste Winifred mit ihrem Mann Siegfried nach Amerika, um die durch die Inflation 1923 finanziell angeschlagenen Wagner-Festspiele durch Spendengelder wieder zu sanieren.

Am 20. Dezember 1924 wurde zur Freude Winifred Wagners Adolf Hitler frühzeitig aus der Festungshaft entlassen. Im darauffolgenden Jahr erschien Hitler erstmals zu den Bayreuther Festspielen. Er liebte die Musik Richard Wagners; „Rienzi“ war seine Lieblingsoper. Es folgten viele Besuche bis zur Machtübertragung 1933. Der Politiker und die junge Hausherrin boten sich das vertrauliche „Du“ an und nannten sich fortan „Wölfchen“ und „Winni“. Winifred unterzeichnete auch den Gründungsaufruf des nationalsozialistischenKampfbundes für deutsche Kultur“ von Alfred Rosenberg.

Im Mai 1926 lernte sie Dr. Joseph Goebbels kennen, der dieses Ereignis in seinen Tagebüchern vermerkte. Am 4. August 1930 starb – erst 60jährig – Winifreds Ehemann Siegfried. Nun war Winifred Wagner die alleinige Herrscherin des Hauses Wahnfried und der Bayreuther Festspiele.

Drittes Reich

Adolf Hitler begrüßt Winifred Wagner vor dem Festspielhaus in Bayreuth

Am 30. Januar 1933 kam Adolf Hitler in Berlin an die Macht und dankte Winifred Wagner für ihre vormals geleistete Hilfe. Er unterstützte sie aus seinem Privatvermögen mit jährlich 50.000 Reichsmark; das Propagandaministerium erwarb 1/3 der Festspielkarten im Werte der beachtlichen Summe von 364.000 Reichsmark, da es um das Bayreuther Festpielhaus durch die Weltwirtschaftskrise von 1929 noch recht schlecht stand. Hitler wohnte mit seinem Gefolge ab dem Jahre 1933 jährlich zehn Tage in einem Gebäudeflügel des „Hauses Wahnfried“, welchen Winifred nur für ihn reserviert hatte. Sogar die geliebte vegetarische Küche, welche Hitler bevorzugte, wurde ihm in der Küche des Wagner-Hauses serviert. Bayreuth war in jenen Tagen durch jubelnde Menschenmassen geprägt, welche den Führer sehen wollten.

Die Opernaufführungen der Werke Richard Wagners erlebten im Dritten Reich einen neuen Höhepunkt. Die „Rienzi“-Overtüre wurde sogar zur Eröffnung der Nürnberger Reichsparteitage gespielt. Zu den Bayreuther Festspielen durften im Dritten Reich – auf Wunsch Hitlers – erstmals Arbeiter und Angestellte, welche sich in der damaligen Zeit ein solches Musikereignis nicht leisten konnten, im Rahmen des KdF-Programms teilnehmen.

Zweiter Weltkrieg

Mit Beginn des Polenfeldzuges im September 1939 wurde der Festbetrieb in Bayreuth nicht unterbrochen. Mit den Arbeitern und Angestellten saßen nun auch Wehrmachtssoldaten und Verwundete in den Zuschauerreihen. Die Bayreuther Festspiele erhielten fortan die Bezeichnung „Kriegsfestspiele“. Der Führer Adolf Hitler besuchte letztmals Bayreuth im Juli 1940 bei seiner Rückkehr vom Frankreichfeldzug nach Berlin. Er ließ seinen Sonderzug anhalten und wohnte der Vorführung der Wagnerschen „Götterdämmerung“ bei.

Die letzten Festspiele im Dritten Reich fanden am 9. August 1944 statt, die von Hitler und Winifred geplanten gewaltigen Umbauten des Festspielhauses wurden – leider – nicht realisiert. Winifreds Tochter Friedelind agierte von Neu York aus gegen ihre Mutter und unterstützte die VS-amerikanische Hetzpropaganda. Beim großen Bombenangriff auf die Wagner- und Kulturstadt Bayreuth am 5. April 1945 wurden große Teile des Hauses Wahnfried von den Engländern und VS-Amerikanern zerstört, darunter die Bibliothek und das Wohnzimmer Richard Wagners.

Infolge der Kapitulation der Wehrmacht am 8. Mai 1945 zogen die VS-Truppen in Bayreuth ein, sodann öffneten schwarze VS-Amerikaner den Sarg Richard Wagners und ließen Kot und Urin auf die Gebeine Richard Wagners nieder.[Quellennachweis erforderlich]

Nachkriegszeit

1947 mußte sich die nun 50jährige Winifred Wagner vor einem Spruchkammerverfahren, der sogenannten „Entnazifizierung“ „rechtfertigen“. Sie wurde am 2. Juli 1947 in die „Gruppe II“ der „Belasteten“ eingestuft. Das bedeutete die Einziehung ihres Vermögens, Berufsverbot für immer und 450 Tage „Sühnearbeit“.

Im Januar 1949 mußte sich Winifred Wagner öffentlich dazu bekennen, daß sie die weitere Fortsetzung der Wagner-Festpiele ihren Söhnen Wolfgang und Wieland überläßt. Winifred Wagner zog sich – zwangsläufig – ins Privatleben zurück, hütete das Wagnersche Archiv und traf sich mit den noch lebenden Gönnern von einst.

Am 29. Juli 1951 fanden in Bayreuth wieder Festspiele statt. Wilhelm Furtwängler, der große Dirigent, stand wieder am Dirigentenpult, aber es war nie mehr so wie damals. Winifred lebte von nun an meist in ihrem Haus in Oberwarmensteinach und kümmerte sich um ihre zahlreichen Enkelkinder. Frühere Freunde, wie z. B. Hanna Reitsch, standen zu ihr. Der große Bildhauer Arno Breker fertigte von ihr in den 70er Jahren eine Bronzebüste an.

Ende des Lebens

1977 führte der Regisseur Hans-Jürgen Syberberg mit Winifred ein großes, fast fünfstündiges Interview. Sie erzählte über ihr langes Leben und sagte über Adolf Hitler:

„Verleugnen werde ich die Freundschaft zu ihm nie, das kann ich nicht. Ich bin imstande, ich meine, vielleicht versteht man das nicht, ich bin imstande, den Hitler, den ich kenne, vollkommen zu trennen von dem, was man heutzutage ihm alles zur Last legt. Wenn Hitler plötzlich heute hier zur Tür reinkäme, ich wäre genauso fröhlich, so glücklich ihn hier zu haben, wie damals!“.[1]

Am 5. März 1980 starb Winifred Wagner, die Leiterin der Bayreuther Festspiele von 1930 bis 1945, als Ehrenbürgerin der Stadt Bayreuth.

Würdigung

Leider verkommen die Wagner-Festspiele unter der Leitung von Wolfgang Wagner von Jahr zu Jahr immer mehr, die Bühnenausstattung und die Kostüme werden immer unansehlicher, häßlicher und farbloser, die Zuschauerränge werden zur Tummelbühne dekadenter Spielsternchen und Möchtegern-Schauspieler. Im Geiste wird aber die großartige Leistung Winifred Wagners für die Deutsche Musik im Sinne Richard Wagners für immer bestehen bleiben.

Siehe auch

Literatur

  • Werner Bräuninger: „Ich wollte nicht daneben stehen ...“ – Lebensentwürfe von Alfred Baeumler bis Ernst Jünger – Essays, Ares Verlag, 2006, ISBN 978-3902475329 [Winifred Wagner ist eine der im Buch besprochenen Personen.]
  • Brigitte Hamann: Winifred Wagner oder Hitlers Bayreuth, Piper, München 2002

Fußnoten